Hauen, Beißen, Haare Ziehen: Kleinkinder Verstehen Und Liebevoll Begleiten

Als Nana mich das erste Mal bewusst biss, standen wir an der Straße und wollten Spazierengehen. Ich erinnere mich noch sehr genau daran. Nana war gerade etwas über ein Jahr alt und lief erste Strecken draußen an der Hand. Wir standen auf dem Gehweg vorm Haus. Nana wollte auf die Straße laufen, ich hielt sie zurück, sie wandte den Kopf hoch und biss mir in die Hand, die sie festhielt. Eine klare Aufforderung eines kleinen Menschen: ›Lass mich los! Ich will dort lang!‹

Dieser Situation folgten weitere. Zum Beißen kam Hauen, gelegentlich Kneifen und Haare ziehen dazu.

Die Anfänge Von Kommunikation

Schon vorher hatte Nana manchmal zugehauen oder mir die Haare gezogen. Es war ihr im Spiel passiert, mal beiläufig, mal aus Neugier konzentriert, aber nie ließ sich dabei eine (für mich erkennbare) Absicht erahnen, ein Ziel, das Nana erreichen wollte, oder eine Emotion, der sie damit Ausdruck verlieh. Ich reagierte maximal mit einem ›Uups! Autsch!‹, und wir spielten weiter.

Nun plötzlich biss und haute meine Tochter mich gezielt. Nicht berechnend, bestimmt auch nicht immer bewusst, aber sie drückte damit nun etwas aus. Hauen wurde ein Fordern. Ein Wüten. Ein Mittel, sich auszudrücken. Zu Kommunizieren.

Etwas auf das ich reagieren wollte.

Das erste Mittel, mit dem mein Kind mir zeigte: Ich will das nicht! Oder: Ich will etwas anderes! Ein körperliches, impulsives, emotional gesteuertes Mittel, denn sprechen konnte sie noch nicht. Das Problem: Immer öfter, tat es richtig weh.

Das stellte uns vor eine gänzlich neue Herausforderung. Wie sollten wir angemessen reagieren und unsere persönlichen Grenzen wahren, ohne unsere Tochter zu erziehen? Da wir selbst es oft nicht anders erlebten und mitbekommen, liegen die erzieherischen Methoden als erster Impuls meistens am Nächsten. Bestimmt Nein sagen, streng gucken und das Kind wegsetzen, oder Ignorieren waren in diesem Fall solche Impuls, aber verbunden fühlte sich das nicht an, und schied für uns eigentlich sofort aus.

Kindliches Verhalten Verstehen

Die erste und wichtigste Erkenntnis: Nana wusste überhaupt nicht, dass sie uns wehtat!

Erst allmählich spricht meine Tochter manchmal davon, dass jemand anderes AUA hat (z.B. ein Kuscheltier, das ihr herunterfällt). Das hat aber weniger mit echtem Verstehen, als mit Auswertung von Erfahrungen zu tun. Wenn Papa oder ich eine Wunde habe, dann sagt sie zwar, dass wir ein AUA haben, weil sie das von sich kennt, davon abgesehen ist Schmerz aber noch immer ein abstrakter Begriff für mein Kleinkind, den sie in Bezug auf sich selbst, zwar benennen kann, aber dort hört es dann eben auch schon wieder auf. – Wenn ich ihr sage, dass es mir weh tut, wenn sie meine Haare feste zieht, dann reagiert meine Tochter meistens mit einem ›Nein Mama Aua‹.

Und: Sie meint das Ernst.

Was Nana tut, ist kein Weh Tun WOLLEN. Kein berechnendes Verhalten, wie es Kindern leider häufig unterstellt wird. Überwiegend, wenn nicht sogar immer, handeln Kleinkinder zum reinen Selbstzweck: Was sie tun, das tun sie ganz für sich; sei es als Ventil, als Kommunikation, aus Forscherdrang. Sie begreifen Ursache und Wirkung, probieren ihre Selbstwirksamkeit und handeln nach und nach gezielter.

Jedes Kind verschieden schnell.

Was Nana, wie allen Kleinkindern in ihrem Alter aber noch fehlt, sind Empathie und die Fähigkeit zum Perspektivwechsel, die sich erst um das fünfte Lebensjahr ausbilden. Nana versteht zwar inzwischen rein theoretisch, was Schmerz ist und wie sich das FÜR SIE anfühlt, aber sie kann sich noch nicht in andere Personen hineinversetzen, geschweige denn logisch oder empathisch nachvollziehen, das IHRE Handlung jemand anderem weh tun KANN – Schließlich ist DAS ja auch überhaupt nicht ihre Intention.

Fehlende Empathie lässt ein Kleinkind am Anfang seiner kognitiven Entwicklung im Glauben, Eins mit seiner Welt sein: Wenn es selber keinen Schmerz empfindet, so denkt es, empfindet niemand auf der Welt Schmerz.

Macht es Nana also Spaß, Mama an den Haaren zu ziehen, dann muss das Mama auch Spaß machen. Tut es Nana nicht weh, auf Papas Bauch zu springen, dann kann Papa das auch nicht weh tun. Anderes Beispiel: Meine Tochter spielt manchmal mit mir Spiele nach ihren Regeln. Sie zeigt dann ganz genau, wer sich zum Beispiel wo hinstellen und wo lang laufen soll. Beim dritten Mal verändert sie die Regel unerwartet, und wütet schrecklich, weil ich ihren neuen Einfall NICHT umsetze – Von dem ich aber gar nichts wusste. Kennt ihr? Dahinter steckt eine simple kindliche Logik: Wenn SIE sich eine neue Spielregel ausdenkt, dann muss ICH das doch automatisch auch wissen. Dass ich ihre Pläne nicht kenne, weil wir unabhängig voneinander denken und fühlen, ist ihr einfach noch überhaupt nicht bewusst. An solchen Situationen merke ich aktuell sehr oft, das Nana anders denkt, als ich, und schaffe es, mir das immer wieder klar zu machen.

Das ist für uns, die wir diese kognitive Entwicklung längst abgeschlossen haben, nämlich natürlich ein völlig seltsamer Gedanke. Unsere Erwachsenenperspektive macht es uns schwierig, angemessen zu reagieren.

Hinzu kommt dann in vielen Fällen auch noch die fehlende Impulskontrolle, wenn Nana aus Wut oder Frust (oder großer Freude) handelt.

Wichtig ist es deswegen, sich nicht von der Handlung, also dem Hauen, Beißen oder Ziehen, mitreißen zu lassen, sondern achtsam auf die Gründe zu schauen: Auf das Bedürfnis oder den Wunsch, der hinter dem Verhalten steckt. Schaffe ICH es, den Grund zu erkennen und zu reflektieren, dann kann ich meistens auch mit der äußeren Handlung angemessen umgehen.

Gewalt Ist Keine Lösung: Kinder Gewaltfrei Begleiten

Ich lese leider oft, wie Eltern, die im Umgang mit ihrem hauenden Kleinkind Rat suchen, von anderen Eltern ans Herz gelegt wird, dem Kind -selbst schon Babys!- im Gegenzug Gewalt anzutun: schimpfen, tadelnd ins Nebenzimmer setzen und ignorieren (Liebesentzug!), zurückhauen und zurückbeißen.

Ehrlich, mir kräuselt sich bei diesen total ernst gemeinten Tipps jedes Mal alles zusammen.

Die Idee »Gleiches mit Gleichem« zu vergelten ist nie so wirklich ideal, das sollte jeder wissen, und im Umgang mit Kindern mMn schon mal überhaupt nicht. Wie kann ich denn als Mutter meinem Kind beibringen wollen, NICHT zu hauen, indem ich genau das tue: Es hauen? Das ist nicht nur Paradox, sondern auch total erschreckend. Und da ist es auch egal, ob der Klaps als Echo -nach Meinung der Eltern- überhaupt nicht wehtut (Frage: Wie sollte es dann nützen?). Schimpfen und Ignorieren tragen ebenso wenig in irgendeiner Weise zum V e r s t e h e n bei. Alle drei Methoden schüchtern ein, nehmen dem Kind den Wind aus den Segeln und verneinen dessen Gefühle. Sie lassen das Kind unbegleitet zurück. Ich will hier gar nicht behaupten, dass das nicht funktionieren kann. ABER: Strafen greifen immer auf das Erzeugen von Schuldgefühlen und Verlustängsten zurück, um das Kind gehorsam zu machen. Vermittelt wird: ›Dein Gefühl ist falsch, deinen Versuch zu kommunizieren WILL ich nicht verstehen. So bist DU nicht gut. Und ich bin erst wieder da für dich, wenn du ANDERS bist.‹

Wollen wir das? Wollen wir SO mit unseren Kindern in Kontakt treten? Und wenn wir das tun: Wie können wir überzeugt behaupten, das schade doch nicht? Natürlich schadet das! Immer in diesem Moment, und in vielen Fällen nachhaltig. Es schadet dem Selbstbild, das wir unserem Kind prägen.

Wenn Nana haut, beißt oder mir an den Haaren zieht, dann ist es mir wichtig, immer authentisch UND gewaltfrei zu reagieren.

Meine erste Reaktion kann sehr unterschiedlich ausfallen. Meistens sage ich leise AUA, wenn überhaupt – Eher wehre ich das Hauen vorsichtig mit dem Unterarm ab, nehme ihre Hände sanft, aber bestimmt von meinen Haaren, oder stehe kurz auf, wenn ich das akute Bedürfnis habe mich zu schützen. Je nach Situation schiebe ich Nana aber auch mal sanft von mir runter und schnaube, und zeige deutlich „Das geht MIR jetzt gerade einen Schritt zu weit. DAS will ICH nicht!“.

Nana soll mich kennenlernen, wie ich WIRKLICH bin; wo MEINE Grenzen liegen – Und manchmal bin ich natürlich auch einfach genervt, wenn sie kommt und mir an den Haaren zieht.

Selbstschutz ist mir enorm wichtig.

Ich möchte keine Schmerzen aushalten müssen -Genausowenig wir mein Kind sich gefallen lassen soll, wenn jemand ihr weh tut. Aber: Ich zeige ihr, dass man sich gewaltlos schützen kann. Ich zeige: ›Stop, das mag ich nicht.‹ Mein Aufstehen oder sie Runtersetzen ist dabei nicht gleichzusetzen mit Weggehen und strafend Ignorieren. Ich halte dabei Blickkontakt, bin da und rede mit meinem Kind. Ich bleibe in Beziehung. Ich sage ihr, was mir unangenehm ist, und dann setze ich mich wieder zu ihr und wir können wieder kuscheln und weiter spielen. Meistens passiert das eine in einer fließenden Bewegung mit dem nächsten. Ich setze sie runter, um mich zu schützen, aber dabei hocke ich mich schon wieder mit auf den Boden zum Spielen. Ich weiß nicht, ob man sich gut vorstellen kann, wie ich das meine.

Wichtig ist mir außerdem die Wortwahl, die Art und Weise, WIE ich mit Nana in solchen Momenten rede.

Ich lege viel wert darauf, dass sie sich nicht verurteile, sondern meine Emotionen, meine Sicht kommuniziere. Also formuliere ich überwiegend Ich-Botschaften und vermeide es Nana als Person negativ zu bewerten. Stattdessen betone ich deutlich, dass die Handlung mir unangenehm ist. Die Handlung finde ich blöd. Nicht mein Kind.

›DAS tut mir weh. DAS mag ich nicht.‹, statt ›DU tust mir weh. DICH mag ich so nicht.‹ Das ist in der Aussprache ein feiner Unterschied, aber in der Bedeutung ein wahnsinnig großer.

Die Worte, die wir wählen, und die Emotionen, die wir darin transportieren, sind überhaupt nicht unwichtig im Umgang mit unseren Kinder, finde ich. Falsche Worte können so viel auslösen und das Selbstbild negativ prägen.

Wiederholt zu hören, dass ein Verhalten unangemessen ist, lässt mich auf Dauer das Verhalten vielleicht umdenken – Wiederholt zu hören, dass ICH schlecht bin, lässt mich an mir selbst zweifeln, und macht mich mit großer Wahrscheinlichkeit traurig und wütend. Bei Erwachsenen/ Heranwachsenden nennen wir das Stigmatisierung. Bei Kindern Erziehung. Ich frage dich: Warum? Was ist an dem einen legitimer, als an dem anderen?

Erkennen – Begleiten – Alternativen Anbieten

Nach der ersten Reaktion, stellt sich unweigerlich die Frage, wie mit dem Hauen und Beißen langfristig umgegangen werden kann: Unkommentiert stehen lassen, hinnehmen und das Ende der Phase abwarten? In manchen Fällen tue ich das tatsächlich genau so. Wenn Nana einmal kurz zupatscht, weil etwas doof ist und sie dann weiterspielt, mache ich daraus keinen Akt.

Manchmal verzichte ich sogar darauf, zu erwähnen, dass mir das Wehtut. Manchmal frage ich „Warum?“, bekomme keine Antwort, und lasse das so stehen.

In vielen Fällen bleibt es aber nicht bei einem beiläufigen Hauen, oft steckt mehr dahinter, oft WILL mein Kind kommunizieren und verlangt eine Reaktion. Es liegt dann an uns die Situation gewaltfrei und achtsam zu begleiten. Vorbild zu sein, Grenzen zu wahren und Verständnis zu zeigen.

In jedem Fall gilt: Das Hauen und Beißen als gerade die bestmögliche Handlung meiner Tochter anzunehmen. Wenn sie haut, dann weil sie nicht anders kann, weil gerade dieses Mittel IHR bestes Mittel zum Ausdruck ist. Mit dieser Grundeinstellung fällt es mir meistens nicht schwer ruhig zu bleiben.

1) Wut und Frustration: In erster Linie haut und beißt Nana, wenn sie wütend ist, frustriert oder etwas ganz bestimmtes will, von dem sie merkt, dass wir es nicht zulassen. Da hilft erstmal nur eines: Verständnis zeigen. Wenn möglich, den Grund erkennen und lösen, und wenn das aus welchem Grund auch immer gerade nicht geht: Begleiten, verbalisieren und die Emotionen gemeinsam durchstehen. Wenn ich kann, weil es mir nicht sehr wehtut, mich gerade nicht kränkt oder andere Emotionen auslöst, die mich hindern, UND ich merke, wie sehr Nana das Hauen als Ventil gerade braucht, lasse ich es teilweise auch zu. Mit der flachen Hand ihr Hauen abzufangen, ist hierbei zum Beispiel ein guter Weg für mich geworden. Oder ich wende kurzzeitig das Gesicht ab, um mich zu schützen. Oft ebbt die Wut nach ein paar mal Hauen wieder ab, viel schneller, als wenn ich als Antwort noch mehr Druck aufbauen würde. Nur ein paar Mal hatten wir diese Situation extrem. Meistens hilft es hier schon zu verbalisieren. Wenn Nana aufnahmefähig war, bot ich ihr anfangs außerdem häufig Alternativen an, sich auszudrücken. ›Du bist gerade richtig doll wütend, habe ich Recht? Willst du hier in das Kissen hauen?‹ Auch mit den Füßen stampfen, auf den Boden trommeln, oder (zusammen) laut ›Nein‹ schreien, kann vielleicht helfen. Es gibt viele Möglichkeiten. Bei Nana funktionierte in manchen Situationen auf den Boden oder einen Gegenstand trommeln ganz gut, aber es lenkte sie eher nur von ihrer Wut ab. Sie eignete sich nie eines dieser Mittel an, um sich damit bei Wut auszudrücken. Heute benutze ich diese Umlenkungen nicht mehr, oder nur sehr selten.

2) Aufmerksamkeit, Liebesbisse oder Spielaufforderung: Während eine körperliche Sprache für Wut vermutlich für die meisten Eltern noch intuitiv nachvollziehbar ist, und sie ihre Kinder dabei eher begleiten können, ist dieser zweit Fall etwas schwieriger, finde ich. Dabei ist es gar nicht ungewöhnlich, dass Kleinkinder aus ›heiterem Himmel‹ hauen oder beißen. Gerade bei ganz kleinen Kindern kennen wir zum Beispiel die sogenannten Liebesbisse. Natürlich: Der Gedanke mit einem Biss begrüßt, oder mit einem Hauen zum Spielen aufgefordert zu werden, ist wirklich nicht sehr romantisch. Wir müssen uns immer wieder bewusst machen, dass unsere Kinder sich noch nicht anders ausdrücken können. Kleinkinder finden im körperlichen Ausdruck ihr erstes Kommunikationsmittel, können dann weder ihre Kräfte noch deren Wirkung beim Gegenüber einschätzen, und aus der liebevollen, zugewandten Annäherung wird dann häufig eben ein Beißen. An UNS -nicht an unserem Kind- liegt es dann, diese Kommunikation zu verstehe, statt sie zu verurteilen. Wenn Nana kommt, mich freudig quiekend in Gesicht haut und spielen will, dann sage ich ihr zwar, dass mir DAS weh tut und ich DAS nicht möchte, aber ich melde ihr AUCH zurück, dass ich sie verstehe. Ich verbalisiere ihr Anliegen und zeige ihr andere Möglichkeiten sich auszudrücken: Kitzeln statt Hauen zum Spielen. Kuscheln statt Beißen zum Liebe zeigen. Und dann: Spielen, Kuscheln und Aufmerksamkeit schenken. Statt ignorieren, statt zurechtweisen und langer Erklärungen, erfülle ich meinem Kind ihr Bedürfnis. So einfach. So schwierig. Der Gedanke, dass ich das Hauen bei meiner Tochter damit POSITIV verstärken würde, ist mMn verkehrt. Ich reagiere durchaus authentisch. Ich mache aber keinen Kampf daraus. Ich mache die Ausdrucksweise meines Kindes, nicht zu ihrem Nachteil, sondern gehe auf das dahinter stehende Bedürfnis ein. Ich zeige meinem Kind: „Ich mag DAS nicht, ABER ich verstehe dich und lasse dich nicht damit ALLEINE.“

Ein sensibler weiterer Fall ist außerdem das Hauen als Kontaktaufnahme mit anderen Kindern, oder als Reaktion auf andere Kinder.

Es kam tatsächlich noch nie vor, dass Nana nach einem anderen Kind _bewusst_ geschlagen hat. Sie geht generell eher weniger in Interaktion mit anderen Kindern, von daher kann ich diese Möglichkeit nur theoretisch betrachten. Auf jeden Fall würde ich das andere Kind immer schützen, dafür meines ggf. aus der Situation nehmen oder umlenken, und ihr erklären, dass die dritte Person das nicht möchte. Bei dem anderen Kind – und den Eltern – würde ich mich entschuldigen. Alles weitere würde die konkrete Situation zeigen müssen: Gründe erkennen, Bedürfnisse einander vermitteln und lösungsorientiert handeln.

Wie gut das im Einzelfall funktioniert, hängt von vielen Faktoren ab.

Aber: Egal, warum meine Tochter haut, wichtig ist mir immer, es als den derzeitigen bestmöglichen Ausdruck meines Kindes anzunehmen, und ihr ihre Emotionen nicht abzusprechen. Sie will MIR nicht wehtun, sie will sich ausdrücken. Sie braucht meine Hilfe, mein Verständnis, keine Verurteilung.

Meilenstein Spracherwerb

Als diese Thematik bei uns richtig ins Rollen kam, war Nana etwa ein Jahr alt. Schon damals berichtete ich von unserem Umgang mit dem Hauen und Beißen in diversen Elterngruppen, und mehr als einmal begegnete ich einer VORurteilenden Belehrung durch andere Eltern: Mein Kind würde niemals lernen, dass das Verhalten falsch ist, wenn ich sie nicht dafür bestrafe.

Mir wurde mehrfach prophezeit, dass Nana aggressiv werden und das Hauen beibehalten würde, besonders wenn wir ihrer Spielaufforderung nachgehen.

Was soll ich sagen? Nana ist jetzt zwei Jahre alt.

Sie beißt nicht mehr. So richtig wütendes Hauen passiert ihr nur noch bei starken emotionalen Ausbrüche, die sie aber derzeit auch nur selten hat. Insgesamt ist meine Tochter eher ausgeglichen, was am Charakter liegen kann, und wir kommen mit ruhigem Sprechen sehr weit bei ihr.

Liebesbisse sind Küssen gewichen.

Was das Spielen angeht: Gelegentlich tritt sie beim Toben um sich, sie trommelt mir auf den Rücken oder zieht mir an den Haaren, und gerade heute hat sie beim Spielen mal wieder grinsend nach mir gehauen. Ich antwortete mit einer monstermäßigen Kitzelattacke. Wir lachten und freuten uns und waren einander verbunden. – Alles das bewegt sich in einem annehmbaren Rahmen und ich habe nicht das Gefühl ein in irgendeiner Weise aggressives Kind zu haben. Im Gegenteil: Nana ist wild und manchmal etwas übermütig, aber wenn wir sie darum bitten, hört sie mit Hauen und Haare Ziehen mittlerweile auch ohne Probleme damit wieder auf. Wir müssen keine Kämpfe deswegen führen.

Wir gehen sehr entspannt durch diese Zeit, und wenn ich ehrlich sein soll, fühlt es sich nicht schwierig für mich an, mit diesen Situationen umzugehen. Wie wir Reagieren und Empfinden, hat doch oft viel mehr mit unserer Einstellung zu tun, als mit den Dingen selbst.

Uns geht es gut mit dieser Thematik.

Ich bereue unsere Art und Weise damit umzugehen in keinem Augenblick.

Nana ist sprachlich mittlerweile schon ziemlich weit, muss ich an dieser Stelle vielleicht erwähnen. Das Hauen/Beißen vor allem als Ausdrucksmittel bei Frust ging parallel zur Sprachentwicklung stark bei ihr zurück. Meine Tochter hat ein anderes Mittel gefunden sich auszudrücken: Sie spricht mit uns.

Es zeichnet sich jetzt schon ab, dass sie mindestens genauso gerne und leidenschaftlich diskutiert, wie ihre Mama. Das macht es nicht einfacher, aber das behauptet ja auch keiner. Xx Fiona

Vor kurzem habe ich übrigens einen interessanten Beitrag auf dem Gewünschtestes Wunschkind Blog entdeckt, der sich mit agressivem Verhalten bei Kindern älter als Drei Jahren auseinandersetzt. Schaut doch mal rein!

2 Kommentare

  • Wow! Ein toller Artikel!

    Es fällt mir auch immer wieder auf, wie solche Handlungen von Kleinkindern als Aggression gedeutet und schwer bestraft werden von einigen Eltern.
    Oder, wenn tatsächlich Aggression dahinter steht, bei älteren Kindern, dass dies ein absolutes Tabu ist: Aggression ist ein Gefühl, das ein Kind nicht haben DARF. Eine schlimme Entwicklung.
    Ich finde es toll, wie du uns in die Gedanken- und Lebenswelt eines Kleinkindes hineinträgst. Danke dafür!

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