Jetzt! Spricht Papa ..B Wie Begleitung

Fiona fragte mich beim Durchsehen des letzten Beitrags, ob ich das jetzt durchziehen will mit dem Alphabet. Die Idee gefällt mir. Da gibt es viel zu Schreiben, auch wenn ich mir noch nicht sicher bin, was ich zu X und Y schreiben werde.

Begleitung ist so ein irgendwie schwammiger Ausdruck, ich weiß.

Mir läuft es immer wieder eiskalt den Rücken herunter, wenn ich mit Kollegen aus alter Schule spreche und mir erzählt wird, ich solle mein Kind, wenn es hinfällt doch ruhig mal liegen lassen. Es müsse sich selbst aufrappeln und aufstehen. So wird das Kind selbstständig. Gruselig.

Oder wenn mein Kind mal wütend ist, solle ich bestimmend NEIN sagen und zeigen wer hier das Sagen hat. Und wenn mein Kind fremdelt, dann muss es da eben dadurch. Es muss lernen damit umzugehen. Alleine. Als Vater müsse ich mich zurückhalten.

Das sind alles Ansätze, die vermutlich jeder kennt, und jeder, der bedürfnisorientierten lebt, vorgehalten bekommt. Ich versuche im Folgenden auf alle drei Beispiele einzugehen und euch meine Sicht zu schildern.

Natürlich lasse ich meine Tochter vorlaufen, wenn wir spazieren gehen oder wir auf dem Spielplatz sind. Ich halte sie nicht bei mir. Wenn SIE sich wohl fühlt ist das super. Natürlich passiert es auch immer mal wieder, dass sie hinfällt. Manchmal steht Nana gleich wieder auf. Und manchmal gibt es Momente, da kann sie die Tränen nicht zurückhalten und bleibt liegen. Da, wo sie hingefallen ist. Als Erwachsener steht man  dann da, und ein „Komm. Aufstehen, nichts passiert“ gleitet einem prompt über die Lippen.

Mir ist das auch passiert. Anfangs leider viel zu oft.

Ob tatsächlich etwas passiert ist, kann uns doch aber eigentlich nur unser Kind mitteilen. Wir sehen nicht, ob es wehtut oder einfach der Schreck, die Tränen fließen lässt.

Ich begleite mein Kind in diesem Moment. Zeige, dass ich da bin, dass ich verstehe, dass dies gerade ein richtig doofer Moment ist, und dass ich puste und mir das Aua angucke, wenn sie das braucht. Auch wenn da auf dem ersten Blick gar nichts ist. Für mein Kind ist es unheimlich wichtig, dass Mama oder Papa sie ernst nehmen und ihr den Schmerz nicht ausreden.

Anderes Beispiel. Mein Kind schreit, weint, wirkt aggressiv und wirft womöglich noch Bauklötze durch die Wohnung. Das ist ein Moment ,in dem ich als Vater, der selbst schnell gereizt ist, mich zügeln muss. Das fällt mir heute deutlich leichter als noch vor einem halben Jahr, trotzdem rutsche ich immer wieder in alte Muster. Ich schaue Nana an, frage genervt, was das jetzt soll und bin selbst dabei schon sehr angespannt. Aber: DAS IST DER GANZ FALSCHE WEG. Alles an mir signalisiert „SO will ich dich nicht haben“. Das hilft uns nicht.

Was sie tut, hat einen Grund.

Diesen Grund sollte ich herausfinden.

Und da mein Kind schon in dieser Situation steckt, wütend und frustriert ist, bringt es nichts, mich auch noch aufzuregen. Das spielt uns beide nur weiter hoch. Viel mehr will ich auf mein Kind eingehen, sie durch diese Wut begleiten und ihr zeigen, dass ich verstehen kann, dass sie wütend ist und ihr helfen will, damit umzuegehen. „Ich sehe, dass du wütend bist, Bitte wirf die Bauklötze in die Kiste, damit du niemanden triffst.“

Der Satz wirkt komisch auf dich? Auf mich manchmal auch. Kein Verbot. Keine Strafe. Kein Schimpfen. Ich kann dir den Grund dafür nennen, dass die Reaktion ungewöhnlich wirkt: WIR wurden erzogen. Wir sind es überhaupt nicht gewohnt, dass jemand versucht ,eine Lösung zu finden die Eltern und Kind gerecht wird. Aber warum eigentlich nicht?

Mal ehrlich: Wenn WIR wütend sind, dann ist das so. Da kann keiner etwas daran ändern. Warum dürfen unsere Kinder solche Momente nicht auch einfach haben?

Die alten Muster sind trotzdem da. Es dauerte, bis ich lernte, immer mehr begleitend, statt erziehend mit Nana umzugehen. Und wenn ich mich heute im ersten Moment falsch verhalte, merke ich das, entschuldige mich und helfe meiner Tochter lieber die unschöne Situation auszuhalten oder zu lösen, statt genervt zu sein.

Eine ebenso unschöne Situation ist hier immer wieder das Fremdeln. Mein Kind ist in diesen Momenten unsicher und weiß nicht, wie sie sich verhalten soll. Als Mama oder Papa sollten wie uns auf keinen Fall im Hintergrund halten, finde ich, auch wenn viele es so empfehlen. Mein Kind braucht mich in diesem Moment. Ich gebe ihr Sicherheit. Ich stärke ihr den Rücken. Das würde fehlen, wenn wir nichts sagen, nicht reagieren.

Nana fremdelt leider immer noch. Nicht mehr so stark, wie vor einem Jahr, es wird nach und nach besser, aber bei Leuten, die Sie gar nicht kenn oder nicht mag, benötigt sie immer die Hand von Mama, Papa, Oma oder Opa. Und ja, wir sind für sie da, wir halten ihre Hand, nehmen sie hoch und begleiten sie durch die Angst.

Drei von vielen Beispielen, in denen wir begleiten, statt zu urteilen und zu lenken. Begleitung, das heißt Dasein.

Natürlich könnte ich noch weiter ausholen. Noch andere Beispiele nennen -Mit Sicherheit sind auch Situationen dabei, über die andere die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, weil wir „nur“ begleiten. Oder weil wir „zu viel“ Begleiten.

Eines sollte dir immer klar sein. Ein kleiner Mensch kann nicht zu viel Nähe bekommen. Wenn dein Kind etwas alleine machen möchte und dich nicht braucht, dann sagt es dir das. Und auch solche Momente kommen. Aber wenn mein Kind mich braucht, bin ich da, um ihr den Rücken zu stärken, und sie auf dem Weg ins Erwachsenen Leben begleiten. Xx Dominik

Hier kannst du nachlesen, was meine Frau über Frustbegleitung, Trösten und die Begleitung von kindlichen Ängsten geschrieben hat.

 

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