Die Windel ist ab! Übers trocken werden, und wie ich es fast vermasselt habe

Die Windel ist ab_ übers trocken werden und wie ich es fast vermasselt habe

Pünktlich zu ihrem dritten Geburtstag entdeckte meine Tochter einen neuen Lieblingssatz für sich: „Ich bin schon groß!“ Mehrfach täglich bekomme ich das aktuell zu hören. Und mit diesem Gedanken vom Großsein, hat Nana gefühlt auch wieder einen riesen Sprung gemacht. – Die markanteste Veränderung: Seit ein paar Tagen sind wir die Windel los. Ich bin wirklich überrascht, wie schnell das trocken werden nun doch ging. Gerechnet hatte ich damit im Moment nämlich überhaupt nicht. Das Windelthema war hier echt kein einfaches. wer mich kennt, weiß das.

Anders als erwartet, hat es mich total gestresst.

Ich habe lange überlegt, ob ich euch davon berichten soll.

Fakt ist: Das hier wird keine BilderbuchBINDUNGSORIENTIERTgeschichte. Im ernst: Ich habe es streckenweise ordentlich vermasselt. Bis zuletzt war ich mir deswegen auch sicher, dass wir noch lange an diesem Thema rumdoktorn würden. Weil ICH es einfach nicht hinkriegte mit dem Vertrauen. Wer mich kennt, der weiß, dass dieses Thema mich wie kein zweites wahnsinnig gemacht hat. – Ich kann selbst nicht genau sagen, warum das eigentlich so war, aber diese Windeln nervten mich! Erst nach einer echt langen Odyssee habe ich endlich loslassen können. – Und wir sind beiden daran gewachsen.

Nana und ich.

Auf dem Weg zum trocken Werden: Die ersten Signale

Fangen wir ganz vorne an. Am Anfang war die Sache für mich eigentlich klar: Meine Tochter würde SELBSTBESTIMMT entscheiden, wann die Windel abkommt. Wie sie das bei vielen anderen Dingen auch tut. Natürlich. Nicht stressen. Bloß nichts Fremdbestimmen und Antrainieren.

Selbstbestimmt heißt nicht Alleine. Wie Selbstbestimmung funktioniert HIER

HIER habe ich damals übers entspannte Wickeln geschrieben und mich klar vom Töpfchentraining distanziert. Finde ich übrigens immer noch ein totales NOGO! Erwartet hier also keine Anleitung zum Trocken Werden! Nana MUSSTE nie aufs Töpfchen – Aber ja: Zumindest im Kopf habe ich an manchen verzweifelten Abenden durchgespielt, wie es wohl wäre wenn doch.

Wir gingen die Sache erstmal unbeschwert an.

Kurz nach dem ersten Geburtstag zog ein Töpfchen ein, das frei zum Bespielen stand. Ein Toilettensitz folgte irgendwann als Kauf nebenbei – für den Fall der Fälle eben. Das stand alles eine Weile rum. Ein paar Mal setzte Nana sich darauf, auch mal nackt zB. nach dem Baden, und einmal da schaffte es bei der Gelegenheit sogar etwas Pipi in die Toilette.

Wir freuten uns. Es blieb aber beim Zufall. Das Interesse ebbte vollkommen ab.

Lange staubten Töpfchen und Toilettensitz so vor sich hin.

Wir hatten ein paar Bücher zu dem Thema, Bücher gehen schließlich immer, sprachen darüber, wofür das Töpfchen gut sei, beließen es dabei.

Bis zum vergangenen Frühjahr nach Nanas zweitem Geburtstag.

Zu diesem Zeitpunkt mochte meine Tochter es gerade gerne, zuhause nackt zu sein. Dazu gehörte immer öfter nun auch das Ausziehen der Windel, die sie dann partout auch gar nicht mehr anziehen mochte. Das war natürlich okay.

Zuhause blieb die Windel also immer häufiger ab, und sie blieb stattdessen nackt. Bald wurde das zuhause der Normalzustand. (Unterwegs nahm sie die Windel an.) Nach ein paar Unfällen, die ich aber an einer Hand abzählen konnte, meldete meine Tochter sich zuverlässig, wenn sie musste. Sie verlangte dann eine „Windel!“, oder brachte mir einfach selber eine, wenn es dringend wurde. Die Windeln lagen nun immer in Griffhöhe bereit.

Zu diesem Zeitpunkt fand ich das übrigens noch richtig cool – es war ein selbstbestimmter Zwischenschritt. Es war DER Sprung zum trocken werden. Als Nächstes würde sie nur noch diese Windel weglassen müssen.

Zuhause nackt zu bleiben und erst wenn sie musste, schnell die Windel anzuziehen, war also quasi IHR Startschuss, und ich freute mich total darüber. Geahnt habe ich damals noch nicht, wie viele Konflikte diese Entscheidung von ihr in MIR auslösen würden. MEIN Problem damit war nämlich dieses: Ich fing an zu ERWARTEN. Richtig viel sogar. Ich erwartete, dass der nächste Schritt zum trocken werden jeden Moment kommen würde. Ich erwartete jeden Tag, dass sie statt der Windel endlich nach dem Töpfchen fragen würde. Ich erwartete – und meine Erwartungen wurden enttäuscht. Das Ergebnis: Frust. Totalausfall.

Das war MEIN Problem. Nicht das meines Kindes.

Das Blöde: Ich machte es auch zu ihrem Problem.

Hallo Sackgasse: Über zu hohe Erwartungen, Frust und Tränen

Mit knapp zweieinhalb Jahren war Nana tagsüber zuhause also quasi schon trocken. Unfallfrei. Nur noch von der verflixten Windel musste sie sich trennen, die sie weiterhin jedes Mal verlangte, wenn sie mal musste. Im Sommer ließen wir sie auch im Garten nackt und stellten ein Töpfchen bereit. Auch zuhause fragte ich Nana immer mal wieder, wo wir das Töpfchen für sie hinstellen sollten, wenn sie ohne Windel umherlief. Manchmal, wenn sie ihre Windel verlangte, fragte ich nun, ob sie sich nicht doch mal darauf setzen wollte. Es MUSSTE doch mal vorangehen, dachte ich. Ihre Puppe bekam ebenfalls ein kleines Töpfchen, damit könnten sie zusammen üben – so wie in einem ihrer Bücher, das wir uns hin und wieder ansahen. Tatsächlich setzte Nana sich immer mal wieder aufs Töpfchen, wollte vorgelesen bekommen, hatte Spaß, wenn sie darauf saß. Es fühlte sich richtig an. Noch. (– Auf den Toilettensitz mochte sie nicht.)

Aber jedes Mal sprang Nana auf und wollte die Windel, wenn sie dann wirklich musste.

Und jedes Mal wurde meine Erwartung wieder enttäuscht.

Sie war noch nicht soweit. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, weiß ich das auch. Was sie tat, war voll normal. Im Grunde konnte ich stolz sein, dass sie sich so zuverlässig meldete. Und dann ist Nana ja auch noch hochsensibel und braucht oft etwas länger für neue Dinge. Ich weiß doch. Diese ganze Windeltrennungssache fiel ihr doppelt schwer.

Aber die Erwartung wuchs.

Das Interesse war ja da, das sah ich. Ich glaube, sogar der Wille war da. Aber eben auch ganz viel Unsicherheit, die ich nicht mit ihren Augen sah.

Da lag plötzlich eine ganz neue Situation vor ihr. Ungewisses. Komische Empfindungen. Komische Geräusche. Ich versuchte, mir das immer wieder klar zu machen. Bremste das Thema immer mal wieder für ein paar Tage.

Und trotzdem: Die Situation nervte mich.

Es machte mich verrückt, wenn sie dort vor mir wütete, auf diese Windel bestand, obwohl sie doch schon minutenlang auf dem Töpfchen gesessen hatte. Es machte mich verrückt, weil sie mir doch selbst erzählte, dass das Pippi dort rein kommt. Und weil ICH überzeugt davon war, dass sie das schaffen würde. Es war nur ein kleiner Ruck, der ihr fehlte. Jedenfalls aus meiner Perspektive. Aus ihrer Sichtmuss es schlimm gewesen sein.

Versteht mich nicht falsch: Ich zwang sie nicht. Sie stand auf und ich zog ihr diese Windel an, jedes mal wenn sie das wollte. Aber es frustrierte mich. Wie meine Stimmung kippte, das konnte nicht unbemerkt an ihr vorbeigehen. Auch nicht, wie ich das Töpfchen immer wieder, immer eindeutiger thematisierte, es in MEINEN Fokus rückte. Zu oft sagte ich, dass ich mir sicher bin, dass sie das kann. Zu selten, dass sie sich Zeit lassen kann.

Ich machte ihr Druck, alleine dadurch, dass das Thema für mich so präsent war. Ich wusste das, aber ich wurde es einfach nicht wieder los. Ehrlich. Ich habe nächtelang dieses Thema zergrübelt. Ich habe immer wieder mit Bekannten darüber gesprochen. Ich wusste, dass der Schlüssel sein würde, aufzuhören MEHR zu erwarten, als mein Kind gerade konnte.

Aber ICH schaffte es einfach nicht locker zu lassen. Wir steckten in einer Sackgasse.

Trocken werden - Töpfchen: Eigentlich kein Ort für Stress
Das stille KINDERörtchen – Eigentlich nicht der richtige Ort für Streitereien
Wie es nicht laufen solle: Wenn Trocken Werden zur Stresssituation wird

Dann kam der große Einbruch. Ich werde diesen Moment nie vergessen. Mein Kind dummerweise vermutlich auch nicht. Eine saublöde Aneinanderkettung von Zufällen. Echt. Ich saß auf der Toilette. Nana kam, weil sie musste, aber der Windelvorrat in Griffhöhe leer war- Ich bat sie also, sich aufs Töpfchen zu setzen. Ich wollte ihre Windel holen, wenn ich fertig war. Das hatten wir öfter schon so gemacht, und sie wartete dann geduldig. Nur diesmal schaffte sie es nicht. Das Pipi landete halbwegs im Töpfchen – Was mich im ersten Moment freute, denn ich dachte noch, das wäre jetzt DER Moment, der ihr gefehlt hatte, doch Nana erschrak.

Sie weinte, sprang auf, kippte das Töpfchen dabei um. Sie war total aufgelöst, und ich wusste gar nicht, wie ich darauf reagieren sollte.

Ich tröstete sie, klar. Ich bereute, nicht sofort nach einer Windel gehechtet zu sein, und ahnte, dass das das vorläufige Ende des Themas war.

Die nächsten Tage rührte Nana das Töpfchen nicht mehr an. Sie wollte wieder direkt die Windel, und setzte sich überhaupt nicht mehr darauf.

Sie sagte, dass sie Angst davor hat.

Und manchmal sagte sie nun, dass sie aufs Töpfchen gehen will, wenn sie drei ist. Ich weiß nicht genau, wie sie darauf kam. Vielleicht weil wir manchmal davon sprachen, dass sie älter wird, dass sie im Winter drei werden würde.

Spätestens an diesem Punkt hätte ich die Versuchsreihe trocken werden komplett ruhen lassen sollen. Man verdammt, ich weiß das doch auch!

Aber ich ließ das Thema natürlich nicht ruhen, erinnerte sie immer mal wieder an das Töpfchen, fragte, ob sie es nicht doch ausprobieren wollte. Es ärgerte mich unfassbar! Dieser Rückschritt setzte meinem Frustpegel die Krone auf. Ich wollte doch, dass es voran ging. So sehr ich ihr NEIN auch oberflächlich weiterhin akzeptierte, ihr die Windeln weiter anzog und versuchte loszulassen, ICH wollte diese verflixte Windel endlich loswerden.

Tatsächlich blieb Nana irgendwann wieder häufiger nackt und meldete sich. Sie setzte sich irgendwann auch wieder auf den Topf, diesmal aber nur noch mit Windel am Popo. Das nervte mich auch nicht weniger. Ich ertappte mich nun, dass ich sie immer mal wieder drängte, es doch wenigstens mal zu versuchen. Ich hörte mich sagen, dass sie kein Baby mehr sei. Einmal schnaubte ich ihr sogar total frustriert zu, irgendwann einfach keine Windeln mehr nachzukaufen. Uff. Was war bloß los mir mir?

Ich bin alles andere als stolz darauf.

Ich kann auch nicht erklären, warum das alles so gekommen war. WARUM mich das so sehr frustrierte. WARUM meine Erwartungen so starr waren, dass ich sogar Erziehung in Kauf nahm. Das Thema machte mich fertig.

Die ENTspannung, die gefehlt hatte: Wie ich losließ und mein Kind die Windel wegließ

Je mehr ich wollte – umso komplizierter wurde die Situation. Nana reagierte auf ihre Art und Weise, um mit dem Druck umzugehen: Meine Tochter weigerte sich nun immer öfter, volle Pipiwindeln auszuziehen. Und wieder gab es Konflikte. Druck erzeugt Gegendruck. So oft ich das hier auch predige, diesmal hatte ICH das Brett vorm Kopf.

Ich hatte also nun ein Kind, das einerseits quasi trocken war, sich zuverlässig selbst die Windel holte und unfallfrei zuhause ohne Windel lief, andererseits aber -war die Windel einmal an- sich total dagegen wehrte gewickelt zu werden bzw. die Windel auszuziehen. Das machte es nicht besser für mich und meine ohnehin verkorkste Frustrationstoleranz: Nun kam noch der ebenso dumme Gedanke obendrauf, dass wenn sie sich schon nicht wickeln ließ, sie ERST RECHT endlich aufs Töpfchen gehen sollte.

Sagen wir es, wie es ist: Ich hatte es total vermasselt.

ICH steckte fest. Und meine Tochter mit mir. Bei keinem anderen Thema lagen meine Nerven bisher jemals so blank, wie bei diesem. Dabei hatte ich als Babymama noch gedacht, ich würde das Trocken Werden total vorbildlich ENTspannt angehen. Von wegen. Es nervte mich, dass wir so lange feststeckten. Es nervte mich, dass sie könnte, wenn sie wollte. Und es nervte mich obendrein, dass das Wickeln wieder anstrengend wurde.

Und: Ich nervte mich selbst damit.

Immer wieder beklagte ich abends bei meinem Mann, wie seltendämlich ich war. Ich weinte oft, weil ich mit Nana alles andere als fair umging.

Wir schaukelten uns immer wieder hoch. Zwar stand das Thema nicht permanent im Fokus – Aber alle paar Tage steckten wir zuverlässig wieder mitten drin in diesem Konflikt, den ICH uns eingebrockt hatte. Dazwischen näherte meine Tochter sich auf ihre Weise ans Töpfchen an, schleppte es von Raum zu Raum und setzte sich immer mal wieder von sich aus darauf. Ihr Wille war irgendwo da, aber ICH schaffte es nicht sie bei ihren Unsicherheiten abzuholen – da waren immer nur meine Erwartungen, sobald sie das Töpfchen ansteuerte, aber ihren eigenen Weg sah ich nicht.

Es ist schwierig, das einzusehen.

Vermutlich schreibe ich das hier auch, um damit irgendwie abzuschließen.

Ich entschuldigte mich bei meinem Kind. Ständig in dieser Zeit. Ich wusste ja, dass es MEIN Fehler war. Nicht ihrer. Ich meine, Herrgott, das Kind war gerademal zwei Jahre alt. Und wenn sie noch ein Jahr länger ihre Windel gebraucht hätte, dann hätte das für mich auch in Ordnung sein sollen. Hätte. War es aber nicht. Alles wegen der Erwartungen, die im vergangenen Frühjahr IN MIR gewachsen waren. Ich sagte ihr so so oft, dass es mir leidtut, dass ich es einfach nicht schaffe, sie mit diesem Thema in Ruhe zu lassen, und das ich doch wusste, dass sie meinen Zuspruch brauchte. Ja, ich sagte IHR das. Und ich glaube, in dieser jämmerlichen Odyssee rettete dieses Bewusstsein geradeso unsere Beziehung zueinander.

Ich sprach viel mit ihr.

Wahrscheinlich verstand sie nicht alles von dem, was ich sagte. Meine Wünsche. Mein Frust. Mein Genervtsein MIT MIR SELBST. Und bei allem was war, hoffe ich sehr, dass sie mir eines immer glaubte: Nämlich, dass ich IHR nie die Schuld gab. „Es ist falsch von mir, nicht von dir.“

Das Umdenken kam ENDLICH. Viel zu spät. Aber es kam.

Es kam nach einem dieser Gespräche, in denen ich mich entschuldigte und mir klar wurde, dass es so einfach nicht mehr weitergehen konnte. Dass noch tausende Entschuldigungen nicht wieder gut machen konnten, was ich tat. Dass die Streitereien sich häuften und zuspitzten. Dass es falsch war.

Ich war an der Reihe, die Notbremse zu ziehen.

Ich würde lügen, würde ich behaupten, dass ich das Thema komplett ausblenden konnte, aber ich vertagte es gedanklich erstmal, und wurde im vergleich zu vorher deutlich entspannter. Endlich wieder Zugewandter. Zwei Umstände kamen der ENTspannung zu Gute.

1) WENIGER PRÄSENZ: Es war inzwischen November. Es wurde kälter und wir bekamen vermehrt Spielbesuch zuhause, wodurch Nana seltener zuhause nackt war, ergo Windel und Hosen trug. MEIN Fokus verlagerte sich vom Trockenwerden also erstmal ohnehin wieder etwas weg.

2) MEHR ACHTSAMKEIT: Die Weihnachtszeit stand bevor und ich wollte diese Zeit bewusst achtsam und zugewandt verbringen. Ich entschied mich, erst nach Neujahr, irgendwann im nächstesn Frühjahr das Thema nochmal sanft anzustupsen. (Denn sie sagte ja selbst nach wie vor immerzu, mit drei wollte sie aufs Töpfchen gehen!). Aber diesmal anders. Irgendwie besser.

Dazu kommt es jetzt nicht mehr. Und das ist vermutlich auch gut so.

Nana an ihrem dritten Geburtstag
Wenn Kinder groß werden, wollen sie selbst entscheiden.

Da war die Lücke, die ENTspannung, die meinem Kind gefehlt hatte: Ich schaltete das Thema ab. Ich fing wieder an, ihr die Windel kommentarlos anzuziehen, ohne sie aufs Töpfchen hinzuweisen. Als hätte Nana darauf gewartet, kamen die nächsten Schritte zum Trocken Werden wie von selbst. VON IHR. Nach ein paar Tagen wurde das Wickeln spürbar leichter. Nana verlagerte nun selber das Wickeln zuhause komplett ins Badezimmer. Sie setzte sich nun auch immer mal wieder aufs Töpfchen, wenn ich auf der Toilette saß, sagte dann, dass sie jetzt auch Pipi macht, und wollte für mich die Toilettenspülung drücken. Sie hatte endlich wieder Spaß an dem Thema.

Was gefehlt hatte war ihre Selbstbestimmung, die mir irgendwo abhanden gekommen war. Erst als ich das Thema für mich auf Eis gelegt hatte, konnte ich SIE wieder sehen, da sein, ohne drängende Hintergedanken. Erst jetzt konnte meine Tochter selbst entscheiden, wie es weitergehen sollte.

Mehr Selbstbestimmung! Erfahre HIER, wie uns Selbstbestimmung auch beim Zähneputzen aus der Krise half!

Kurz vor ihrem dritten Geburtstag, passierte es dann. Nana lief mit ihrem Töpfchen durch die Wohnung, und sagte mir plötzlich, dass sie darauf ja schon Pipi machen will, aber dass sie Angst hat. Das war das erste Mal seit den Anfängen, dass sie von sich aus das Thema ansprach.

Ich fragte sie, ob wir etwas können, damit sie keine Angst mehr davor hat. Ich holte sie ab, wo sie mich brauchte. Endlich.

Und irgendwie wusste ich an diesem Tag auch, dass es diesmal gut enden würde. Weil es MICH diesmal nicht stresste, übers Töpfchen zu reden.

Nana schlug vor, MIT Windel AN ins Töpfchen Pipi zu machen, damit sie weiß, wie das geht. Es brauchte nur ein paar Anläufe, bis sie sich traute. Nach dem zweiten Mal wollte sie dann lieber direkt auf die große Toilette, mit dem Toilettensitz, der schon immer in der Ecke stand und verstaubte. Auch hier machte sie mit Windel an, spülte aber trotzdem und freute sich. Die Windel zog sie danach aus.

Und ich freute mich mit ihr.

So kam es, dass sie zu ihrem Geburtstag keine Windel mehr trug, sondern eine Unterhose. Und wenn sie musste und zur Toilette lief, dann lagen Windeln bereit, die wir ihr schnell überzogen, bevor sie sich stolz auf ihren Toilettensitz setzte und machte. Wie die Großen. Nur eben noch mit der Windel am Po. Ihr Weg: Schritt für Schritt. MIT Windel, weil die ihr Sicherheit gab. Und ich hatte ihr genau diese Sicherheit nehmen wollen.

Nach Weihnachten, nachdem sie nun schon einige Tage auf diese Weise auf die Toilette ging, kitzelte es mich dann aber doch nochmal. Ich fragte sie, nebenbei, während ich ihr beim Toilettengang die Windel anzog (!), WANN sie die Windel weglassen will – Nicht OB. Und was ihr dabei helfen könnte. Sie verneinte zunächst einfach nur und diesmal ließ ich sie damit in Frieden. „Du sagst mir, wann du soweit bist. Und dann helfe ich dir, wenn du Hilfe brauchst.“ Zwei Sätze, die mein Kind viel früher gebraucht hätte.

Am nächsten Tag erklärte Nana mir, dass sie die Windel anhaben wollte, weil es sonst zu LAUT plätschern würde, wenn sie Pippi in die Toilette macht. Mein hochsensibles Kind <3 Ich schlug Nana vor, Toilettenpapier in die Toilette zu legen, damit es nicht so laut ist, wenn sie ohne Windel macht.

Begeistert probierte Nana diese Idee beim nächsten Toilettengang aus. Das kam von IHR. Ich hatte nur die Idee benannt, aber diesmal nicht gedrängt.

Das Pippi landete in der Toilette.

Nana lachte. „Das ist ja gar nicht so sehr laut. Da habe ich keine Angst vor!“

Was soll ich sagen? Seitdem ist meine Tochter trocken. Am Ende war es so einfach. Alles was gefehlt hatte war die Lösung, für ihre Ängste. Und die Sicherheit Schritt für Schritt im eigenen Tempo entscheiden zu können.

Ab dem Moment, als ICH losließ, einen Haken setzte, und ENDLICH aufhörte, zu erwarten, konnte meine Tochter wieder selbstbestimmen.

Nachts und unterwegs trägt sie im Moment übrigens noch Windeln. In beiden Fällen bleibt die Windel aber seither trocken. Diese letzte Sicherheit lasse ich ihr, solange sie es braucht. Keine Fehler mehr. Keine Erwartungen.

übers trocken werden und wie ich es fast vermasselt habe #familienleben #trockenwerden
Der Mut, Fehler einzusehen – Unser trocken werden als Lektion

Bei ihrem ersten Impuls im vergangenen Frühjahr, die Windel wegzulassen, war es nicht das trocken werden gewesen, dass mein Kind interessiert. Das war nur, was ICH hineininterpretiert hatte. Eine falsche Erwartung, die mein Kind, wie es war, und was es brauchte, ignorierte.

Diesmal war SIE bereit. Mit drei Jahren. – Wie sie es selbst schon eine ganze Weile gesagt hatte. Vielleicht wäre sie auch schon eher bereit gewesen, hätte ich es früher geschafft locker zu lassen. Vielleicht war der dritte Geburtstag aber auch ihr innerer Stichtag, ihr Großwerden, ganz unabhängig davon, wie viel ich versucht und letztlich vermasselt hatte.

Wenn Mama meckert! Tipps, wie du die Wut wieder hinter dir lässt HIER

Wenn ich so darüber nachdenke, was rund um das Thema alles gewesen ist, ist es unheimlich stark von Nana, dass sie ihren Plan verfolgt und es geschafft hat, trotz der Konflikte vorher, jetzt so schnell trocken zu werden.

Ich bin froh, mit dem Windelthema jetzt durch zu sein. Erleichtert. Ich merke, wie die Anspannung aus unserem Alltag komplett gewichen ist.

Und ich bin dankbar. Dankbar, dass meine Tochter sich nicht von mir hat manipulieren lassen. Dankbar, daraus am Ende gelernt zu haben.

Es hilft nicht, eigene Erwartungen über die Bedürfnisse anderer zu stellen.

Rückgängig machen kann ich das letzte halbe Jahr nicht. Ich habe Fehler gemacht. Was ich jetzt tun kann: Mir verzeihen und dem Thema nicht noch mehr Bedeutung geben, als es eh schon bekommen hat. – Und diesen Mist nicht nochmal in irgendeiner Form wiederholen natürlich. Wenn ich jetzt meine Tochter ansehe, wie sie fröhlich auf der Toilette sitzt, sich freut und mich dann an der Hand in ihr Zimmer zum Spielen zieht, kann ich mit dem Thema abschließen. Nein, es lief nicht ideal, nicht annähernd.

Aber WIR haben UNS nicht verloren.

Ich habe lange überlegt, ob ich euch hiervon berichte.

Ich denke, dass unsere Geschichte dem ein oder anderen Mut machen kann. Mut, doch noch loszulassen. Mut zurückzurudern, wenn es grad nicht gut läuft. Mut, sich die eigenen Fehler einzugestehen und weiterzumachen. Es ist okay. Wir sind gut genug, wie wir sind Xx Fiona

5 Kommentare

  • Anna-Maria

    Hallo,
    Ich danke dir für diesen Artikel.
    Mein Sohn war fast vier, als er windelfrei wurde. Geholfen hat der Sommer und das freie Pieseln an den Baum im Garten.
    Nur der Stuhlgang. Der will nicht in der Toilette landen. MEINE dummen Erwartungen führten sogar dazu, dass er den Stuhlgang zurück gehalten hat. Was mich völlig fertig machte. Zu sehen, wie er immer weniger isst, weil nichts mehr rein passt, trotzdem zurückhält. Ich war frustriert, extrem gestresst. Ich war furchtbar. Und die ganze Zeit wusste ich, dass ich mich entspannen muss. Aber ich konnte nicht. Es hat mich genervt, dass der Stuhlgang zurück gehalten wurde. Es hat mich genervt, dass er windelfrei war, der Stuhlgang aber in die Hose ging. Mein Sohn verlangte keine Windel, sondern zog aich zurück und machte in die Hose. Es war eine Freundin, die mir sagte, ich solle mich entspannen wegen dieser paar schmutzigen Hosen. Ich wusste das. Aber das von Dritten hören, war wichtig. Ich entspannte mich. Kein frustriert sein. Und es klappte. Stuhlgang kommt regelmäßig. Er wollte auch mal auf die Toilette. Ihn stört das Popo abwischen. Ich stelle ihn also danach unter die Dusche, er liebt es. Seit drei Wochen wieder ein Rückschritt: er zieht sich zurück und macht wieder in die Hose. Ich verstehe es nicht. Und versuche entspannt zu bleiben. Nicht zu bohren, warum. Sondern ihn abzuholen. Aber es fällt mir schwer.
    Daher: danke für den Artikel! Er entspannt mich innerlich ein wenig.

    Viele liebe Grüße, Anna

    • Hallo Anna. Danke für deine Erfahrungen hier. Das klingt auch sehr anstrengend. Du hast mein volles Mitgefühl und ich hoffe, die Situation bessert sich wieder. Viele Grüße, Fiona Xx

  • Yven Ascari

    Ich habe deine Geschichte mit großem Interesse gelesen. Unser Kleiner ist fast 4 1/2 Jahre. Er kann sein großes Geschäft einfach nicht im Sitzen machen. Mit Windel im Stehen. Für 3 Tage hat es mal funktioniert. Nun wieder nicht. Ansonsten trägt er nur Nachts eine Windel. Tagsüber geht er alleine auf die Toilette, aber bringt mir die Windel, wenn er groß machen muss. Ich verstehe deine Frustration sehr gut. Mich macht es im Moment eher traurig….

    • Danke, dass du deine Geschichte mitteilst. Ich fühle mit dir. Ich weiß, wie schwierig es ist, daran festzuhalten, dass es sich von alleine ändern wird. Aber bestimmt wird es das. Alles Gute Euch, Fiona xX

    • Nadine

      Dies kenn ich zu gut. Meine kleine hat kurz nach ihrem 2 Geburtstag gemeint, ich brauch keine Windel mehr. Nach ca. 5 Monaten war sie am Tag komplett weg, seit Oktober 2018 auch nachts. Nun nur das Thema großes Geschäft klappt nur selten. Aber auch das bko. Men wir hin. Sie ist jetzt 3 Jahre und 1 Monat.
      Dieses Thema trocken werden, ist ei Thema, was ich persönlich nicht schon finde. Denn an ist sich selbst im Weg und stellt sich unter Stress, wenn gleichaltrige Kinder bereits trocken sind. Ich bin recht froh, daß meine kleine nur zu Hause ihr großes Geschäft macht und In der Kita komplett ohne Windel geht.

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