Happy Birthday Kleine Nana

Liebstes KindWenn ich dich ansehe, dann sehe ich einen kleinen vollkommenen Menschen. Ein kleines Mädchen, das gut ist, das immer das bestmöglichste tut, was es kann, und dabei bedingungslos liebt und vertraut. Wenn ich in deine Augen sehe, die mich ohne den geringsten Zweifel an mir, an meiner Stärke und meinem Wissen, erwartungsvoll anschauen, dann weiß ich, dass ich dein Vertrauen in mich niemals missbrauchen will.

Ich verspreche dir, ich werde dich nicht formen, dich nicht verbiegen, dich nicht anders denken, als DU bist.

Heute vor Zwei Jahren [am 21/12/2015] um Punkt 7:00Uhr morgens machtest du mich zur Mutter.

Damals, wurdest nicht nur DU geboren Nana, auch ICH wurde NEUgeboren. Alles, was ich bis zu diesem Zeitpunkt dachte, wie ich dich ERziehen und zu einem g u t e n Menschen machen würde, verblasste bei deinem Anblick.

49cm und 3057gramm perfekter Mensch.

Wir sagen ›niemand ist perfekt‹. Und doch sind wir es eigentlich alle, jeder FÜR SICH, wenn wir unsere stupiden Erwartungen und die Formen, in die wir uns vergeblich Versuchen anzupassen, nur endlich loslassen.

Du warst perfekt, mein Kind, im Moment als dein Herz anfing zu schlagen. Du bist es noch. Du wirst es immer sein. Perfekt, so wie du bist.

Ich wusste damals nicht, wo unser Weg uns entlang führen würde, und von Unerzogen und Bedürfnisorientierung habe ich am Tag deiner Geburt noch nie etwas gehört gehabt. Das erste Mal begegnete ich den Begriffen in Foren, fand dann über AP zu Unerzogen, fand das Wort irgendwie abschreckend, und stellte doch fest, dass es passte.

Zu dir.

Zu mir.

Nicht ich hatte Unerzogen gefunden. Unerzogen hatte viel mehr mich gefunden. Es gab dem, was ich dachte, wie ich leben wollte, einen Namen. Und als mein Verstand noch vor den Verwandten relativierend argumentierte, dass wir ja gar nicht gar nicht erziehen, dass das Wort nur so eine Idee repräsentiert, da hatte mein Herz Erziehung bereits über Bord geworfen.

Unerzogen hat mich gefunden DURCH DICH, mein Kind.

Heute lebe ich dafür. Heute will ich mich dafür engagieren, stark machen, will arbeiten für diese Haltung.

Es ist also nicht dahergeredet, wenn ich dir sage, dass mein Leben sich in den vergangenen zwei Jahren MIT DIR komplett verändert hat. Nicht nur der Mamaalltag, nicht nur das Wickeln, die Sorgen und das Bespaßen und die Spielplatzbesuche. Ich wäre nicht dieser Mensch, der ich heute bin, wärst du nicht da. Ich hätte nicht dieselben Gedanken, Ideen, Vorstellungen.

Heute bist du zwei Jahre alt. Erst zwei Jahre von einem hoffentlich langen Leben. Schon zwei Jahre.

Vor einem Jahr konntest du gerade Laufen, tippeltest mit Popoplumpsern von Raum zu Raum. Stolpertest. Klatschtest. Quiecktest. Mama und Papa konntest du schon sagen, aber du benutztest es noch nicht immer gezielt.

Und nun stehst du hier vor mir, ziehst dir alleine deine Stiefel an, und bist schon wieder so viel größer geworden, so viel Selbstständiger.

Ein ›großes Kind‹, wie du selber sagst. Stolz mit dem Finger auf dich zeigst: ›Nein Nana klein. Nana große Kind.‹

Kein Baby mehr.

Ich brauche dir keine Türme mehr bauen, die baust du selber. Und du freust dich nicht mehr, wenn sie umkippen, du ärgerst dich darüber, weil du höher bauen willst. Weil du MEHR können willst.

Ich brauche dir die Puzzleteile nicht mehr vorpuzzeln, du schaffst das alleine.

Und das Steckspiel, das du nach deinem ersten Geburtstag frustriert wegschobst, schaffst du heute ohne Mühe.

Ich muss auch deine Hand nicht mehr halten, wenn du läufst. Seit dem Sommer benutzen wir schon keinen Buggy mehr. Unfassbar, dass deine Füße dich erst seit einem Jahr tragen.

Am Anfang des Jahres trautest du dich noch nicht auf die Rutsche. Inzwischen erklimmst du auch die Leiter dorthin alleine.

Läufst Treppen. Rennst. Hüpfst. Springst. Tanzt. Drehst dich. Übst Balancieren und seit Kurzem die Rolle vorwärts. Bist unser Wirbelwind. Immer in Bewegung. Immer unter Strom.

Manchmal möchte ich dir ein lautes ›Stop‹ nach rufen, ›Mach ein bisschen langsamer. Bleib doch bitte noch länger klein‹. 

Aber ich bleibe still.

Es kommt mir heute albern vor, dass wir uns vor einem halben Jahr noch Gedanken machten, wann du wohl endlich sprechen würdest, ob alles in Ordnung sei, weil auf der Liste, die ich für dein Erinnerungsbuch führen wollte, einfach keine Wörter dazu kamen. Heute ist meine Liste über 300Wörter lang.

Heute sprichst du in Mehrwortsätzen.

Unterscheidest Farben. Fängst an mit erstem Zählen, und interessierst dich  für Buchstaben.

Jeden Tag faszinierst du mich.

Ich kann mir nicht mehr vorstellen, deine Stimme nicht sprechen zu hören, deine Ideen nicht mit dir teilen zu können. Ich kann mir nicht mehr vorstellen, nicht mit dir auszudiskutieren, wie sehr sich die Bitte ›Einmal Mama‹ eigentlich ins unendliche dehnen lässt.

Dass du zeigtest, statt zu sagen, dass du schriest, statt dich in Worten auszudrücken, dass wir probieren, überlegen und manchmal auch raten mussten, um zu wissen, was du von uns wolltest, das erscheint mir heute alles schon wieder so wahnsinnig weit weg.

Ich weiß es war so, aber ich kann es mir nicht mehr vorstellen.

Ich weiß du warst mal winzig klein, ganz auf uns angewiesen. Lagst in meinem Arm, trankst an meiner Brust, schliefst seelig den halben Tag, manchmal länger.

Und wie freuten wir uns über dein erstes bewusstes Lachen! Heute lachst du das Lachen eines Kleinkindes, schelmisch, laut und fröhlich. Und schon fast ein Jahr lang machst du keinen Mittagsschlaf mehr.

Wenn ich mir die Videos anschaue, wie du auf dem Rücken lagst, gluckstest und deine Ärmchen unkoordiniert ruderten, beim Versuch das Spielzeug zu berühren, das wir dir hinhielten, dann weiß ich, dann erinnere ich mich, dass es so war, aber ich kann es nicht mehr fassen.

Es kommt mir so weit weg vor. Und dabei sind es doch erst zwei Jahre. Schon zwei Jahre.

Zwei Jahre perfekter kleiner Mensch.

Zwei Jahre, in denen du deinen Willen entdeckt hast. Dein ich im Spiegel und in Dir. Deine Vorlieben. Deine ersten Lieblingsspiele. Lieblingstiere. Lieblingsfarben. Lieblingsbeschäftigungen.

Heute ist dein Geburtstag.

Heute beginnt wieder ein neues Jahr, in dem so vieles passieren wird. Indem du noch größer, noch selbstständiger, noch mehr du selber werden wirst.

Indem du uns noch mehr von dir zeigst. Was du willst, was du nicht willst, welche Ideen du hast.

In einem Jahr werde ich auf dein heutiges Ich zurückschauen und es wird mir wieder entglitten sein. Weil ich dich nicht aufhalten kann, zu wachsen, zu werden, auch wenn ich mir so sehr wünschte, die Zeit bliebe heute einen Moment lang stehen, damit ich dich festhalten kann, als dieses zweijährige wundervoll willensstarke Mädchen.

Aber ich kann dich nicht halten, mein Kind.

Ich kann dich nur begleiten. Ich kann Dasein, dein Wegweiser sein, dein Orientierungspunkt, Hafen und Anker.

Aber niemals bin ich die weichengestellte Schiene, auf der du fahren MUSST, die deinen Weg vorformt und dich darin einsperrt. Ich will nicht das Muss in deinem Leben sein.

Ich werde nicht vor dir gehen, als WegBEREITER, damit du mir folgst. Ich laufe neben dir, als WegBEGLEITER.

Ich verspreche dir, ich WILL gut zu dir sein, gerecht und achtsam. Das wird mir nicht immer gelingen, ich werde Fehler machen, aber ich werde stets mein Bestmöglichstes tun. Genau so wie du, dein Bestmöglichstes tust, jederzeit, MICH liebst, MIR vertraust. Mindestens DAS bin ich dir schuldig.

Du bist gut, wie du bist.

Du bist perfekt, lass dir von niemandem jemals etwas anderes einreden, mein Kind.

Wenn ich ein Ziel habe, dann ist es dieses, dass du eines NIEMALS in Frage stellen musst: Ich liebe dich bedingungslos! Happy Birthday Kleine Nana. Xx Mama

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