Das Kann Ich Schon Alleine!

Kleinkinder in der Autonomiephase haben ziemlich genaue Vorstellungen von dem, was sie wollen und was sie nicht wollen. Mehr noch: Was Kleinkinder wollen, das wollen sie immer öfter ganz ALLEINE machen. Dafür stehen sie im Zweifel mit lautem Protest und vollem Körpereinsatz ein. 

Nana steckt mittendrin in diesem berüchtigten Alter, das häufig leider eher als notwendige Last, statt als ein tatsächlich wichtiger Entwicklungsschritt betrachtet wird: Das ›Trotzalter‹.

Ich mag dieses Wort nicht.

Es bewertet das Verhalten des Kindes als negativ, falsch und berechnend. Dabei ist es das nicht, zu keinem Zeitpunkt.

Von Trotz Und Mut: Ein Perspektivwechsel

Für unsere Kinder ist die Erfahrung von Selbstwirksamkeit, die Möglichkeit Nachzuahmen, zu Erfahren und eigenständig zu Handeln enorm wichtig. Im Grunde ist das Leben dieser kleinen Menschen in ihren ersten Jahren vor allem darauf ausgerichtet, sich weiterzuentwickeln, zu werden, wer sie sind UND wie wir Eltern sind, zu wachsen und zu begreifen. Das passiert neben dem ständigen Lernen beim Spielen, auch durch die gezielte Nachahmung.

Wenn meine Tochter also sieht, wie ich mit dem Messer mein Fleisch schneide, und dann selber mit dem Messer ihr Fleisch schneiden will, dann ist das für sie eine unheimlich wichtige Sache.

Ich bin jedes Mal wieder erstaunt, welche Kräfte mein Kind mobilisiert, um mich von ihrem Willen zu überzeugen, wenn sie etwas machen will, was ich als erste Reaktion ablehne. Es ist Wahnsinn, wie sich ihr kleine Körper stark macht und mit lauter Stimme verkündet ›Nein! Nana!‹.

Ist das nicht großartig?

Wie viel Mut gehört dazu, sich gegen die engsten Bezugspersonen immer wieder und wieder aufzubäumen, im Bewusstsein (Ich bin mir sicher, dieses Bewusstsein hat mein Kind) ICH könnte meine Macht jederzeit (aus)nutzen, und sie von, was immer sie will, abhalten? Ein entschiedenes N E I N reicht aus.

Und trotzdem macht Nana jedes Mal den Mund auf, wird laut und zeigt mir ihren Willen. Dabei ist sie nicht berechnend. Dafür müsste sie sich empathisch in meine Perspektive versetzen können, was sie noch nicht kann. Was sie tut, tut sie für sich: Sie wird laut und steht für sich selbst ein!

Meine Tochter wie alle Kinder da draußen.

Viele stoßen dabei auf harte, unnötige Grenzen.

Du musst zugeben, aus dieser Perspektive betrachtet, ist das ›Trotzen‹ vor allem Eins: Beeindruckend! Unsere Kinder sind starke Kämpfer. Tagtäglich.

Frust: Woher Er Kommt und Wie Wir Ihn Reduzieren Können

Die Einschränkungen, mit denen meine Tochter immer wieder konfrontiert wird, sind frustrierend.

Entgegen der vorurteilenden Vorstellung, unerzogene Kinder könnten tun und lassen, was sie wollten, kann Nana natürlich NICHT völlig frei walten. Zusammenleben funktioniert immer nur mit Rücksicht -Und solange meine Tochter nicht selber das Bewusstsein für jegliche Konsequenzen ihres Handelns haben kann, bin ICH in der Verantwortung, Nana zu begleiten, und ihr gegebenenfalls (persönliche) Grenzen aufzuzeigen. Um MEINE Bedürfnisse und Integrität zu wahren. Auch Grenzen Dritter und gesellschaftliche Normen kann und will ICH nicht übergehen, und halte meine Tochter natürlich dazu an, im Restaurant nicht unter den Nachbartisch zu krabbeln (Es sei denn, die Personen haben nichts dagegen).

Hinzu kommt der Frust über fehlende Fertigkeiten.

Die Frustration übers nicht schaffen, dessen, was meine Tochter so unbedingt ALLEINE machen will.  Und da kann dann schon mal der Schuh unvermittelt durchs Wohnzimmer fliegen, den sie alleine nicht anbekommt.

Wut.

Enttäuschung.

Zwei starke Gefühle, mit denen auch Erwachsene schwierig umgehen können. Warum erwarten wir von unseren Kindern so häufig, dass sie uns ausgerechnet in ihrer emotionalen Kontrolle voraus sind, wo wir doch alle wissen, dass Kinder im Werden sind und sich kognitiv entwickeln müssen?

Ein Kind ist immer die bestmögliche gegenwärtige Version von sich selbst. Nicht mehr und nicht weniger als das.

Meine Tochter steckt also in einer sowieso schon schwierigen, emotionalen und aufwühlenden Situation: Sie WILL und weiß, jemand könnte sie abhalten (Druck und Ohnmacht). Sie stößt immer wieder an natürliche und gesellschaftliche Grenzen (Frust). Und sie schafft auch nicht, alles was sie sich vornimmt, schafft es nicht, ihre Vorstellungen zu erfüllen (Enttäuschung). Alles das eingebettet in eine ohnehin umbrüchige und anstrengende Zeit, in der mein Kind merkt, dass sie es noch nicht immer schafft, sich zu verständigen; merkt, dass es noch viel zu lernen und verstehen gibt; und von Emotionen und Eindrücken täglich überflutet wird.

Mache ich mir diese Situation bewusst, dann ist klar, dass ich als Mutter meinem Kind diese Entwicklungsphase nicht noch schwieriger machen will. Es ist schwierig genug.

Statt mein Kind zu erziehen, ihr zu verbieten, sie zu ermahnen und ihr Verhalten zu bewerten, versuche ich, UNNÖTIGEN zusätzlichen Frust zu vermeiden. Das tut nicht nur meinem Kind gut, sondern auf Dauer auch mir.

Auf zwei Dinge kommt es mir dabei im Wesentlichen an:

  • Ich stelle keine künstlichen, erzieherischen Grenzen auf. Ich überdenke die intuitive Abwehr ihres Willen und hinterfrage MICH immer, ob es nicht doch okay ist, was sie tun will. Dazu ist es notwendig, mich mit meinen Glaubessätzen auseinanderzusetzen und Ängste loszulassen. Viele Wünsche und Ideen unserer Kinder lehnen wir als erste Reaktion ab, aber es ist meistens (solange es im Bereich unserer Möglichkeiten liegt) nichts dabei, es geschehen zu lassen. Als Nana vor Kurzem beim Spielen mit Wasser das Badezimmer flutete, weil sie unbedingt alleine kippen wollte, wollte ich sie erst umlenken, ablenken und stoppen. Aber dann ließ ich sie machen. Der Frust wäre es nicht wert gewesen, für keinen von uns beiden. Die Erfahrungen mit dem Wasserkippen waren sehr viel wertvoller für sie, und das Badezimmer ließ sich auch schnell wieder trocknen. Nana half dabei.
  • Ich reagiere nicht wütend auf mein Kind, wenn etwas ›blöd‹ läuft, und verzichte auf erzieherische Reaktionen. Was nicht heißt, dass ich ihr nicht mitteile, was mich stört! Wenn Nana also, obwohl wir das nicht wollen an die Wand im Wohnzimmer malt, dann schimpfe und mahne ich NICHT. Ich sage ihr, dass sie in ihrem Zimmer malen kann, dass ich das an der Wand dort nicht will. Ich nehme sie gegebenenfalls hoch, und/oder ihr kurzzeitig den Stift ab (Wichtig: Entschuldigen, Erklären und wieder Zurückgeben!). Ich begleite ihren Frust, zeige Verständnis für ihren Einfall (!), und gehe mit ihr ins Kinderzimmer, um dort weiter zu malen. Und dann schaue ich halt, wie sich das Schlamassel im Wohnzimmer beseitigen lässt. Ich gebe aber meinem Kind nicht die Schuld, nicht das Gefühl, das ihr Handeln unsere Beziehung erschüttert. Ich begegne ihr nicht mit Wut und Ablehnung. Es ist nur eine Wand. Oft ist es nur das: eine Sache oder Idee.

Druck erzeugt immer Gegendruck. Begegnen wir unserem Kind mit Erziehung, reagiert unser Kind mit Auflehnung oder Rückzug, je nach Veranlagung.

Wenn Nana etwas ALLEINE machen will, dann lasse ich das soweit möglich zu.

Ich überlege immer, ob es wirklich notwendig ist, sie von ihrem Vorhaben abzuhalten (Gefahren), ob mein Beweggrund wichtiger ist als ihrer und den Frust wert. Zum Beispiel will Nana regelmäßig Tee selber machen, sie löffelt dann Krümeltee in einen Becher und kippt Wasser darüber. Ehrlich: Manchmal nervt mich ihr Vorhaben. Es passt gerade nicht, weil wir eigentlich los wollen, oder ich habe keine Lust auf verkipptes Wasser in der Küche. Letztendlich lasse ich sie in den meisten Fällen aber machen. Zehn Minuten später loszugehen, ist in den wenigsten Fällen wirklich problematisch, und das Aufwischen geht auch schnell. Der Erfolg für Nana, ihr Lernen und der stolze Schluck Tee, den sie im Anschluss trinkt, haben einen deutliche MEHRWERT gegenüber meiner Unlust.

„Du Das“ Der Kindliche Befehlston

Gerade ist Nana auch in dieser Phase, in der sie vor allem im gemeinsamen Spiel (teilweise auch außerhalb des Spielens – Aber ist nicht alles Spielen für ein Kleinkind?), zu dem sie mich erst auffordert, plötzlich doch alleine agieren will, oder mir genau sagt, was ich tun und lassen soll.

Halte ich mich nicht daran, wird sie wütend.

Ich soll mitpuzzeln und dann nimmt sie mir doch das Puzzelteil ab und besteht nachdrücklich darauf, ohne Hilfe zu puzzeln. Dann gibt sie mir ein anderes, sagt wohin, und nimmt es mir wieder weg. Sie kommentiert dabei genau, was wer tun oder lassen soll.

Was ich mache? Ich nicke und sage ihr, dass ich zuschaue, oder frage nach, was ich tun soll. Ich gehe also auf ihr Spiel, ihr Befehlen und Bestimmen ein. – Wenn es nicht gerade völlig unpassend oder unmöglich ist, tue ich das auch außerhalb des für mich bewussten Spielens. Dann setze ich mich eben auf den anderen Stuhl. Was soll’s.

Aber: Das ist manchmal wirklich schwierig auszuhalten. Dann kommen automatisch negative Emotionen hoch, das Gefühl bevormundet zu werden. Ich lese in Elterngruppen manchmal, das Eltern sagen ›sie würden sich vom Kind doch nicht rumkommandieren lassen‹ wollen. – Verstehe ich. Für mein Kind ist diese Form der Machtausübung und Wirksamkeit aber eine wahnsinnig wichtige und vermutlich auch befreiende Aktion.

Im Spiel (vor allem da) kann sie auf diese Weise die Macht, die sie sonst nicht hat kompensieren, in dem sie MIR sagt, was geht und was nicht geht. Was ich tun, und was sie tun kann.

Das frustriert zuweilen MICH, aber nicht anders geht es Nana, wenn ICH IHR sage, dass mit dem scharfen Messer nicht schneiden soll. Mehr als das. Seien wir mal ehrlich: Für meine Tochter sind die Einschränkungen, die ihr begegnen deutlich weltbewegender, als die Ansagen meiner Tochter im Spiel für mich es jemals sein könnten.

Also spiele ich ihr Spiel mit und gebe ihr ein bisschen Macht zurück.

Ich gebe ihr damit nicht vornehmlich bloß ihren Willen. Ich tue etwas viel wertvolleres: Ich zeige meinem Kind, dass sie ein eigenständiger, ein ernstgenommener und (selbst)wirksamer Teil unserer Familie ist. Ich zeige ihr, dass sie AUCH entscheiden und bestimmen kann. Ich glaube, es ist wichtig unseren Kindern diesen Spielraum zu geben. Ja ich glaube sogar, dass ein Kind auf Dauer besser mit seiner Ohnmacht umgehen kann, wenn es erfährt, dass es auch Macht ausüben, auch Entscheidungen treffen KANN. Wobei es hier immer auch um die Dringlichkeit des Wollens und die emotionale/kognitive Reife geht. Meinem Kind ihren Willen zu geben, auch dann wenn ich manchmal lieber (aber nicht notwendigerweise!) verneinen würde, betrachte ich also als überhaupt nicht als falsch, sondern als total wichtig für ihre Psyche!

Der Impuls Abzulehnen Und Strategien, Das Zu Ändern

Es ist nicht immer einfach angemessen zu reagieren, wenn das Kind alleine machen will. Gerade bei kleinen Kindern in Kombination mit selbstgewählten, noch nicht schaffbaren Aufgaben.

Zum Beispiel will Nana gerne ihre Socken alleine anziehen, klappt aber nicht. Aktuell befinden wir uns noch sehr weit weg von einer guten Technik und es endet JEDES MAL damit, dass ich ihr die Socken anziehe. Bis zu diesem Punkt müssen wir aber erst kommen, und das kann ganz schön nervenaufreibend FÜR MICH sein – Schließlich ahne ich ja schon, dass ich helfen muss und will es deswegen am liebsten gleich selber machen.

Bei mir ist es meist diese ziemlich sichere Ahnung des Scheiterns meiner Tochter, die mich dazu verleitet, ihr vorschnell zu helfen, sie zu korrigieren und anzuleiten, statt ihrem Wunsch es ALLEINE zu machen nachzukommen. Das passiert mir oft. Mindestens einmal täglich, und ich bekomme es mit einem wütenden Kind quittiert, das mir sehr klar zeigt: Nimm deine Griffel weg, ICH will das machen. Das kann ich schon ALLEINE!

Ich werde dann ungeduldig, und manchmal kommt noch echter Zeitdruck dazu, wenn ich den Zug kriegen will (Dann gilt es wieder abzuwägen!). Oder ich will den möglichen Schaden begrenzen, lieber beim Wasser einschütten assistieren, damit nicht zu viel daneben geht. Manchmal habe ich auch Angst, dass sie sich weh tun könnte, wenn sie zum Beispiel etwas schneiden oder beklettern will – die meisten Gefahren sind aber mit Abstand betrachtet viel weniger akut, als wir uns das als Eltern manchmal einreden. 

In den meisten Fällen sind unsere elterlichen Befürchtungen eher hinderlich als förderlich für die kindliche Entwicklung. Ein Hinweis darauf ›vorsichtig‹ zu sein, ist sicher nicht verkehrt, mache ich auch, aber die permanente Wiederholung der Gefahr, kann dazu führen, dass ich mein Kind eher ablenke, weil es mir natürlich zuhören will, als dass sie konzentriert und tatsächlich vorsichtig ist. Außerdem kann ich mir nur schwer vorstellen, dass es das Selbstbewusstsein stärkt, wenn ein Kind immer wieder hört, was es falsch machen KÖNNTE.

Die Vorhaltung und das Eingreifen suggerieren dem Kind: ›Ich werde es alleine nicht schaffen. Ich bin nicht gut genug.‹

Das will ich meinem Kind nicht vermitteln. Also verzichte ich, so gut ich kann, auf ›befürchtende‹ Kommentierungen. Das gilt nicht nur für potenziell gefährliche Situationen. Auch beim Wasserkippen ersetze ich das vorahnende ›pass aber auf, dass nicht alles daneben geht‹, lieber mit einem positiven, motivierenden: ›kipp es dort rein.‹

Wichtig ist es unseren Kindern zu vertrauen.

Ihnen ZUZUTRAUEN, dass sie, was sie sich Vornhemen auch schaffen können, und uns bewusst zu machen, dass sie nur lernen können, wenn wir ihnen die Möglichkeit dazu nicht absprechen, weil WIR Angst haben oder ungeduldig sind.

Das ist leichter gesagt, als getan. Ich weiß. Ich arbeite auch dran.

Wie können wir entspannter mit dem ›Das kann Ich Schon ALLEINE‹ umgehen? Ich habe mir eine Liste mit Strategien zusammengestellt, die mir hilft, wenn ich ungeduldig werde:

  • Erstmal Durchatmen. Das ist eigentlich immer DER beste Ratschlag, den ich geben kann, so simpel er klingt. Atmen heißt: Einen Augenblick in mich kehren und die Wut/Genervtheit/Ungeduld neutral betrachten. DANN kann ich hinterfragen. WILL ich wirklich dringend eingreifen? Gibt es einen echten, wichtigen Grund?
  • Kontrolle und Kommandos im Spiel (und Alltag) durch meine Tochter nehme ich am einfachsten an, indem ich mir immer bewusst mache, dass Nana mich nicht ärgern will. Sie übt ihre Selbstwirksamkeit und kompensiert die eigene Ohnmacht.
  • Für bekannte Situationen, in denen mein Kind regelmäßig ALLEINE etwas schaffen will, plane ich nach Möglichkeit mehr Zeit ein. Zum Beispiel fürs Anziehen. Da stehen wir grad noch am Anfang. Das wird aber in Zukunft vermutlich eine der wichtigsten Strategien. Mein Kind kann nichts für den Zeitdruck, und sie kann auch nicht die Verantwortung dafür übernehmen, also muss ICH besser planen. Wenn ich weiß, mein Kind will sich alleine die Schuhe anziehen und braucht dafür Zeit, dann kann ich früh ankündigen, die Schuhe anzuziehen. Sie könnte zB auch schon Schuhe anziehen, und dann nochmal spielen,
  • Wenn Nana etwas ALLEINE machen will, nehme ich mich dabei bewusst zurück. Wenn es mir schwer fällt ihr zuzusehen, zum Beispiel weil sie die Eierschale in Ministücken abpellt und ich am liebsten dazuhechten und es selber machen will, wende ich mich ab, um meinen Stress zu reduzieren. Das kann sich darin äußern, dass ich tatsächlich kurz in die Küche gehe, oder ich wende mich gedanklich ab. Das hindert mich auch daran, zu viel zu kommentieren, und meine Tochter im Flow zu stören. Wenn sie mich braucht, bin ich natürlich da.
  • Statt einzugreifen, wenn ich sehe, dass sie etwas nicht hinbekommt oder ich sehr sicher weiß, dass sie es nicht schaffen wird, biete ich ihr meine Hilfe offen an: »Sag, wenn ich dir helfen kann!« So zeige ich meinem Kind, dass ich da bin, aber ich nehme ihr nicht vorab den Mut und die Motivation, es schaffen zu können. Außerdem reduziere ich damit automatisch übergriffiges Einschreiten, indem ich Hilfe ankündige. Ein Nein muss bei einer Frage natürlich akzeptiert werden. Meistens reagiert Nana auf dieses Angebot nach ein paar eigenen Versuchen selber. Wenn sie meine Hilfe dann einfordert, kommt es selten zu Frust.
  • Wenn Nana nicht vorankommt, aber auch KEINE Hilfe will, passiert es manchmal, dass sie weint und meckert und sich in einen Wutanfall steigert. Auch hier greife ich nicht einfach in ihr scheiterndes Vorhaben ein, sondern begleite sie verbal. Ich spreche ihr dann zu, verbalisiere ihren Frust, und  lenke gegbenenfalls um, wenn sie meine Hilfe weiterhin ablehnt: »Lass uns jetzt erstmal etwas anderes machen!« Wichtig: Ich lasse dabei die Option offen, es nochmal zu versuchen.

Es ist viel elterliche Geduld notwendig, wenn das Kind beginnt, ›alleine‹ machen zu wollen.

Die Autonomiephase ist nicht einfach, weder für Eltern noch für Kinder.

Natürlich reißen auch mir manchmal die Geduldsfäden. Das passiert und ist kein Grund sich schlecht zu fühlen. Wenn ich vorschnell eingreife und an der Reaktion meiner Tochter merke, dass meine Hilfe tatsächlich übergriffig, statt förderlich war, dann entschuldige ich mich. Ich erkenne dann MEINEN Fehler und gebe ich das Ruder zurück.

Es geht nicht darum permanent nach Idealvorstellung zu handeln, das geht es niemals, sondern um eine offene, positive Grundstimmung für die wachsende Eigenständigkeit des Kindes. Mein Kind will mir nichts Böses, sie will mich nicht ärgern, sie will immer nur etwas FÜR SICH tun: Und das ist im Moment Eigenständigkeit.

Wenn wir es schaffen unsere Perspektive aufs Kind zu verändern, und statt des ›trotzenden‹ Kindes, ein lernendes, wachsendes Kind in emotionaler Not zu sehen, dann gelingt es UNS, empathisch und angemessen zu reagieren. Was mein Kind tut, ist nie das Problem. Wichtig ist, wie ich darauf reagiere. Das macht unsere Beziehung aus. Xx Fiona

Ein Kommentar

  • Fiona Lewald

    von der alten Domain unverbogenkindsein.com übernommen

    Von: Anna
    30.01.2018 um 17:21

    Schade, dass es nicht mehr Mütter wie dich gibt!
    Ich mag deine Art zu denken und wie du deinen Umgang mit deinem Kind gestaltest!
    Ich bin da ganz ähnlich.
    Ich überlege mir halt, welchen Kampf ich kämpfen will.
    Läuft bei uns super.

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