Jetzt! Spricht Papa …Über Den Weg In Die Erziehungsfreiheit

Meine Frau kam auf die Idee, der Papa könnte sich im Blog doch auch mal zu Worte melden, und beschreiben, wie ER das ganze zu Hause eigentlich sieht. Unser Familienleben und wie wir mit unserer Tochter umgehen, ist nämlich natürlich nicht nur Mamas Sache, sondern auch Papas.

Also Gut. Da bin ich.

Oft scheint es in Elterngruppen so, dass es die Papas sind, die  Unerzogen skeptisch betrachten und dann für den Streit zu Hause sorgen.

Meine Sicht auf Unerzogen ist definitiv eine etwas andere, als die meiner Frau. Einiges sehe ich genau so, manches etwas kritischer und bei vielem bin ich auch einer ganz anderen Meinung.

Aber bevor ich euch erzähle, wie ich das alles sehe, sollte ich mich erst einmal vorstellen. Wie sagte meine Realschullehrerin immer: „Eins nach dem zweiten“.

Mein Name ist Dominik Lewald, ich wurde 1988 geboren und bin gelernter Kaufmann im Einzelhandel. Schon seit meinem 16. Lebensjahr übe ich diesen Beruf aus. In meiner Freizeit schnappe ich mir meine Kamera und knipse Fotos. HIER könnt ihr vorbeischauen, wenn ihr sehen wollt, was dabei herauskommt.

Zu meiner Frau und unserer Tochter Nana brauche ich sicher nicht mehr viel schreiben. Da wisst ihr durch den Blog schon mehr als ich.

Heute möchte ich euch erstmal erzählen, wie ich eigentlich zu UNERZOGEN stehe.

Ende 2015 war sehr aufregend für uns: Der errechnete Geburtstermin kam näher, Weihnachten, das Jahresendgeschäft bei der Arbeit und der Jahreswechsel standen vor der Tür. Bis dahin hatten wir über vieles gesprochen, aber ob und wie wir unser Kind erziehen würden, war keine Frage. Nur in einer Sache waren wir uns einig: Körperliche Gewalt wird es keine geben. Fiona hatte sich schon damals immer wieder eingelesen und mir von unerzogen bzw. von bedürfnisorientierter Elternschaft erzählt.

Manches hörte sich am Anfang echt schräg an, bei anderen Punkten konnte ich sofort zustimmen.

Ich lese selber sehr ungern (zum Leidwesen meiner Frau). Egal was. Sein es Zeitungen, Bücher oder eben Blogs. Fiona bat mich trotzdem immer mal wieder in  Blogs zu dem Thema zu lesen und schickte mit Beiträge. Doch: Erziehung war für mich einfach immer etwas, was aus dem Bauch heraus kommt. Und eben das, was auch mir anERzogen wurde.

Ein Kind auf Augenhöhe betrachten?! Das kannte ich bis dahin eigentlich nur aus der Fotografie.

Da macht es einfach ein schöneres Bild, wenn man sich nicht ÜBER das Motiv stellt. Fragt mich nicht, wer mir das mal erzählt hat. Vielleicht war es jemand, der auch aus dem Bereich unerzogen kommt.

Als Nana endlich da war, nahm dann alles einfach seinen Lauf. Ohne viele Absprachen. Bei einem Säugling machst du dir ja eh noch keine Gedanken darüber, was das Kind darf, was nicht und was du machst, wenn sie dann irgendwann doch mal an bestimmten Dingen in der Wohnung herumspielt, die gar nicht für sie bestimmt sind. Wie und wann das dann allmählich anfing, dass wir auf ERziehung immer mehr verzichteten, und stattdessen Nana in BEziehung auf dem schweren Weg des Lebens begleiteten, kann ich gar nicht sagen. Es kam so.

Ich weiß aber noch sehr gut, dass Fiona mich doch sehr oft auf Punkte hingewiesen hat.

„Schatz, warum sagst du das jetzt? Warum sagst du es nicht anders?“

„Ist dir das wirklich wichtig?“

„Das war jetzt aber sehr erzieherisch.“

Oder auch: „Ist dir bewusst, dass das eine Art von Gewalt war? Wir hätten die Situation anders lösen können. Du solltest dich bei Nana entschuldigen.“

So und so ähnlich begannen einige Gespräche. Ihr merkt, es war und ist alles andere als leicht. Und glaubt bitte nicht, dass Fiona und ich aus allen Situationen ohne Streit kamen.

Ich lese in diversen Elterngruppen oft davon, dass Mütter verzweifelt darüber sind, wie ihre Männer auf Bedürfnisorientierung reagieren. Meist traue ich mich gar nicht wirklich, darauf zu antworten. Wie sieht es denn aus, wenn ich als Papa zwar schreibe, dass ich diesen Weg gut finde und gehe, aber dennoch oft genug auch genau so „erzieherisch“ reagiere.

Inzwischen ist Nana zwei Jahre alt. Ich behaupte mal, auf einem ganz guten Weg zu sein.

Leider fällt es mir nicht immer leicht, so zu sein, wie ich gerne wäre. So zu reagieren, wie ich reagieren will. Leider erwische ich mich immer wieder in Situationen, in denen ich im Anschluss zu Nana gehe, und mich entschuldige. Dafür, dass ich die Situation unschön gelöst habe, nicht so wie ich es wollte.

Aber wir können nicht immer perfekt sein. Und von Tag zu Tag werden diese Momente weniger.

Ich bin dankbar dafür, dass Fiona mir gegenüber kein Blatt vor den Mund nimmt, und die Erziehung immer wieder anspricht, auch wenn ich in dem Moment vermutlich alles andere als dankbar wirke.

In den letzten beiden Jahren lassen mich viele Situationen auf Spielplätzen, in Restaurants oder Geschäften und auf der Straße, die ich beobachte, den Kopf schütteln. Das bestärkt mich, auf dem Weg weiter zu machen, zu dem meine Frau mich gebracht hat: Meinem Kind auf Augenhöhe zu begegnen, auf Ihre Bedürfnisse einzugehen, sie jederzeit respektvoll zu behandeln, ihr kein Aua und keine Angst auszureden, und ihr den Nachtisch nicht zu verbieten, nur weil sie ihr Gemüse nicht aufgegessen hat.

So ein Papa will ich sein.

Es ist euch vermutlich aufgefallen: Ich bin nicht nur jemand, der nicht gerne ließt, mit fällt es auch schwer, euch einen Blogbeitrag zu schreiben, wie meine Frau ihn euch hier regelmäßig serviert. Aber: Ich lerne dazu!

Und wenn euch der Einblick gefällt, dann schreibe ich sicher mehr. Dann auch über einzelne Themen, und bestimmt lerne ich dann auch, mehr zu schreiben. Xx Dominik

2 Kommentare

  • Danke für diesen ehrlichen Einblick! Schön, dass Ihr gemeinsam diesen Weg geht und Du Dich darauf einlässt, vertraute Wege zu beschreiten und Deiner Frau dabei so vertraust! Auch wenn der Löwenpapa und ich inzwischen getrennt sind, sind wir in Sachen Er- und Beziehung wohl einen ganz ähnlichen Weg gegangen – und dieser Weg trägt und jetzt durch die Trennung und hilft uns, diesen Übergang für die Kinder bestmöglich zu gestalten. Ich würde mich freuen, öfter von Dir zu lesen! ?

    • Danke, es freut mich wenn dir gefällt was ich schreibe. Der nächste und neue Beitrag aus meiner Sicht steht schon in den Startlöchern. ?

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