Kinderzimmer aufräumen: Wie viel muss mein Kind helfen?

Kinderzimmer aufräumen: Wie viel muss mein Kind helfen?

„Wenn du jetzt nicht dein Zimmer aufräumst, dann landet ALLES im Müll!“ Ein Erziehungs Evergreen. Diese und andere Drohungen kennen wir vermutlich alle. Ich jedenfalls habe diesen Satz häufiger zu hören bekommen, bis es meine Mutter hinnahm, wie mein Zimmer aussah. Wirklich etwas tun, konnte sie schließlich nicht mehr, je älter ich wurde und meine Privatsphäre zunahm. Kinderzimmer aufräumen und Helfen im Haushalt sind zwei typische Konfliktsituationen zwischen Eltern und kleinen, wie großen Kindern, wohnen in einer Familie schließlich Personen mit unterschiedlichen Vorstellungen von „Ordnung“ , „Gemütlichkeit“ und nicht zuletzt „Fairer Arbeitsaufteilung“ zusammen.

Dass das nicht immer konfliktfrei harmonieren kann, ist klar. Wesentliche Fragen stellen Eltern sich schon früh:

MUSS mein Kind im Haushalt helfen?

WIE VIEL Verantwortung kann ich meinem Kind im Haushalt übertragen?

WELCHE Aufgaben KANN mein Kind in welchem Alter übernehmen? WAS tue ich, wenn sie*er nicht helfen will?

Und was ist eigentlich mit dem EIGENEN Zimmer?

Am Anfang machen sie kaum Unordnung, bald umso mehr: Spielsachen in der Wohnung verteilen, Kisten auskippen und Kram zusammenschütten. Vor allem aber, als meine Tochter anfing, alles an Ort und Stelle liegen zu lassen, was sie ausräumte, , kamen die obigen Fragen bald in mir auf.

Helfer*innen im Haushalt: Vom vorleben, Nachahmen und gemeinsam Aufräumen

Bei kleinen Kindern ist die Sache noch simpel. Nana steckt noch zu großen Teilen in dieser Phase: Sie schaut zu, guckt ab und will sowieso mitmachen.

Also binde ich sie in den Haushalt ein, wann immer sie mir ihr Interesse zeigt.

Mit einem eigenen Putztuch in der Hand sind sie fix dabei, und fühlen sich gebraucht obendrein. – Kleine Kinder für den Haushalt zu begeistern, ist in der Regel wirklich nicht schwierig.

Müssen wir also nur dranbleiben?

Wichtig finde ich zB meinem Kind echte Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. Nicht gleich nochmal Hinterherwischen. Auch wertschätze ich die Hilfe (bedanken!) .

Zudem müssen Aufgaben schaff Ar sein. Spielzeug Wegräumen ist bei uns deswegen ziemlich simpel gehalten.

Wir haben uns für ein Kistensytstem entschieden, so ist das Aufräumen einfach und schnell. Das Spielzeug wird in Kisten (mehr oder weniger) sortiert verstaut. Nana hilft, wenn sie WILL.

Wird nur ungünstig, wenn Nana NICHT WILL. Das passiert nun immer öfter.

Das frustriert MICH auch immer öfter. Und schon stecken wir im Konflikt fest.

Warum will mein Kind nicht helfen?

Die Begeisterung fürs Aufräumen und MIThelfen geht verloren, so wie alles was sie zuerst eifrig nachahmen abflaut. Quasi parallel dazu jedoch steigen hierbei die Erwartungen bei uns Eltern.

Aus dem anfänglichen ABschauen und MITmachen entwickelt sich bei uns die Erwartung, dass das Kind immer mehr alleine macht (und WIR evtl helfen) .

Wir wollen etwas erzielen, worum es unserem Kind selbst aber gar nicht geht.

Die zunehmende Erwartung führt zu einer Drucksituation, die es für das Kind und uns ungemütlich macht. Das Kind hilft uns nun nicht mehr FREIwillig. Es SOLL aufräumen, weil es KANN.

Druck erzeugt Gegendruck. Kaum wächst die Erwartung, will das Kind erst recht nicht mehr. Das Spielzeug bleibt liegen. Wir streiten. Wir meckern.

Verantwortung für das eigene Bedürfnis übernehmen

Betrachten wir die Sache einmal ganz pragmatisch: Was die Ordnung betrifft, hat meine Tochter kaum bis kein Mitspracherecht. Selbst die Ordnung in ihrem eigenen Zimmer geht im großen und ganzen derzeit noch von mir aus.

N wurde in die Ordnung, wie sie ihrem Papa und mir gefällt, hineingeboren und übernimmt (zumindest noch) unsern Ordnungssinn ohne Einspruch. – Es ist also, Achtung, MEINE Ordnung. Nicht ihre.

Ihr Ordnungssinn entwickelt sich erst noch, und wird nicht unbedingt gleich sein. Wenn es unordentlich hier ist, dann ist das dementsprechend erstmal MEINE Perspektive. Mein Empfinden.

Wenn ich es brauche, dass Ordnung herrscht, für mein Wohlbefinden, dann ist das MEIN Bedürfnis. Nun ist aber meine Tochter nicht dafür VERANTWORTLICH, dass ICH mich wohlfühle und MEIN Ordnungsbedürfnis erfüllt wird. (Genauso wenig übrigens wie mein Mann. Er sollte wohl seinen Teil beitragen, aber ich kann ihn nicht zwingen, wegzuräumen, was MICH stört. Schon gar nicht würde ich ihm drohen.)

Kinder handeln FÜR sich, nicht GEGEN andere. Sie haben Gründe. Es hilft sehr, sich das immer wieder bewusst zu machen

An MEINER gewünschten Ordnung liegt ihr sehr viel weniger, als mir. Vor Kurzem erst, sortierte ich mühsam Spielfiguren und Bausteine auseinander. „Das is doch alles mein Spielzeug! Das kann doch alles darein!“ Ihre kurze Bemerkung machte mir einmal mehr sehr klar, was ich schon wusste: Für mein Kind ist Ordnung nicht im selben Sinn relevant, wie für mich. Ob ihr Spielzeug sortiert in den Kisten liegt, oder nicht, ist ihr (noch!) egal.

Hinzu kommt: Wo wir Eltern Unordnung sehen, sieht das Kind womöglich einen Abenteuerspielplatz. Ordnung ist eben eine Sache der Perspektive, des Bedürfnisses und des eigenen Ordnungssinns. Meine Tochter hat das Bedürfnis zu Spielen, Ordnung steht bei ihr noch viel weiter hinten an.

Nur manchmal kommt N selbst auf die Idee aufzuräumen, nämlich wenn sie keinen Platz für große Aufbauten mehr hat. Ist es FÜR SIE relevant, räumt sie also durchaus (mit) auf. – Und was ist nun mit meinem Bedürfnis?

Verantwortung für die eigenen Bedürfnisse zu übernehmen und SELBER Sorge für mich zu tragen, ist eine wichtige Sache, finde ich, die ich meinem Kind vorlebe. Ja, ICH räume hier freiwillig(!) auf, wenn ich das Spielzeug abends nicht mehr im Wohnzimmer liegen haben will. ICH sortiere (solange mein Kind das zulässt – noch so eine Variable!) die Bausteine vom Kinderzimmerboden zurück in die Kisten, wenn sie MICH dort stören.

Warum Verantwortung tragen, anders geht, als du glaubst: Erfahre HIER mehr über die Idee von Erziehungsfreiheit.

Mein Bedürfnis (oder Wunsch). Meine Verantwortung. Ich kann um Hilfe bitten, oder mit meinem Kind darüber sprechen, wie es ihr damit geht. Wir können Absprachen finden – die für alle ok sind. Ich kann anders priorisieren, oder mit der Familie Regeln überlegen, die mich entlasten -Nur mein Kind zum Aufräumen zwingen, kann ich nicht. MICH lässt diese Erkenntnis einen großen Schritt aus dem Aufräumkampf hinaustreten.

So etwas wie einen festen Aufräumplan, nach dem mein Kind Aufgaben im Haushalt übernehmen MUSS, wird es hier nicht geben (solange mein Kind das nicht auch gut findet). Und ich werde ihr auch nie drohen, ihr Spielzeug wegzugeben, weil sie ihr Zimmer nicht nach MEINEM Sinn aufgeräumt hat.

Bitte hilf mir. Kinder spielerisch motivieren – Ideen, wie dein Kind gerne beim Aufräumen hilft

Zwischen „Du räumst jetzt sofort dein Spielzeug weg, sonst gibt es kein Tv mehr!“ und „Ich räume jetzt auf. Kannst du mir helfen?“ liegt ein großer Unterschied: Die Selbstbestimmung des Kindes. Dass ICH aufräume, wenn mir danach ist, bedeutet natürlich nicht, dass ich nicht um Hilfe frage.

Protipp: Gemeinsam aufräumen? Routinen, die das Kind von Anfang an ohne Druck einbeziehen, wie etwa abends zehn Minuten aufräumen, können hilfreich UND verbindend sein.

Eine Bitte ist eine Bitte, die abgelehnt werden kann. Sobald Druck aufkommt, geraten wir bloß in einen Konflikt, als dass wir schneller Ordnung haben und ich mein Bedürfnis tatsächlich erfüllt bekomme.

Dieser Konflikt ist es mir nicht wert!

Ich gehe davon aus, die Häufigkeit mit der ich mein Kind bitten werde, ihren Kram wegzuräumen, wird mit dem Alter dennoch signifikant zunehmen. Wir werden dann mehr Regelungen treffen und Routinen als Familie entwickeln. Ich spreche hier ja immer noch von einem Kleinstkind, an ein älteres Kind wachsen ganz sicher die Erwartungen – Zwang möchte ich aber nicht ausüben. Aufräumen soll eine Aufgabe OHNE Druck bleiben.

Ich bin Vorbild. Darin MEINE Ordnung zu halten. Und darin, ein Nein respektieren. Ich bin guter Hoffnung, dass es reicht Vorbild zu sein.

Ich ermutige Nana, mir zu helfen. jederzeit. Ohne Druck aufzubauen – Gemeinsam (!) Spaß beim Aufräumen haben, , statt Frust zu durchleben.

Wir spielen zum Beispiel Schubkarre oder Bagger mit einem RIESEN Greifer (die Arme wie Greifer benutzen) und schauen, wie viele Spielzeuge wir auf einmal tragen können. Wir zielwerfen mit Bausteinen in eine Kiste, und die Stofftiere hopsen mit lustigen Geräuschen zurück in den Korb.

Manchmal hilft es auch in Etappen aufzuräumen (statt alles auf einmal), und zwischendurch Bewegungsspiele zu machen. Oft erleichtert es meiner Tochter das aufräumen helfen auch, wenn ich ihr eine ganz eindeutige Aufgabe gebe: „Du räumst die Bauklötze in diese Kiste, und ich mache den Rest, okay?“ Überforderung ist oft ein Thema, wenn nicht geholfen wird.

Immer gilt: Will mein Kind nicht, ist das in Ordnung.

Ich räume dann auf, oder priorisiere anders, je nach Ressourcen. Ich MUSS hier nämlich auch nicht aufräumen, wenn ich das überhaupt nicht will.

Was oft passiert: Nana hilft genau dann, wenn ich gar nicht danach frage. Genau dann, wenn ich tatsächlich null Erwartungen stelle. Sie sieht, dass ich aufräume, und macht mit. Ohne Druck, weil es keinen gibt. – Und sei es, dass es nur eine handvoll Teile sind, die sie in die Kiste wirft.

Hilfe wertschätzen. Kindern das Gefühl geben, gebraucht zu werden

Ich glaube, die kleinen Gesten von Kindern werden viel zu selten wahrgenommen. Während ich vor ein paar Tagen das Kinderzimmer aufräumte, kamen E und Nana angelaufen und schütteten einen Korb mit Spielsachen vor mir auf den Boden. Ich wollte schon meckern, aber dann fiel mir ein, dass sie das Spielzeug im Wohnzimmer zusammengesammelt hatten. Natürlich hätten sie es aus meiner Perspektive besser direkt in die Kisten geworfen – ABER sie hatten mir geholfen, aus ihrer Perspektive.

Motivation ohne Zwang – Tipps zum Aufräumen mit Kindern

-Binde dein Kind ein und gib ihm*ihr kleine Aufgaben, wenn es Interesse hat, dir zu helfen. Auch dann, wenn es länger dauert
-Mach aus dem lästigen Aufräumen ein Spiel für dein Kind
-Räumt gemeinsam auf
-Räumt in Etappen auf, gib deinem Kind ggf. eindeutige Aufgaben und hilf ihm*ihr, wenn die Unordnung ihn*sie überfordert
-Sei ein Vorbild! Dein Kind wird Aufräumen nicht mehr als Drucksituation empfinden, wenn du sein*ihr Nein akzeptierst

Kinderzimmer aufräumen: Die Grenzen unserer Kinder stärken

Manchmal kommt es vor, dass meine Tochter will, dass etwas Gebautes stehen bleibt. Ich respektiere den Stopp meines Kindes. Da ich im Wohnzimmer abends kein Spielzeug mehr haben mag, lenke ich größere Bauprojekte vorsorglich ins Kinderzimmer um. Soll doch mal etwas im Wohnzimmer stehen bleiben, ist das okay, oder ich helfe beim rübertragen.

Im Kinderzimmer ist die Sache klar: Will Nana nicht, dass ich ihr Spielzeug wegräume, bleibt ich es stehen.

Dem Wunsch meines Kindes nachzukommen, IHR Spielzeug in IHREM Zimmer nicht wegzuräumen, auch wenn ich es als unordentlich empfinde, ist die erste Grenze meiner Tochter, die ich respektiere und stärke. Ich räume in ihrem Zimmer auch niemals einfach auf, ohne es ihr zu sagen.

Ihr Zimmer. Ihre Angelegenheit.

MEINE Grenzen abstecken, ohne aber IHRE zu übergehen, ist der Spagat bei den Regelungen, die wir finden werden.

Jedenfalls wenn meine Tochter nach mir kommt, werden auch sicher Konflikte auf uns zukommen. – Meine Ansprüche sind vielleicht gerade deswegen nicht sehr hoch, weil ich mich noch sehr gut an das Chaos in meinem eigenen Kinderzimmer erinnern kann. An die Unlust aufzuräumen. An die Tatsache, dass es mich einfach nicht gestört hat. Und das Wissen, dass ich es trotzdem gelernt habe mit dem Haushalt.

Wie viel sagt die Ordnung im Kinderzimmer, oder das Helfen nach Familienputzplan, am Ende wohl WIRKLICH über den späteren Ordnungssinn als Erwachsener aus? Genau Nichts!

Kinderzimmer aufräumen: Muss mein Kind helfen? Motivation ohne Zwang! #lebenmitkind #aufräumen #ordnung #kinderzimmer

Eine Familie ist eine kleine Gemeinschaft, und wie in jeder Gemeinschaft finden die einzelnen Mitglieder in ihre Rollen. Im Idealfall lässt der*die Partner*in den*die Partner*in nicht mit dem Haushalt alleine. Wir ziehen an einem Strang. Genauso funktioniert das auch mit unseren Kindern. Sie sehen das. ERleben das. Und wachsen in die Gemeinschaft hinein. Ich bin mir sicher, Nana wird in den nächsten Jahren Aufgaben übernehmen. Weil es auch IHR Interesse werden wird, dass die Wäsche gewaschen, das Geschirr sauber und der Boden nicht zugemüllt sind.

Was sie tut, müssen überhaupt keine großen Dinge sein. Aber es wird ihr Teil sein, den sie beiträgt. (Und ganz sicher, wird auch mal gar nichts davon klappen! Dann werden wir streiten, gewiss. Solche Phasen wird es geben. Das gehört dazu, zum Familienleben, und da hilft auch kein etablierter Putzplan.)

Alles was es braucht, ist Vertrauen. (Und Geduld und gute Laune vermutlich auch.) Die Kämpfe rund ums Aufräumen WILL ich nicht kämpfen. Dafür ist es mir vermutlich auch zu unwichtig, ob Spielzeug rumliegt oder nicht. Solange es nicht dreckig ist, empfange ich auch spontanen Besuch gerne.

Also nehme ich den Druck für uns beide raus und vertraue, statt zum kämpfen, dass sie ihr Zimmer aufräumt. Und das Spielzeug alleine rüber bringt. Warum eigentlich?

Ich lasse die irrationale Angst los, dass mein Kind irgendetwas Wichtiges über Ordnung nicht lernen könnte, wenn ich sie nicht JETZT zum Aufräumen und Aufgaben übernehmen zwinge. Sie wird helfen, wenn sie kann. Und sie wird IHREN Sinn für Ordnung ganz sicher finden.

Und: Ich lasse diese frustrierende Sichtweise los, ich würde meinem Kind hinterherräumen, wenn ICH hier aufräume. Denn das tue ich nicht! Wenn ich mir klar darüber bin, dass ich MEIN Bedürfnis erfülle, dann sorge ich FÜR MICH. Dann räume ich niemandem hinterher, sondern räume für mich und mein Wohlbefinden auf. Weil ich das nun mal so will.

Und dann traue ich mich auch, zu sagen, „heute räume ich das Spielzeug nicht mehr auf, weil ICH das gerade nicht brauche“. Und lasse den Haushalt mal liegen. Ohne schlechtes Gewissen. Das können wir nämlich von unseren Kindern lernen: Wir sollten auch einfach mal nicht aufräumen.

Unsere Einstellung beeinflusst unser Handeln unmittelbar.

In welche Rolle dränge ich mich selbst, und wie fühle ich mich damit?

|Fiona

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10 Comments

  1. Liebe Fiona,

    ich mag deinen Blog sehr!

    Wir leben hier Beziehung statt Erziehung und ich gehe mit deinem Beitrag komplett mit. Dennoch ist das Aufräumen hier ein großes und festgefahrenes Problem, das mich wirklich zermürbt. Meine Tochter ist vier. In ihrem Zimmer herrscht krasse Unordnung. Wir haben uns hier auf einen mit Maskingtape geklebten Weg zur Jalousie geeinigt. Das geht für mich soweit in Ordnung. Aber dort ist so eine Unordnung, dass sie dort nicht mehr spielen kann und alles im Wohnzimmer spielt, wo sie ebenfalls ein Riesenchaos verbreitet. Ich würde nicht verlangen, dass sie selbst aufräumt. Von mir aus würde ich alles aufräumen oder sie hilft mir, völlig egal. Aber sie will das nicht. Alles soll so bleiben, wie es ist. Sie hat nun seit Monaten ein unbespielbares Zimmer. Und wir haben ein furchtbares, ungemütliches Wohnzimmer. Ich fühle mich unendlich hilflos, weil sie nicht kooperiert und ich nicht in Erziehung und Zwang verfallen will und werde. Gleichzeitig weiß ich nicht, wie ich für mein Bedürfnis nach Ordnung sorgen kann. Sie ist grundsätzlich ein sehr autonomes Kind, das auch sonst eher wenig Bestrebungen zeigt, es uns recht machen zu wollen. Ich akzeptiere das. Aber diese Unordnung geht über meine Grenzen, weil ich hochsensibel bin und sie mich einfach stresst.

    Hast du eine Idee, was ich tun kann?

    Liebe Grüße!
    S.

    • Hallo. Meine Tochter sagt gerade auch immer, ihr Zimmer soll bleiben wie es ist. Ich denke mit vier spielt da vielleicht erste nachgestrebte/nachgeahmte Privatsphäre eine Rolle. Das ist mein Zimmer, da bestimme ich. – Ich halte es so, dass Müll/Essensreste oä weggeräumt werden müssen und ich gelegentlich (teils mit Hilfe) den Boden Freiräume um durchzusaugen. Das argumentieren ich auch so. Ansonsten akzeptiere ich ihre „Chaosader“. Spielen im Wohnzimmer ist generell OK, aber dort Räume im Zweifel ich, auf. Stehen bleiben können Sachen, wie aufgebaute Legowelten oder sowas – aber nur, wenn und solange alle damit einverstanden sind und es unser Wohlbefinden nicht stört. Das Wohnzimmer ist eben ein Gemeinschaftsraum und das wird so auch kommuniziert und begleitet. Es liegt sehr im eigenen Ermessen, wie viel Unordnung wir als Eltern (auch im Kinderzimmer) ertragen – da kann die einzige Lösung nur individuell sein und aus (gemeinsamen) Regelungen bestehen. Mich selber stört es einfach nicht sehr. Das mit dem abgeklebten Weg finde ich zB ne superkooperative Idee. Vielleicht hilft es ja, als Impuls, zu ergründen, einerseits was sie vom aufräumen wollen abhält und andererseits, wie du die Unordnung besser ertragen könntest zB durch „lokale“ Eingrenzung oder so?

  2. Ich finde diese Sicht zum Aufräumen gut und glaube auch, dass damit viel Druck rausgenommen wird. Aber ich habe drei Kinder. Der große ist 10. Ich schaffe es nicht, allen alles hinterher zu räumen und zu hoffen, dass sie mir vielleicht helfen. Ich habe aber ein Bedürfnis nach Ordnung und fühle mich so zugemüllt einfach unwohl. Wie siehst du diese Situation?

    • Hallo Maria. Wo kannst du dich selbst entlasten? Was kann liegen bleiben? Ich persönlich will es später so handhaben, dass N in ihrem Zimmer Unordnung machen kann – aber auch ab einem gewissen Alter selber (mit Hilfe auf Nachfrage) aufräumt. Im Kinderzimmer Tür zu, dann kann ich das (auch jetzt schon) ausblenden- Das ist aber natürlich eine persönliche Entscheidung, ob das für einen selber in dieser Form tragbar ist. Wenn nicht: Eventuell hilft es euch auch eine „Familienkonferenz“ zu halten. Miteinander über das Thema zu sprechen und jeder äußert Wünsche und ihr macht gemeinsam (!) Regeln. Demokratisch auf Augenhöhe quasi. Dein Bedürfnis nicht allen hinterher zu räumen (Selbstfürsorge) solltest du auf jeden Fall nicht hintergehen und offen ansprechen. Das ist für euch alle wichtig. Jeder (!) sollte seiner Fähigkeiten und Ideen nach gehört und beachtet werden. Xx Fiona

  3. Ich stimme mit der Sichtweise überhaupt nicht überein. Es geht nicht um Druck und Kampf, sondern dass Kinder von früh auf lernen, Aufgaben und Verantwortung im Miteinander zu übernehmen, auch wenn es deren aktuellem Bedürfnis gerade nicht entspricht. Später gehen die Kinder in die Welt hinaus und können sich dann nicht nur von ihren Bedürfnissen leiten lassen. Auch jeden Frust und Druck zu meiden finde ich völlig falsch. Dabei bauen Kinder eine gesunde Frustrationstoleranz aus. Wer nie gelernt hat, dass nicht alles nur nach eigener Lust läuft, wird sich später im selbständigen Leben wahrscheinlich schwer tun. Das bringt Konflikte und Frust mit sich.

    Man soll versuchen die Balance zu halten, zwischen eigenen Bedürfnissen und „Pflichten von außen“. Die wird es später auch zu genüge geben.

    Und ja, ich als Mutter darf sehr wohl definieren, wie mein Verständnis von Ordnung in unserem Hause ist, nicht das Kind.

    • Hallo. Du, ob du es glaubst oder nicht, ich sehe das ähnlich, dass Frust zum Leben dazu gehört und es okay und wichtig ist, dass Kinder einen Umgang damit finden. Frust kommt an so vielen Stellen auf ganz ohne mein zutun. Heute war meine Tochter frustriert, dass ihr Schneemann schmolz, und dann, dass wir kein Erdbeereis im Haus hatten. Ich sträube mich nur dagegen künstlichen Frust zu schaffen, wo dieser nicht notwendig ist. Für mich persönlich ist dieses Ordnungsthema keine große Sache. In einer anderen Familie sieht das vielleicht anders aus und die Bedürfnisse kollidieren ganz anders. Weißt du, Erziehungsfreiheit ist ja eine Haltung und kann immer nur individuelle Wirklichkeiten abbilden. Deswegen kann, was ich hier schreibe immer nur Inspiration und Gedankenanstoß sein, aber niemals die perfekte Lösung für jemand anderen, als für uns. Viele Grüße, Fiona Xx

  4. Hallo Fiona,

    ich bin über einen Spiegelbericht auf deine Seite und Sichtweise aufmerksam geworden und muss sagen, du sprichst mir aus der Seele (zumindest in den Berichten, die ich bisher gelesen habe).
    Es ist auch heutzutage noch ungewöhnlich mit solch einem Blick für das Kind zu „erziehen“. Ich gehe bei vielen Dingen genauso vor und würde mir wünschen, dass auch andere dies tun würden oder offener damit umgehen würden.
    Ein spielendes Kind unterm Tisch beim Essen gehen, ist noch nicht für jeden zu verstehen. Noch weniger , wenn sich dann Papi nach 10 Minuten hinzugesellt, um sein Kind auch bei Laune zu halten. 😉
    Ist halt die Frage, was einen mehr stört ein fröhliches ruhiges Kind unterm Tisch oder ein nörgelndes, nerviges auf dem Stuhl…

    Zu deinem „Aufräum“-Beitrag würde ich dir gerne noch einen Versuch mit auf den Weg geben. Ich handhabe es gerne so (nicht immer!), das wir (mein Sohn, 6 und ich) ein Aufräumspiel machen. Wir nehmen uns dann einen 6-seitigen Würfel und jeder muss die gewürfelten Augenzahl an Teilen wegräumen. Dies funktioniert super und wir haben auch noch richtig Spass dabei. Ich habe den Eindruck, dass es für meinen Sohn dann auch kein Druck gibt, dies mal ohne das Würfelspiel zu machen. Mittlerweile kommt er dann öfter auf mich zu und sagt, so jetzt räumen wir aber auf.
    Wichtig finde ich dabei nur, dass man auch zusammen aufräumt wenn man vorher auch zusammen gespielt und man selber für das Chaos mitverantwortlich ist…

    Gerne lese ich mir auch noch deine anderen Eindrücke durch und kann im Moment nur sagen: Mach weiter so…

    • vielen Dank, ich freue mich über deine Rückmeldung. Vielen Dank für den Tipp mit dem Würfelspiel. Das klingt wirklich spaßig. Werde ich mal probieren 🙂 Viele Grüße, Fiona Xx

  5. Das ist eine sehr interessante Sichtweise! Den Konflikt über das Aufräumen haben wir zu Hause such öfter! Werde mal deine Tipps versuchen, vielleicht kann ich meine Kinder dann besser motivieren! 😊

    Lg und eine schöne Adventszeit

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Fiona Lewald ist Mutter von zwei Töchtern. Auf Unverbogen Kind Sein schreibt sie seit 2017 über  die Chancen eines Bindungsorientierten Familienlebens und den Versuch, Erziehung zu überwinden.
 

„Ich schreibe für ein Familienleben, in dem Miteinander mehr zählt als Gehorsam, und die Bedürfnisse  jedes Einzelnen wichtig sind. So helfen wir unseren Kindern heute, ihren Platz als Erwachsene zu finden, SO WIE SIE SIND – Statt sie zu verbiegen.“

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