Stillbeziehungen: Geschichten vom Stillen und Abstillen

Stillbeziehungen: Geschichten vom Stillen und Abstillen

Wie ihr wisst, hatten meine Tochter N und ich zwar eine gute Stillbeziehung, aber sie nahm ein abruptes Ende. Mit ziemlich genau sieben Monaten stillte N sich ab. Ohne Tränen. Von einem Tag auf den anderen, war es vorbei. Nicht durchgestandene Brustschimpfphase Maybe?

Das Ende Einer Stillbeziehung

Bedenkt man, dass das natürliche Abstillalter zwischen dem zweiten und siebten Lebensjahr liegt, ist Nanas frühes Abstillen total ungewöhnlich. Sowieso war sie keines dieser Babys das Stillen viel brauchte. Sie ersetzte sich zackiger die Milchmahlzeiten, als es mir Geheuer war, kaum dass wir mit B(r)eikost anfingen. Als Nana sich abstillte, stillten wir schon nur noch zum Einschlafen und morgens kurz.

Und dann hörte sie eines morgens einfach ganz damit auf.

Hier und da vermittelte man mir prompt, es sei ganz sicher »nur eine Phase« gewesen. ICH hätte das Stillen halt nicht aufgeben sollen, die Brust immer wieder anbieten und am besten die Beikost auch gleich wieder drastisch reduzieren müssen. An manchen Tagen zweifelte ich echt, fühlte mich richtig schlecht deswegen. An vielen, vielen anderen Tagen, war mir aber zum Glück klar, dass ich mir kein schlechtes Gewissen machen lassen brauchte. Meine Tochter hatte nicht mehr stillen wollen. Nach einer Woche weiter anbieten ohne Erfolg, ließ ich es sein. Es gab keine Tränen – Es war für mein Kind und für mich also ein guter Weg. Sie zu drängen (wie auch immer ich das hätte anstellen sollen), weil ICH glaubte, »es sei besser für sie« wäre auch nur ein Eingriff in ihre Selbstbestimmung gewesen.

Nicht besser als gewaltvolles Abstillen.

Nach Bedarf Stillen bedeutet nicht nur Langzeitstillen, es bedeutet auch das Abstillen, das Nachlassen des Bedarfs, zu jedem Zeitpunkt zu akzeptieren.

Bei einem zweiten Kind könnte ich mir gut vorstellen, länger zu stillen, auf jeden Fall länger als sieben Monate, vielleicht länger als ein Jahr. Aber natürlich immer nur so lange mein Kind das am Ende auch möchte.

Geschichten vom Stillen und Abstillen

Über lange Stillbeziehungen kann ich euch aus eigenere Erfahrung nichts erzählen. Ich könnte nur mutmaßen. Aber: Stillen ist ein viel zu persönliches und individuelles Thema für die Mutmaßung, was wäre wenn.

Deswegen lasse ich heute auf dem Blog andere stillende Eltern zu Wort kommen.

Ich habe elf Mütter* nach ihren Erfahrungen fragen dürfen, die mindestens länger als ein Jahr, teilweise länger als zwei Jahre ihr Kind gestillt haben oder aktuell noch stillen. Von den Müttern, die abgestillt haben, stillen einige bereits wieder ein jüngeres Geschwisterkind.

Eine Stillbeziehung ist nicht vorhersehbar oder planbar. In keine Richtung.

Einige Mütter hatten sich zuerst einen früheren Abstillzeitpunkt vorgenommen: »Ich war anfangs davon überzeugt, nach sechs Monaten abzustillen«, schrieb mir eine Mama. »Durch Blogs und das Gefühl, dass sechs Monate doch zu kurz sind, haben wir dann das Tochterkind selbst entscheiden lassen«. Inzwischen stillt sie ihre Tochter seit neunzehn Monaten und denkt noch nicht ans Abstillen. Eine andere Mama machte ähnliche Erfahrungen: »Nach sechs Monaten war klar, ich konnte nicht aufhören, da mein Sohn weder Schnuller noch Fläschchen genommen hat. [ ]Nach einem Jahr habe ich gemerkt, er braucht es einfach noch«.

Abstillen nach sechs Monaten scheint eine erste gedankliche Grenze zu sein, die insbesondere Ersteltern erstmal überwinden müssen, was vermutlich an Beikostplänen und „Empfehlungen“ liegt. Wir haben uns selbst größtenteils daran gehalten. – Heute würde ich das nicht mehr tun.

Manche Mütter, schrieben mir aber auch, sie hatten nie einen Abstillzeitpunkt im Kopf. Eine Mama berichtete, wie wertvoll die Erfahrung aus ihrem Umfeld war. Da sie aus dem Freundeskreis verschiedene funktionierende Stillbeziehungen kannte, wusste sie, dass sowohl frühes Abstillen, als auch Langzeit- und sogar Tandemstille möglich sein konnten.

Wichtig ist einfach immer: Weder das stillende Elternteil noch das Kind sollten sich unwohl fühlen.

Neben generellen Stillschwierigkeiten, sind es aber vor allem zwei Dinge, die Mütter dazu bewegen, früh(er) abzustillen (obwohl das Kind noch stillen will): 1) Das Gefühl von Einschränkung und 2) die Verunsicherung durch Dritte. Während das Erste ein legitimes persönliches Empfinden sein kann, ist die Verunsicherung, die vom Umfeld ausgeht, leider ein großes Problem. »Ich glaube, dass meine Unsicherheit auch dazu beigetragen hat, dass ich es körperlich zunehmend als unangenehm empfunden habe«, schrieb mir eine Mama, die nach einundzwanzig Monaten abstillte.

Ich habe die Mütter befragt, wie sie selbst das Stillen empfinden: Wenige empfanden Stillen als Belastung. Als Einschränkung, oft phasenweise.

»Im ersten Jahr ist man ja sowieso meistens mit Kind unterwegs«, antwortete eine Mama, »und dann wird es durch die Beikost weniger«. Eine andere Mutter pflichtete dieser Erfahrung bei: »Stillen ist nicht mehr Hauptnahrungsquelle, dh. ich muss nicht mehr immer anwesend sein«. Stillen eines Kleinkindes ist mit Stillen eines Säuglings nicht vergleichbar.

Für Kinder, die noch stärker auf Muttermilch angewiesen sind, hatten viele Mütter auch eine Lösung: »Ich hatte immer abgepumpte Milch im Vorrat«.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Abpumpen nicht für jedes Kind eine Lösung ist. Hier wurde abgepumpte Milch nicht angenommen. Zwiemlich, also die mehr oder weniger regelmäßige Ergänzung des Stillens mit Anfangsmilch, kann für manche Mütter vielleicht auch eine Lösung sein.

Wo überwiegend das stillende Elternteil vom Kind eingefordert wird, muss sich das nach dem Abstillen aber nicht ändern: »Auch jetzt über ein Jahr nach dem Abstillen, ist Papa beim Zubettgehen noch ›out‹«. Beim Stillen geht es um mehr, als um Nahrung. Es geht um Nähe, und die fordert auch ein abgestilltes Kind weiterhin ein, wenn es diese weiter braucht.

Fast alles Mamas, mit denen ich geschrieben habe, haben schon mehr oder weniger stark mit Kritik und Unverständnis zu tun gehabt: Am häufigsten sein die drängenden Nachfragen der Verwandtschaft, ob man denn »immernoch« stille. »Sie machten sich Sorgen um meine Gesundheit und wollten mir einreden, dass ich ganz schlecht aussehe«, erinnerte sich eine Mama. Eine Andere schrieb mir, dass sie viel Gegenwind hatte: »Aufgrund der Reaktionen[ ] hatte ich das Gefühl es falsch zu machen. Ich war extrem verunsichert, besorgt, habe mich geschämt und schlecht gefühlt.«.

Viele Leute, wissen vermutlich gar nicht, was sie durch kritisierende Blicke anrichten; »Ich spreche nur noch mit ausgewählten Menschen über unsere Stillbeziehung. Nicht mal meine Mutter weiß noch so genau, ob wir noch stillen oder nicht« Die Mama stillt ihr Kind deswegen nur noch zuhause, vertraut sie mir an: »Ich möchte meine Tochter nicht der Erfahrung aussetzen, dass andere Leute das seltsam oder abstoßend finden«.

Dabei ist Stillen so natürlich, auch über das erste Lebensjahr hinaus. Zur Erinnerung: Das natürliche Abstillalter liegt zwischen dem zweiten und dem siebten (!) Lebensjahr.

stillen und abstillen pin

Keine der Mütter, mit denen ich mich austauschen durfte, hatte aktuell den festen Plan im Kopf in nächster Zeit abzustillen; und wer zumindest einen Zeitpunkt überlegt hatte, merkte »je näher das rückt, desto unwahrscheinlicher wird es«. Die Überlegung das Stillen (tagsüber) einzuschränken oder zumindest phasenweises Dauernuckeln stärker zu unterbinden, ist einigen Müttern ein naheliegenderer Gedanke, als Abstillen.

Zum Teil ist es eine Folgeschwangerschaft, durch die das Stillen des ersten Kindes aufhört.

»Irgendwann wir der Zeitpunkt kommen, an dem wir beides es nicht mehr wollen, beziehungsweise sie es nicht mehr braucht«, schrieb eine Mama. Die Vorstellungen vom Abstillen, sollte es dazu vor einem selbstbestimmten Ende kommen müssen, sind sich ziemlich ähnlich: viel Erklären, Frustbegleiten und »Schritt für Schritt darauf vorbereiten«.

Abstillen wolle sie »über einen angemessen langen Zeitraum und niemals in Umbruchmomenten«, erklärte mir eine Mama. Auch ein »Abschiedsritual« und Alternativen, die das Stillen ablösen, wurden vorgeschlagen. Wo das Stillen geht, soll möglichst keine Lücke bleiben.

Bei den Müttern, die bereits ein Kind abgestillt hatten, stellten sich tatsächlich wenig Probleme beim Abstillen ein. Hier ähnelten sich die Geschichten sehr: Die Kinder verstanden. Sie waren inzwischen ja auch etwas älter – und nahmen es nach Erklärung und Trösten überwiegend gut an. Wichtig scheint beim Abstillen die eigene Entschlossenheit, überlegte eine Mama. Ein Kind spürt, wenn Mama sich selbst nicht ganz sicher ist.

Zwei Kinder stillten sich selbstbestimmt ab. Eines ziemlich überraschend. Das andere durch die Folgeschwangerschaft der Mutter: »Eines Tages merkte ich, dass wir schon ein paar Tage nicht mehr gestillt hatten [ ]Ein paar Tage später wollte sie wieder; ich lies es zu. Als nichts kam [ ]weinte sie bitterlich und wir trösteten uns gegenseitig -Denn mir tat es auch leid.«

Stillen ist viel mehr als Nahrungsaufnahme, darin sind sich die Mütter einig. »Hingabe« »Geborgenheit« »Fürsorge« »Trost« »Zweisamkeit«

Das sind nur einige Schlagworte, die die Stillbeziehung zwischen Mama und Kind beschreiben, aber kaum in ihrer Ganzheit erfassen können.

»Ich liebe es, zu sehen, wie mein Kind dabei das tankt, was es gerade braucht. [ ]Ich selbst komme auch immer vom stressigen Alltag zur Ruhe«, schrieb eine Mama. »Einzigartigkeit«, antwortete eine andere Mutter auf die Frage, was Stillen für sie bedeutet. Mir gefällt diese Antwort sehr.

Jede Stillbeziehung ist einzigartig. Wir müssen bei uns zu bleiben. Ein wichtiger Rat, der vielleicht wichtigste von allen: Wichtig ist, »sich nicht festzulegen, wie es laufen sollte. Das schlimmste, was man machen kann, ist sich damit unter Druck zu setzen«. Ich denke, dass es WEDER klug ist, ein frühes Abstillen vor Augen zu haben, NOCH Langszeitstillen zum erklärten Ziel zu machen. Vielleicht will das Kind gar nicht lange stillen. So wie meins. Und vielleicht will es länger, als man plant. Es auf uns zukommen zu lassen, entspannt von Tag Eins bis zum Letzten, der sicher kommen wird, ist vermutlich das einzig Richtige, was stillende Eltern machen können.

Und »Hör auf dein Bauchgefühl und lass dir nicht von anderen reinreden«.

Mehrere Mütter haben mir die Seite Stillkinder.de empfohlen, die ich für euch ein Bisschen quer gelesen habe. Was ich bisher gesehen habe, gefällt mir. Schaut vorbei.


Zwei Mamas erzählen von ihren Stillbeziehungen: Stillgeschichten

Die erste Geschichte ist von einer Mama, die noch stillt:

1) Wie lange stillst du inzwischen, und wie oft am Tag stillt ihr aktuell noch? A.: Wir stillen seit Mai 2016 [22Monate z.Zt.d.Befragung], inzwischen nur noch zum Schlafen. Dh. an Wochentagen abends zum Einschlafen und in der Nacht, und an den Wochenenden zusätzlich zum Mittagsschlaf.

2) Warst du von Anfang an offen für langes Stillen oder hattest du dir einen früheren Abstillzeitpunkt vorgenommen? A.: Im Laufe der Schwangerschaft entschied ich mich mehr oder weniger dafür. Ich hatte keine Grenze oder Vorstellung davon, wie lange ich stillen möchte. Und je mehr ich mich darüber informierte, desto mehr war ich überzeugt, länger zu stillen als hierzulande üblich ist.

3) Welche Bedeutung hat Stillen für dich? A.: Bindung, Liebe, Geborgenheit. Meine Tochter besucht eine Ganztagseinrichtung. Das bedeutet, dass ich an einem Großteil ihres Tages nicht teilhaben kann, und sie vieles mit anderen Menschen erlebt, wovon sie mir auch noch gar nicht erzählen kann. Stillen haben wir exklusiv für uns. Mag sein, dass es nach außen hin egoistisch wirkt, aber ich fühle, dass wir auf diese Weise diese Zeit kompensieren können und unsere Bindung stärken.

4) Viele Mütter beklagen die Gebundenheit durch das Stillen, und freuen sich, wenn sie wieder unabhängig davon sind. Fühlst du dich eingeschränkt durchs Stillen? A.: manchmal, immer öfter. Ich mag mal wieder abends weg gehen. Zum Sport oder mit Freunden. Aber da meine Tochter sich derzeit nur von mir beruhigen lässt, wenn sie aufwacht, geht das nicht. Es gab eine kurze Phase, da konnte mein Mann sie hinlegen und auch beruhigen, da bin ich auch ausgegangen. Aber das ist seit einigen Monaten wieder vorbei.

5) Gibt es einen Punkt, an dem du von dir aus nicht mehr weiterstillen würdest? Machst du dir Gedanken übers Abstillen? A.: Ich kann keinen klaren Punkt definieren, an dem es für mich definitiv vorbei wäre. Aber übers Abstillen an sich denke ich definitiv nach. Ich dachte bis vor kurzem, dass ich bis zum zweiten Geburtstag abgestillt haben möchte, aber je näher das rückt, desto unwahrscheinlicher wird es. Für mich überwiegen die Vorteile noch zu sehr.

6) Angenommen du müsstest Abstillen, wie würdest du vorgehen? Welche Möglichkeiten erscheinen dir generell angebracht sanft und bedürfnisorientiert abzustillen? A.: Ich würde zuerst nachts abstillen und hoffen, dass meine Tochter die Erfahrung macht, dass sie das Stillen nicht mehr zum Einschlafen braucht und so das Einschlafstillen von sich aus einstellt. Definitiv würde ich sie bei diesem sicherlich schmerzhaften Abschied begleiten.

7) Wie reagiert dein Umfeld? Wie gehst du damit um, wenn eure Stillbeziehung kritisiert wird? A.: Ich spreche nur noch mit ausgewählten Menschen über unsere Stillbeziehung. Nicht mal meine Mutter weiß noch so genau, ob wir noch stillen oder nicht. Außerhalb der eigenen vier Wände stillen wir schon seit letztem Sommer nicht mehr. Ich möchte meine Tochter nicht der Erfahrung aussetzen, dass andere Leute das seltsam und abstoßend finden. Sie soll das Stillen genießen. Ich kann mit Kritik daran nicht besonders gut umgehen, darum grenze ich den Kreis derer, die davon Kenntnis haben stark ein. Es geht auch niemanden etwas an.

8) Was möchtest du stillenden (oder werdenden) Mamas mit auf den Weg geben? A.: Wen interessiert es, was die anderen denken, wenn es dem Kind gut geht und gut tut?! Die einzige Meinung zur Stillbeziehung, die wirklich zählt, ist die eigene!



Die zweite Geschichte eine Abstillgeschichte:

1) Wie lange hast du dein Kind gestillt? C.: Ich habe die Große 20 Monate lang gestillt- sie ist jetzt fast drei Jahre alt. Derzeit stille ich meine Kleine seit acht Monaten fast voll.

2) Hast du vor, das jüngere Geschwisterkind ebenfalls lange zu stillen? C.: Die Kleine hat zwar Interesse an BLW, aber satt wird sie davon noch lange nicht. Brei nimmt sie wie die Große nicht wirklich gern -meine Kinder mögen sich einfach nicht füttern lassen. Ich werde es genau so handhaben wie bei der Großen. Ich lasse es einfach auf mich zukommen, wie lange das Stillen uns beiden gefällt. Gerne auch noch länger als bei der Großen. Mindestens möchte ich aber ein Jahr lang stillen.

3) Warst du von Anfang an offen für langes Stillen oder hattest du dir einen früheren Abstillzeitpunkt vorgenommen? C.: Ich habe mir bei der Großen anfangs gar keine großen Gedanken dazu gemacht. Ich hatte überall von den Beikostplänen erfahren, und hatte auch vor, es so zu handhaben. Als ich das so durchdachte, war mir fast ein bisschen wehmütig -denn da ist laut Plan ja mit dem tagsüber Stillen nach ein paar Monaten Brei schon Schluss. Nur hat da die Große gar nicht mitgemacht: Sie ließ sich nicht füttern und wollte auch partout die mittlerweile verzweifelt angebotene Flasche nicht nehmen. Dann informierte ich mich weiter, und ließ letzten Endes locker. Als man mich nun fragte, wie lange ich denn noch stillen wollte, sagte ich, ich weiß es nicht genau und ich werde einfach so lange weiter machen, wie es sich für uns beide richtig anfühlt. — Eigentlich wollte ich schon früh nach der Großen wieder schwanger werden, ich stillte aber noch viel und unregelmäßig. Nach etwa einem Jahr machte ich die Überlegung, aus diesem Grund abzustillen oder das Stillen zu reduzieren. Ein Blick auf mein Kind sagte mir aber, dass es ihr noch zu viel bedeutete; und dass es nun einfach noch nicht sein sollte. Als der Entschluss gefasst war, es als Zeichen zu nehmen, dass es einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt für ein Geschwisterchen ist, fühlte sich das Stillen wieder richtig an. Und ein paar Monate später wurde ich trotzdem schwanger.

4) Welche Bedeutung hat(te) Stillen für dich? C.: Hingabe, Intimität, Bindung, Gesundheit, Selbstbestimmtheit, Zweisamkeit, Einzigartigkeit. Etwas, das einfach nur die Mama an ihr Kind weiter geben kann. Und noch dazu unendlich praktisch und kostenlos. Und wer ein Krabbelkind fast voll stillt, kann essen wie ein Scheunendrescher und nimmt trotzdem ab.

5) Viele Mütter beklagen die Gebundenheit durch das Stillen, und freuen sich, wenn sie wieder unabhängig davon sind. Fühl(te)st du dich eingeschränkt durchs Stillen? C.: Da ich selbst kein Mensch bin, der unbedingt das Bedürfnis nach Ungebundenheit hat, war das kein Thema für mich. Ich liebe es, Mama zu sein, für meine Kinder in dieser kurzen Zeit voll da zu sein. Die Zeit der Unabhängigkeit kommt noch. — Eine Zeitlang hatten wir eine anstrengende Dauer-Nuckel Phase nachts. Viele rieten mir in der Zeit zum Abstillen. Ich wollte das aber noch nicht aufgeben und las den Artikel zum nächtlichen Abstillen vom Gewünschtesten Wunschkind (SEHR zu empfehlen!). Durchgezogen hab ich das nächtliche Abstillen nach einer bestimmten Methode nicht, aber ich habe ab dann das Dauer-Nuckeln unterbunden und ihr wirklich nur die Brust gegeben, solange sie richtig trank. Ich sagte dann, die Milch sei „alle“ und müsse schlafen, und tröstete sie auf andere Art. Von da an wurden die Nächte wieder besser. — Ich habe übrigens keinen Zusammenhang zwischen Abstillen und weniger Abhängigkeit von Mama beim Einschlafen bemerkt. Auch jetzt, über ein Jahr nach dem Abstillen, ist Papa beim Zubettgehen noch „out“.

6) Wie kam es zum Abstillen und wie bist du vorgegangen? Auf welche Weise hast du deinem Kind bei der Umstellung geholfen? C.: Komplett Abstillen war gar nicht unbedingt mein Ziel gewesen, ich wollte nur deutlich reduzieren. Denn ich wurde, als die Große etwa anderthalb Jahre alt war, wieder schwanger. Im ersten Trimenon fühlte ich mich häufig ausgelaugt und einfach platt. Also bot ich abends und frühs zusätzlich ein Fläschchen an, das die Große auch ohne Zwang gerne nahm. Ich verfuhr nach dem Motto: „nicht anbieten, aber auch nicht verwehren“ –und Nuckeln unterbinden, denn das tat dann einfach nur noch weh. Über Wochen hin merkte ich immer wieder mal, dass die Große z.B. ohne die Brust eingeschlafen war. Am nächsten Tag wollte sie dann vielleicht wieder ran, dann wieder nicht. Und eines Tages merkte ich, dass wir schon ein paar Tage nicht mehr gestillt hatten und auch keine Milch mehr kam. Ein paar Tage später wollte sie wieder; ich lies es zu. Als nichts kam und ich sagte, die Milch sei „alle“, weinte sie bitterlich und wir trösteten uns gegenseitig- denn mir tat es auch leid. — Ob sie sich abgestillt hat, weil die Milch durch die Schwangerschaft weniger und anders schmeckte, werde ich nie erfahren. Ich habe ihr jedenfalls nie die Brust verwehrt, wenn sie wirklich trinken wollte. Und das zählt für mich. — Die Große durfte übrigens nach der Geburt der Kleinen auch wieder aus der Brust kosten: Es schmeckt ihr nicht mehr, sie mag lieber ihre Flasche mit Kuh- oder Fertigmilch.

7) Wie hast du dich nach dem Abstillen gefühlt? C.: Einerseits traurig, andererseits fand ich es auch schön, dass wir das Stillen gegenseitig respektvoll beendet hatten -und das Abstillen keine einseitig durchgesetzte Sache war.

8) Wie reagierte dein Umfeld? Wie bist du damit umgegangen, wenn eure Stillbeziehung kritisiert wurde? C.: Richtig Kritik wurde nicht geübt. Allerdings stieß ich häufig auf Unverständnis und auch auf das Vorurteil, ich könne mich nicht durchsetzen (WILL ich doch aber auch gar nicht!) oder nicht loslassen. Ich kann inzwischen gut abschalten und eine „Mir-egal-was-alle-anderen-denken-Haltung“ einnehmen. Die braucht man in der späteren „Erziehung“ (oder eben nicht…) des Kindes später sowieso auch noch.

9) Was möchtest du stillenden (oder werdenden) Mamas mit auf den Weg geben? C.: Genieß es! Sei im jetzt und hier. Wenn es EUCH BEIDEN gut damit geht, macht es. Still nicht ab, nur um etwas anderes zu erreichen: Wieso GANZ abstillen, nur damit die NÄCHTE besser werden? Ich finde, das nächtliche Abstillen sollte viel Bedeutung erlangen. Einmal ganz abgestillt, ist es für immer vorbei.


Zwei Geschichten von zwei unterschiedlichen Mamas. JEDE Stillgeschichte ist anders. EINZIGARTIG. Jede besonders und berechtigt, egal wie viele Höhen oder Tiefen. Egal, wie früh oder spät abgestillt wurde. – Ob selbstbestimmt oder sanft begleitet. JEDES Stillen ist NORMALZEITSTILLEN.

Vielen Dank und ein großes Herz an die Mütter, die mir von ihren Erfahrungen berichtet haben. – Ihr seid dran: Was ist eure Stillgeschichte? Hinterlass einen Kommentar und erzähl mir davon. Ich freue mich.

| Fiona

Update 01/2022: Meine zweite Tochter ist nun knapp anderthalb Jahre alt und – Ja, wir stillen noch. Ein Ende ist bisher nicht in Sicht, insbesondere zur Nacht. Die Gefühle dazu sind zwiegespalten: Manchmal nervt es, manchmal möchte ich wieder weniger gebraucht werden. Meistens ist es gut. Vor allem ist es praktischer und ich weiß, meine Tochter braucht es eben noch sehr. Also behalten wir es noch bei.

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7 Comments

  1. Ich habe beide meine Kinder (heute 2,5 und 4) ziemlich genau 7Monate lang gestillt und fand es immer sehr schön und innig.Mit ca 6Monaten bekamen sie Zähne und nutzte sie leider auch immer mal wieder beim Stillen,sodass ich anfing nicht mehr so entspannt dabei zu sein und da die Stillmahlzeiten durch die Beikost eh auch weniger wurden war eigentlich der Plan es tagsüber langsam „auszuschleichen“ -aufgeben wollten beide Seiten es aber noch nicht.Leider habe ich beim Stillen beide Male massiv Gewicht verloren und war noch schneller/öfter krank und so hat in beiden Fällen, nach 7 Monaten, eine Scharlach Erkrankung das Ende des Stillens bestimmt. Mit über 40Fieber hatte ich keine Milch mehr und habe es dann auch nicht wieder neu gestartet.Der plötzliche Abbruch war allerdings echt ein Wermutstropfen für alle Beteiligten.

  2. Ich habe gerade vor zwei Wochen auf meinem Blog über unseren Abstillweg geschrieben. Eigentlich hatte ich vorgehabt meine Tochter (2,5) als erstes nur nachts abzustillen. Nachdem das aber nicht so gut geklappt hat, habe ich mit dem Abstillen tagsüber begonnen und einen Monat später dann auch nachts das Stillen beendet. So rum ging es dann viel besser. Hier mal der Link zum ausführlichen Beitrag: https://www.muetterimpulse.de/bindungsorientiert-abstillen-unsere-abstillgeschichte-mit-umwegen/

  3. Ich habe mit meinen Töchtern zwei sehr unterschiedliche Stillbeziehungen gehabt.
    Bei der großen wollte es leider gar nicht klappen. Schon im Krankenhaus habe ich um Hilfe gebeten, weil es höllisch weh tat, ich wurde aber leider nicht ernst genommen. Auch meine Hebamme konnte leider nicht wirklich helfen, so dass dann zu den Schmerzen auch noch eine Entzündung und ein Pilz dazu kamen. Ich wollte so unbedingt stillen und bin wirklich jeden Weg gegangen, den man gehen kann. Am Ende hat es nichts genützt und nach 5 1/2 Monaten musste ich einsehen, dass es mit dem Stillen leider nichts wird. Danach war ich aber entspannter weil ich diese Baustelle für mich abgeschlossen hatte.
    Bei meiner kleinen fing es ähnlich an, aber mit der Erfahrung von der großen habe ich rechtzeitig die Reißleine gezogen und erstmal mit Hütchen gestillt. Nach ca 4 Monaten konnten wir die Hütchen dann auch weglassen. Ich habe die kleine fast ein Jahr voll gestillt. Geplant war das so nicht, ich habe das aber ganz entspannt auf mich zukommen lassen. Abgestillt habe ich sie mit 19 Monaten weil sie leider anfing, zu beißen und generell sehr unpfleglich mit meiner Brust umzugehen. Ich habe lange versucht, ihr begreiflich zu machen, dass sie gerne trinken darf, aber pfleglich mit meiner Brust umgehen muss. Leider haben wir da irgendwie nicht den richtigen Weg gefunden, so dass der Leidensdruck für mich einfach zu groß war. Ich habe ihren Frust begleitet und wir waren gemeinsam traurig, aber für mich ging es leider nicht anders. Am Ende würde ich die Stillzeit aber trotzdem als insgesamt sehr schön bezeichnen. Eine tolle Zeit, die ich nicht missen möchte.
    Nun bin ich mit Nr Drei schwanger und freue mich auf eine weitere, hoffentlich schöne Stillzeit.

  4. Mein Sohn ist heute 4 Jahre und 4 Monate alt und wenn er möchte darf er immer noch an meiner Brust sein. Ich habe seit ca. einem halben oder dreiviertel Jahr keine Milch mehr, aber das stört ihn nicht. Er fand es anfangs kurz komisch und hat es mir auch gesagt, aber er hat einfach trotzdem weiter gestillt. Es ging wie so vielen Kindern und Müttern auch ihm wohl nicht nur um die Aufnahme von Milch.
    Bevor mein Sohn geboren wurde, konnte ich es mir irgendwie nicht richtig vorstellen, wie das wohl ist, wenn da „so ein Mensch“ dran saugt und ich war mir auch unsicher ob ich das überhaupt mögen werde. Aber als mein Sohn dann da war (und trotz heftiger BW-Entzündungen in den ersten Wochen) war für mich klar, dass ich auf jeden Fall stillen wollte. Es hat sich einfach richtig und schön (mal abgesehen von den anfänglichen Schmerzen) angefühlt. Nach einiger Zeit waren meine BW kein Problem mehr und das Stillen lief ohne Schmerzen und wir stillten überall und nirgends. Ich fand es so wahnsinnig praktisch und schön und mein Kind denke ich auch:-). Natürlich war es auch zwischendurch sehr anstrengend, wenn er mal wieder einen Schub hatte und gefühlt permanent an meine Brust wollte. Nachts war nicht so das Problem, er war ein ganz passabler Schläfer (im Familienbett) aber auch da gab es Phasen in denen ich mich nicht so drehen und wenden konnte wie ich wollte und ich bekam Verspannungen, die sich tagelang hielten und einmal nur durch Hilfe eines Chiropraktiker behoben werden konnten. Die Zeit ging ins Land, mein Kind wurde größer und größer und je länger wir stillten, desto selbstverständlicher wurde es für uns, das wir dies taten. Ganz im Gegensatz zu meinem Umfeld. Die fanden es komisch und auch teilweise sogar ekelig(!) und hatten vielfach kein Verständnis dafür. Obwohl sie es meist gar nicht so direkt mitbekamen, da wir nur noch zu Hause oder hinter zugezogener Tür stillten, je älter er wurde.
    Im Kindergarten stieß ich eher auf Unvesrtändnis mit unserem Langzeitstillen, aber sie mischen sich nicht weiter ein. Mein enger Familienkreis weiß, dass wir noch stillen und sie lassen es weitestgehend unkommentiert finden es aber etwas seltsam. Meine Schwiegereltern haben dafür kein Verständnis, lassen mich aber mit ihrer Meinung in Ruhe. Mein Mann findet, dass ich das Ende doch mal einleiten sollte (auch bestimmt seit unser Sohn zwei/zweieinhalb Jahre alt ist), aber er liegt mir damit nicht in den Ohren und akzeptiert es. Unser Sohn darf selbst bestimmen, wann er nicht mehr möchte. Er schränkt es von selbst in den letzten Wochen/Monaten langsam aber kontinuierlich immer weiter ein. Es tut so gut und ich fühle mich so frei, dass ich das Ende nicht vorgeben muss, da ich weiß, dass das auch sehr hart für Mama und Kind ablaufen kann. Ich bin nicht so ein zäher Knochen und ich lasse die Dinge gerne so geschehen wie sie kommen und nehme es so an. So fühlt es sich für uns am besten an. Jetzt bin ich in der 22 Wiche schwanger und ich bin gespannt ob mein Sohn noch in der Schwangerschaft das Stillen beenden möchte.

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Fiona Lewald ist Mutter von zwei Töchtern. Auf Unverbogen Kind Sein schreibt sie seit 2017 über  die Chancen eines Bindungsorientierten Familienlebens und den Versuch, Erziehung zu überwinden.
 

„Ich schreibe für ein Familienleben, in dem Miteinander mehr zählt als Gehorsam, und die Bedürfnisse  jedes Einzelnen wichtig sind. So helfen wir unseren Kindern heute, ihren Platz als Erwachsene zu finden, SO WIE SIE SIND – Statt sie zu verbiegen.“

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