Garten mit Kind (Teil1): Wir Werden Laubenpieper!

Garten mit Kind TitelBei uns die Straße aufwärts liegt eine große Kleingartenanlage mit einem Spielplatz, zu dem Nana und ich fast täglich gehen. Hier kann sie Vorlaufen und Trödeln, auf der Wiese Sitzen und Entdecken. Wir sind gerne dort. Aber: An den Gärten liefen wir bisher immer etwas wehmütig vorbei, finden wir doch den eigenen Garten mit Kind eine großartige Sache.

Wir wohnen in der Stadt. In einer Wohnung mit Balkon. Vor dem Haus ist eine große Wiese. Das ist schön, und vielleicht mehr als andere Familien haben. Uns hat trotzdem immer etwas gefehlt. — Die Schaukeln in den Kleingärten stimmten mich regelmäßig traurig, denn leisten konnten wir uns das nicht.

Parzelle Nummer 17

Mitte Februar. Diesmal verlief unser Spaziergang zum Spielplatz anders als sonst, denn wir wurden von einem netten Herren angesprochen, der sich als der Kleingartenvorstand entpuppte. Normalerweise weiche ich dem Gespräch mit Fremden lieber aus, da bin ich meiner Tochter ähnlich, aber diese Begegnung nahm  eine ganz besondere Richtung ein: Nach einem kurzen Wortwechsel über Gärten und Familie, stiefelte ich mit Nana auf dem Arm dem Herren zu einer verwilderten Gartenparzelle nach. Er zeigte sie uns, sagte noch ein paar Worte dazu, verwies mich auf seine Telefonnummer und verabschiedete sich wieder.

Da stand ich nun. Vor einem offenstehenden Garten, der wirklich keine Augenweide mehr war.

Nana wollte schon hineinlaufen. Ich nahm sie auf den Arm und wir gingen weiter zum Spielplatz. Sie lernte an diesem Tag ein neues Wort, und sprach aus, was ich zwar auch schon dachte, aber noch nicht wagte wirklich zu glauben: »Mein Garten!«.

Die Vorpächter mussten aus dem Vertrag und verschenkten den Garten.

Parzelle Nummer 17. Knapp 250m². Gutachtenwert von 1500€. Ungepflegt. Verwildert. Zugemüllt. Auf den Tischen standen noch leere Bierflaschen und Zigarettenstummel, als wären die Besitzer zur Flucht aufgebrochen. Allerdings: Vorhandene Möbel und Gartengeräte All Inklusiv. Jedoch auch ein kaputtes Tor und ein kaputtes Laubenfenster. Eine ganze Menge Arbeit.

Wir brauchten ein paar Tage Bedenkzeit. Rechneten unser Erspartes durch. Auch ohne den Übernahmekaufpreis, waren die laufende Pachtkosten noch eine finanzielle Belastung. Wir Überlegten. Zweifelten einmal.

Wir liefen in der nächsten Woche fast jeden Tag am Garten vorbei, sahen uns alles an.

Anfang März unterschrieben wir den Pachtvertrag. — Das Schicksal hat uns zu diesem Garten geführt. Jetzt ist es unserer! Wir werden Laubenpieper!

Es ist nun fast zwei Monate her, dass wir uns für den Garten entschieden haben, und ich kann behaupten, dass es die beste Entscheidung dieses Jahres war. Wir genießen es sehr.

Wir lieben es. Nana liebt es.

Auf Instagram zeige ich bereits regelmäßig ein paar Eindrücke von unserer Gartenarbeit.

Auf dem Blog möchte ich euch berichten, wie wir aus dem Gartenalptraum unseren Gartentraum machen, Vielleicht sind ein paar Anregungen und Ideen für Gartenliebhaber dabei. Ich will darüber schreiben, welche Überraschungen uns unter dem Boden erwarten, und: Wie das eigentlich so ist mit Garten und (unerzogenem) Kind. Welche Konflikte kommen auf — Und viel wichtiger: Wie lösen wir sie? Der Garten stellt uns nämlich gerade wieder vor eine intensive Phase, neue Herausforderungen an unsere anerzogenen Muster.

Garten mit Kind

Gartenwerkzeuge KinderNachdem ich also auf den Garten angesprochen wurde, und ich meinem Mann abends davon erzählt hatte, war eigentlich ziemlich schnell klar, dass wir zusagen werden. — Letztendlich überwogen die vielen Vorteile, und gewünscht hatten wir uns einen Garten schon lange: Ein Rückzugsort. Ein Ausgleich zum Alltag. Die teilweise Selbstversorgung durch Obst und Gemüse. Gemütliches Grillen. Zusammensitzen mit Freunden, und bis in die Abendstunden die Sonne genießen können. Und natürlich für Nana: Ein Spielort. Ein Entdeckerort.

Ein Garten ist fürs Kind wahnsinnig wertvoll, finde ich. Ein Ort zum Spielen. Ungestört. Im eigenen Sandkasten. Mit Wasser und Erde. Ein Ort zum Staunen. Lernen, wo das Obst und Gemüse wachsen. Entdecken, wie Insekten leben. Und vieles mehr. Sehen. Fühlen. Erleben.

Ich hoffte außerdem darauf, durch den Garten Kontakte zu anderen Familien knüpfen zu können.

Es war uns wichtig, dass unsere Tochter im Garten vor allem Freude haben sollte, nicht nur aufpassen müsste, etwa nicht in die Beete zu treten. Es sollte kein neuer »Nein«Ort werden, wo wir doch zuhause eine »Ja«Umgebung geschaffen hatten. Wir machten uns bewusst, dass es nicht vermeidbar sein wird, dass sie manchmal durchs Beet stampft. Dass es auch nicht vermeidbar sein wird, die Pflanzen zu schützen. Und wir planten zuerst Nanas Bereich, den sie im Garten bekommen sollte. Der Platz dafür, und meine Vorstellung davon, standen quasi schon fest, bevor wir zugesagt hatten.

Erziehungsverzicht bedeutet NICHT, dass mein Kind alles tun kann, was sie will, wann immer sie will. Das wiederhole ich immer wieder.

Ein Garten bedeutet auch Verantwortung: Verantwortung gegenüber den Pflanzen. Zugegeben, ich bin nicht sehr ökologisch veranlagt, aber die Pflanzenwelt behandele ich mit Respekt. Also kann Nana nicht einfach in den bepflanzten Beeten Buddeln, und ich lasse sie auch nicht einfach die Pflanzen aus dem Beet pflücken. Kann alles mal passieren. Steht ihr aber nicht zur Narrenfreiheit — Deswegen waren uns für unseren Garten mit Kind wichtig: 1) Alternativen Schaffen2) Unser Kind von Anfang an Einbinden, ihr zeigen, was wir tun. Und sie auch Verantwortung übernehmen lassen, für ein eigenes Beet. Sofern sie das wollte. Aber, ihr könnt euch sicher denken, dass die Begeisterung groß war. — 3) Gewaltfreie Lösungen finden und verständnisvoll mit der neuen Situation umgehen.

Nana entpuppt sich derweil als echte Nachwuchgärtnerin.

Sie blüht auf, quasi zusammen mit ihren Blumen. Und ich glaube, der Garten tut ihr unheimlich gut. Es mag Zufall sein, aber in den letzten zwei Monaten, ist sie aufgeschlossener geworden. Dieser Garten ist ein Wunderort für sie. Und ein wundervoller Ort für uns. Ich bin froh, dass wir den Schritt gewagt haben, trotz der finanziellen Zweifel.

Ein Alptraum Von Einem Garten

Die ersten paar Male, die wir die Gartenparzelle betreten hatten, schwankte in uns Vorfreude, schöne Vorstellungen wie bei einem Ausmalbild, das man bunt vor Augen hat und innerlich schon zum Stift greift, Stirnrunzeln und einer sich immer wieder rümpfende Nase. Mehr als einmal rief ich aus »Das ist abartig«. — Nana störte sich daran nicht. Sie schaute sich gleich neugierig um und sah den Garten als das, was er war: ein wahnsinnig tolles Paradies. Vielleicht war es wegen ihr, dass wir nicht mehr umkehrten. Ein Glück.

Jede menge Platz, jede menge Möglichkeiten, Ideen umzusetzen und sich kreativ auszutoben. Von dieser Seite versuchten wir es zu betrachten, und das Positive zu sehen.

Im Garten standen bereits einige Bäume und Sträucher. Zwei Apfelbäume. Eine Kirsche. Zwei Birnenbäume. Und ein Pflaumenbaum. Außerdem Himbeeren und ein Kiwistrauch. Von den Gartennachbarn erfuhren wir, dass die Obsternte reich sei, und wohl auch sehr lecker. Alle Leute schwärmen ständig von unseren Pflaumen und Birnen, und wie mein Mann so schön sagt »war in unserem Garten jeder schonmal drin«. Nämlich im Vorjahr, um das Obst zu ernten, um das sich unsere Vorpächter ja nicht kümmerten. Ich bin schon sehr gespannt, was dieses Jahr an Ernte auf uns zu kommt, und ob die Gerüchte stimmen.

Ansonsten bot der Garten nicht viel ansehnliches. Das Grundstück war verwildert, ungepflegt und ziemlich heruntergewirtschaftet. Wir haben bei der Vertragsunterzeichnung Fotos von VOR der Übernahme des Vorpächters gesehen, und ich wünschte damals, wir hätten sie nicht gezeigt bekommen. Es war einmal ein wirklich schöner Garten gewesen. —

Der Weg zur Laube, den unser Vorpächter aus Betonelementen in einem Karomuster neu anlegen wollte, war nur zur Hälfte fertig und nicht ordentlich verlegt. Erde war wahllos aufgehäuft. An mehreren Stellen wuchsen hohe Koniferen, die laut Kleingartengesetz dort gar nicht mehr stehen durften, und beim Pächterwechsel (also von uns) entfernt werden mussten. Zwar sagten uns die Koniferen optisch sowieso nicht zu, allerdings bedeutete das zusätzlich richtig viel Arbeit. Die Laube war mal ganz abgesehen von der veralteten Einrichtung, die uns nicht gefiel, vollgestellt. Die Vorpächter räumten zwar noch ihre Bierflaschen vor der tatsächlichen Übergabe weg und richteten den Tisch etwas her, dass es gar nicht mehr so schlimm wirkte, aber das machte nur einen minimal Teil aus, wie wir später feststellen sollten: Der Müll erstreckte sich nämlich über den ganzen Garten. Noch heute finde ich manchmal verbuddelten (!) Plastikmüll, und laufe bei jeder Schokoriegelverpackung nur noch schnaubend vor Fassungslosigkeit zum Mülleimer. Sogar Nana fragt dann „Warum da Müll?“ und scheint genauso genervt von den Funden, wie wir.

Wildwuchs und Verwitterung ist das eine — Müll etwas ganz anderes.

Unsere zwei größten Sorgen am Anfang waren allerdings andere. Nämlich Das kaputte Gartentor und das kaputte Fenster. Beides finanzielle Knackpunkte für uns. Das Gartentor haben wir von ein paar Tagen endlich ersetzen können. Das Laubenfenster bisher noch nicht.

Ein paar Eindrücke in Bildern:

Gartenansicht  Gartenansicht Kompost Korniferen Garten Gartenansicht  Terasse  Gartenlaube Innen

— Wir hatten von Anfang an ziemlich genaue Vorstellungen von dem, was wir aus dem Garten machen wollten: Eine gemütliche Terrasse mit Palettenmöbeln. Stauraum und Sitzmöglichkeit in der Laube. Vorne vor der Laube ein Spielbereich für Nana und eine Erholungsfläche für uns. Dahinter auf der restlichen Fläche bis zum Gartentor: Gemüsebeete. Dazwischen ein paar Zierpflanzen, mal ein Blumenkübel oder etwas Deko.

Es gibt gewisse Auflagen in Kleingärten.

In diesem Verein sind die Auflagen tatsächlich nicht sehr streng bemessen, es gibt zB. keine Prozentualen an Anbaubepflanzung, die eingehalten werden muss, nur überhaupt etwas angebaut werden sollte. — Den Garten wollten wir sowieso zum Pflanzen von Obst und Gemüse nutzen. Schon auf unserem Balkon waren in den letzten Jahren Erdbeeren, Tomaten und Paprika bis hin zu Kräutern fast nur Nutzpflanzen gewachsen. Jetzt haben wir den Garten mit viel Platz, um uns ordentlich auszutoben. — Wir freuen uns total aufs Säen und Ernten, und darauf Nana zu ZEIGEN, wo unser Gemüse herkommt. Im Moment bestaunt sie die blühenden Bäume, und ist schon ganz neugierig auf die Früchte.

— Im nächsten Teil werde ich euch berichten, wie wir angefangen haben, den Alptraumgarten, Schritt für Schritt in unseren Traumgarten zu verwandeln. In den Hauptrollen: Eisige Minustemperaturen, Nanas Lieblingsspinne und eine Kettensäge. Xx Fiona

GArten mit Kind | Kleingarten | Unverbogen Kind SeinDu hast auch einen Garten? Auf Pinterest sammele ich viele tolle Gartenideen. Schau doch mal rein!

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