Blogschnipsel | Erziehung ist Gewalt

#BLOGSCHNIPSEL Erziehung ist Gewalt!

Wenn ich davon schreibe, dauert es meistens nicht lange, bis jemand kommt und mir widerspricht. Weiß ich. Wird auch hier passieren. Klingt ja auch provokativ.

Denn Erziehung, das bedeute ja schon lange nicht mehr zu schlagen und zu erniedrigen. Mal ganz davon abgesehen, dass leider tatsächlich noch viel zu häufig Kinder geschlagen, geklapst, geschüttelt, eingesperrt und verbal erniedrigt werden, fängt Gewalt aber schon viel früher an.

Gewalt bedeutet per Definition MACHTGEBRAUCH. Im schlimmeren Fall MACHTMISSBRAUCH.

Ich weiß, dass das nicht die geläufige Assoziation von Gewalt ist, mit welcher viele Brutalität und Bosheit verbinden, und sich in Bezug auf Erziehung dann verständlicherweise auf den Schlips getreten fühlen. Aber trotzdem ist es eben eine Definition. Jene, auf die die Unerzogen Haltung sich bezieht.

Erziehung als Gebrauch von Macht beinhaltet immer eine Gewaltausübung. Und in Fällen, in denen Erziehung vermeidbar ist, obendrein eben auch ein MachtMISSBRAUCH. Nun ist aus unerzogen Perspektiv Erziehung (logischerweise) quasi immer vermeidbar, wodurch Erziehung generell als MachtMISSBRAUCH eingestuft wird. Und selbst wenn es nicht so wäre, ob du es wahr haben magst oder nicht, die erzieherische Handlung selbst ist schon Gewalt: Die Ausübung von Macht aus einem Machtgefälle heraus, UM einen anderen Menschen zu formen und FREMDzubestimmen. DAS ist es was Erziehung ausmacht.

Ich sehe deinen Einwand: Natürlich kommt da noch mehr dazu: Vorleben, Erklären, Versorgen und Begleiten zum Beispiel. Diese Aspekte werden in der Unerzogen Definition aber aus dem Erziehungsbegriff ausgeklammert. Erziehung aus unerzogen Sicht meint die gewaltsame zielgerichtete Formung – Und NUR das. Alles andere tue ich genau wie du, lebe vor, erkläre und schütze, fasse es aber nicht unter den Erziehungsbegriff.

Du kannst diese Worttrennung jetzt blöd finden, finde ich ja im Grunde auch, aber es ist wie es ist: Erziehung beinhaltet Formung und diese Formung ist Gewalt. Gewalt, das heißt Machtausübung gegen jemand Unterlegenen (oder für unterlegen bezeichneten) zur Erreichung eines definierten Ziels. Erziehung bedeutet Machtausübung gegen den Zögling zur Erreichung eines Erziehungsziels. Nichts anderes als DIESE Parallele liegt in der Aussage „Erziehung ist Gewalt“. Ein Verbot, eine Strafe, eine Belohnung ist Gewalt, denn es ist eine zielgerichtete Machtausübung (und fast immer auch ein Machtmissbrauch). Ein Eingriff in die Persönlichkeit des Kindes, der nicht sein muss.

Das heißt nicht, dass Erziehung immer brutal und böswillig gemeint ist, und Eltern ihren Kindern weh tun wollen, überhaupt nicht, aber das Machtverhältnis spielt mit.

So wie ein Politiker Macht gebraucht und Gewalt über die Bürger ausübt. Diese Gewalt gegen Kinder ist in uns gesellschaftlich stark verankert, dass wir sie kaum wahrnehmen.

Es ist überwiegend selbstverständlich ein Kind „unfertig“ zu betrachten, ihm Rechte und Selbstbestimmung abzutreten. Gewalt gegen Kinder ist ein akutes Problem kultureller Gewalt geworden. – Einer Gewalt, der wir nur entgegentreten können, wenn WIR sie erkennen und den Mut haben, es anders zu machen. DIESE unsichtbare Gewalt ist es, die ich immer und immer wieder meine, die nunmal passiert, wo jemand (oder ein ganzer Haufen rezitierter ‚man’s) jemand anderen erzieht, formt, verbiegt. Eltern üben Gewalt über ihre Kinder aus. Immer. Auch Unerzogen kann ich mich davon nie ganz Freisprechen, weil manche Situationen meinen Machtgebrauch weiterhin fordern (schützende Gewalt).

Was ich tue: Ich erkenne die Gewalt, ich rede sie mir nicht schön, sondern weiß das sie da ist. Und ich vermeide sie, so gut ich kann, indem ich auf gewaltsamer Formung nach bestem Können verzichte. Wenn ich schon meine Macht manchmal gebrauchen muss, will ich sie nicht missbrauchen.

Ich will nicht MEHR Gewalt auf mein Kind ausüben, als unbedingt notwendig ist.

Wir können hier natürlich darüber diskutieren, ob das nun alles schadet oder nicht, und wann Machtausübung eigentlich legitim wird. Wir können darüber sinnieren, ob es möglich sein kann, im Eltern-Kind Verhältnis ganz auf Machtausübung zu verzichten. Und wir können überlegen, welche Wege akzeptabel sind, und wie das alles konform geht mit Erziehungsfreiheit.

ABER: Wir brauchen nicht darüber zu sprechen, OB Erziehung Gewalt ist, OB im Eltern-Kind Verhältnis ein Gewaltgefälle steckt. Denn so ist es per Definition. Erziehung ist Gewaltausübung. Xx Fiona

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.