Jetzt! Spricht Papa ..A Wie Augenhöhe

Heute möchte ich noch einmal auf einen Abschnitt aus meinem ersten Beitrag zurück kommen.

Eine Leserin kommentierte, dass ihr folgende Absatz gut gefiel.

Ein Kind auf Augenhöhe betrachten?! Das kannte ich bis dahin eigentlich nur aus der Fotografie. Da macht es einfach ein schöneres Bild, wenn man sich nicht ÜBER das Motiv stellt. Fragt mich nicht, wer mir das mal erzählt hat. Vielleicht war es jemand, der auch aus dem Bereich unerzogen kommt.“

Darüber möchte ich heute noch mal genauer schreiben. Warum soll ich mein Kind eigentlich auf Augenhöhe betrachten?

Ein Kind wisse doch noch gar nicht genug vom Leben und müsse von uns Erwachsenen erst darauf vorbereitet werden. So oder so ähnlich erlebe ich häufig die Aussagen von anderen Eltern, die denken, dass es notwendig ist, sich ÜBER das Kind zu stellen, damit es lernt.

Ja und Nein.

Dass ich mein Kind auf ihrem Weg zum Erwachsen werden, begleite, und immer da bin, wenn sie mich braucht, da stimme ich natürlich uneingeschränkt zu. Aber meine Tochter von oben herab zu betrachten, im Gedanken, sie wisse nichts vom harten Leben, das ihr bevorsteht, und ich müsse ihr zeigen, wie es da draußen zugeht, ist für mich absoluter Unsinn.

Wenn ich meinem Kind wirklich helfen will, sich in ihrem Leben zurechtzufinden, muss ich damit anfangen, mit ihr auf Augenhöhe zu gehen. Versuchen mich in die Sicht meines Kindes zu versetzen. Wenn mein Kind beim Rennen hinfällt und sich das Knie aufschlägt, dann gehe ich doch auch zu ihr in die Hocke und versuche sie zu beruhigen. Warum also nicht genauso, wenn sie vor Wut mit Erde schmeißt, weil ich sie gerade kaum beachtet habe.

Ein schlechtes Beispiel? Vielleicht. Aber genau so erging es mir heute. Ich habe im Garten gearbeitet und Nana hat gespielt. Irgendwann fing sie an, mich mit Erde zu bewerfen.

Zuerst bat ich sie, in eine andere Richtung zu werfen. Tat sie nicht. Ich wiederholte mich nochmal, bis mir plötzlich klar wurde, dass es einfach zu viel verlangt war, dass mein zweijähriges Kind sich die ganze Zeit alleine beschäftigen sollte. Ich hätte natürlich auch meckern können, drohen oder schließlich bestrafen können. ABER warum? Und was hätte es verändert?

Nicht nur bildlich gesprochen ging ich stattdessen zu meiner Tochter herunter auf die Knie, und erklärte ihr auf Augenhöhe, dass ich verstand. Dass die letzten Minuten nicht schön für sie waren, und ich sah, dass sie wütend war. Dass sie sich nicht anders mitzuteilen wusste. Also versuchte ich mit ihr eine Lösung zu finden, die uns beiden zufrieden stellte.

Ein Beispiel von vielen.

Es gibt so viele Situationen im Alltag, in denen es hilft, mein Kind auf ihrer Höhe zu begegnen. Nicht nur durch das in die Hocke gehen, sondern durch das in sie hinein versetzen.

Natürlich versucht mein Kind herauszufinden, wie ich reagiere, wenn sie etwas macht, von dem sie merkt, dass ich das nicht gut finden. Ich ertappe mich oft, wie ich Nana im ersten Moment frage, ob das ihr Ernst ist. Ob sie das extra macht. (Im Nachhinein totaler Unsinn.)

Auch hier gilt wieder: Ja und Nein. Natürlich macht sie in diesem Moment extra weiter. Aber nicht, um mich zu nerven oder zu ärgern. Sondern, um etwas auszudrücken. Oder einfach, um zu erfahren, was als nächstes passiert.

Wie wird Papa reagieren? Was passiert denn, wenn ich trotzdem weiter mache?

Und ist es nicht eigentlich auch unheimlich wichtig für unsere Kinder, sich zu behaupten? Klar, jetzt da sie so klein sind, denkt man schnell, ein Kind habe sich eben unterzuordnen und habe zu tun, was andere (Ältere) sagen. Aber euer Kind wird älter. Und irgendwann kommt der Tag, an dem ihr eurem Kind sagt, es solle sich in der Schule doch nicht alles gefallen lassen. Sag: Nein. Sag, was DIR wichtig ist. Und bin ich als Eltern dann nicht auch Schuld, wenn mein Kind sich kaum mehr traut, ein „Nein“ auszusprechen? Weil ich es aberzogen habe? Das heißt natürlich NICHT, dass mein Kind tun und machen kann, was es will. Aber sie kann Nein sagen. Sie kann trotzdem machen wollen. Und sie kann wütend sein, und mir das zeigen.

Wenn Nana einen dieser Momente hat, gehe ich auf Augenhöhe und frage, warum es so ist. Wir suchen gemeinsam nach einer Lösung. Oder aber ich erkläre ihr ohne Strafen oder Konsequenzen, dass ICH das nicht möchte und ich mich gegebenenfalls aus der Situation zurückziehe. – Okay, wirf Erde. Ich gehe aber zur Seite, denn ich will nicht getroffen werden.

Das ist okay.

Unerzogen oder Bedürfnisorientiert heißt nicht, dass ich mir alles gefallen lasse. Wenn es mein Bedürfnis ist, sauber zu bleiben und nicht mit Erde beworfen zu werden, ist das so.

Einem kleinen Teil von mir (wahrscheinlich der erzogene) kommt hierbei der Gedanke, dass mein Kind mir doch auf der Nase herumtanzt, wenn ich nicht bestrafe und durchgreife.

Dann besinne ich mich darauf, mich immer wieder zu fragen, warum mein Kind das macht.

Geht auf Augenhöhe und hinterfragt. Sprecht mit euren Kindern, und findet gemeinsame Lösungen. Ich selbst bin immer wieder erstaunt, wie viel meine zweijährige Tochter mir schon mitteilen kann, wenn ich sie nach Ideen frage, und was sie versteht und umsetzt. Vielleicht findet man zusammen einen Kompromiss.

In diesem Alter macht dein Kind nichts, wirklich absolut nichts, einfach um dich zu nerven. Auch wenn es so scheint. Oft sind es Dinge wie: „Ich möchte Mama/Papa doch nur helfen.“
„Ich langweile mich und suche eine Beschäftigung.“ Und die Frage „Was passiert eigentlich wenn?“

Wenn du meinst, dein Kind tanzt nur frech, dann tanze doch mal mit. Das macht es für alle Seiten einfacher, leichter und weniger stressig.

Abschließend noch eine ganz wichtige Sache zum Thema Augenhöhe: Augenhöhe ist enorm wichtig. Wie wollen wir sonst einem so kleinen und doch wundervollen Menschen einen Kuss auf die Stirn geben, um ihm zu zeigen, wie sehr wir ihn lieben? Xx Dominik

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