Kindergartenfrei: Fünf Gründe gegen Fremdbetreuung

Kindergartenfrei TitelUnsere Tochter geht nicht in den Kindergarten. Sie ist inzwischen zweieinhalb Jahre alt, und so langsam wird das Thema spruchreif. Bekannte fragen nun nach, ob wir denn einen Kindergartenplatz gefunden haben. Fremde auf dem Spielplatz versuchen ins Gespräch zu kommen, indem sie meinem Kind sagen, dass es doch bestimmt schon in den Kindergarten geht. Besonders wenn sie am Nachmittag mit ihrem putzigen Bienenrucksack auf dem Rücken durch die Wohnsiedlung läuft, kommentieren Passanten immer häufiger beiläufig, dass sie wohl gerade abgeholt wurde. Im Rucksack sind ihre Sandsachen, aber das Bild vom Kindergartenkind macht sie damit für viele offenbar komplett. Fast immer sind die Leute verwundert, wenn ich erkläre, dass wir kindergartenfrei bleiben.

Manchmal entstehen interessante Gespräche, manchmal wird aber auch der Kopf geschüttelt, und es werden mir ein oder zwei typische Vorurteile genannt.

Auf dem Blog möchte ich euch in nächster Zeit mehr über unsere Entscheidung gegen den Kindergarten und unseren kindergartenfreien Alltag erzählen. Heute soll es um unsere Gründe gehen.

Kindergarten: Ein Puffer für fehlende Betreuung

Vorab ist es mir wichtig, eines klarzustellen: Kindergarten ist eine wichtige und notwendige Errungenschaft, um Familien in der schnelllebigen Entwicklung unserer Gesellschaft zu entlasten. An der Idee des Kindergartens als ein angebotener Spielort und ein Betreuungsort, wenn beide Elternteile arbeiten (müssen), ist überhaupt nichts verkehrt.

Wenn Mama und Papa arbeiten, und daran nichts ändern können oder wollen, ist es quasi unerlässlich, eine andere Form der Kinderbetreuung während dieser Zeiten zu finden. Selten können die Großeltern oder andere vertraute Personen für diese Zeiten vollständig einspringen. Wir haben dann im Idealfall die Möglichkeit, uns eine Einrichtung für die Fremdbetreuung zu suchen, die uns zusagt. Ich will nicht in Frage stellen, dass es richtig gute, immer stärker vielleicht auch bindungsorientiert ausgerichtete Erzieher*innen und Kindergartenkonzepte gibt. Eine gelingende Fremdbetreuung steht und fällt klar mit dem WIE.

Wie begleiten Eltern das Kind in die neue Situation, und wie gehen Erzieher*innen mit dem Kind um.

Anm.: Manche mögen den Begriff Fremdbetreuung nicht. Mit den Worten ist es bekannterweise immer etwas schwierig. Für mich steckt darin die Unterscheidung zwischen familiär und außerfamiliär – Natürlich kann ein*e Erzieher*in zur Bezugsperson werden.

Ein Kindergarten ist also erstmal absolut nichts, was nicht AUCH sehr gut mit einer bindungsorientierten Lebensweise funktionieren kann, wenn Einrichtung und Beziehungen stimmen.

Weil ich mich mit der kindergartenfreien Bewegung viel beschäftige, werden mir natürlich auch zahlreiche negative Erfahrungen zugespült. Ich glaube, das ist ungefähr so, wie wenn man schwanger ist, und plötzlich überall Babys sieht. Es gibt Kinder, die unter ihren Kindergärten und den dort praktizierten Erziehungsstilen wirklich leiden. Das können wir an dieser Stelle nicht ausblenden. Es gibt Kinder, denen die Trennung ZU schwierig fällt. Es gibt Eltern, die mit den Erzieher*innen einfach nicht zusammenfinden. Es gibt Vertrauensprobleme. Es gibt definitiv auch einfach unschöne Konzepte und Umgangsformen. — Ich will gerne glauben, dass das NICHT der Standard ist, und sich da echt viel bewegt. Dass es Einrichtungen gib, die bedürfnisorientiert und achtsam mit den Kindern umgehen. Dass es Kinder gibt, die echt gerne in den Kindergarten gehen. Zufriedene Kinder. Zufriedene Eltern. Das ist am Ende das Einzige, was wirklich zählt. Sich Gedanken über die Sache zu machen, WENN die Situation ein für und wider zulässt, aber halt auch.kindergartenfrei lebenFür unsere Entscheidung gegen den Kindergarten waren potentielle unschöne Einzelerfahrungen erstmal nicht ausschlaggebend. Denn wie überall im Leben, läge es ja an uns als Eltern, schlechte Erfahrungen und Frust aufzufangen und achtsam zu begleiten

1) Ausstieg aus dem finanziellen Hamsterrad

Ein tragender Grund, der uns die Entscheidung für oder gegen kindergartenfrei überhaupt erst ermöglicht, ist die Tatsache, dass ich zuhause bin.

Als ich schwanger wurde, fing ich gerade mit meinem Masterstudium an. Die letzten paar Jahre habe ich nicht gearbeitet. Mein Mann ist Alleinverdiener und uns geht es finanziell ausreichend gut. Wir sind nicht reich, aber müssen auch nicht jeden Cent umdrehen und jeden Kauf oder Ausflug finanziell abwägen. Schon ein paar Monate vor der Schwangerschaft hatte ich in keinem Nebenjob mehr gearbeitet, vor allem um mich intensiv auf die BA Prüfungen konzentrieren zu können, aber auch in Hinblick auf unseren Kinderwunsch. Das Masterstudium habe ich gerade beendet und bleibe nun bei unserer Tochter. HIER habe ich darüber geschrieben, dass das sowieso immer mein Wunsch war.

Anders als Familien, in denen die Frau also im Beruf schwanger wird, in Elternzeit geht und dann vor der bedrückenden Wahl stünde, in den Beruf zurückzukehren oder nicht, konnten wir freier entscheiden, wie es für uns weitergeht. Dass ich weiterhin nicht arbeite, reißt kein Loch in die Haushaltskasse. Wir leben mit den Mitteln, die uns immer zur Verfügung standen.

Kindergarten auf der anderen Seite würde Kosten verursachen.

Um diese Kosten zu decken, müsste ich arbeiten. Und wenn ich arbeiten würde, würde die Betreuung zur Notwendigkeit. Dann gerieten wir in dieses monströse Hamsterrad. Und ein zweites Kind würde dann vermutlich früh in Betreuung müssen, damit ich zurück in den Job könnte, damit wir die Kindergartenplätze zahlen könnten, die wir eigentlich nur bräuchten, damit ich arbeiten könnte, was ich wiederum nur tun würde, um die Plätze zu zahlen.

Dieses Gedankenspiel macht mich traurig. Auch weil es für viele Eltern die Realität ist. Das tut mir von Herzen Leid.

Natürlich ist MEHR Geld immer ganz nett. Aber da es uns reicht, was wir haben, und wir damit glücklich sind, ist es einfach nicht notwendig, uns in dieses Hamsterrad zu begeben.

2) Gesellschaftliche Verantwortung: Über den Tellerrand geblickt

Den Gedanken kann ich jetzt weiterspinnen, dahingehend, dass wir es vielleicht doch finanziell hinkriegen würden, dass das Kind den Kindergarten besucht (weil man uns zB. richtig glaubhaft überzeugt, dass das „für das Kind so wahnsinnig wertvoll dort ist“) und ich trotzdem zuhause bleibe, um mich etwa selbst zu verwirklichen oder für ein jüngeres Geschwisterkind da zu sein. Oder den Haushalt in Ruhe zu machen. Oder whatever.

Angenommen also, ich BENÖTIGE die Fremdbetreuung gar nicht, ich kann mir gut vorstellen kindergartenfrei zu leben -wie es in unserer aktuellen Situation eben ist!-, aber ich schicke mein Kind trotzdem in eine Einrichtung: Wäre das nicht irgendwie.. falsch? Da draußen gibt es einen massiven Kindergartenplatzmangel! Die Idee meine Tochter einen dieser durchaus wertvollen Plätze belegen zu lassen, EINFACH SO, OBWOHL wir keinen guten Grund dafür haben, sondern sogar etliche dagegen; einfach um mit der Masse mitzulaufen, DAS könnte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren.

Eine andere Familie braucht diesen Kindergartenplatz vielleicht viel dringender als wir.

Kindergartenfrei zu leben, wenn wir in der Lage sind, selbst zu betreuen, finde ich ganz persönlich also auch in einer sozialen, gesellschaftsverantwortlichen Hinsicht, die richtige Entscheidung. Jedenfalls an Orten wir diesem, wo Kindergartenplätze wirklich rar sind.

3) Erziehungseinflüsse und Fremdbestimmung reduzieren

Natürlich spielt auch unsere Haltung zur Erziehung eine Rolle bei unserer Entscheidung. Das kann und will ich nicht verleugnen.

kindergartenfrei leben

Wie ich anfangs schrieb, bin ich mir klar darüber, dass es unterschiedliche Konzepte und natürlich auch Erzieher*innen gibt, und wir im Zweifel bestimmt eine Einrichtung finden könnten, die zu uns passt, mit der wir uns auch arrangieren könnten. – Und ich weiß auch, dass wir aufkommenden Frust zB. durch die Einschränkungen in ihrer Selbstbestimmung, auffangen, begleiten und vermutlich ohne größere Schwierigkeiten bewältigen könnten.

Die Frage ist, ob wir das wollen. Insbesondere dann, wenn wir die Wahl haben.

Ein Kindergarten ist in vielen Fällen ein geballter Erziehungsort.

Natürlich: Viele Kinder, viele Eltern mit teilweise total unterschiedlichen Lebensweisen, und am anderen Ende wenig Personal, um alles das unter einen Hut zu bekommen. Dass es dort also mehr „Muss“ und „Darf nicht“ und Regeln und striktere Konsequenzen gibt, als etwa zuhause, ist fast logisch. Ich wüsste selber nicht, wie ich es alleine fünfzehn völlig unterschiedlichen Kindern ermöglichen sollte, zu trinken, was sie wollen, und ihre Schuhe anzuziehen, wie es ihnen gefällt, und gleichzeitig den Wünschen der Eltern nachzukommen. Und jeden Frust, der dadurch entsteht, wenn Hänschen barfuß läuft und Saft trinkt, während Lieschens Eltern, beides auf keinen Fall wollen, achtsam zu begleiten. Also kann halt keiner barfuß laufen. (Oder alle.) Und es gibt für jeden nur Wasser zu trinken.

Wenn viele Menschen zusammen kommen, entstehen automatisch gemeinsame Regelungen und Grundsätze. Die zu befolgen, dafür sind soziale Kompetenzen notwendig. Die haben Kleinkinder aber meistens noch nicht, sondern die entwickeln sich etwa bis zum Schulalter.

Um also zu verhindern, dass Barfußlaufen und Safttrinken zum Dauerstress für ALLE beteiligten wird, passiert Erziehung. Kinder werden gleichgeschaltet, ihre Selbstbestimmung eingeschränkt. Und statt Lieschens Wut achtsam zu begleiten, wird dann halt mit ihr geschimpft, wenn sie Hänschen aus Frust beim Spielen seine Schaufel wegnimmt.

Einen Kindergarten zu finden, der achtsam mit den Kindern ist, ist sicherlich möglich, aber vermutlich gar nicht ganz so einfach. Auch angesichts des Platzmangels.

Die Frage ist also, ob wir diese geballte Erziehung für unser Kind wollen? Sehe ich irgendeinen MEHRwert darin? MUSS mein Kind die Erfahrung machen, erzogen zu werden, weil der Hase da draußen anders läuft als zuhause? Meine Tochter kommt mit Erziehung in Berührung, wir leben in keiner Blase, ABER MUSS ich das erzwingen? Und wenn ich der Meinung bin, dass diese Erfahrung notwendig ist, bin ich dann bei ErziehungsFREI richtig? Ich erziehe meine Tochter nicht, weil ich der tiefen Überzeugung bin, dass Erziehung nicht wertvoll ist, nicht hilft, nicht fördert, sondern verhindert. Es ergibt keinen Sinn für mich, Nana in einem Kindergarten betreuen zu lassen, von dem ich weiß, dass sie dort erzogen würde, und dass diese geballte Erziehung sie gerade im Kleinkindalter und durch die viele intensive Zeit, diese damit im Kontakt stünde, prägt.

Natürlich liefe es zuhause trotzdem anders, und wir würden darüber sprechen. So wie das viele erziehungsfreie Familien machen. Aber ICH kann das nicht mit MIR vereinbaren, sie alledem, was MIR sehr bewusst ist -und ihr gar nicht! – auszusetzen, obwohl WIR ihr das auch ersparen können. Was wir können, weil ich ja zuhause bin. Weil wir nicht drauf angewiesen sind.

Wenn ich die Wahl habe, dann umgebe mich mit Menschen, die mir gut tun, nicht mit denen, mit denen ich immer wieder kämpfen müsste. Dasselbe gilt für mein Kind. Ich schirme sie nicht ab, aber ich werfe sie halt auch nicht hinein in unschöne Erfahrungen.

Es wäre Quatsch mein Kind in den Kindergarten zu schicken, DAMIT sie dort Erfahrungen macht und etwas lernt. Denn DAS wäre ja Erziehung. Der Kindergarten wäre dann quasi die ausgelagerte Erziehungsmaßnahme, zum selber fein raus sein. Oder so.

4) Frei Lernen, Frei Leben: Eine freie Kindheit ermöglichen

Ich empfinde einen Kindergarten nicht als Mehrwert für die Entwicklung von Kindern. Für mich ist der Kindergarten ein Ort, um fehlende Betreuung aufzufangen. Nichts, was ein Kind aus dem Kindergarten mitnimmt, kann es nicht auch anders erfahren – Außer der Erziehungserfahrung vielleicht, wenn sie dem Kind nur im Kindergarten widerfährt.

Lernen passiert mitten im Leben und natürlicherweise NICHT besonders gut in einem verschlossenen Gebäude mit eingezäuntem Hof unter den immer selben Erzieher*innen und Kindern zwischen 9Uhr und 16Uhr. Um es mal bewusst drastischer auszudrücken.

Unverbogen Kidn Sein Zitat | Lernen mit Begeisterung

Natürlich ist der Kindergarten für ein Kindergartenkind AUCH ein Lernort, aber es ist eben auch oft ein ziemlich anstrengender und einschränkender und verpflichtender Ort. Kindergarten ist Stress. – Und Lernen passiert idealerweise nicht unter Stress, sondern mit Begeisterung. Aus eigenen Interessen, im eigenen Tempo, auf individuellen Wegen und ohne dabei ständig verglichen und bewertet zu werden. Ob mein Kind draußen oder innen spielen will, basteln oder lieber turnen will, oder sich täglich mit dem Bauernhof beschäftigen mag, darauf will ich eingehen und ihre Wünsche berücksichtigen können. Und wenn sie keinen Bock auf einen Waldtag hat, soll sie da nicht hinMÜSSEN.

Ein Kindergarten kann nicht auf jedes einzelne Kind eingehen. Nicht in dem Maßen, in dem es die Familie kann.

Und das ist ja oft schon schwierig genug, zB. wenn Eltern mehrere Kinder haben. Viele Bedürfnisse zusammenzubringen und niemanden zu kurz kommen zu lassen ist herausfordernd. Und im Kindergarten sind manche Kompromisse, oder die achtsame Frustbegleitung einfach gar nicht so gut möglich. – Ermahnen wirkt dann eben schneller.

Ich bin folglich auch kein Fan vom Schulsystem.

Meiner Tochter so lange wie möglich eine freie Kindheit zu ermöglichen, ist mir wahnsinnig wichtig. Wir sind in der glücklichen Lage, ihr das zu ermöglichen, also tun wir es.

5) Mein Kind ist (hoch)sensibel und braucht Halt

Zu allen den guten Gründen kommt noch die Persönlichkeit unserer Tochter hinzu. Nana ist sehr sensibel. Es ist ihr schnell zu laut, zu viel, zu wuselig. Sie mag es nicht, viel Tumult um sich zu haben, dann hält sie sich oft die Ohren zu. Und sie braucht dann oft auch viel Halt. Ich gehe mittlerweile davon aus, dass sie hochsensibel sein könnte.

Wenn ich mein Kind ansehe, kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Kindergarten ihr gut tut.

Ich habe HIER darüber geschrieben, dass sie eine sehr ausgeprägte Fremdelphase hatte. Ich habe in dem Beitrag auch erklärt, warum ein Kindergartenbesuch für uns nicht als Maßnahme in Frage kommt, um unsere Tochter an Fremde zu gewöhnen. Im Vergleich zu damals ist sie inzwischen schon Welten offener geworden. Sie hat Freunde gefunden. Öffnet sich den Menschen, die ihr sympathisch sind immer schneller. Und ich habe nicht den kleinsten Bedenken, dass wir irgendetwas hätten anders machen sollen.

Dasselbe wir fürs Fremdeln gilt für ihre Sensibilität. Das ist ein Teil von ihr, der völlig gut und in Ordnung ist. Ich will nichts daran verändern, sondern annehmen, dass es so ist.

Ich will sie nicht einem Stress aussetzen, den sie ganz offensichtlich lieber meidet. Wenn ein Spielplatz voll ist, hält sie sich an mich und geht erst auf den Rutschturm, wenn dort keine Kinder mehr sind. Manchmal klettert sie trotzdem drauf, aber das ist dann IHRE Entscheidung. Vor Kurzem waren wir auf einem kleinen Kinderstadtfest. Dort waren Hüpfburgen aufgebaut. Nana liebt das, aber es war ihr einfach viel zu voll. Sie wollte lieber gehen, also sahen wir uns erstmal die Bastelstationen an, und fanden etwas, was ihr gefiel. Später wollte sie doch auf eine Hüpfburg – sie lief los, hüpfte kurz und stellte dann fest, dass es ihr doch zu viel war. Sie kam wieder zu mir, tankte bei mir auf.

Ich sehe mein Kind. Ich sehe, dass viele Menschen um sie herum, sie (noch?) überfordern. Dass sie dann nicht laufen will. Dass sie still wird. Dass sie sich die Ohren zuhält und unwohl fühlt. Ich möchte sie nicht mit etwas konfrontieren und damit alleine lassen (!), wofür sie nicht selbst bereit ist. — Wir haben eine kindergartenfreie Gruppe gefunden, mit der wir uns regelmäßig treffen; in der wir uns wohl fühlen. Ich lasse meine Tochter da nicht alleine. Ich bin da und kann ihr jederzeit den Rückhalt geben, den SIE braucht.

#kindergartenfrei 5Gründe gegen Fremdbetreuung | Unverbogen Kind Sein

Kindergartenfrei: Ein Privileg?!

Unsere Gründe gegen den Kindergarten sind miteinander verzahnt- Ein Grund alleine könnte vielleicht trotz Kindergarten aufgewogen werden. Insgesamt ergibt ein Kindergartenbesuch für uns aber wenig Sinn. Zu vieles spricht dagegen, und wenn ich ehrlich sein soll, fällt mir in unserer Situation (!) nicht EIN plausibler Grund dafür ein. Das Einzige wäre eine notwendige Betreuung, aber das ist für uns eben nicht relevant.

Ich denke, so ist es bei den meisten kindergartenfrei lebenden Familien. Wenn die Notwendigkeit der Betreuung erstmal weg fällt, haben wir überhaupt erst die Möglichkeit darüber nachzudenken, was wir wollen und warum und ob es einen ECHTEN Mehrwert gibt.

Das ist ein Privileg. Ganz klar. Obwohl ich mich persönlich nicht sehr privilegiert fühle.

Ich bin glücklich diesen Weg gehen zu können. Uns geht es sehr gut damit.

Deswegen finde ich es schade, dass KindergartenFREI teilweise heftig kritisiert und verurteilt wird. Bei Erziehung kann ich das ja echt verstehen, aber bei dieser Sache nicht. Im nächsten Teil werde ich euch erzählen, was mir so alles schon vorgehalten wurde, weil Nana nicht in den Kindergarten gehen wird, und was ich darüber denke. Xx Fiona

11 Kommentare

  • Cathrin

    Wir haben uns auch für eine freie Schule entschieden der au h schon nach diesem Konzept Krippe und Kindergarten anbietet, müssen wir leider nutzen da wir auch finanziell arbeiten müssen, sonst würde ich beide auch zu Hause lassen gerade wie du schon das mit den Bedürfnissen beschreibst! Danke dafür!

  • Es liest sich ein wenig so, als wäre es für alle Frauen bedrückend und eine Last, in die Arbeit zurück kehren zu müssen. Für viele aber ist die Arbeit und nicht zuletzt die daraus stammende Absicherung und Unabhängigkeit aber etwas, das sie sehr gerne haben und das sie nicht aufgeben wollen. Daher würde ich bitten, da nicht zu pauschalisieren 🙂
    was mich wirklich mal interessieren würde: gibt es auch kitafreie Familien, in denen beide Elternteile sich Arbeit und Familie teilen? Es könnte ja auch sein, dass es für den Vater sehr belastend ist, der Alleinverdiener zu sein und dass er lieber mehr Zeit mit seinem Kind verbringen möchte. Kennst du zufällig solche Familien, die vielleicht sogar einen Blog haben?

    • Hallo. Vielen Dank für deinen Kommentar. Du, ich mag gar nicht pauschalisieren. Wenn alle glücklich sind, ist das wirklich großartig, und die Lebensmodelle können ja total variieren. Ich selber finde meine Erfüllung im Vollzeit Mama Sein. Mein Blickwinkel prägt meinen Text sicherlich. Danke für den Hinweis, wie Du den Text empfindest. Pauschalisieren war nicht meine Intention. — Zum Anderen: Blogger wüsste ich jetzt nicht, aber ich kenne privat auch kindergartenfreie Familien, in denen beide Elternteile arbeiten. Sie übergeben sich quasi zum Schichtwechsel die Kinderbetreuung. Das kann also durchaus auch funktionieren, wenn die Arbeitszeiten sich abstimmen lassen. Grüße, Fiona

  • Hi Fiona,
    Mal wieder ein sehr interessanter Artikel von dir. Danke dafür!
    Was mich persönlich am meisten stört, ist dieses Getrenntsein der Generationen im Allgemeinen: Krippe, Kita, Schule, Arbeitsstelle, Altersheim…

    Jede Altersgruppe wird so künstlich institutionalisiert, anstatt organisch miteinander zu leben und im Alltag mit- und voneinander zu lernen.

    Wir geben unser Kind nach unsrem Sabbatjahr Ende September zwar auch wieder halbtags in einen Kindergarten (Waldkindergarten), aber das ist vor allem dem System geschuldet: Erstens muss ich gerade mein Bedürfnis priorisieren, ich brauche nämlich dringend ein paar Stunden Entlastung und Zeit für mich (und ohne Gemeinschaft finde ich die nunmal nur in der Fremdbetreuung) und zweitens sind alle Gleichaltrigen fast den ganzen Tag in diesen Einrichtungen betreut und meinem Sohn fehlt der Anschluss an seine Peer Group.

    Ich denke für Kinder ab ca. 3 Jahren kann das System Kindergarten schon einen Mehrwert haben. Vorher sehe ich auch keine wirklichen Vorteile für das Kind. Danach können die Lernprozesse, z.B. sich in ein soziales Gefüge einzufinden, seinen Platz in einer Gruppe zu finden und zu behaupten, tragende Beziehungen zu Gleichaltrigen und neuen Erwachsenen zu entwickeln, eigene Wünsche oder Bedürfnisse zurück zu stellen und viele andere soziale Kompetenzen schon von Wert sein.
    Was nicht heißt, dass das Kind diese Dinge nicht vielleicht auch anders erlernen kann oder ohne dieses verstärkte Abgleichen von Lustprinzip vs. Realitätsprinzip dann automatisch Schwierigkeiten beim Schuleintritt haben muss. Aber die „altersgemischte Kindergruppe“ früherer Zeiten, in der viele dieser Fähigkeiten ganz natürlich erlernt wurden, gibt es nun mal heute nicht mehr so.
    Das macht die Entscheidung am Ende zu einer sehr individuellen. Ich fühle mich extrem priviligiert (allgemein und in Bezug auf Kinderbetreuung im Besonderen), dass wir die Wahl haben, wie wir es einrichten wollen. Ich wähle zwar langjährigen Verdienstausfall, Minimal- oder sogar Nullrente usw. Aber im Hier und Jetzt kommen wir über die Runden und weiter denken wir gerade nicht.
    Tja, komplexes Thema sicherlich. Etwas lang und konfus mein Kommentar, aber mit herzlichen Grüßen jedenfalls! Jitka

  • Evelin

    Danke für den Beitrag. Ich gewöhne meinen 20 Monate alten Sohn gerade ein in eine Krippe aber mich überzeugt es bisher dort nicht aus vielen von dir genannten Gründen. Ich sehe das genauso. Und wenn er zumindest zufrieden wäre könnte ich weiter darüber nachdenken aber er hat sichtlich Angst dort u klammert sich an mich. Gar nicht arbeiten kommt bei uns leider nicht hin. Wir haben noch eine große Tochter u leben in Hamburg das heißt hohe Mietkosten etc. Deshalb möchte ich 2-3 Tage die Woche nachmittags arbeiten wenn mein Mann zuhause ist. Ich finde das einen sinnvolleren weg als meine Kinder in den Kindergarten zu zwingen oder Zwängen. Es gibt immer Möglichkeiten die es zu finden gilt. Es gibt ja nicht nur Jobs für vormittags sondern am Wochenende oder abends. Arbeiten und kitafrei schließt sich also nicht zwingend aus. 🤗 viele Grüße Evelin

    • Hallo Evelin, danke, dass du deine Erfahrung mit uns teilst. Ich bin im Beitrag nur auf unsere konkrete Situation eingegangen. Natürlich gibt es viel mehr Möglichkeiten neben unserem Modell. Danke für den Hinweis hier. Und alles Gute für die Zukunft und euren Weg. Fiona

  • Sarah

    Ich frage mich, wie du das in der nahenden Schulzeit angehen möchtest.
    Oder hast du schon eine passende Schulform im Auge?

    Ich könnte mir vorstellen, dass Nanas Fall auf den Boden der Realität einer Regelschule sehr hart sein könnte.
    Wenn sie bisher die Erfahrung macht, dass sie (mehr oder minder) selbstbestimmt ihre Aktivitäten wählen darf und auch nicht in die Situation kam, sich ohne dich in einer fremden Gruppe Schüler/Lehrer (=Kindergartengruppe/Erzieher) zurechtfinden zu müssen.

    Ich denke, Kindern, die diese Erfahrungen schon im Vorfeld (also im Kindergarten, wo noch kein Leistungsdruck herrscht und es eigentlich nur ums „anwesendsein“ geht), fällt es leichter, sich in der Grundschule zurechtzufinden. Denn dort kommt zu der Herausforderung, einen Platz in diesem sozialen Gefüge zu finden, auch noch die Tatsache des Lernenmüssens hinzu. Ich denke, es ist Hilfreich, wenn das Kind auf Ressourcen aus dem Erfahrungsschatz zurückgreifen kann, anstatt diese Situation dann erstmals meistern zu müssen.

    • Hallo Sarah, danke für deinen Kommentar. Den Bedenken kann ich nachvollziehen. Weißt du, ich war selber nicht im Kindergarten und hinterher auf der Regelschule und sehe da aus eigenen Erfahrungen keine zwingenden (!) Schwierigkeiten. In die Zukunft können wir aber natürlich alle nicht schauen. Tatsächlich streben wir aber für unsere Tochter den Besuch einer freien Schule an. Das steht aber noch nicht fest. Viele Grüße, Fiona

    • Evelin

      Hallo, diesen Fall den du beschreibst auf den Boden der Realität das beschreibt eine Angst.
      Angst ist meist kein guter Ratgeber.
      Die Angst das Kind könnte es dort nicht schaffen hilft ja nicht u ist auch unbegründet meiner Meinung nach.

      Ein Kind das nie in Frage gestellt wurde u seinen sicheren Hafen hat wird diesen Fall einfach nicht haben, weil diese Kinder unglaublich gestärkt sind in ihrer Selbstwert und Selbstwirksamkeit. Sie können sich in der Regel viel viel besser an die Außenwelt anpassen und kooperieren als Kinder die von Beginn an oft funktionieren mussten.
      Es ist nämlich ein fataler Trugschluss das Kinder die frei von Erziehung und Kita etc sind sich nicht anpassen können u wilde Tyrannen werden. Alles gute und viele Grüße Evelin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.