Wie viele Freunde braucht ein Kind? Über die Angst, dass ohne Kindergarten etwas fehlt

Wie viele Freunde braucht ein Kind? Über die Angst, dass ohne Kindergarten etwas fehlt

Meine Tochter besucht keinen Kindergarten und daran soll sich auch nichts verändern. N bleibt bis zur Schule zuhause. Uns geht es gut ohne Kindergarten. HIER habe ich über unsere Gründe gegen Kindergartenbetreuung ausführlich geschrieben. Heute möchte ich meine Gedanken zu ein paar ziemlich typischen Kritikpunkten mit euch teilen.

Im Gespräch mit Eltern werden mir häufig Argumente für Kindergartenbetreuung und gegen Selbstbetreuung vorgehalten. Aus vielen davon höre und lese ich Angst heraus. Angst, dass es ohne Kindergarten nicht funktionieren kann. Für mich war ein Kindergartenbesuch aber tatsächlich nie mehr als EINE Option. Erst seit wir uns bewusst dagegen entschieden haben, merke ich, wie „standardisiert“ der Kindergartenbesuch eigentlich ist – und wie ungewöhnlich unser Weg.

Die Frage ist nie OB, sondern immer in welchen Kindergarten mein Kind ginge. Die Verblüffung riesig, wenn ich antworte „in keinen, auch nicht in Zukunft, gar nicht“; dabei besucht sie ja doch bloß keinen Kindergarten!

Die Befürchtungen Zielen darauf, dass einem Kind ohne den obligatorischen Kindergartenbesuch etwas wichtiges fehlt, nämlich ein wesentlicher Berührungspunkt mit dem Sozialleben: Kontakte , die anders nicht aufgefangen werden könnten. Und sowas wie der Gesellschaftsbezug.

Kein Wunder: Der Kindergarten wird in unserer Gesellschaft quasi als DER Sozialisationsort für Kleinkinder angesehen. Als gäbe es kein Weg daran vorbei – mancher glaubt sogar, Kindergarten sei verpflichtend. Für die meisten Kleinkinder trifft es vermutlich auch zu, dass der Kindergarten zentraler Lebensort ist. Sie verbringen richtig viel Zeit dort, und machen eine Menge ihrer ersten Lebenserfahrung in ihrer Kindergartengruppe.

Darf auch so sein. JA. Ganz sicher kann und darf der Kindergarten die Familie ergänzen. – Mag also sein, und wichtig für DIESE Kinder sein, dass sie im Kindergarten viele tolle Sachen lernen und erfahren.

Nur: Umgekehrt heißt das NICHT, dass der Besuch notwendig ist.

Es fehlt nichts ohne Kindergarten, was zwingend gebraucht wird und nicht aufgefangen werden kann. Echt nicht. Da ist keine Lücke. Sozialisation passiert – Überraschung – überall.

Ohne KIndergarten Entschleunigung

Kinder brauchen Soziale Kontakte: Die Mär vom Leben in einer Blase

Das wohl häufigste und lauteste Argument ist die Forderung nach Sozialkontakten. Ein Kind braucht Menschen um sich. Ein Kind braucht Freunde. Ein Kind braucht Leute, mit denen es sich beschäftigen kann. Kontakte zum Spielen. Vorbilder. Gegenbilder. Bindungspersonen.

JA!

Nur ist es nicht so, dass der Kindergarten der einzige Ort ist, der Kindern die Möglichkeit gibt, in Kontakt zu sein. Wenn ich ganz ehrlich sein darf, empfinde ich den Kindergarten sogar als einen ziemlich künstlichen Ort für das Entstehen von Kontakten. Das Kontakteknüpfen wird quasi zwanghaft (muss nichts schlechtes sein, muss aber auch nicht gefallen).

Gerade für Kleinkinder, die ihre Umgebung ohnehin noch wenig bis gar nicht reflektieren, sondern hinnehmen, ist diese kleine Wirklichkeit ein ganzer Kosmos. Man rauft sich zusammen, wenn man täglich mit denselben Menschen am selben Ort verbringt. Von einer natürlichen, wechselhaft, selbstgewählten sozialen Umgebung kann hier aber nicht die Rede sein.

Versteht mich nicht falsch: Das ist okay.

Natürlich können im Kindergarten tiefe Freundschaften entstehen, wie überall eben. Ich will nur sagen, es geht auch anders. Es muss nicht das Kindergarten Setting sein. Vor allem Kinder schaffen es noch, überall Kontakte zu knüpfen (je nach Temperament mehr oder weniger spontan).

Die Frage ist ja, wie wichtig ist es für das Sozialleben und die Entwicklung eines kleinen Kindes im Endeffekt, denselben 20-30 Menschen fast täglich am selben Ort zu begegnen? Ist genau das wirklich NOTWENDIG für eine positive soziale Entwicklung? Wie viele Freunde braucht ein Kind?

Und wie wichtig ist es, dass diese sozialen Kontakte dann meist noch möglichst gleichalt, möglichst homogen sind?

Ich glaube nicht, dass meine Tochter zwangsläufig viele gleichaltrige Kinder um sich braucht. Vielmehr braucht sie einfach Menschen um sich. Menschen, die sich zusammenfinden, nicht nur weil sie im selben Einzugsgebiet wohnen, sondern weil ein Funke überspringt.

Meine Tochter hat Kontakt zu vielen Leuten: Familienangehörige. Paten. Nachbarn. Bekanntschaften. Freunde. Familien aus den Nachbargärten. Spielplatzkontakte. Sie gerät so gut wie jeden Tag in soziale Situationen, was sie nicht hat, ist lediglich die KiGa Gruppe, diese 20- 30gleichalten Kinder.

Meinem Kind fehlt also quasi diese Gruppenerfahrung.

Eine so große Gruppe an Kindern kann ich meiner Tochter auf diese Weise tatsächlich nicht ersetzen. Der Punkt ist: Das will ich aber auch gar nicht.

Denn: ich weiß wirklich nicht, wofür es gut sein soll. Um voneinander zu lernen? Viel mehr lernen Kinder in diesem Alter von Menschen, die ihnen die Dinge vorleben und erklären können, als von Gleichaltrigen. Um miteinander zu spielen? Das kann mein Kind viel intensiver 1:1 oder in kleinen Gruppen. Und sich unter Menschen zurechtfinden, sozial interagieren zu lernen? Das tut sie sowieso jeden Tag, übt sie und lernt sie in ihrem Tempo, mit all den Menschen, die uns im Alltag auch so begegnen.

Was mir sicher wichtig ist: Dass meine Tochter die Möglichkeit hat, Freundschaften zu knüpfen. Und, dass sie selbst entscheiden kann, welche Menschen sie um sich haben mag. Egal ob nun Kinder oder Erwachsene.

Deswegen sehe ich hin und höre ich ihr zu. Wir sind derzeit fast täglich auf Spielplätzen. Eine Zeitlang hat es ihr ausgereicht, sporadisch ein paar Kinder dort anzutreffen. Irgendwann fragte sie gezielter nach Kindern. Nana wollte mehr Kontakte – Also habe ich mich bald mit kindergartenfreien Familien aus unserer Umgebung vernetzt.

Das ist einer dieser Punkte, der, glaube ich, völlig unterschätzt wird: Während einem Kindergartenkind der Wunsch nach WENIGER Kontakten nur schwierig erfüllt werden kann, kann bei einem Kindergartenfreikind der Bedarf nach MEHR sehr viel einfacher gedeckelt werden.

Als meine Tochter mir also zeigte, dass sie MEHR brauchte, kümmerten wir uns um mehr Kontakte. – Wir treffen uns jetzt schon eine ganze Weile ein bis zweimal pro Woche nachmittags auf Spielplätzen mit anderen kindergartenfreien Familien. Mit der Zeit hat sich eine schöne Gruppe zusammengefunden mit derzeit rund zehn Kindern zwischen anderthalb und fünf Jahren. Oft mischt sich die Gruppe mit weiteren Kindern. Manchmal sitzen alle Kinder zusammen im Sand. Manchmal spielen die Kinder lieber für sich. Wer Hunger hat, isst. Wer Durst hat, trinkt. Wer keine Schuhe tragen will, zieht sie aus. Wer Begleitung braucht, bekommt sie. Jede Familie hat ihre eigenen Regeln, und bringt sie mit für sich.

Aber nicht nur unter kindergartenfreien Familien hat Nana mittlerweile richtig gute Freunde gefunden, auch darüber hinaus.

Es mangelt also überhaupt nicht an Sozialkontakten.

Der Tag wird vielleicht kommen, an dem Nana mir wieder zeigt, dass sie MEHR braucht. Dann werden wir nach neuen Möglichkeiten schauen. Eventuell kommt in Zukunft dann zB. Kinderturnen oä in Frage. Bis dahin ist es aber gut, wie es ist. Auf den echten Bedarf meiner Tochter nach Kontakten (und Aktivitäten) einzugehen, und ihre Interessen dabei zu berücksichtigen, empfinde ich als einen großen Vorteil, statt als Nachteil.

Vom Lernen Loszulassen ohne Kindergarten: Wurzeln und Flügel sind institutionsunabhängig

Vermutlich ziemlich eng im Zusammenhang mit dem Ermöglichen von Sozialkontakten neben der Kernfamilie, steht der Gedanke, dass Kinder (früh) lernen sollen, ohne Mama und/oder Papa zu bleiben.

Auch dafür erscheint der Kindergarten wichtig.

Jedenfalls wurde mir schon mitgeteilt, es wäre zu befürchten, dass mein Kind sich GAR NICHT MEHR von mir lösen kann, wenn ich sie nicht in den Kindergarten gebe; sie also früh alleine bleibt. Grad weil sie schüchtern ist.

Ohne Kindergarten würde sie sicher gar nicht den Antrieb bekommen, mein Hosenbein loszulassen und sich ins Getümmel zu stürzen. Ich habe mich davon nicht bekümmern lassen. Ich habe meinem Kind den Rückhalt gegeben, die es brauchte, und siehe da, ihr wachsen Flügel. Langsam, stetig. Das Ablösen passiert automatisch, wenn unsere Kinder sich sicher fühlen.

Sicher ein Kindergarten fördert die Selbstständigkeit, die Unabhängigkeit von der Kernfamilie auch. Ja, gezwungenermaßen. Nach einer Eingewöhnung bleiben die Kinder mehrere Stunden am Tag alleine bei anderen Bezugspersonen. Das verpacken manche Kinder gut.

Dass das allen Kindern guttut, glaube ich nicht.

Trotzdem: Dass Kinder ohne sie bleiben können, scheint vielen Eltern wichtig zu sein. Für manche Kritiker schließt sich kindergartenfrei und Loslassen quasi aus: Bei einer kindergartenfreien Familie kann das nicht funktionieren, da hängt das Kind schließlich 24/7 bei der Mutter* und lernt nicht, sich abzulösen. Ungefähr so stellen sich die Leute das wohl vor. Gibt es bestimmt auch. Und ist okay, wenn es Mama* und Kind guttut.

Bei uns ist das tatsächlich nicht so.

Ohne Kindergarten Nah bei Mama

Tatsächlich, obwohl sie stark fremdelte, traf auf meine Tochter nie zu, dass sie nur auf mich als Bezugsperson fixiert war. Ab ca vier Monaten schon passten Oma und Opa ein paar Stunden auf. Kindergartenfrei heißt nicht zwangsläufig, dass das Kind immer bei der Mutter*dem Vater ist. Schon kurz nach ihrem ersten Geburtstag schlief sie bei den Großeltern alleine, und mittlerweile auch manchmal mehrere Nächte am Stück.

Was meine Tochter BRAUCHT, das bin gar nicht zwangsläufig ICH; was sie braucht ist EINE Bezugsperson. Im Kindergarten wäre das die*der Bezugserzieher*in. Im Kindergartenfreien Alltag sind es andere Menschen. Babysitter, Freunde, Paten, die die Kinder individuell (!) temporär betreuen, können die Kernfamilie also auch ergänzen – Ohne Kindergarten heißt nicht, NIE woanders sein.

Andere Kinder sind anders. Jede Familie hat einen anderen Weg. Manche brauchen länger MaPa an der Seite, als andere. Was ich zeigen will ist: der Vorwurf, ein kindergartenfreies Kind hänge 24/7 an der betreuenden Mama*; und überhaupt könnten DIESE kindergartenfreien Eltern ihre Kinder ja bloß nicht Loslassen, trifft einfach nicht per se zu.

Nana ist noch keine Drei Jahre. Ich mache mir überhaupt keine Sorgen, dass sie später auch bei Menschen alleine bleibt, die ihr noch etwas unbekannter sind (etwa bei Lehrern*innen). Und wenn es ihr doch schwer fällt, finden wir einen Weg. Das wird die Zeit zeigen. Der Gedanke, dass es einem Kindergartenkind leichter fällt, „fremde“ neue Bezugspersonen anzunehmen, vergisst, dass Kinder charakterlich bedingt kontaktfreudiger oder kontaktscheuer sein können. Nur weil ein scheues Kindergartenkind sich an Erzieher*innen GEWÖHNT, fällt es diesem nicht unbedingt leicht, eine neue Bezugsperson anzunehmen. Und nicht für jedes kindergartenfreie Kind ist es ein Problem, neue Kontakte zu knüpfen.

Lebt ihr schon? Oder bereitest du dein Kind noch aufs Leben vor?

„Aber! Im Kindergarten lernen Kinder wichtige Dinge. Das müssen sie lernen, sonst sind sie auf das Leben gar nicht richtig vorbereitet.“ Meistens sind Regeln damit gemeint. Dinge, die man darf, muss und können sollte. Gehorsam. Kooperation. Erste Lernleistungen. Und auch die Gewöhnung an einen klaren durchgetakteten Tagesablauf.

Ich möchte, dass meine Tochter IHREN Weg geht. Ich unterstütze sie. Ich begleite sie.

Diese Begleitung kann ich Eins zu Eins einfühlsam und achtsam gewährleisten, ohne sie von klein auf mit anderen zu vergleichen.

Ich sehe kein notwendiges Learning im Kindergartenbesuch, das mein Kind bräuchte. Ich brauche nicht zu forcieren, dass meine Tochter lernt, sich in Gruppen zurechtzufinden und zu integrieren – wenn sie in eine Gemeinschaft kommt, findet sie dort einen Platz, der ihr passt, und Strategien sich darin zurechtzufinden. Da bin ich mir ganz sicher.

Und Regeln gibt es zuhause auch. Meine Tochter erlebt Konfliktlösungen, Rücksichtnahme, Frust und Kompromissbereitschaft. Alles, was es braucht.

Ich habe schon mehrfach versucht deutlich zu machen, dass ErzeihungsFREI kein Freifahrtschein ist, ein Kind ALLES machen zu lassen, was es will. Es geht nicht immer alles nach Nanas Wünschen. Auch nicht immer nach meinen. Es gibt Dinge, die sind unmöglich oder gefährlich. Es gibt immer wieder Situationen, in denen Bedürfnisse kollidieren. Es gibt persönliche Grenzen, die wir nicht übergehen können. Alles das passiert ständig. Es braucht keinen Kindergarten (und btw auch keine Erziehung), damit mein Kind erlebt, wie Zusammenleben nunmal abläuft.

Ich glaube, für ein Kleinkind, dessen Sozialkompetenz sich gerade erst entwickelt, ist es sogar wertvoll, soziale Strategien, statt in einem großen Gruppenrahmen, in einem kleineren vertrauten Rahmen, enger begleitet, zuerst kennenzulernen und auszutesten.

Ein Kindergarten kann in meinen Augen also nicht ernsthaft einen MEHRwert für die kindliche Entwicklung liefern. – Meine Einstellung #sorrynotsorry Würde ich es anders sehen, wäre mein Kind vermutlich ja auch im Kindergarten. Ich sehe da kein Plus.

Was ich regelmäßig zu hören bekomme, ist noch das Schulargument. „Für die Schule müssten sie es lernen.“ Eltern befürchten vor allem, dass der Schuleinstieg ohne die Kindergartenerfahrung misslingt. Dass die Kinder in der Schule nicht zurechtkommen werden, dass sie nicht Stillsitzen können, nicht angepasst genug sind. Es fehlt schließlich Jahre lange Konditionierung – Wenn ich allerdings davon ausgehe, dass soziale Fähigkeiten, Empathie und Weitblick sich bis zum 6/7. Lebensjahr in ihren Grundstrukturen eh entwickeln, und das unabhängig vom Kindergartenbesuch, gibt es für diese Befürchtungen keine definitive Basis.

Was für ein Kindergartenkind von Vorteil sein kann, ist wohl die Vertrautheit mit institutionellen Strukturen. Sowohl in Abläufen, als auch in Machtstrukturen. Wie unstrukturiert ein kindergartenfreier Alltag allerdings ist, ist wiederum im Einzelnen am Ende auch wieder so individuell, wie die Familien, die kindergartenfrei leben.

Davon abgesehen spielt aber für das Zurechtfinden in der Schule die Individualität des Kindes eine viel tragendere Rolle, als der Ort, an dem das Kind die vorherigen Jahre verbracht hat, finde ich. Auch ein Kindergartenkind kann Schwierigkeiten mit dem Schulstart bekommen. Ein kindergartenfreies Kind kann dort total aufblühen. Natürlich kann der Kindergarten tatsächlich für das ein oder andere Kind ein guter Übergang sein. In die Zukunft schauen, können wir alle nicht. Prinzipiell einer Gruppe Menschen, bloß weil sie anders aufwachsen, eine schlechte/problematische Zukunft vorauszusagen, ist aber gemein.

Ich war selber nicht im Kindergarten.

Und Erfahrung geht vor Meinungen anderer. Ich freute mich auf die Schule. Und ich hatte weder Probleme mit der neuen Umgebung, noch mit den Menschen. Ein bisschen vielleicht mit dem frühen Aufstehen, aber das habe ich bis heute noch, weil ich einfach eine Eule bin. Ich war auch nicht Klassenclownin, sondern Streberin. Ohne Kindergarten hatte ich viel Zeit, mich mit den Dingen zu beschäftigen, die ich mochte. So lernte ich früh schreiben und rechnen. Ähnliches erlebe ich gerade bei meiner Tochter. Sie ist mir eben ähnlich.

Ich war immer stolz darauf, nicht im Kindergarten gewesen zu sein. Das Gefühl, etwas zu verpassen, hatte ich nicht. Genau so wenig, hatte ich das Gefühl, anders zu sein, als meine Mitschüler. War ich nämlich gar nicht. Und ich verrate euch etwas: Wenn unsere Kinder dann in der ersten Klasse zusammensitzen, werden sie einander nicht beurteilen aufgrund dieser Kindergartenfrage. Jedenfalls nicht, solange kein Erwachsener ihnen sagt, es sei seltsam.

Ohne Kindergarten? Wie wir die Wege unserer Kinder prägen!

Ich wurde einmal gefragt, ob ich meiner Tochter nicht eine wertvolle Erfahrung nehme. – Wäre es nicht besser, sie die Erfahrung „Kindergartenbesuch“ erstmal machen zu lassen und DANN für oder gegen den Kindergarten MIT IHR zu entscheiden? Ich habe darüber ziemlich lange nachgedacht. Ja, es stimmt: Nana hat nicht selber entschieden, dass sie zuhause bleibt.

Ohne Kindergarten_Wie viele Freunde braucht ein Kind #kindergartenfrei #erziehungsfrei

Der Vorwurf ist ein Messen mit zweierlei Maß. Wie weit kann Selbstbestimmung gehen? Kann meine kleine Tochter selber entscheiden, wofür ihr der Blick und das Wissen fehlt? Ich lasse sie über ihre Bedürfnisse und ihre Interessen selbstbestimmen: Sie isst, wenn sie hunger hat; schläft, wenn sie müde ist; schaut fern, wenn sie fernsehen mag. Das sind alles Entscheidungen, die nah an ihrem Empfinden und ihrem Begreifen sind. – und trotzdem kritisiert werden. Sie über den Kindergarten entscheiden zu lassen soll naheliegend sein?

Es gibt nun mal weiterreichende Entscheidungen, die wir Eltern alleine treffen. Das ist bei uns nicht anders, als bei erziehenden Eltern. Schließlich hängt am Kindergartenbesuch viel mehr als Freunde und Spielen: Kosten zum Beispiel, und wie diese dann gedeckelt werden.

Solche Entscheidungen treffen wir nicht aus Willkür, sondern aus Überzeugung und nach vielen Überlegungen . – ja, mit der Entscheidung gegen den Kindergarten, nehmen wir unserer Tochter diese Erfahrung. Mehr aber: Wir BEWAHREN sie davor, weil WIR diese Erfahrung aus unserer Überzeugung nicht wertvoll empfinden. Stattdessen schenken wir Nana die Erfahrung ohne Kindergarten aufzuwachsen. Das ist am Ende eben nur genau andersrum, als bei Familien, die mit der Entscheidung für den Kindergarten, ihren Kindern die Erfahrung nehmen, kindergartenfrei zu leben. Seien wir ehrlich: Kaum ein Kind, wird die Kindergartenentscheidung selbstbestimmt treffen.

Es ist unmöglich, unseren Kindern ALLE Erfahrungen zu ermöglichen. Es ist nicht notwendig, ein schlechtes Gewissen zu haben, weil mein Kind eine Erfahrung nicht machen kann. Viele Entscheidungen, die wir als Eltern grundlegend für das Familienleben treffen, öffnen unserem Kind einen Weg und verschließen eventuell (vorerst) den anderen.

Was wir tun können: Mit gutem Gewissen unsere Entscheidungen treffen und dafür mit allen Konsequenzen die Verantwortung tragen. Und: Hinschauen, hineinfühlen und zuhören, um umzudenken, wenn es eine Situation erfordert und zulässt.

Nana ist in einer vergleichsweise guten Ausgangsposition: Wenn sie den dringenden Wunsch äußern sollte, doch einen Kindergarten zu besuchen, dann lässt sich das immer noch ermöglichen. Einen Kindergarten in der Umgebung haben wir für den Fall der Fälle zumindest im Hinterkopf. Auf der Warteliste steht sie dort vorsorglich auch. – Die Chance, dass Eltern ein Kindergartenkind auf Wunsch aus dem Kindergarten nehmen, sind dem gegenüber vermutlich geringer.

Im Moment ist das alles aber nicht nötig. Wir sind glücklich. Uns fehlt es an nichts. Nana ist ausgeglichen und eine totale Frohnatur. Sie freut sich auf die Treffen mit ihren Freunden und sagt selber, dass sie ein Kindergartenfreikind ist. Einmal hat Nana mich gefragt, warum die Kinder bei uns um die Ecke im Kindergarten „immer da hinter dem Zaun“ sind. Ich habe ihr erklärt, dass dort auf Kinder aufgepasst wird, deren Mamas und Papas arbeiten. „Aber ich bin bei Mama und wir gehen immer woanders hin“, hat sie geantwortet. Ob sie das gut findet, habe ich sie gefragt, und mein Kind hat genickt und mir aufgezählt, wo wir in letzter Zeit waren. Es fehlt nichts. Rein gar nichts. Und bekanntlich soll man an Situationen nichts verändern, die sich gut anfühlen.

Es gibt also am Ende keinen Grund kindergartenfrei zu kritisieren, genau so wenig wie es einen Grund gibt Kindergartenkinder zu bemitleiden. Es ist gut, wie es ist, auf beiden Wegen, solange die Familien und insbesondere die Kinder glücklich sind. Das ist, was zählt.

|Fiona

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32 Comments

  1. Ich ging in die KITA (in Polen) mit 5, habe den Mittagsschlaf und das pampige Essen gehasst also ging ich nur sporadisch hin, wenn meine Großeltern keine Zeit hatten. In der Schule war ich ein absoluter Streber und habe die Schule geliebt. Als Kleinkind war ich mutig. Mein Mann hingegen (35) sowie seine beiden Geschwister wurden mit 3 Monaten(!) für den ganzen Tag abgegeben. Alle drei haben schwer damit zu kämpfen.

    Wir haben als Familie (inkl. meiner Eltern) beschlossen, dass unser erstes Kind erst mit 3.5 Jahren in die Kita geht und wenn es nicht passt finden wir einen anderen Weg. Es ist finanziell nicht einfach (aber auch nicht stressig), es sind nur 2 Zimmer drin und ein älteres Auto.

    Mein Baby ist zwar erst 6 Monate, wir sind aber jeden Tag unterwegs, mal spazieren, mal im Zoo, mal bei den Großeltern. Später machen wir Kurse, basteln, spielen… ich bin so dankbar für die intensive Zeit mit meiner Familie, denn ich war noch nie so glücklich in meinem Leben, wie jetzt (und so unausgeschlafen 😀 ) *Tränenindenaugen*

    Aber egal für welche Betreuungsart man sich am Ende entscheidet – jede Familie findet ihren eigenen Weg zum Glück 🙂 und das ist auch gut so!

  2. Liebe Fiona.
    Ich bin froh, Deinen Beitrag gefunden zu haben, denn ich bin ziemlich verzweifelt.. langezeit fühlte ich mich als Alien, als eine Mutter, die mit ihren Ansichten alleine da steht. Ich bin überhaupt kein Fan von Kitas. Ich selbst bin auch im Kindergarten gewesen, doch weiß ich nicht, was mir diese Zeit gebracht haben soll? Ich erinnere mich an nichts und dennoch wird man ständig damit konfrontiert, dass Kindergarten DAS Nonplusultra ist.
    Ich finde es schlimm, dass man sich jedesmal rechtfertigen MUSS, dass man als Elternteil eben nicht die Auffassung teilt, wie die der Kindergarten-Befürworter.
    In dem Punkt halte ich die Gesellschaft für sehr intolerant.
    Liebe Fiona, ich würde mich gerne privat mit Dir austauschen, da ich Hilfe suche. Hilfe von Menschen, die mich vielleicht verstehen….
    LG Anni

      • Hallo! Ist der Artikel wirklich Ihr voller Ernst? Oder doch eine Wette verloren? Haben Sie sich den am Ende selbst nochmal durchgelesen? Unfassbar!!!

      • Sicher. Was genau ist denn unfassbar daran? Jede Familie entscheidet am Ende nach eigenen Kapazitäten und Prioritäten. Kein Weg ist dabei besser, sie sind gleichwertig. LG Fiona Xx

    • Liebe Anni,

      ich kann dir nur zustimmen in dem Punkt, dass ich selbst Kindergarten auch doof fand. Und das, wobei ich erst mit vier Jahren hingegangen bin…erst zum Schluss, mit fünf Jahren, fand ich es glaube ich irgendwie ok. Also, zu Hause ist für viele am besten! Wenn nicht einfach genauso gut…
      Gruß,
      Antonia

  3. Hallo,
    Der Beitrag ist wirklich Klasse.
    Ich bin Momentan bei Tag 2 der Eingewöhnung in den Kindi mit meiner Dreieinhalbjährigen.
    Das Thema ist, dass ich eigentlich gar kein Fan vom Kindergarten bin und du mir wirklich aus der Seele sprichst, allerdings hatte ich das Gefühl, es könnte meiner Tochter vielleicht wirklich gut gefallen, da sie immer total aufblüht wenn sie auf dem Spielplatz oder wo anders anderen Kindern begegnet. Nun ist es so (ja ich weiß zwei Tage sind nichts) dass sie einfach nicht in den Kindergarten will. Ich weiß nicht was ich tun soll. Mein Bauchgefühl sagt ich sollte es einfach bleiben lassen und sie zu Hause lassen, aber mein Umfeld meint es bräuchte nur Zeit.
    Hast du oder irgendjemand der hier mitliest vielleicht irgendeinen Tip für mich, wie ich mir die Entscheidungsfindung erleichtern kann?
    Ich selbst frage mich seit dem ersten Tag wieso ich das uns beiden eigentlich antu… Zumal meine Tochter vom Charakter ziemlich stark ist, genau weiß was sie will und dies auch zumeist kompromisslos durchzusetzen weiß…

    • Hallo Selina, für mich liest sich das so, als wenn deine Grundhaltung und dein Gefühl doch eigentlich schon entschieden haben. Was andere denken, solltest du ausblenden. Lieben Gruß, Fiona xx

      • Hallo, bei uns ist es gerade genauso wie bei Selina. Meine Tochter ist zwar schon fast 4 1/2, solange konnte ich den Kiga noch herauszögern. Ich selber hätte sie auch am liebsten gar nicht angemeldet, seit 4 Tagen sind wir beide total ungl7cklich, aber ich sehe keinen anderen Ausweg, da es bei uns in der Gegend keine kigafreien Familien gibt und auch aus meiner Familie niemand meiner Meinung ist. Von der Erzieherin kann ich keine Sensibilität erwarten. Ich weiß nicht, was ich machen soll 😟😟.
        Liebe Grüße Carmen

  4. Hallo liebe Fiona,

    Ich bin sehr froh deinen Artikel gelesen zu haben. Jeder sollte seinen eigenen Weg finden. Das ist richtig. Ich bezweifle das alle Kinder im Kg glücklich sind. Irgendwann „gewöhnen“ sie sich einfach an diesen Zustand, weil die meisten es sich sowieso nicht aussuchen können. Es liegt halt in den Händen der Eltern was wir aus der Kindheit unserer Kinder machen. Wir haben 2 Mädchen (fast 3 Jahre alt und 4 Monate). Bisher haben wir nicht vor den Kg zu besuchen obwohl ich zeitweise „eingeknickt “ bin unter dem gesellschaftlichen Druck. Es scheint tatsächlich weit verbreitet das man im Kindergarten und nur dort, sozial wird. Mein Schwiegervater war nie im Kindergarten und er ist ein liebevoller, sehr ruhiger und humorvoller Mensch. Wie du erwähnt hast. Es gibt eben Kindergartenkinder die es einfacher haben in der Schule aber auch eben welche, denen es immer noch schwer fällt oder einfach gar nicht gefällt. Ich z.b. fand den Kindergarten und die Schule Personenmäßig sehr anstrengend. Die Gruppe im Kg war groß ( an die 32 Kinder ) und in der schule die Klassen waren ebenfalls groß (selbe Anzahl zu Beginn). Bis heute finde ich sowas nervig und anstrengend. In der Lehre hingegen war die Klasse kleiner (20 Personen) was schon ganz anders auf mich wirkte und auch anders war , weil ich dort sein WOLLTE. Ich finde es schlimm diese Sache mit KG und Schule so engstirnig zu betrachten. Leider leider… Hat man heutzutage kaum Gleichgesinnte , die sich und anderen den Freiraum geben einfach ZU SEIN. So wie man ist. Schwieriges Thema. Wir haben bis heute keine kinderfrei Kinder in unserem sozialen Umfeld gefunden. Dafür kommen die Kindergartenkinder unserer Freunde und Familie immer gerne zum spielen und wollen nicht mehr gehen 😉 zudem hat unsere Tochter keine Probleme mit sozialen Kontakten. Da wir in einem Mehrgenerationenhaus leben, hat sie immer Menschen um sich herum (unterschiedlichen Alters von 4 Monate bis 84 Jahre ). Von denen sie vieles fürs Leben lernen kann. An dieser Stelle , danke an alle Omas und Opas die ihre Enkel auf dem zum erwachsen werden begleiten. Ihr seid unbezahlbar und von älteren Menschen kann man sooooo viel lernen.

    Totales Chaos in meinem Beitrag. Naja so ist das eben 😉 alles gute allen Familien hier und Gottes Segen.

  5. Liebe Fiona! Ich bin Kindergartenpädagogin und ich habe mit großem Interesse deinen Bericht gelesen.
    ich finde es wunderbar wie du dein Leben mit deinem Kind organisierst uns gestaltest.
    der Kindergarten sollte, wenn es nötig ist familienergänzend sein und nicht familienersetzend.
    Ich sehe es überhaupt nicht negativ, dass dein Kind so aufwachsen kann und vor allem , welche Rahmenbedingungen es hat.
    Der Kindergarten ist sehr wichtig für Familien, die in der heutigen Zeit in verschiedenster Form Unterstützung brauchen. Aber so wie Dein Kind laut deinen Schilderungen aufwächst, klingt das wunderbar.
    ich wünsche Euch alles Gute!
    LG V

  6. Vielen Dank für den tollen Text 🙏🏻
    Mein Sohn, jetzt gerade 5 Jahre geworden, geht noch nicht in den Kindergarten. Und ich höre auch, dass das doch gut wäre für die soziale Entwicklung. Du hast mir viele gute Gegenargumente geliefert. Danke vielmals!

    • Unsere Tochter geht auch nicht und ist besser dran, empfindet Kindergarten als Stress…. Mal ehrlich, sie muss im Kindergarten mit Kindern spielen, wo du sie privat nie hin lassen würdest

  7. Danke für deinen Beitrag.
    Er hilft mir doch schon ein wenig, meine Gedanken zu sortieren.
    Mein Sohn wird jetzt 3 Jahre alt, wir haben keinen Kindergartenplatz bekommen und es hat mir Kopfschmerzen bereitet, macht es auf der einen Art immer noch. Es ist wie du es geschrieben hast, meine Sorge ist das er keine Freundschaft schließen kann und es später schwieriger in der Schule wird.
    Wobei er wurde bis jetzt nicht fremdbetreut, das war uns sehr wichtig, das er frühsten mit 3 in den Kindergarten geht. Vorher wäre es auch gar nicht möglich gewesen, er war noch nicht soweit und das war/ist absolut okay. Mittlerweile ist das gar kein Problem mehr. Jetzt hatten wir einen Kindergarten Termin und er hatte totalen spaß, hat sichwohlgefühlt und hat auch sofort Anschluss gefunden. Wenn ich daran denke macht es mich schon traurig, er möchte aber kann nicht. Würde er sich nicht wohlfühlen, müsste er auch nicht gehen. Momentan muss ich die Situation so hinnehmen und schaue wie ich das beste daraus machen kann, da ich auch nicht möchte das er in irgendeinen Kindergarten geht, nur damit er einen Platz hat.

    „Er ist so sozial und das ohne Kindergarten“ der Satz wirkt auf mich oft abwertend, so als werden Kinder nur im Kindergarten sozial und die nicht gehen, sind ja voll die Monster. Mein Sohn ist aufgeschlossen, liebevoll und fürsorglich, kein hauen oder beißen. Ebenso hat er keine Probleme kontakte zu knüpfen und das alles ohne Kindergarten.

    Ehrlich gesagt weiß ich gerade nicht, was ich machen soll ob ich einfach auf den Platz verzichten soll oder drum kämpfen sollte. Mein Mann sieht es ganz locker und ist der Meinung dann bleibt er halt zuhause.
    Auf einen Platz sind wir nicht wirklich angewiesen.

    • Hallo Jessica. Ich glaube, einen guten Rat kann ich dir nicht geben. Ihr werdet auf eure Herzen hören müssen, was euch und eurem Kind gut tut. Ich bin mir sicher, ihr werdet den richtigen Weg gehen. Viele Grüße, Fiona Xx

  8. Ich kann von meiner Erfahrung sagen, das der Kindergarten für mich als Kind nicht schön war. Meine Mutter war Zuhause aber entschied sich für den Kindergarten weil es sich nun mal so gehört. Ich war und bin ein sehr offener Mensch und habe gerne Menschen um mich herum, aber eben Menschen die ich auserwählt habe und diese mich. Ich fühlte mich im Kindergarten immer überlastet, es war einfach zu viel von allem. Ich vergleiche es gerne mit den Arbeitskollegen im Büro, man muß mit Kollegen zurecht kommen….man muß. Wenn sich z.b. im Büro eine Freundschaft etwickelt ist es wunderbar aber eben nicht die Regel. Viele Individuen die um Aufmerksamkeit kämpfen, das ist nichts für jedermann. Jetzt habe ich selbst einen Sohn der viel von meiner Persönlichkeit hat, und ich schätze das es ihn besser tun würde nicht im Kindergarten zu sein. Danke für diesen schönen Beitrag, gut das es Menschen gibt, die nicht alles tun was uns die Gesellschaft vorlebt und nichts in Frage stellt.

      • Hallo, ich schreibe hier einfach mal frech mein Anliegen, weil ich nicht weiß wie ich mich hier anmelden kann 🙄😳😛😱
        meine Tochter ist gerade 4 geworden und haben uns nach einem misslungenen Start in den kiga (mit 3 Jahren voriges Jahr) dafür entschieden es heuer wieder zu probieren,…nun stehe ich wieder bei der üblichen Frage; ob ich nicht noch warte da das Glück habe nur 1 Tag pro Woche arbeiten gehen zu müssen und meine Tochter somit selbst betreuen kann! Da sie mit 6 in die Schule beginnt würde ich sie schon gerne zumindest 1 1:2 Jahre in den kiga gehen lassen um ihr den Einstieg in den Schulalltag zu erleichtern….
        Ich bin so verzweifelt weil ich nicht weiß ob ich ihr damit was gutes zu tun, sie jetzt mit bereits 4 noch ein halbes Jahr oder so zuhause zu lassen( Aja wir haben bereits einen fix Platz in einem privaten kiga) – der ist uns sicher! Habe dort mit Leitern ausgemacht wir probieren es nach Weihnachten wieder da es momentan unmöglich funktioniert sie weint nur und will nicht alleine dort bleiben, wo sie sonst sehr mutig ist und immer ihr Tempo vorgibt und in den letzten 2 Jahren echt total Größe Fortschritte gemacht hat Punkto auf andere zugehen usw,…ich denke mir halt wieso sollte ich ihr nicht die Chance geben ihr eigenes Tempo vorzugeben solange es möglich ist, irgendwann „müssen“ die Kinder funktionieren in der Schule,
        Beruf usw…?!?ich kriege soviel Gegenwind weil sie noch nicht in den kiga geht – dein Kind braucht andere Kinder sie wird so nicht sozial usw.,…😡
        Bitte sagt mir eure Meinung dazu würde mich irrsinnig freuen!!!!!
        @fiona; deine Beiträge geben mir soviel mut!!! Danke dafür!

        Lg birgit

      • Hallo Birgit. Ich denke, dein Gefühl hat ja bereits entschieden 🙂 FÜR dein Kind. Und ich würde es genahsl machen. Dein Kind zeigt dir ja, dass es nicht bereit ist für diesen Schritt, du deutest es empathisch, ja und wenn die Möglichkeit da ist, erfülle doch das Bedürfnis. Gegenwind wird es immer geben. Aber zählen die Kommentare Anderer mehr als das eigene Kind? Ne, oder? Allea Liebe. Ihr macht das sicher gut 🙂

      • Danke liebe Fiona!
        Aber ich denke mir nur, was mache ich wenn sie „nie“ bereit dafür ist? Ich meine sie muss ja in die Schule und der Kindergarten an sich also zumindest ein paar Monate wären auch nicht so schlecht bzw schlimm….nur habe ich halt zurzeit kein gutes Gefühl dabei,…sie weinend dort zulassen und mir dann gesagt wird das ist eben so sie beruhigt sich schon wieder! Ich habe heute erst wieder gehört von meiner Schwiegermutter sie MUSS gehen wegen der Sozialisierung und wegen der Gruppendynamik- sie wird sich nie in eine Gruppe Kinder integrieren können usw…solche Aussagen verunsichert mich extrem….kannst du mir Tipps geben wie ich mit solchen Kommentaren umgehen kann bzw argumentieren kann?
        Danke und Lg!!! birgit

      • Liebe Birgit. Ich glaube, dass wichtigste dabei ist unserer Einschätzung UND unseren Kindern zu vertrauen. In einem Jahr zB verändert sich in dem Alter noch so so vieles! Und Sozialiesierung passiert mitten im Leben, nicht isoliert mit Gleichaltrigen. N ist auch ein sehr zurückhaltendes Kind. Fasst sie einmal vertrauen, ist sie offenherzig und mutig, aber sie öffnet sich (noch) nicht vielen Menschen. So IST sie und das ist in Ordnung. Im Vergleich zum letzten Jahr hat sich viel getan und nächstes Jahr wird sich wieder vieles verändert haben. Und wir werden es letztlich auch mit diesem ihrem zurückhaltenden SO SEIN durch die Schulzeit schaffen. Ich habe selber ein zurückhaltendes Wesen und bin trotzdem sozial kompetent. Wir sind nicht schlechter, weil wir offener oder zurückhaltender sind und wir entwickeln Strategien mit Situationen umzugehen, was wir brauchen, sind Menschen die uns lieben, nehmen und unterstützen, wie wir sind! Mir das vor Augen zu halten, hilft mir immer wieder. Vertrauen. Unterstützung. Akzeptanz. Alles Liebe, Fiona

      • Liebe Fiona!

        Du hast soooooo recht!!!!!
        Also umso mehr ich von deiner Tochter erfahre, desto mehr spiegelt sich meine süße darin- sie ist auch anfangs total zurückhaltend klebt an mir, doch wenn sie aufgetaut ist und ihr die Situation bekannt und vertraut ist blüht sie auf und öffnet sich und spielt dann auch mit Menschen die sie nicht oft sieht oder wenig kennt- solange ich dabei bin!
        Wir machen auch eher langsam Fortschritte dafür sind sie für uns riessig groß und total viel! Vor einem halben Jahr wäre sie niemals alleine bei ihren Großeltern geblieben also bei Papa Eltern – doch jetzt klappt das wunderbar sogar mit ihrer Cousine zusammen bleibt sie dort!!! Bei meinen Eltern bleibt und schläft sie von Baby an regelmäßig dort – so wie sie es auch gewöhnt ist….
        Es ist nur das sie sich und gleichaltrigen Kindern total schwer tut und da auch meinen Rückhalt sucht und mich braucht! Sie kommt eher mit älteren Kindern klar,..generell braucht sich mich noch total stark in solchen Situationen was für mich total ok ist, mein Problem sind nur die Leute die das total anfeinden weil kiga total wichtig für die Gruppen einfindung im Leben ist Und lt deren angeben, dass so mit der Mama dauernd dabei nicht möglich ist!
        Wie ist das bei N geht sie gar nicht in den kiga, meine Tochter ist immerhin schon 4?!? Ich will auch nicht, dass sie sich beim Einstieg in der Schule schwerer ohne kiga, tut??

        Danke!!!! Es gut gut jemanden zu haben der genau so über die Situation denkt – ich finde es grauenhaft etwas zu tun nur weil es alle so machen- wer sagt was richtig und falsch ist ?

        Lg birgit

      • Hallo. Ja, da scheinen unsere beiden sich ja wirklich sehr ähnlich zu sein. N wird gar nicht in den Kindergarten gehen. Im Dezember wird sie 4, mit 6 1/2 wird sie eingeschult. Im Kopf habe ich, sie ab ca 5Jahren eventuell in irgendeiner Gruppenaktivität anzumelden, wenn sie Lust hat. Sport, Tanzen, Kunst oder irgendwas, was sie vielleicht mag. Da sie am liebsten nur wenige Vertraute Menschen um sich hat, kann sie da schonmal das mehr Menschen um sich haben in lockererer Art erfahren. Das ist aber auch nur eine grobe Vorstellung. Vielleicht lassen wir das auch. Angst vor dem Schuleintritt habe ich keine. Da ich selber nicht im Kindergarten war UND selber auch zurückhaltend war, weiß ich, dass der Schulanfang deswegen NICHT problematisch sein MUSS. KANN er. KANN er aber eben auch bei Kindergartenkindern. Das kommt, wie es kommt. Wir schaffen das. Und ihr auch! Solange du auf dein Kind und seine Bedürfnisse schaust, wird ganz sicher alles seinen Weg gehen. Zwischen 4Jahren und 6Jahren liegt ja auch nochmal ei RIESEN Entwicklungsweg. Alles Liebe Xx Fiona

      • Danke liebe Fiona!!!

        Oh ok, Dh gibt es in Deutschland keine Kindergärtenpflicht, also das letzte Jahr? Also in Österreich ist das letzte Jahr also das Jahr vor der Schule verpflichtend!!! Finde ich echt doof!
        Dh meine Maus muss dann quasi das letzte Jahr gehen….habe gestern mit Kindergarten vereinbart wir lassen es nun und probieren es nach den Weihnachtsferien wieder, mal sehen ob es dann klappt- wenn nicht bleibt sie dann bis 5 fix einmal zuhause, dann sehen wir weiter! Sie ist bereits in eine private Volksschule angemeldet wo man auch auf das Tempo des jeweiligen Kindes sehr gut eingeht- hoffe sie hat dann auch keine Probleme mit der Gruppenbildung bzw einfinden in der Gruppe!
        Habe heute wieder von einer kollegin gehört, dass es sooooooo wichtig ist für die Sozialisierung, dass das Kind in den kiga geht – was sage ich da drauf?! Mühsam!!!!

        Danke für deine Antworten, hoffe ich bin nicht all zu lästig 🙂

        Lg
        Birgit

      • Nein, hier gibt es keine Kindergartenpflicht. – Ich verstehe dich gut. Ich finde es auch oft mühsam. Was ich antworten würde: Sozialisierung passiert im Kontakt mit der Gesellschaft, überall, jederzeit. Nicht ausschlaggebend in der Isolation unter Gleichaltrigen genaugenommen ist Gleichaltrigenorientierung im Kleinkindalter denkbar nicht vorteilhaft fürs Lernen am Vorbild. Ein*e Erzieher*in auf X Kinder wiederum, kann niemals leisten, was die Eltern fürs Kind leisten können. Begleitung soziale Orientierung. Sicherer Hafen. Alles was Sozialisierung benötigt 🙂

      • Hallo! Was ich gar nicht gut finde ist, dass meistens das jeweils andere schlecht geredet wird und nur das eigene das wirklich gute wahre und schöne ist. Für die meisten Kinder ist Kindergarten etwas tolles, zumindest für die Kinder, die ich kenne! Das bedeutet nicht, dass andere Entwürfe nicht genauso funktionieren. Ich denke, man sollte akzeptieren dass es mehr als einen „richtigen“ Weg gibt. Die meisten unserer Kinder wachsen heutzutage unter guten Umständen auf, wir sollten uns nicht in Details zerfransen. Kindergärten oder nicht – beides kann funktionieren und jeder sollte sich das rausholen was sich für die eigene Familie richtig anfühlt.

      • Hallo, deine Ansicht teile ich absolut. Du bist hier beim zweiten Beitrag der kigafrei Reihe gelandet, indem ich explizit mit Vorurteilen aufräume und weniger allumfassend über die Thematik schreibe – Das macht diesen Beitrag tatsächlich recht schwarz-weiß lesbar. Nichts desto trotz stimme ich dir aber zu: Wichtig ist, was für die Familie gut funktioniert 🙂 lieben Gruß

  9. Ich schreibe jetzt einfach mal, wie es bei uns läuft:
    Meine Kinder sind jetzt 5 und 7 Jahre alt. Der Große wurde dieses Jahr eingeschult.
    Ich hatte nie ein gutes Gefühl bei einer frühen Fremdbetreuung, daher war ich froh, dass wir die Krippe überspringen konnten. Ich habe jeweils nach einem Jahr wieder wenige Stunden (2 Tage/Woche) gearbeitet und die Kinder waren in der Zeit bei den Großeltern. Auf den Gedanken, dass wir den Kindergarten auslassen bin ich aber nie gekommen.
    Ich war tatsächlich jedes Mal froh, als ich nach einem Jahr daheim wieder in die Arbeit gehen konnte. Früher hätte ich jetzt nicht gewollt, aber ich habe bemerkt, dass ich das einfach nicht bin. Dabei hat meine Mutter uns das ja immer vorgelebt. Ich habe für mich die Arbeit, meine Kollegen, die anderen Anreize wieder gebraucht. Raus aus dem Familienalltag. Wieder das tun, das ich gelernt und seither schon immer gerne gemacht habe. Mich mit anderen Menschen außer Müttern unterhalten. Andere Themen außer Kinderkrankheiten.
    Also kamen die beiden als sie jeweils 3 Jahre alt waren in den Kindergarten. Das klappte gut mit ihnen. Mein Großer hat dort 2 wirklich gute Freunde gefunden, mit denen er sich auch heute noch sehr gerne trifft, obwohl sie bereits 1 Jahr vor ihm eingeschult worden sind (Und welche Freundschaft hält in dem Alter schon mal 4 Jahre?). Und ihm hat es hinsichtlich der Schule gut getan. Wir haben ihn ein Jahr zurückstellen lassen. Er war noch zu jung (August-Kind) und zu verspielt. Aber Ich weiß nicht, wie es für ihn gewesen wäre, wenn er nicht vorher schon in einem Kindergarten gewesen wäre. Er ist ein sensibles Kerlchen, der auch immer schon eher zu den Ruhigen gehört hat. Während die anderen getobt haben, lag er mit seinen Kumpels meistens auf der Wiese und sie haben sich unterhalten und in den Himmel gesehen. Mit 5 Jahren. Und ja, sie durften das. Niemand hat sie in der Einrichtung dazu gezwungen, dass sie sich an den Aktivitäten der anderen beteiligen. Sie durften auch barfuß laufen, wenn sie wollten. Und wenn meiner lieber in die Bauecke wollte statt zu pritscheln, dann durfte er das auch. Und wenn sein Mittagsschlaf bis 16:00 ging, dann war das halt so. (Ich weiß, dass wir da scheinbar mit unserer Einrichtung Glück gehabt haben.) Ich hätte ihn nicht auf den Pausenhof einer Grundschule stecken wollen, wenn er nicht vorher schon Erfahrungen in dem Gefüge einer größeren Gruppe gemacht hätte. Da geht es inzwischen anders zu, als bei uns damals in den 80ern. Wir leben hier an keinem sozialen Brennpunkt und trotzdem gibt es Probleme mit Kindern, die immer wieder die Gleichen drangsalieren und ihnen das Pausenbrot klauen. Ja sogar 2.-Klässler, die auf ihre Lehrer losgehen sind hier an der Tagesordnung. Bei meinem weiß ich, dass er Ärger aus dem Weg geht. Er kann solche Situationen inzwischen gut einschätzen. Klar, schade, dass es überhaupt so weit kommt.
    Bei der Kleinen verhält es sich etwas anders. Bei ihr hatte ich tatsächlich recht schnell das Gefühl, dass ich alleine ihr nicht mehr gerecht wurde. Dabei bin ich wirklich nicht unkreativ. Und die Interessen des großen Bruders gehen leider meist in ganz andere Richtungen. Sie singt und hüpft dort die ganze Zeit herum und hat 3-4 Mädels mit denen sie sich ganz hervorragend versteht. Und die hat sie sich ganz alleine ausgesucht, ohne, dass ich sie ihr vorgesetzt habe. Und sie liebt den Kindergarten. Es gab nicht einen Tag, an dem sie gemosert hätte. Oft werde ich angemault, wenn ich sie donnerstags oder freitags früher abhole, weil ich da im HomeOffice arbeite und deshalb mehr Zeit für die Kinder habe.
    Für uns läuft es so super. Alle Beteiligten sind zufrieden. Die Kinder sind gut aufgehoben und haben Spaß. Ich darf meiner Arbeit nachgehen, und sichere mir dadurch auch ein gutes Auskommen in der Rente … oder falls mein Mann einmal arbeitslos werden sollte, oder im Fall einer Trennung … man weiß nie, was kommt. Ich finde das sehr wichtig.

    Ich muss gestehen, dass ich mich stellenweise über die Naivität wundere. Es ist ja schön und gut, wenn man sich dazu entschließt, seine Kinder nicht in den Kindergarten zu schicken. Aber die Kehrseite ist doch meistens, dass Frauen sich in eine große Abhängigkeit begeben. Denn meistens sind es die Mütter, die die Aufgabe der Erziehung übernehmen.

    So, ich glaube, nun muss ich aufhören. Das ist viel länger geworden, als ich eigentlich vorgehabt hatte.
    LG, Tina

  10. Hi Fiona,
    Ich sehe es eigentlich genau wie du: ein Kind braucht mMn definitiv keine Institution wie den Kindergarten, um aufs „Leben vorbereitet“ oder im sozialen Umgang geübt zu werden. Wie du das organisierst mit euren Freunden, klingt total klasse, finde ich.

    Bei uns war es so, dass ich meinen Sohn mit 2 Jahren für 4 Stunden am Vormittag in den Kinderladen gegeben habe, weil wir damals ernsthaft vorhatten in ein englischsprachiges Land auszuwandern. Mit der Auswanderung wäre verbunden gewesen, dass ich dort recht bald auch arbeiten und Geld verdienen hätte müssen und ich wollte meinem Kind die Umstellung und den Spracherwerb so leicht wie möglich machen. Ich dachte, in einer regelmäßigen Kinderbetreuung würde das dort am besten klappen und wollte ihn vorher schon an das Konzept gewöhnen, um nicht mit drei Jahren in einer fremden Umgebung, ohne Sprachkenntnisse zum ersten mal fremdbetreut zu werden.

    Ohne diese Pläne, hätte ich ihn frühestens mit drei in den Kindergarten gegeben und dann eher um selber etwas Zeit und Ruhe für mich zu bekommen, als dass ich es für ihn als notwendig erachtet hätte. Naja, aus der Auswanderung wurde dann doch nichts und er war von 3,5-5 wieder kindergartenfrei durch unsere Auszeit.

    Jetzt mit fünf Jahren geht er seit einem Monat in einen wunderbaren Waldkindergarten. Und da wir neu am Ort sind, hilft das immens, seine sozialen Bedürfnisse zu erfüllen. Und ich bekomme meine elterlichen Bedürfnisse nach ungestörter Zeit am Vormittag erfüllt und kann mich nachmittags mit viel mehr Energie und Motivation um ihn kümmern. Das ist aber natürlich sehr individuell, ob ein Elter* das so braucht oder eben auch nicht.

    Langer Rede, kurzer Sinn: ich fühle mich mit deiner Einstellung sehr verbunden, auch wenn wir es teilweise anders machen und auch das mit gutem Gefühl 🙂

    LG Jitka

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Fiona Lewald ist Mutter von zwei Töchtern. Auf Unverbogen Kind Sein schreibt sie seit 2017 über  die Chancen eines Bindungsorientierten Familienlebens und den Versuch, Erziehung zu überwinden.
 

„Ich schreibe für ein Familienleben, in dem Miteinander mehr zählt als Gehorsam, und die Bedürfnisse  jedes Einzelnen wichtig sind. So helfen wir unseren Kindern heute, ihren Platz als Erwachsene zu finden, SO WIE SIE SIND – Statt sie zu verbiegen.“

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