Geschichten vom Stillen und Abstillen

stillen udn abstillen titelWer den Blog verfolgt, weiß, dass meine Tochter und ich eine gute Stillbeziehung hatten, die allerdings ein für MICH sehr überraschendes Ende nahm. HIER habe ich schon vor einiger Zeit darüber berichtet, wie meine Tochter sich mit ziemlich genau sieben Monaten selbst abstillte. Von einem Tag auf den anderen, war es vorbei. Heute möchte ich euch mehr übers Stillen und Abstillen erzählen, und von den Erfahrungen anderer Mütter.

Vom Ende Einer Stillbeziehung

Abgestillt mir sieben Monaten klingt vielleicht nicht wahnsinnig ungewöhnlich, vielleicht sogar wie ein Glücksfall: In Elterngruppen begegne ich ziemlich häufig der Ansicht, dass Abstillen zwischen dem sechsten Monat bis zum vollendeten ersten Lebensjahr normal sei. Ich habe schon öfter davon gelesen, dass Kinderärzte ab dem sechsten Monat sogar zum Abstillen raten, weil Muttermilch dann nicht mehr gebraucht würde, was natürlich Unsinn ist. Bedenkt man, dass das natürliche Abstillalter zwischen dem zweiten und siebten Lebensjahr liegt, ist Nanas frühes Abstillen total ungewöhnlich.

Fand ich auch. Ich hatte noch eine Weile die winzige Hoffnung, dass sie doch wieder trinken würde. Erst als bei mir keine Milch mehr kam, schloss ich für mich wirklich damit ab.

Natürlich sind wir nicht ganz unschuldig. Wir hatten früh mit B(r)eikost begonnen, also ein Angebot geschaffen, das die Chance bekommen hatte, meine Brust zu verdrängen. Genau das passierte dann auch. Als Nana sich abstillte, stillten wir schon nur noch zum Einschlafen und morgens kurz im Bett. Und dann hörte sie eines morgens einfach ganz damit auf.

Hier und da vermittelten mir andere Mütter prompt, es sei ganz sicher »nur eine Phase« gewesen. ICH hätte das Stillen halt nicht aufgeben sollen, die Brust immer wieder anbieten und am besten die Beikost auch gleich wieder drastisch reduzieren müssen. An manchen Tagen zweifelte ich echt, fühlte mich richtig schlecht deswegen. An vielen, vielen anderen Tagen, war mir aber zum Glück klar, dass ich mir kein schlechtes Gewissen machen lassen brauchte. Meine Tochter hatte einfach nicht mehr stillen wollen.

Seit dem letzten Mal Einschlafstillen hat sie sich nie wieder für meine Brust interessiert. Die Male, die ich sie noch versucht hatte anzulegen, hatte sie sich abgewendet. Sie zu drängen, wie auch immer ich das hätte anstellen sollen, weil ICH darin lieber nur eine Phase sehen wollte, und glaubte, »es sei besser für sie« (weil das ja alle so sagen), wäre ein Eingriff in ihre Selbstbestimmung gewesen. In meinen Augen nicht besser als ein gewaltvolles Abstillen. Nach Bedarf Stillen bedeutet nicht nur Langzeitstillen, es bedeutet auch das Abstillen, das Nachlassen des Bedarfs, zu jedem Zeitpunkt zu akzeptieren.

Natürlich war ich traurig.

Bevor Nana auf der Welt war, hatte ich nicht gewusst, ob ich überhaupt stillen würde. Ich wollte es probieren, schauen wie es dann weitergeht. Ich habe mir nie Druck deswegen gemacht; hatte eine Packung Milchpulver für den Notfall im Schrank stehen. Als Nana dann da war, andockte und trank, war klar, dass das unser Weg sein würde. Wir brauchten allerdings eine Lösung, als ich wieder zur Universität ging. Geplant war abgepumpte Muttermilch, die sie zwar von Anfang an trank, aber nur frisch, nie wenn sie länger als ein paar Stunden im Kühlschrank stand. Mit Abpumpen am Morgen bekam ich aber keine Milchmahlzeit zu Stande. Anfangsmilch lehnte sie ab. Also probierten wir es mit Beikost. Als Nana sich abstillte, war ich eigentlich im Gedanken das abendliche und morgendliche Stillen noch bis nach ihrem ersten Geburtstag beizubehalten und dann allmählich abzustillen, aber dazu kam es nicht.

Heute könnte ich mir gar nicht mehr vorstellen mein Kind noch zu stillen. Wenn ich sie ansehe, dann passt das einfach nicht mehr zu uns. Es ist so wahnsinnig lange her, und dieses Kind schon so selbstständig. Ja, ich glaube, unser Weg war genau der Richtige.

Bei einem zweiten Kind würde ich es trotzdem etwas anders machen.

Nicht so früh mit Brei anfangen. Überhaupt würde ich BLW bevorzugen. Und ich könnte mir gut vorstellen, lange zu stillen, länger als sieben Monate, und länger als ein Jahr. Aber natürlich immer nur so lange mein Kind das auch möchte.

Geschichten Vom Stillen und Abstillen

Über langes Stillen kann ich euch nichts erzählen. Ich könnte nur mutmaßen. Aber: Stillen ist ein viel zu persönliches und individuelles Thema für die Mutmaßung, was wäre wenn. Deswegen lasse ich heute auf dem Blog andere Mamas zu Wort kommen.

Ich habe elf Mütter nach ihren Erfahrungen fragen können, die mindestens länger als ein Jahr, teilweise länger als zwei Jahre ihr Kind gestillt haben oder noch stillen. Von den Müttern, die abgestillt haben, stillen einige bereits wieder ein jüngeres Geschwisterkind.

Individuelle Mütter. Individuelle Kinder. Individuelle Geschichten.

Das erste, was mir bei allen Geschichten auffiel: Stillen ist nicht planbar. In keine Richtung.

Einige Mütter hatten sich zuerst einen früheren Abstillzeitpunkt vorgenommen.

»Ich war anfangs davon überzeugt, nach sechs Monaten abzustillen«, schrieb mir eine Mama. »Durch verschiedene Gruppen, Blogs und auch das Gefühl, dass sechs Monate zu kurz sind, sind wir dazu übergegangen, das Tochterkind selbst entscheiden zu lassen«. Inzwischen stillt sie ihre Tochter seit neunzehn Monaten und denkt noch nicht ans Abstillen. Eine andere Mama machte ähnliche Erfahrungen: »Nach sechs Monaten war klar, ich konnte nicht aufhören, da mein Sohn weder Schnuller noch Fläschchen genommen hat. [ ]Nach einem Jahr habe ich gemerkt, er braucht es einfach noch«.

Abstillen nach sechs Monaten scheint eine gedankliche Grenze darzustellen, die erstmal überwunden werden muss, was vermutlich an den Beikostplänen liegt. Wir haben uns selbst größtenteils daran gehalten. Heute würde ich das nicht mehr tun.

Manche Mütter, schrieben mir, sie hatten nie einen Abstillzeitpunkt im Kopf.

Eine Mama berichtete, wie wertvoll für ihre Offenheit zum Stillen die Erfahrung aus ihrem Umfeld war. Da sie aus dem Freundeskreis verschiedene funktionierende Stillbeziehungen kannte, wusste sie, dass sowohl frühes Abstillen als auch Langzeit- und sogar Tandemstillen möglich sein kann. Weder die eine noch die andere Variante ist bei diesem Thema letztlich falsch. Weder Mama noch Kind sollte sich unwohl fühlen.

Von Eingeschränktheit und Verunsicherung: Wenn Stillen Unangenehm Wird

Neben Stillschwierigkeiten, sind es vor allem zwei Dinge, die Mütter dazu bewegen früh abzustillen (obwohl das Kind noch stillen will): Ein Gefühl von Eingeschränktheit und die Verunsicherung durch Dritte. Während das Erste ein legitimes Empfinden sein kann, ist die Verunsicherung, die vom Umfeld ausgeht, leider noch ein großes Problem. »Ich glaube, dass meine Unsicherheit auch dazu beigetragen hat, dass ich es körperlich zunehmend als unangenehm empfunden habe«, schrieb mir eine Mama, die nach einundzwanzig Monaten abstillte.

Ich habe die Mütter zuerst befragt, wie sie selber das Stillen empfinden: Wenige empfanden Stillen als Belastung oder Einschränkung, wenn dann oft nur phasenweise.

»Im ersten Jahr ist man ja sowieso meistens mit Kind unterwegs«, antwortete eine Mama, »und dann wird es durch die Beikost weniger«. Eine andere Mutter pflichtete dieser Erfahrung bei: »Es ist nicht mehr Hauptnahrungsquelle, dh. ich muss nicht mehr anwesend sein«. Stillen eines Kleinkindes ist mit Stillen eines Säuglings also nicht vergleichbar, und die Befürchtung nicht wieder Ausgehen zu können, bewahrheitet sich meistens nicht. Für Kinder, die noch stärker auf Muttermilch angewiesen sind, hatten viele Mütter auch eine Lösung: »Ich hatte immer abgepumpte Milch im Vorrat«.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Abpumpen nicht für jedes Kind eine Lösung ist. Hier wurde die abgepumpte Milch ja nicht wirklich angenommen. Zwiemlich, also die mehr oder weniger regelmäßige Ergänzung mit Anfangsmilch, kann für manche Mütter vielleicht auch eine Lösung sein.

Wo überwiegend die Mutter vom Kind eingefordert wird, muss sich das nach dem Abstillen nicht ändern: »Auch jetzt über ein Jahr nach dem Abstillen, ist Papa beim Zubettgehen noch ›out‹«. Beim Stillen geht es eben um mehr als Nahrung. Es geht um Nähe, und die fordert auch ein abgestilltes Kind weiterhin ein, so sehr es diese braucht.

Fast alles Mamas, die mir geschrieben haben, haben schon mehr oder weniger stark mit Kritik und Unverständnis Erfahrung machen müssen. Am häufigsten sind die drängenden Nachfragen der Verwandtschaft, ob man denn »immernoch« stille. So subtil das klingt, es kann trotzdem Aufwühlen. »Sie machten sich Sorgen um meine Gesundheit und wollten mir einreden, dass ich ganz schlecht aussehe«, erinnerte sich eine Mama. Eine Andere schrieb mir: »Aufgrund der Reaktionen[ ] hatte ich das Gefühl es so falsch zu machen. Ich war extrem verunsichert, besorgt, habe mich geschämt und schlecht gefühlt. [ ]Ich bin froh, dass ich trotzdem so lange gestillt habe«.

Die Verunsicherung durch Kommentare, abschätzige Blicke und andere Reaktionen ist leider viel präsenter, als man glaubt, und viele Leute, wissen vermutlich gar nicht, was sie anrichten. »Ich spreche nur noch mit ausgewählten Menschen über unsere Stillbeziehung. Nicht mal meine Mutter weiß noch so genau, ob wir noch stillen oder nicht«, beklagte eine Mama. Sie stillt ihr Kind nur noch zuhause: »Ich möchte meine Tochter nicht der Erfahrung aussetzen, dass andere Leute das seltsam oder abstoßend finden«. Dabei ist Stillen das natürlichste der Welt, auch über das erste Lebensjahr hinaus.

Irgendwann Passiert Es Doch: Das Abstillen

stillen und abstillen pinKeine der befragten Mütter hat aktuell den festen Plan im Kopf in nächster Zeit abzustillen, und wer zumindest einen Zeitpunkt überlegt hatte, merkte »je näher das rückt, desto unwahrscheinlicher wird es«. Die Überlegung das Stillen (tagsüber) einzuschränken oder zumindest phasenweises Dauernuckeln stärker zu unterbinden, ist einigen Müttern ein naheliegenderer Gedanke, als vollständiges Abstillen. Einschlafbegleitendes und nächtliches Stillen erscheint seltener eine Schwierigkeit. Zum Teil ist es die Folgeschwangerschaft, durch die das Stillen des ersten Kindes allmählich aufhört.

»Irgendwann wir der Zeitpunkt kommen, an dem wir beides es nicht mehr wollen, beziehungsweise sie es nicht mehr braucht«, antwortete eine Mädchenmama.

Die Vorstellungen von einem möglichst bindungsorientierten Abstillen, sollte es dazu vor dem selbstbestimmten Ende kommen müssen, sind sich ziemlich ähnlich: Erklären, Frustbegleiten und möglichst stressfrei »Schritt für Schritt darauf vorbereiten« sind Idealvorstellungen. »Über einen angemessen langen Zeitraum und niemals in Umbruchmomenten«, erklärte eine Mama. Auch ein »Abschiedsritual« und Alternativen, die das Stillen ablösen, wurden vorgeschlagen. Ungefähr genauso stelle ich mir das auch vor: Langsam, verständnisvoll begleitet und wo das Stillen geht, soll möglichst keine Lücke bleiben. Bei uns hat das Fläschchen mit Anfangsmilch das Stillen ersetzt (das sie plötzlich akzeptierte), so hatten wir bald ein neues Einschlafritual. Nicht weniger kuschelig. Nicht weniger innig. Nur etwas anders als vorher.

Bei fast allen Müttern, die bereits ein Kind abgestillt hatten, stellten sich tatsächlich nach der langen engen Stillbeziehung wenig Probleme beim Abstillen ein. Das kann Zufall sein, und muss nicht allgemeingültig gelten. Hier ähnelten sich die Geschichten tatsächlich sehr: Die Kinder verstanden. Sie protestierten auch mehr oder weniger und versuchten es vielleicht doch nochmal, aber nahmen es nach Erklärung und Trösten überwiegend gut an. Wichtig scheint dabei die eigene Entschlossenheit, überlegte eine Mama. Ein Kind spürt, wenn Mama sich selbst nicht ganz sicher ist.

Zwei Kinder stillten sich selbstbestimmt ab. Eines ziemlich überraschend. Das andere durch die Folgeschwangerschaft der Mutter: »Eines Tages merkte ich, dass wir schon ein paar Tage nicht mehr gestillt hatten [ ]Ein paar Tage später wollte sie wieder; ich lies es zu. Als nichts kam [ ]weinte sie bitterlich und wir trösteten uns gegenseitig -Denn mir tat es auch leid.«

Stillen Ist Viel

Stillen ist Viel. Viel mehr als Nahrungsaufnahme, darin sind sich die Mütter einig. Und da stimme ich ihnen uneingeschränkt zu. »Hingabe« »Geborgenheit« »Fürsorge« »Trost« »Zweisamkeit« – Das sind nur einige Schlagworte, die die innige Stillbeziehung zwischen Mama und Kind beschreiben, aber kaum in ihrer Ganzheit erfassen können. »Ich liebe es, zu sehen, wie mein Kind dabei das tankt, was es gerade braucht. [ ]Ich selbst komme auch immer vom stressigen Alltag zur Ruhe«, schrieb eine Mama. »Einzigartigkeit«, antwortete eine andere Mutter auf die Frage, was Stillen für sie bedeutet. Mir gefällt diese Antwort sehr.

Jede Stillbeziehung ist einzigartig, und vielleicht gerade deswegen hilft es uns nicht über Daten und Ideen zu sprechen, sondern nur bei uns und unserem Kind zu bleiben.

Ein wichtiger Rat, der vielleicht wichtigste von allen, den ich von Herzen teile, klingt simpel und ist es doch am allerwenigsten: Wichtig ist, »sich nicht festzulegen, wie es laufen sollte. Das schlimmste, was man machen kann, ist sich damit unter Druck zu setzen«. Ich denke, dass es weder klug ist, ein frühes Abstillen vor Augen zu haben, noch Langszeitstillen unbedingt durchziehen zu wollen. Vielleicht will das Kind gar nicht. So wie meins. Und vielleicht will es länger, als man denkt und dann macht man sich Gedanken. Es auf uns zukommen zu lassen, entspannt ans Stillen zu denken, von Tag Eins bist zum Letzten, ist vermutlich das einzig Richtige, was wir machen können. Und natürlich: »Hör auf dein Bauchgefühl und lass dir nicht von anderen reinreden«.

Mehrere Mütter haben mir die Seite Stillkinder.de empfohlen, die ich für euch ein Bisschen quer gelesen habe. Was ich bisher gesehen habe, gefällt mir. Schaut vorbei.

Und Noch Mehr Stillgeschichten

Zum Schluss möchte ich jetzt noch zwei Mamastimmen alleine auf euch wirken lassen. Zwei Stillgeschichten.

Die erste Geschichte von einer Mama, die noch stillt:

1) Wie lange stillst du inzwischen, und wie oft am Tag stillt ihr aktuell noch? A.: Wir stillen seit Mai 2016 [22Monate z.Zt.d.Befragung], inzwischen nur noch zum Schlafen. Dh. an Wochentagen abends zum Einschlafen und in der Nacht, und an den Wochenenden zusätzlich zum Mittagsschlaf.

2) Warst du von Anfang an offen für langes Stillen oder hattest du dir einen früheren Abstillzeitpunkt vorgenommen? A.: Im Laufe der Schwangerschaft entschied ich mich mehr oder weniger dafür. Ich hatte keine Grenze oder Vorstellung davon, wie lange ich stillen möchte. Und je mehr ich mich darüber informierte, desto mehr war ich überzeugt, länger zu stillen als hierzulande üblich ist.

3) Welche Bedeutung hat Stillen für dich? A.: Bindung, Liebe, Geborgenheit. Meine Tochter besucht eine Ganztagseinrichtung. Das bedeutet, dass ich an einem Großteil ihres Tages nicht teilhaben kann, und sie vieles mit anderen Menschen erlebt, wovon sie mir auch noch gar nicht erzählen kann. Stillen haben wir exklusiv für uns. Mag sein, dass es nach außen hin egoistisch wirkt, aber ich fühle, dass wir auf diese Weise diese Zeit kompensieren können und unsere Bindung stärken.

4) Viele Mütter beklagen die Gebundenheit durch das Stillen, und freuen sich, wenn sie wieder unabhängig davon sind. Fühlst du dich eingeschränkt durchs Stillen? A.: manchmal, immer öfter. Ich mag mal wieder abends weg gehen. Zum Sport oder mit Freunden. Aber da meine Tochter sich derzeit nur von mir beruhigen lässt, wenn sie aufwacht, geht das nicht. Es gab eine kurze Phase, da konnte mein Mann sie hinlegen und auch beruhigen, da bin ich auch ausgegangen. Aber das ist seit einigen Monaten wieder vorbei.

5) Gibt es einen Punkt, an dem du von dir aus nicht mehr weiterstillen würdest? Machst du dir Gedanken übers Abstillen? A.: Ich kann keinen klaren Punkt definieren, an dem es für mich definitiv vorbei wäre. Aber übers Abstillen an sich denke ich definitiv nach. Ich dachte bis vor kurzem, dass ich bis zum zweiten Geburtstag abgestillt haben möchte, aber je näher das rückt, desto unwahrscheinlicher wird es. Für mich überwiegen die Vorteile noch zu sehr.

6) Angenommen du müsstest Abstillen, wie würdest du vorgehen? Welche Möglichkeiten erscheinen dir generell angebracht sanft und bedürfnisorientiert abzustillen? A.: Auf der Seite Stillkinder.de gibt es diverse Empfehlungen. Ich würde zuerst nachts abstillen und hoffen, dass meine Tochter die Erfahrung macht, dass sie das Stillen nicht mehr zum Einschlafen braucht und so das Einschlafstillen von sich aus einstellt. Definitiv würde ich sie bei diesem sicherlich schmerzhaften Abschied begleiten.

7) Wie reagiert dein Umfeld? Wie gehst du damit um, wenn eure Stillbeziehung kritisiert wird? A.: Ich spreche nur noch mit ausgewählten Menschen über unsere Stillbeziehung. Nicht mal meine Mutter weiß noch so genau, ob wir noch stillen oder nicht. Außerhalb der eigenen vier Wände stillen wir schon seit letztem Sommer nicht mehr. Ich möchte meine Tochter nicht der Erfahrung aussetzen, dass andere Leute das seltsam und abstoßend finden. Sie soll das Stillen genießen. Ich kann mit Kritik daran nicht besonders gut umgehen, darum grenze ich den Kreis derer, die davon Kenntnis haben stark ein. Es geht auch niemanden etwas an.

8) Was möchtest du stillenden (oder werdenden) Mamas mit auf den Weg geben? A.: Wen interessiert es, was die anderen denken, wenn es dem Kind gut geht und gut tut?! Die einzige Meinung zur Stillbeziehung, die wirklich zählt, ist die eigene!


Die zweite Geschichte eine Abstillgeschichte:

1) Wie lange hast du dein Kind gestillt? C.: Ich habe die Große 20 Monate lang gestillt- sie ist jetzt fast drei Jahre alt. Derzeit stille ich meine Kleine seit acht Monaten fast voll.

2) Hast du vor, das jüngere Geschwisterkind ebenfalls lange zu stillen? C.: Die Kleine hat zwar Interesse an BLW, aber satt wird sie davon noch lange nicht. Brei nimmt sie wie die Große nicht wirklich gern -meine Kinder mögen sich einfach nicht füttern lassen. Ich werde es genau so handhaben wie bei der Großen. Ich lasse es einfach auf mich zukommen, wie lange das Stillen uns beiden gefällt. Gerne auch noch länger als bei der Großen. Mindestens möchte ich aber ein Jahr lang stillen.

3) Warst du von Anfang an offen für langes Stillen oder hattest du dir einen früheren Abstillzeitpunkt vorgenommen? C.: Ich habe mir bei der Großen anfangs gar keine großen Gedanken dazu gemacht. Ich hatte überall von den Beikostplänen erfahren, und hatte auch vor, es so zu handhaben. Als ich das so durchdachte, war mir fast ein bisschen wehmütig -denn da ist laut Plan ja mit dem tagsüber Stillen nach ein paar Monaten Brei schon Schluss. Nur hat da die Große gar nicht mitgemacht: Sie ließ sich nicht füttern und wollte auch partout die mittlerweile verzweifelt angebotene Flasche nicht nehmen. Dann informierte ich mich weiter, und ließ letzten Endes locker. Als man mich nun fragte, wie lange ich denn noch stillen wollte, sagte ich, ich weiß es nicht genau und ich werde einfach so lange weiter machen, wie es sich für uns beide richtig anfühlt. — Eigentlich wollte ich schon früh nach der Großen wieder schwanger werden, ich stillte aber noch viel und unregelmäßig. Nach etwa einem Jahr machte ich die Überlegung, aus diesem Grund abzustillen oder das Stillen zu reduzieren. Ein Blick auf mein Kind sagte mir aber, dass es ihr noch zu viel bedeutete; und dass es nun einfach noch nicht sein sollte. Als der Entschluss gefasst war, es als Zeichen zu nehmen, dass es einfach noch nicht der richtige Zeitpunkt für ein Geschwisterchen ist, fühlte sich das Stillen wieder richtig an. Und ein paar Monate später wurde ich trotzdem schwanger.

4) Welche Bedeutung hat(te) Stillen für dich? C.: Hingabe, Intimität, Bindung, Gesundheit, Selbstbestimmtheit, Zweisamkeit, Einzigartigkeit. Etwas, das einfach nur die Mama an ihr Kind weiter geben kann. Und noch dazu unendlich praktisch und kostenlos. Und wer ein Krabbelkind fast voll stillt, kann essen wie ein Scheunendrescher und nimmt trotzdem ab.

5) Viele Mütter beklagen die Gebundenheit durch das Stillen, und freuen sich, wenn sie wieder unabhängig davon sind. Fühl(te)st du dich eingeschränkt durchs Stillen? C.: Da ich selbst kein Mensch bin, der unbedingt das Bedürfnis nach Ungebundenheit hat, war das kein Thema für mich. Ich liebe es, Mama zu sein, für meine Kinder in dieser kurzen Zeit voll da zu sein. Die Zeit der Unabhängigkeit kommt noch. — Eine Zeitlang hatten wir eine anstrengende Dauer-Nuckel Phase nachts. Viele rieten mir in der Zeit zum Abstillen. Ich wollte das aber noch nicht aufgeben und las den Artikel zum nächtlichen Abstillen vom Gewünschtesten Wunschkind (SEHR zu empfehlen). Durchgezogen hab ich das nächtliche Abstillen nach einer bestimmten Methode nicht, aber ich habe ab dann das Dauer-Nuckeln unterbunden und ihr wirklich nur die Brust gegeben, solange sie richtig trank. Ich sagte dann, die Milch sei „alle“ und müsse schlafen, und tröstete sie auf andere Art. Von da an wurden die Nächte wieder besser. — Ich habe übrigens keinen Zusammenhang zwischen Abstillen und weniger Abhängigkeit von Mama beim Einschlafen bemerkt. Auch jetzt, über ein Jahr nach dem Abstillen, ist Papa beim Zubettgehen noch „out“.

6) Wie kam es zum Abstillen und wie bist du vorgegangen? Auf welche Weise hast du deinem Kind bei der Umstellung geholfen? C.: Komplett Abstillen war gar nicht unbedingt mein Ziel gewesen, ich wollte nur deutlich reduzieren. Denn ich wurde, als die Große etwa anderthalb Jahre alt war, wieder schwanger. Im ersten Trimenon fühlte ich mich häufig ausgelaugt und einfach platt. Also bot ich abends und frühs zusätzlich ein Fläschchen an, das die Große auch ohne Zwang gerne nahm. Ich verfuhr nach dem Motto: „nicht anbieten, aber auch nicht verwehren“ –und Nuckeln unterbinden, denn das tat dann einfach nur noch weh. Über Wochen hin merkte ich immer wieder mal, dass die Große z.B. ohne die Brust eingeschlafen war. Am nächsten Tag wollte sie dann vielleicht wieder ran, dann wieder nicht. Und eines Tages merkte ich, dass wir schon ein paar Tage nicht mehr gestillt hatten und auch keine Milch mehr kam. Ein paar Tage später wollte sie wieder; ich lies es zu. Als nichts kam und ich sagte, die Milch sei „alle“, weinte sie bitterlich und wir trösteten uns gegenseitig- denn mir tat es auch leid. — Ob sie sich abgestillt hat, weil die Milch durch die Schwangerschaft weniger und anders schmeckte, werde ich nie erfahren. Ich habe ihr jedenfalls nie die Brust verwehrt, wenn sie wirklich trinken wollte. Und das zählt für mich. — Die Große durfte übrigens nach der Geburt der Kleinen auch wieder aus der Brust kosten: Es schmeckt ihr nicht mehr, sie mag lieber ihre Flasche mit Kuh- oder Fertigmilch.

7) Wie hast du dich nach dem Abstillen gefühlt? C.: Einerseits traurig, andererseits fand ich es auch schön, dass wir das Stillen gegenseitig respektvoll beendet hatten -und das Abstillen keine einseitig durchgesetzte Sache war.

8) Wie reagierte dein Umfeld? Wie bist du damit umgegangen, wenn eure Stillbeziehung kritisiert wurde? C.: Richtig Kritik wurde nicht geübt. Allerdings stieß ich häufig auf Unverständnis und auch auf das Vorurteil, ich könne mich nicht durchsetzen (WILL ich doch aber auch gar nicht!) oder nicht loslassen. Ich kann inzwischen gut abschalten und eine „Mir-egal-was-alle-anderen-denken-Haltung“ einnehmen. Die braucht man in der späteren „Erziehung“ (oder eben nicht…) des Kindes später sowieso auch noch.

9) Was möchtest du stillenden (oder werdenden) Mamas mit auf den Weg geben? C.: Genieß es! Sei im jetzt und hier. Wenn es EUCH BEIDEN gut damit geht, macht es. Still nicht ab, nur um etwas anderes zu erreichen: Wieso GANZ abstillen, nur damit die NÄCHTE besser werden? Ich finde, das nächtliche Abstillen sollte viel Bedeutung erlangen. Einmal ganz abgestillt, ist es für immer vorbei.

Zwei Geschichten von zwei völlig unterschiedlichen Mamas. Ich denke, JEDE Stillgeschichte ist anders. EINZIGARTIG. Jede besonders und berechtigt, egal wie viele Höhen oder Tiefen. Egal, wie früh oder spät abgestillt wurde. – Ob selbstbestimmt oder sanft begleitet.

Vielen Dank und ein großes Herz an die Mütter, die mir von ihren Erfahrungen berichtet haben <3

Was ist eure Stillgeschichte? Hinterlass einen Kommentar und erzähl mir davon. Ich freue mich. Xx Fiona

4 Kommentare

  • Annie

    Ich habe mit meinen Töchtern zwei sehr unterschiedliche Stillbeziehungen gehabt.
    Bei der großen wollte es leider gar nicht klappen. Schon im Krankenhaus habe ich um Hilfe gebeten, weil es höllisch weh tat, ich wurde aber leider nicht ernst genommen. Auch meine Hebamme konnte leider nicht wirklich helfen, so dass dann zu den Schmerzen auch noch eine Entzündung und ein Pilz dazu kamen. Ich wollte so unbedingt stillen und bin wirklich jeden Weg gegangen, den man gehen kann. Am Ende hat es nichts genützt und nach 5 1/2 Monaten musste ich einsehen, dass es mit dem Stillen leider nichts wird. Danach war ich aber entspannter weil ich diese Baustelle für mich abgeschlossen hatte.
    Bei meiner kleinen fing es ähnlich an, aber mit der Erfahrung von der großen habe ich rechtzeitig die Reißleine gezogen und erstmal mit Hütchen gestillt. Nach ca 4 Monaten konnten wir die Hütchen dann auch weglassen. Ich habe die kleine fast ein Jahr voll gestillt. Geplant war das so nicht, ich habe das aber ganz entspannt auf mich zukommen lassen. Abgestillt habe ich sie mit 19 Monaten weil sie leider anfing, zu beißen und generell sehr unpfleglich mit meiner Brust umzugehen. Ich habe lange versucht, ihr begreiflich zu machen, dass sie gerne trinken darf, aber pfleglich mit meiner Brust umgehen muss. Leider haben wir da irgendwie nicht den richtigen Weg gefunden, so dass der Leidensdruck für mich einfach zu groß war. Ich habe ihren Frust begleitet und wir waren gemeinsam traurig, aber für mich ging es leider nicht anders. Am Ende würde ich die Stillzeit aber trotzdem als insgesamt sehr schön bezeichnen. Eine tolle Zeit, die ich nicht missen möchte.
    Nun bin ich mit Nr Drei schwanger und freue mich auf eine weitere, hoffentlich schöne Stillzeit.

  • Hanna

    Mein Sohn ist heute 4 Jahre und 4 Monate alt und wenn er möchte darf er immer noch an meiner Brust sein. Ich habe seit ca. einem halben oder dreiviertel Jahr keine Milch mehr, aber das stört ihn nicht. Er fand es anfangs kurz komisch und hat es mir auch gesagt, aber er hat einfach trotzdem weiter gestillt. Es ging wie so vielen Kindern und Müttern auch ihm wohl nicht nur um die Aufnahme von Milch.
    Bevor mein Sohn geboren wurde, konnte ich es mir irgendwie nicht richtig vorstellen, wie das wohl ist, wenn da „so ein Mensch“ dran saugt und ich war mir auch unsicher ob ich das überhaupt mögen werde. Aber als mein Sohn dann da war (und trotz heftiger BW-Entzündungen in den ersten Wochen) war für mich klar, dass ich auf jeden Fall stillen wollte. Es hat sich einfach richtig und schön (mal abgesehen von den anfänglichen Schmerzen) angefühlt. Nach einiger Zeit waren meine BW kein Problem mehr und das Stillen lief ohne Schmerzen und wir stillten überall und nirgends. Ich fand es so wahnsinnig praktisch und schön und mein Kind denke ich auch:-). Natürlich war es auch zwischendurch sehr anstrengend, wenn er mal wieder einen Schub hatte und gefühlt permanent an meine Brust wollte. Nachts war nicht so das Problem, er war ein ganz passabler Schläfer (im Familienbett) aber auch da gab es Phasen in denen ich mich nicht so drehen und wenden konnte wie ich wollte und ich bekam Verspannungen, die sich tagelang hielten und einmal nur durch Hilfe eines Chiropraktiker behoben werden konnten. Die Zeit ging ins Land, mein Kind wurde größer und größer und je länger wir stillten, desto selbstverständlicher wurde es für uns, das wir dies taten. Ganz im Gegensatz zu meinem Umfeld. Die fanden es komisch und auch teilweise sogar ekelig(!) und hatten vielfach kein Verständnis dafür. Obwohl sie es meist gar nicht so direkt mitbekamen, da wir nur noch zu Hause oder hinter zugezogener Tür stillten, je älter er wurde.
    Im Kindergarten stieß ich eher auf Unvesrtändnis mit unserem Langzeitstillen, aber sie mischen sich nicht weiter ein. Mein enger Familienkreis weiß, dass wir noch stillen und sie lassen es weitestgehend unkommentiert finden es aber etwas seltsam. Meine Schwiegereltern haben dafür kein Verständnis, lassen mich aber mit ihrer Meinung in Ruhe. Mein Mann findet, dass ich das Ende doch mal einleiten sollte (auch bestimmt seit unser Sohn zwei/zweieinhalb Jahre alt ist), aber er liegt mir damit nicht in den Ohren und akzeptiert es. Unser Sohn darf selbst bestimmen, wann er nicht mehr möchte. Er schränkt es von selbst in den letzten Wochen/Monaten langsam aber kontinuierlich immer weiter ein. Es tut so gut und ich fühle mich so frei, dass ich das Ende nicht vorgeben muss, da ich weiß, dass das auch sehr hart für Mama und Kind ablaufen kann. Ich bin nicht so ein zäher Knochen und ich lasse die Dinge gerne so geschehen wie sie kommen und nehme es so an. So fühlt es sich für uns am besten an. Jetzt bin ich in der 22 Wiche schwanger und ich bin gespannt ob mein Sohn noch in der Schwangerschaft das Stillen beenden möchte.

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