Blogschnipsel | Übers Kind Sprechen

#BLOGSCHNIPSEL „Übers Kind Sprechen“ — Wir sitzen im Garten am Tisch und ich erzähle Oma davon, was Nana vor Kurzem lustiges erzählt hat. Mein Kind sitzt dabei, schaut und schweigt. Wir lachen. Dann plötzlich schaut sie zum Boden. Es ist nur eine kleine Geste von ihr, aber in diesem Moment, beiße ich mir auf die Lippen.

Es ist schon wieder passiert. Mir passiert das immer noch viel zu häufig: Übers Kind sprechen, als wäre sie nicht dabei. ich denke nicht darüber nach, dass es ihr unangenehm sein könnte, wenn ich der Oma erzähle wie „unglaublich putzig“ sie Wort X ausspricht. Oder, wie mein Kommentar bei ihr ankommt.

Puh. Das ist eines dieser Dinge, bei denen ich noch sehr an mir arbeiten muss.

Im Beisein vom Kind übers Kind sprechen ist einfach mies -In der Theorie weiß ich das. Jedenfalls dann, wenn die Anwesenheit des Kindes quasi irrelevant wird. — Der Bericht, das wir im Zoo waren und auf dem Spielplatz den hohen Rutschturm erklommen haben, ist natürlich nicht gemeint. Es geht um das sprechen ÜBER den Menschen. Es geht um Bewertungen.

„Das hat sie geschafft. Das habe ich ihr ja gar nicht zugetraut, sonst traut sie sich das auch nie.“ Oder: „Gestern war sie ja wieder richtig anstrengend und hat nur Mist gebaut.“ Wie unschön. Das will kein Kind hören.

Natürlich, ich spreche auch manchmal über meinen Mann oder Freunde so, aber da passieren Blicke, Mimik und Gestik untereinander, und es besteht immer die Möglichkeit zu korrigieren. Wenn wir unter Erwachsenen voneinander sprechen, dann passiert das mit Einverständnis. Über die Nachbarin würde ich in ihrem Beisein sicher keine lustigen Anekdoten weitererzählen. Und wenn ich weiß, dass mein Mann ein Missgeschick unangenehm ist, dann frage ich ihn, ob ich davon reden kann, oder ich lasse es lieber ganz.

Das Problem ist: Bei unseren Kleinkindern gehen wir viel zu schnell davon aus, dass sie unser Sprechen über sie gar nicht wahrnehmen — Waren sie ja bis vor Kurzem noch sprachlos (Was natürlich nicht heißt, dass sie damit überhaupt nichts verstanden hätten).

Jedenfalls geht das mir so. Ich vergesse oft irgendwie, dass sie doch dabei sitzt, zuhört, mich versteht. Ich denke nicht darüber nach, dass sie sich das zu Herzen nehmen könnte.

Vor Kurzem erzählte ich beiläufig, dass sie ja eigentlich keinen Sand mehr auf dem Balkon haben sollte, weil es eigentlich schon blöd war, dass sie den Sand überall verteilt hat. Prompt holte Nana ein Tuch, als ihr Sand auf den Balkonboden fiel und war traurig. Ich tröstete sie. Wunderte mich, was sie daran ärgerte. Ich verstand den Zusammenhang erst später.

Ich versuche mehr darauf zu achten. Es ist wichtig! Ich versuche, weniger zu bewerten, wenn ich über sie rede, sondern Situationen zu schildern und die Sicht meines Kindes einzuholen. Ich will mein Kind mehr Einbinden. Nachfragen, ob ich etwas erzählen kann. — Sie gleichwürdig behandeln. Ich bin auf dem Weg, und froh, dass meine Tochter mir mit ihren Reaktionen immer wieder die Augen öffnet, für die kleinen Ungerechtigkeiten im Alltag. Xx Fiona

Mehr kurze Gedanken zu Elternschaft, Erziehungsfreiheit und Familienthemen findest du in der Kategorie #BLOGSCHNIPSEL

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