Jetzt! Spricht Papa – F Wie Freundlichkeit

Jetzt Spricht Papa | Unverbogen Kind Sein

Viele Eltern erziehen ihren Kinder die kleinsten Details an, selbst dann wenn es nicht nötig ist. Sie versuchen ihnen dann strikt Dinge wie „Danke“ oder „Hallo“ sagen anzugewöhnen.

Wenn ich das schon immer auf der Arbeit höre. Ein Kind steht gelangweilt neben den Eltern, du fragst vorsichtig, ob der kleine Mann schon eine Packung Gummibärchen essen darf und während ich ihm die Packung schließlich hinhalte, höre ich so oft schon wie Mutter oder den Vater dem Kind ein penetrantes „Was sagt man? entgegenschmettern. — Im Ernst: Ich erwarte dieses Danke von so einem kleinen Menschen nicht. Ein fröhliches Gesicht, weil es schmeckt, verrät mir auch, sogar viel mehr, dass er sich freut.

Nana wächst ohne diesen Zwang auf. Sie muss nicht „Hallo“ sagen. Oft verabschiedet sie sich nicht. Damit zeigt sie, dass sie traurig übe den Abschied ist. Das ist okay.

Und sie muss sich auch nicht bedanken, wenn sie nicht möchte, oder wenn sie sich vielleicht einfach nicht traut.

Aber: Fiona oder ich bedanken uns. Wir leben es ihr vor.

Nicht damit sie es nachmacht. Einfach weil wir so leben und leben wollen. Und natürlich orientiert sich ein Kind daran.

Außerdem bedanken WIR uns, wenn wir uns freuen, dass Nana eine Scheibe Wurst geschenkt bekommt, einen Keks haben kann oder wir beim Bäcker das Brötchen nicht bezahlen müssen. — Nana hat sich das alles schon sehr früh abgeguckt.

Unsere Tochter ist zwar anderen Menschen gegenüber noch sehr schüchtern, und traut sich dann oft nicht „danke“ – oder überhaupt etwas – zu sagen, aber wenn wir unter uns sind, erschreckt es mich ehrlich gesagt manchmal schon ein bisschen, WIE höflich und freundlich sie zu uns ist. — Wenn Nana etwas haben will, sagt sie immer „Nana das bitte haben“, und wenn sie etwas ganz dringend will, kommt ein etwas energisches „bitteeee“. Morgens beim Frühstück machen kommt sie und fragte „Nana bitte helfen?“, und wenn sie ihr Brötchen bekommt, antwortet sie mit einem liebevollen Danke. Manchmal bringe ich Nana etwas vom Einkaufen mit. Wenn sie die Schokobonbons im Einkaufskorb findet, ja auch dann sagt sie mehrfach „Danke“ und rennt fröhlich mit der Packung durch die Wohnung.

Für mich ist es ein Zeichen dafür, dass wir in diesem Punkt alles richtig machen. Kein Grund an irgendetwas zu Zweifeln. Meine Tochter ist gerade mal zweieinhalb Jahre alt und ist freundlicher und zuvorkommender als mancher Erwachsene. — Kaum eine Situation in der Sie zu Oma, Opa, Mama oder mir nicht mit „Bitte“ oder „Danke“ reagiert. Und das alles alleine weil sie hört, wie WIR miteinander reden. Respektvoll und freundlich zu einander.

Ganz ohne Erziehung.

Jetzt Spricht Papa über F wie Freundlichkeit | Unverbogen Kind SeinWas mir aber besonders wichtig ist: Wir drängen Nana in keine Schiene. Weil sie sich im Moment freundlich bedankt, muss sie das nicht immer tun. — Sollte Sie aus irgendeinem Grund, und sei er noch so merkwürdig, nicht mehr „Danke“ sagen wollen, ist das okay.

Sie hat ihren eigenen Kopf und sicherlich auch einen Grund warum sie es nicht möchte. Und eventuell können wir diese Gründe finden und gemeinsam lösen. Vielleicht auch nicht.

Trotzdem werden wir weiter so sein, wie WIR sind, und bedanken und es ihr vorleben.

Warum mich der Gedanke nicht stört, dass mein Kind vielleicht mal nicht „Danke“ sagt? Freundlichkeit ist wie eigentlich alles im Leben doch auch wieder eine Sache des Betrachters. Während manch einer eben findet, dass „Bitte“ und „Danke“ alleine Freundlichkeit angemessen ausdrücken, so gehört für jemanden Anders viel mehr dazu. Oder etwas anderes.

Für mich bedeutet Freundlichkeit primär einen respektvollen Umgang zu seinen Mitmenschen. Eben so einen Umgang, wie wir ihn auch mit unserer Tochter haben, wenn wir statt zu erziehen, auf unsere Bedürfnisse schauen und miteinander über Probleme sprechen. Und ich glaube schon, dass wir DAS an unser Kind weitergeben. — Aber genauso wenig wie ich es von fremden Menschen auf der Straße erwarte, das sie mich grüßen, oder ich gleich wütend würde, würde man sich für die erfragte Uhrzeit nicht bedanken, so erwarte ich dies auch nicht zwingend von meinem Kind.

Unter uns: Uns sollte auch viel weniger interessieren, was andere von uns denken, und ob ANDERE unsere Kinder oder uns freundlich finden, sondern viel mehr, wie wir uns fühlen. Wenn meine Tochter sich beim Bäcker nicht bedankt, aber das Brötchen gleich verputzt, dann wissen wir, dann kann eigentlich jeder sehen, dass sie dankbar ist. Und das reicht. Xx Dominik

Mehr zum Thema lesen? HIER hat Fiona ausführlich darüber geschrieben, warum wir Kinder nicht zu Freundlichkeit sein, erziehen müssen. Was denkst Du darüber?

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