Jetzt! Spricht Papa ..D wie Drohen(des) Desaster

Jetzt! Spricht PapaUrsprünglich war mein Plan diesmal übers Kindern Drohen zu schreiben. Aber Desaster passt gerade einfach auch gut.

Wir waren vor Kurzem bei uns im Garten. Nana kooperiert hier total. Den ganzen Tag können wir im Garten verbringen und arbeiten,  in den Beeten buddeln und Steine verlegen, dazwischen hin und wieder im Sandkasten Burgen bauen oder auf der Wiese mit dem Ball spielen. Doch irgendwann hat ein kleiner Mensch keine Kraft mehr, zu kooperieren, und versucht dann endlich wieder seinen eigenen Kopf durchzusetzen.

Das ist gut. Das ist genau das, was meine Frau und ich wollen: Ein Kind, das selbst entscheiden kann und das auch tut.

Doch kommen wir zum Desaster: Nana hatte an diesem Tag einfach kein Interesse daran, nach dem Windelwechseln eine Neue Windel und ihre Hose wieder anzuziehen. Warum auch? Zu Hause kann sie schließlich auch nackt laufen. Und der Garten ist ja quasi ein Teil vom zuhause- In unserem Fall allerdings öffentlich in einem Kleingartenverein, — Grundsätzlich haben wir  nichts dagegen, dass sie ihre Windel nicht trägt. Uns ist es aber natürlich ganz wichtig, dass Nana draußen, überall dort wo fremde Leute sie sehen können, nicht nackt ist. Ein Kleidungsstück (in diesem Fall mangels Alternativen mindestens die Windel) um ihren Intimbereich vor den Blicken Anderer zu schützen, muss für uns sein. — Davon mal ab, dass der Dreck durch Erde und Sand auch nicht unbedingt in ihren Intimbereich kommen muss, wenn wir schon wissen, dass sie sich nicht einfach am Abend abduschen lassen wird. — Zurück zu der Situation: Für Nana war es  ein Desaster. Mama und Papa setzen selten ein „NEIN“ durch. Normalerweise kommen wir sehr gut ohne ein definitives Nein aus. Wir finden fast immer Alternativen, um die Situationen zufriedenstellend zu lösen.

Nur, was ist die Alternative, wenn dein Kind ohne Windel und ohne Hose laufen möchte? Wenn das Oberteil auch mit einem zugedrückten Auge nicht annähernd den Intimbereich verdeckt, und du nichts anderes dabei hast?

Wichtig in diesem Moment war für uns, das wir für Nana da sind. Gerade weil ihre Welt gerade völlig zusammenbrach, war es um so wichtiger ihr zu zeigen das wir sie verstehen, und ihren Frust begleiten. Auch wenn wir nicht zugelassen haben, das sie einfach nackt loslief: Niemals würde uns in den Sinn kommen, Nana anzuschreien, grob zu ihr zu werden, gar die Hand zu erheben, wenn sie so einen Moment durchlebt.

Wir haben alle mal einen schlechten Moment, Wut und Frust. Warum sollte unser Kind solche Gefühle nicht auch haben dürfen?

Die Wut ging vorüber. Irgendwann stimmte sie der Windel zu.

Ich habe Nana, nachdem sie die Windel an und sich wieder etwas beruhigt hatte, in den Arm genommen, mich bei ihr für diese Situation entschuldigt und ihr nochmals gesagt, dass ich sie echt verstehen konnte. Und dass es okay ist, dass sie wütend auf uns ist. 

Wir würden wieder so handeln. Wir werden es nicht zulassen, sie ohne Kleidung UND ohne Windel auf der Straße laufen zu lassen. — Wir leben unerzogen und in Beziehung. Das heißt aber nicht, einfach alles zuzulassen. 

Zum Schluss, als wir nochmal gesprochen hatten, nahm mein Kind mich in den Arm, gab mir einen Kund und sagte mir, dass Sie mich lieb hat. — Wenn ich ehrlich sein soll, war ihr Wutanfall seit langem einer der schrecklichsten Momente und gleichzeitig einer der schönsten. Denn: Nana, Fiona und ich  haben diesen Moment beziehungsorientiert gelöst. Wir sind in Beziehung geblieben, haben uns nicht gegenseitig weh getan.

Wir haben nicht geschimpft und ihr nicht gedroht. Kindern Drohen und Beziehungsorientierung passen nicht in die gleiche Schublade. Warum drohen Eltern überhaut?

Hast du dir schon mal die Frage gestellt, wo Drohen anfängt?

jetzt spricht Papa | D wie Kindern Drohen | Drohendes Desaster„Wenn du dein Zimmer nicht aufräumst, gehst du heute gar nicht mehr heraus!“ Diesen Satz kennen wir alle. Entweder hast du das so oder so ähnlich schon mal zu deinem Kind gesagt, oder es wurde dir als Kind gesagt. Es gibt noch viel mehr solcher Sätze, die vielleicht aus Erwachsenensicht nicht schlimm scheinen. Aber versetz dich in die Situation eines kleinen Menschen.

Was für ein riesen Druck muss auf dem kleinen Gewissen lasten, wenn so viele Drohungen Tag für Tag auf das Kind einprasseln? Das wird nicht ins eine Ohr rein und aus dem anderen wieder heraus gelassen. Es belastet  die Kinder.

 „Wenn du nicht aufisst, bekommen wir wegen dir morgen keine Sonne.“ „Mach jetzt endlich den Fernseher aus, sonst werden die Augen viereckig davon.“ „Ich zähle jetzt bist drei, und wenn du dann nicht herkommst, wirst du schon merken, was du davon hast.“ Und: „Hör jetzt auf zu weinen, sonst lachen gleich wieder alle.“

Ihr schmunzelt beim Lesen?  Vielleicht, weil solche Sätze ja dazu gehören, wenn Kinder nicht hören wollen. Weil ihr das auch sagt. Weil ihr das auch so gesagt bekommen habt, und es euch ja nicht geschadet hat?

Zugegeben, ich schmunzele auch, aber nur, weil ich glücklich bin, dass Nana so etwas nicht zu hören bekommt. Wenn ich möchte, dass mein Kind etwas tut oder lässt, dann erkläre ich es. Ich drohe aber nicht.

Und sind wir mal ehrlich, eigentlich gibt es für die meisten Situationen gar keinen Grund, die elterliche Idee durchzusetzen. Isst Nana nicht auf, ist sie wohl satt für den Moment. Dann wird sie bei der nächsten Mahlzeit eben mehr essen, oder zwischendurch etwas bekommen. — Selbstbestimmtes Fernsehen kann funktionieren, und Kinder werden weder dumm, noch süchtig, noch verändern sich die Augen davon,  — Bis Drei Zählen ist lächerlich, weil man entweder nicht weiß, was bei drei passiert -oder das angedrohte gar nicht durchzieht. Denn man erwartet ja den gehorsam VOR der Drei. Redet doch lieber miteinander! –Und weinen finde ich sogar sehr wichtig für die Kinder: Schmerz und Gefühle verarbeiten. Warum sollte ich wollen, dass mein Kind damit aufhört? Weil es unangenehm ist, was andere denken? Deswegen soll ich drohen? Anstatt mein wütendes, trauerndes Kind noch weiter unter Druck zu setzten, in dem ich mit der (unangemessenen) Reaktion anderer drohe, nehme ich sie lieber in den Arm, und stehe ihr bei, ihren Schmerz zu bekämpfen. 

So wie im Garten.

Vielleicht denkst du daran, wenn dein Kind das nächste mal wütet. Dein Kind wird es dir danken. XxDominik

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