Mach Mal Pause! Ausbruch Aus Dem Nervkreislauf

Mach mal Pause! Denn seien wir mal ehrlich, Mamasein ist anstrengend. Machen wir uns nichts vor: So wunderschön es ist, es macht auch wahnsinnig müde. Und dafür muss ich gar nicht davon anfangen, breitzutreten, wie die Vereinbarung von Studium (oder wahlweise Beruf), Mamasein und Haushalt funktioniert: Nämlich meistens wenig bis gar nicht gut. Darum soll es hier aber nicht gehen. Es reicht schon, sich auf das Mamasein an sich zu beschränken, finde ich. — Das Dasein, Hüten, Bespaßen und Erklären. Das Gesundpflegen und Trösten. Das Abenteuererleben, Toben, Entdecken und Helfen. Oder das nicht Helfen und Gedulden. Das alles macht wirklich müde!

Schon mit einem Kind stoße ich oft an meine Grenzen. Nicht auszudenken, wie sich Mehrfachmütter fühlen müssen, die da plötzlich mehrere kindliche Bedürfnisse, Wünsche und Willen managen müssen, ohne dabei sich selbst aus den Augen zu verlieren. Das ist zumindest das Ideal: Sich selber nicht vergessen. Auch Frau bleiben. Aber schaffen wir das auch?

Papasein ist übrigens genau so schwierig, aber aus der Perspektive kann ich nicht berichten.

Nervkind

Irgendetwas ist immer. Irgendetwas bleibt liegen. Irgendeine doofe Nachricht. Irgendein Streit. Eine Erkältung. Ein Abgabetermin im Nacken. Eine doofe Familienfeier. Und mittendrin sollst du vierundzwanzigsieben für das Kind da sein. Mit bester Laune versteht sich.

Vergiss das. Auch dann, wenn du dich entscheidest, nicht mehr zu erziehen. Das macht es nämlich nicht einfacher.

Wir sind Menschen, keine Maschinen.

Natürlich, ich liebe mein Kind. Über alles. In allen Facetten. Ihr kuscheliges Ich, genauso wie ihr quirliges Ich. Und auch ihren Schmollmund. Aber trotzdem gibt es Situationen, in denen ich sehr tief durchatmen muss, um meinen Ansprüchen gerecht zu bleiben. Wenn sie will, und ich nicht kann. Wenn sie weint, und ich nicht weiß, warum. Wenn sie nicht versteht, dass das Eis nun mal leer ist, und ich keines herbeizaubern kann. Wenn sie sich wieder nicht die Zähne putzen lassen mag, und mir die Bürste an den Kopf wirft. Es braucht Geduld. Viel Geduld. Ich weiß, dass sie mich nicht ärgern will (insgesamt macht das unser Familienleben schon sehr entspannt), aber manchmal gelingt es mir trotzdem nicht, bei mir und meiner Gefühlswelt zu bleiben. Dann bin ich genervt. Und mein Kind ist es auch.

Und da geht das Problem meistens los. Kinder spiegeln. Umso genervter ich bin, umso genervter wird mein Kind – Nur, dass sie das auf ihre kindliche Weise ausdrückt: Toben, Rebellieren, Wildsein.

Das macht es nicht weniger anstrengend, und den Ausstieg aus dem Nervkreislauf oft noch schwieriger. Den zu durchbrechen klappte erfahrungsgemäß nämlich nur auf eine Weise (ohne in Erziehung abzudriften!), durchs aktiv Ausbrechen und glücklich sein. Wenn ich merke, dass gar nichts mehr geht, dann nehme ich mein Kind, starte eine Kitzelattacke, wir lachen und finden wieder zusammen. Und dann geht es meistens besser.

Das Problem: Wenn du so richtig genervt bis, dann musst du dich erst dazu kriegen, den Schalter umzulegen und wieder gutgelaunt zu sein. Und das funktioniert eigentlich nur, wenn es dir auch gut geht, wenn du nicht sowieso schon mies drauf und müde und grantig bist, und diese Situation mit deinem Kind gerade eigentlich nur das iTüpfelchen ist.

Sei Gut zu Dir: Oasen im Alltag

Wenn ich eines aus der Zeit mit meiner Tochter bis hierhin gelernt habe, dann dass es unheimlich wichtig ist, auch für sich selber zu sorgen. Ich kann nicht nur Mamasein, ich muss auch Frau bleiben. Ich muss mich ganz insgesamt wohl fühlen in meiner Haut, sonst schaffe ich es nicht in Ruhe über Situationen nachzudenken, bevor ich handle.

Wenn ich innerlich angespannt bin, schon morgens, dann ist der Tag praktisch gelaufen, weil das Nervmonster in meinem Bauch die Zügel in der Hand hält. Das ist blöd. Das lässt sich auch nicht immer vermeiden, solche Tage gibt es manchmal, aber damit sie kein Dauerzustand sind, kann ich vor allem eins tun: Verantwortung für mich selbst tragen und mir Auszeiten gönnen.

Pausen machen.

Und: Pausen bewusst wahrnehmen.

Wenn mein Mann mit dem Kind auf den Spielplatz geht, dann mache ich zwar den Haushalt und erledige Kram, aber ich nehme mir auch eine Tasse Tee, setze mich eine Runde hin und genieße die Verschnaufpause. Auch wenn ich dann nicht immer alles schaffe, was ich mir für die Zeit vorgenommen hatte. Und wenn ich in der Vorlesung sitze, klar lerne ich, aber ich nehme die Lernzeit auch als Zeit für mich wahr –Denn ich tue ja etwas, was ich mir selbst ausgesucht habe.

Nana ist regelmäßig bei ihren Großeltern. Im Durchschnitt einmal pro Woche, oft auch zwei Tage und oft mit Übernachtung. Das ist wahnsinniger Luxus. Ich weiß, dass es Kinder gibt, mit denen das nicht gehen würde, auch mit noch so tollen Großeltern an der Seite.

Unsere Tochter war von Anfang an nicht nur auf mich fixiert. Schon mit ein paar Tagen schlief sie selig auf Opas Arm, statt auf meinem ein. Heute schläft sie bei Oma und Opa genauso gerne wie hier. Selbstbestimmt. Und wenn sie nachts aufwacht, holen die Großeltern sie ins Familienbett. Auch wenn wir uns nicht in allen (Nicht)Erziehungsfragen einig sind, Oma und Opa gehen den bedürfnisorientierten Weg mit. Nicht nur Nana fühlt sich also wohl, auch Mama muss keine Bedenken haben, dass etwas richtig arg anders läuft. Das würde dann nämlich auch wieder keine Entspannung bringen, wenn ich mir die ganze Zeit Gedanken machen müsste, wie es läuft- An den Details lässt sich freilich Pfeilen, aber die Richtung stimmt, und meine Tochter fühlt sich bei Oma und Opa wie zuhause. Im Grunde ist es ein zweites zuhause für sie, sie kennt es so. Und ich finde das auch richtig gut.

So haben mein Mann und ich also regelmäßig Zeit für uns. Zusammen und alleine. Und ich schätze sehr, dass wir diese Möglichkeit haben.

Krafttanken.

Durchatmen.

So wichtig, um im Alltag nicht die Nerven zu verlieren.

Aber auch ohne den Luxus von ganzen Kindfreitagen und Nächten bin ich davon überzeugt, dass jede Mama es schaffen kann, sich Zeit freizuräumen, um sich selbst Gutes zu tun und dem Nervkreislauf weniger Angriffsfläche zu bieten. Etwas zu finden, bei dem sie Kraft tanken kann. Ehrlich gesagt, glaube ich sogar, dass das richtig wichtig ist. Joggen am Morgen, der regelmäßige Pediküretermin oder Kaffeeklatsch mit Freunden, das Vollbad am Abend und danach eine Serienfolge. Ein Ausgleich zum Mamasein.

Mach Mal Pause! Ausbruch Aus Dem Nervkreislauf

Oft lese ich von Müttern, die mitten im Nervkreislauf mit ihren Kindern gefangen sind. Es funktioniert überhaupt nichts mehr. Mama und Kind stecken fest. Die Grundstimmung ist angespannt, das Kind mache doch sowieso wieder nur Unsinn, und das passiert dann quasi unweigerlich auch. Weil das Kind gar nicht anders kann. Mitgehangen, mitgefangen.

Ich möchte diesen Eltern am liebsten laut zurufen, dass sie abspringen müssen. Sofort.

Raus aus der eigenen trüben Schlechtelaunewolke. Wieder zu sich finden, sich selbst wieder wohl fühlen, und die Erwartungen an das Kind dann ganz automatisch wieder runterschrauben, weil dem Kind nicht mehr die Verantwortung in die Schuhe geschoben wird für die eigenen Emotionen. Das ist nämlich total gemein. Dein Kleinkind kann nichts dafür, wenn du mies drauf bist und gerade nicht angemessen auf es, seine Einfälle und seinen Spieltrieb reagieren kannst. Echt nicht. Das ist alleine deine Verantwortung.

Und wenn es so gar nicht mit der kinderfreien Zeit klappen will?

Dann schau hin. Dann finde deine kleinen Oasen im Alltag. Sie müssen nicht lang sein, manchmal sind es nur ein paar Minuten oder ein Wimpernschlag, aber wenn wir anfangen, sie bewusst wahrzunehmen und an uns heranzulassen, dann können sie die Speicher wieder auffüllen.

Und ja, es gibt diese Oasen für j e d e n Menschen. Für j e d e Mama. Sie sind längst da. Wir nehmen sie oft nur nicht mehr richtig wahr.

Ich genieße zum Beispiel unheimlich das Duschen. Ganz anders, als früher. Ich nehme das Wasser viel intensiver und bewusster auf meiner Haut wahr. Und am Abend, wenn Nana schläft, gönne ich mir auch mal ganz bewusst ein Glas Wein, wenn ich am Blog arbeite. Es muss auch gar nicht sein, dass meine Tochter abwesend ist, damit ich entspannen und auftanken kann. Wenn sie wieder trödelt, dann liebe ich es, in den Himmel zu schauen. Dann nehme ich für ein paar Minuten die Natur wahr, meine Umgebung, die zwitschernden Vögel. Wenn Nana auf dem Spielplatz im Sand buddelt, dann genieße ich es, den Sand durch meine Finger rieseln zu lassen. Ich spiele mit, baue eine Burg, nicht aus Pflicht, sondern auch für mich. Spielen kann wahnsinnig erholend sein, wenn wir uns darauf einlassen und es nicht nur als eine Aufgabe betrachten. Genauso in der Badewanne: Mit Nana zu planschen, Wasser zu spritzen und dabei nicht an die Pfütze auf den Fliesen zu denken, macht mir unheimlichen Spaß. Und wenn meine Tochter dann mit ihren Förmchen Wasser schippt, kann ich mich auch noch ein paar Minuten im warmen Badewasser zurücklehnen.

Solche Momente wahrzunehmen ist, finde ich, ein großer Schritt fürs eigene Wohlbefinden, und hilft unheimlich in anstrengenden Situationen nicht die Nerven zu verlieren. Das braucht nämlich keiner. Weder Mama, noch Kind. Nervmonster machen das Leben nur unnötig kompliziert.

#mamaentspannt

Entspannung ist also unheimlich wichtig im Mamaalltag.
Viel zu oft verlieren wir aber den Blick für die schönen und ruhigen Momente. Die, in denen wir mitten im Alltag Kraft tanken können, wenn wir uns darauf einlassen. Die Oasen, die schon irgendwie dazugehören und die wir gar nicht mehr richtig wahrnehmen.

Dabei sind es genau diese kleinen Momente, die uns das meiste geben können.

Unter dem Hashtag #mamaentspannt habe ich vor einer Weile auf Twitter dazu aufgerufen, mir und der Welt zu schreiben, wie IHR im Mamaalltag Kraft tankt. Viele haben schon mitgemacht.

Viele tolle kleine und große Entspannungsmomente sind zusammengekommen. Und ein paar möchte ich euch hier vorstellen:

Mach mal Pause! Wir sind keine Maschinen. Wir funktionieren nicht, wenn wir angespannt sind. Und in der Regel funktionieren auch unsere Kinder so nicht. Wir dürfen nicht vergessen, auch die Verantwortung für uns selbst und unser Wohlbefinden zu tragen. Nichts ist wichtiger im Familienalltag als eine gute Grundstimmung. Das macht die Konflikte vielleicht nicht weniger, aber wir schaffen es viel besser, damit umzugehen. Xx Fiona

Ein Kommentar

  • thecraftingcafe

    Vielen Dank für den schönen Beitrag – der trifft mich gerade zur rechten Zeit! ? Eigentlich weiß ich das auch alles, aber es ist gut sich mal daran zu erinnern.

    Lieber Gruß,
    Sonja

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