Kinderzimmer aufräumen: Muss mein Kind Helfen? Motivation ohne Zwang

Kinderzimmer aufräumen: Muss mein Kind helfen? Motivation ohne Zwang!„Wenn du jetzt nicht dein Zimmer aufräumst, dann landet morgen früh ALLES im Müll!“ Diese und andere Drohungen kennen wir vermutlich alle aus unserer eigenen ERziehung. Ich jedenfalls habe diesen Satz mehr als einmal zu hören bekommen, bis es meiner Mutter irgendwann im Teenageralter hinnahm, wie mein Zimmer aussah. Wirklich etwas tun, konnte sie schließlich nicht, je mehr meine eigene Privatsphäre zunahm. – Kinderzimmer aufräumen und Helfen im Haushalt sind typische Konfliktsituationen zwischen Eltern und kleinen, wie großen Kindern, wohnen in einer Familie schließlich Personen mit unterschiedlichsten Vorstellungen von Ordnung, Gemütlichkeit und Arbeitsaufteilung zusammen.

Dass das nicht immer konfliktlos funktionieren kann, ist eigentlich klar. 

MUSS mein Kind im Haushalt helfen?

WIE VIEL Verantwortung kann ich meinem Kind überhaupt im Haushalt übertragen?

WELCHE Aufgaben KANN mein Kind übernehmen? WAS tue ich, wenn sie nicht will?

Und AB WANN macht es überhaupt Sinn, sie zu bitten, ihr Zimmer aufzuräumen?

Diese Fragen habe ich mir irgendwann genauso gestellt, wie alle Eltern; nämlich spätestens, als Nana anfing, ihre Spielsachen in der Wohnung zu verteilen, Kisten auszukippen und die Bausteine mit den Spielzeugautos beim Spielen wild zu vermengen. Vor allem aber, als sie anfing, alles liegen zu lassen, was sie ausräumte, und mir, als ICH aufräumte, ganz klar sagte, dass sie mir nicht helfen wollte und lieber weiterspielte.

Kleine Helferlein im Haushalt: Vorleben, Nachahmen und gemeinsam Aufräumen

Bei kleinen Kindern ist die Sache noch einfach.

Nana steckt noch zu großen Teilen in dieser Phase: Sie schaut zu, guckt ab und will mitmachen. Also binde ich sie in den Haushalt ein, wann immer sie mir ihr Interesse zeigt.

Wenn ich zum Beispiel die Spiegel putze, will meine Tochter ein eigenes Tuch haben und mithelfen. Im Badezimmer wischt sie den Badewannenrand ab, während ich das Waschbecken reinige. Beim Flurwischen hilft sie fleißig mit ihrem kleinen Wischer und einem Schwamm mit. Schon ganz früh, hat sie mit einem Feuchttuch geholfen, den Tisch abzuwischen, da konnte sie kaum stehen, und ich hielt sie zur Hilfe auf meinem Schoß. – Kleine Kinder für den Haushalt zu begeistern ist also vergleichsweise simpel. 

So bleibst Du gelassen,wenn dein Kind plötzlich alles alleine machen will: ZUM BEITRAG

Wichtig finde ich, bei diesen ersten Berührungen meinem Kind Erfolgserlebnisse zu ermöglichen. Sofort nochmal selbst hinterherwischen, wenn nicht unbedingt nötig, hat hier schon für viel Frust gesorgt. Ich habe mir das abgewöhnt. Der von Nana geputzte Spiegel bleibt also vorerst noch verschmiert, ich wertschätze ihre Hilfe mit einem ehrlichen Danke und freue mich. Und im Zweifel putze ich dann s p ä t e r nochmal drüber.

Auch die Sache mit dem eigenen Spielzeug Wegräumen ist bei uns ziemlich simpel.

Wir haben uns für Kistenregale entschieden, so ist das Aufräumen hier kein großer Akt. Das Spielzeug wird einfach in die Kisten sortiert. Und wenn Nana WILL, hilft sie mir dabei.

Klingt einfach. Ist es auch. Wird aber blöd, wenn Nana NICHT WILL. Das passiert nun immer öfter. Das frustriert MICH auch immer öfter. Und schon stecken wir im Konflikt.

Das Problem ist, dass die Begeisterung fürs Aufräumen und MIThelfen verloren geht. Quasi parallel zu den steigenden Erwartungen. Und ich denke, genau darin liegt das Problem: Aus dem vom Kind ausgehenden anfänglichen ABschauen und MITmachen entwickelt sich die Erwartung bei uns Eltern, dass das Kind möglichst viel alleine macht und WIR helfen.

Diese zunehmende Erwartung produziert eine Drucksituation, die es für das Kind und uns ungemütlich macht. Das Kind hilft uns nicht mehr FREIwillig. Es SOLL machen, weil es KANN, und auch alt genug scheint, selber Verantwortung fürs Aufräumen zu tragen.

Aber: Druck erzeugt Gegendruck. Kaum wächst die Erwartung, will das Kind nicht mehr.

Ich glaube, es lohnt sich, diesen Kreislauf zu durchbrechen und zu überdenken, was wir von unseren Kindern erwarten – und warum. Ich habe mir dazu Gedanken gemacht.

Sorge für dich selbst! Verantwortung für die eigenen Bedürfnisse übernehmen

Betrachten wir die Sache mal ganz pragmatisch: Bei der Ordnung in unseren vier Wänden hat meine Tochter mit knapp drei Jahren kaum bis kein Mitspracherecht.

Selbst die Ordnung in ihrem eigenen Zimmer geht im großen und ganzen von mir aus.

Eine Seltenheit: Ordnung im KInderzimmer

(K)Eine Seltenheit?! Ordnung im Kinderzimmer

Sie interessiert sich nicht großartig dafür, ob die Autokiste nun links oder rechts steht, welches Regal für die Bücher ist und auch nicht dafür, wo ihre Socken im Schrank liegen. Sie wurde quasi in die Ordnung, wie sie ihrem Papa und mir gefällt, hineingeboren und übernimmt (zumindest noch) unsern Ästhetiksinn ohne einen Widerspruch. Hin und wieder entscheidet sie mit, WO ihre Zeichnungen an der Wand hängen sollen, aber mehr kommt da von ihr selbst noch nicht. Als ich ihre Puzzlespiele vor Kurzem von unten im Regal, ein Stück weiter hoch geräumt habe, damit Besuchskind klein A. sie nicht mehr ganz so schnell auseinandernehmen kann, hat das meine Tochter nicht wesentlich interessiert. – Das wird sich in den nächsten Jahren nach und nach ändern.

Aktuell ist ihr die Ordnung in ihrem Zimmer, wie im Rest der Wohnung aber einfach wahrhaftig piepegal. Hauptsache, sie kommt an ihre Sachen dran, oder bekommt Hilfe.

Es ist also mein Sinn für Ordnung. Nicht ihrer. Der entwickelt sich erst noch. Der orientiert sich vermutlich mal an meinem Ordnungssinn, wird aber trotzdem niemals genau derselbe sein.

Wenn es unordentlich ist, dann ist das dementsprechend erstmal MEINE Perspektive.

Wenn ich mir wünsche, dass hier wieder Ordnung herrscht, dann ist das MEIN Bedürfnis. Ganz klar: Um mich wohlzufühlen, brauche ich einen gewissen Grad an Ordnung. Das gilt für Sauberkeit im Bad, fürs Wohnzimmer, oder eben auch fürs Kinderzimmer – im Wohnzimmer kann immer gespielt werden, aber abends will ich hier kein Spielzeug mehr stehen haben. Im Kinderzimmer hingegen kann auch mal tagelang was liegen bleiben, wenn es sich mal überhaupt nicht lohnt den Kram wieder einzuräumen.

Nun ist aber meine Tochter nicht dafür VERANTWORTLICH, dass ICH mich wohlfühle und MEINE Ordnungsansprüche erfüllt sind. Genauso wenig übrigens wie mein Mann. Türmt sich in der Küche Geschirr, kann ich meinen Mann bitten, dort aufzuräumen, aber ich kann ihn nicht dazu zwingen. Schon gar nicht würde ich ihm drohen wollen. Stört mich das Geschirr und mein Mann will es gerade nicht wegräumen, mache ich das also. – in den meisten Fällen würden mein Mann und ich wohl kooperieren, schließlich liegt ihm genauso viel an der ordentlichen Wohnung wir mir. Hilft er nicht, würde ich ihm aber nicht unterstellen „Mir auf der Nase herumzutanzen“, sondern wahrnehmen, dass es ihm gerade weniger wichtig ist, er etwas anderes dringender tun will oder sich lieber ausruhen mag.

Meine Tochter hat ähnliche Gründe.

Kinder handeln FÜR sich, nicht GEGEN den Anderen. Es hilft sehr, sich dies bewusst zu machen.

Außerdem liegt ihr an der Ordnung eben (noch) sehr viel weniger als mir.

Vor Kurzem erst, sortierte ich mühsam Spielfiguren und Bausteine auseinander, nachdem Nana damit eine Stadt gebaut hatte. Sie beobachtete mich eine Weile, wie ich die Sachen in zwei Kisten sortierte und wunderte sich: „Das ist doch alles mein Spielzeug! Das kannst du doch alles darein tun!“ Dann spielte sie weiter. Das machte mir einmal mehr sehr klar, was ich schon wusste: Für mein Kind ist Ordnung nicht im selben Sinn relevant, wie für mich. Ob ihr Spielzeug sortiert in den Kisten liegt, oder nicht, ist ihr (noch!) egal.

Und dann gibt es da ja noch dieses Bild, das viele von euch bestimmt kennen: Wo die Eltern Unordnung sehen, sieht das Kind womöglich einen Abenteuerspielplatz. Ordnung ist eben eine Sache der Perspektive, der Bedürfnisse und des eigenen Ordnungssinns. Meine Tochter hat das Bedürfnis zu Spielen, Ordnung steht bei ihr aber noch viel weiter hinten.

Nur manchmal kommt meine Tochter von sich aus auf die Idee aufzuräumen, nämlich wenn sie keinen Platz hat. Manchmal, wenn sie ein Brettspiel spielen will und auf ihrem Kinderzimmerboden alles voll liegt, initiiert SIE das aufräumen und bittet MICH zu helfen. Das zeigt mir ganz deutlich: Hat sie das Bedürfnis nach Ordnung, räumt sie auf.

Verantwortung für die eigenen Bedürfnisse zu übernehmen und SELBER Sorge für sich zu tragen, statt mein Bedürfnis unter Zwang von meinem Kind erfüllen zu lassen, ist eine wichtige Sache, finde ich. Ich bin erstmal alleine verantwortlich dafür, ob ich mich wohlfühle und WIE ich Situationen wahrnehme! Ja, ICH räume hier auf, wenn ich das Spielzeug abends nicht mehr im Wohnzimmer liegen haben will. ICH sortiere (solange mein Kind das zulässt!) die Bausteine vom Kinderzimmerboden in die Kisten, wenn sie mich dort stören, und ich es nicht schaffe, die Unordnung in ihrem Zimmer auszuhalten.

Ich gebe die Verantwortung nicht ab! Erfahre HIER mehr über die Idee von Erziehungsfreiheit.

Ist es mein Bedürfnis nach Ordnung, liegt es in erster Linie an mir, dieses zu erfüllen. MICH lässt diese Erkenntnis einen großen Schritt aus dem Aufräumkampf hinaustreten. – Ohne mir selbst einzureden, mein Kind müsste aufräumen, kann ich entspannt bleiben.

So etwas wie einen Aufräumplan, nach dem mein Kind Aufgaben im Haushalt übernehmen MUSS, wird es hier niemals geben. Und ich werde ihr auch nie drohen, ihr Spielzeug wegzugeben, weil sie ihr Zimmer nicht nach MEINEM Sinn aufgeräumt hat.

Kinder spielerisch motivieren – Tipps wie dein Kind trotzdem beim Aufräumen hilft

Zwischen „Du räumst jetzt sofort dein Spielzeug weg!“ und „Ich räume jetzt auf. Willst du mir dabei helfen?“ liegt ein großer Unterschied: Die Freiheit des Kindes.

Dass ICH aufräume, bedeutet natürlich nicht, dass ich nicht um Hilfe fragen kann.

Kann ich. Mache ich fast immer. Ich bin mir aber bewusst, dass eine Bitte eben eine Bitte ist, die abgelehnt werden kann. Sobald Druck aufkommt, geraten wir bloß in einen Konflikt, als dass wir schneller Ordnung haben und ich mein Bedürfnis erfüllt bekomme.

Ganz ehrlich, dieser Konflikt ist es mir nicht wert! Da bin ich schneller mit dem Aufräumen durch, wenn ich das Spielzeug eben in zwei Fuhren selbst ins Zimmer bringe.

Ich bin Vorbild. Ich lebe meinem Kind die Ordnung vor, die ICH ansprechend finde. Mehr noch: Ich zeige ihr, dass ich selbst Verantwortung trage für meine Bedürfnisse. Und ich zeige ihr, dass ich ein Nein respektiere, wann immer sie ablehnt, mir zu helfen. (Auch das ist eine wichtige Sache, wenn ICH möchte, dass sie MEIN Nein respektiert.)

Ich bin guter Hoffnung, dass es reicht Vorbild zu sein.

Und

Ich ermutige Nana, mir zu helfen. Ohne Druck aufzubauen – Denn sie kann jederzeit ablehnen. Statt Zwang, Drohungen oder einer klaren Ansage, überlege ich mir lieber, wie wir gemeinsam (!) Spaß beim Aufräumen haben können, statt Frust zu durchleben.

Nach dem Spielen Aufräumen? Kein Muss!

Nach dem Spielen Aufräumen? Kein Muss!

Wir spielen dann zum Beispiel Schubkarre oder Bagger mit einem RIESEN Greifer (die Arme wie Greifer benutzen) und schauen, wie viele Spielzeuge wir auf einmal tragen können. Manchmal mögen sie und ihr Freund E. einen Wettbewerb daraus machen. Ein Puppenwagen ist auch ein prima Hilfsmittel! Oder wir zielwerfen mit den Bausteinen in eine Kiste, und die Stofftiere hopsen mit lustigen Geräuschen zurück auf ihr Kinderbett.

Manchmal hilft es auch etappenweise aufzuräumen, und zwischendurch zum Beispiel auf dem Bett zu hüpfen oder Luftballons zu werfen. Manchmal, wenn ich Nana frage, warum sie nicht helfen mag, antwortet sie, ihr sei das „viel zu viel“. – Die Masse, mit der sich ein Kind beim Aufräumen konfrontiert sieht, ist  nicht zu unterschätzen, selbst wenn es aus unserem Blickwinkel eine Sache von ein paar Minuten sein mag. Oft erleichtert es meiner Tochter das aufräumen, wenn ich ihr dann eine eindeutige Aufgabe gebe: „Du räumst die Bauklötze in diese Kiste, und ich mache den Rest, okay?“ Ich helfe dann also auch IHR!

Will sie nicht, ist das aber in Ordnung.

Ganz oft räume ich dann einfach nebenher auf. Immer mal ein paar Sachen ins Kinderzimmer werfen, geht mit etwas Routine schon fast von selbst von der Hand.

Manchmal frage ich Nana gar nicht, ob sie mitmacht. Und fast immer passiert es in diesen Situationen: Nana hilft. Einfach so. Genau dann, wenn ich tatsächlich null Erwartungen an sie stelle. Sie sieht, dass ich aufräume, und macht mit. Ohne Druck, weil es keinen gibt. – Und sei es, dass es nur eine Handvoll Teile sind, die sie in die Kiste wirft.

Ich glaube, diese kleinen Gesten werden viel zu selten wahrgenommen.

Während ich vor ein paar Tagen das Kinderzimmer aufräumte, kamen E. und Nana angelaufen und schütteten einen Korb mit Spielsachen vor mir auf den Boden. Mein erster Gedanke war wenig versöhnlich, aber dann fiel mir auf, dass sie das Spielzeug im Wohnzimmer zusammengesammelt hatten. Natürlich hätten sie es besser direkt in die Kisten geworfen, statt im Kinderzimmer auf den Boden – ABER sie hatten geholfen.

Gelegentlich habe ICH übrigens keine Lust aufzuräumen. Auch das ist okay. Dann fliegt ein paar Tage lang halt das Spielzeug durch die Wohnung, ich schiebe es gelegentlich mit den Füßen etwas zur Seite, bis mein Bedürfnis nach Ordnung wieder stärker wird.

Dann räume ich auf.

Motivation ohne Zwang –  Tipps zum Aufräumen mit Kindern

-Binde dein Kind ein und gib ihm*ihr kleine Aufgaben, wenn es Interesse hat, dir zu helfen. Auch dann, wenn es länger dauert

-Mach aus dem lästigen Aufräumen ein Spiel für dein Kind! Und spiel mit!

-Räumt etappenweise auf, gib deinem Kind eindeutige Aufgaben und hilf ihm*ihr, wenn die Unordnung ihn*sie überfordert!

-Sei ein Vorbild und räum selber auf! Dein Kind wird Aufräumen nicht mehr als Drucksituation empfinden, wenn du aufhörst, es ständig dazu aufzufordern.

Das Kinderzimmer aufräumen: Die Grenzen unserer Kinder von Anfang an stärken

Manchmal kommt es vor, dass meine Tochter will, dass etwas Gebautes stehen bleibt, damit sie nochmal damit weiterspielen kann. Ich respektiere den Stopp meines Kindes.

Da ich im Wohnzimmer abends kein Spielzeug mehr haben mag, lenke ich größere Bauprojekte vorsorglich ins Kinderzimmer um. Inzwischen spielt sie von sich aus überwiegend in ihrem Zimmer. Ganz selten soll doch mal etwas im Wohnzimmer stehen bleiben. Dann entscheide ich situativ. Und wenn möglich, helfe ich beim rüber Tragen.

Im Kinderzimmer ist die Sache klar: Will Nana nicht, dass ich ihr Spielzeug wegräume, lasse ich es stehen.

In den nächsten Jahren wird ihr Sinn für die eigene Privatsphäre und ihre Ordnung immer stärker zunehmen. Heute dem Wunsch meines Kindes nachzukommen, IHR Spielzeug in IHREM Zimmer nicht wegzuräumen, auch wenn ich es als unordentlich empfinde, ist die erste Grenze meiner Tochter, die ich in dieser Hinsicht also bestärke. Mit den kleinen Dingen, die heute eben die wichtigsten (!) für mein Kind sind, fängt es eben an.

Später irgendwann wird sie mich bitten, ihren Kram ganz in Ruhe zu lassen.

Ihr Zimmer. Ihre Angelegenheit.

Ein Minimum an Kooperation mag ich natürlich anstreben: Über eine Schneise würde ich mich freuen, um unfallfrei zum Fenster zum Lüften zu gelangen. Und die Möglichkeit gelegentlich staubzusaugen, werde ich wohl auch ausdiskutieren. Dreckige Wäsche will ich nicht unbedingt vom Boden aufsammeln müssen. MEINE Grenzen werde ich durchaus abstecken, ohne aber IHRE zu übergehen. Jedenfalls wenn meine Tochter nach mir kommt, werden sicher Konflikte auf uns zukommen. – Erziehen werde ich sie aber nicht.

Ich weiß, wie das ist. Ich war als Teenager nämlich alles andere als ordentlich. Und unter uns: Ich wurde vom Chaosteenie stets prompt zur Putzfee, wenn Besuch anstand.

Meine Ansprüche sind vielleicht gerade deswegen nicht sehr hoch, weil ich mich noch sehr gut an das Chaos in meinem Kinderzimmer erinnern kann. An die Unlust aufzuräumen. An die Tatsache, dass es mich nicht gestört hat. Und das Wissen, dass ich es trotzdem gelernt habe. Diese Sache mit der Ordnung. Mal im ernst: Wie viel sagt die Ordnung im Kinderzimmer, oder das Helfen nach Plan beim leidigen Ausräumen der Spülmaschine, WIRKLICH über den späteren Ordnungssinn als Erwachsener aus? Nix!

Kinderzimmer aufräumen: Muss mein Kind helfen? Motivation ohne Zwang! #lebenmitkind #aufräumen #ordnung #kinderzimmerVom Frust zu Vertrauen und Selbstfürsorge: Wie der Blickwinkel alles verändert!

Eine Familie ist eine kleine Gemeinschaft, und wie in jeder Gemeinschaft finden die einzelnen Elemente in ihre eigene Rolle. Im Idealfall lässt der*die Partner*in den*die Partner*in nicht mit dem Haushalt alleine dastehen. Wir ziehen an einem Strang und finden Aufgaben, die wir übernehmen. Genauso funktioniert das auch mit unseren Kindern. Ich bin mir sicher, Nana wird in den nächsten Jahren Aufgaben für sich finden und mit anpacken, wenn sie Daum gebeten wird. Warum? Weil sie beginnen wird, einen Sinn darin zu entdecken. Weil es auch IHR Interesse sein wird, dass die Wäsche gewaschen, das Geschirr sauber und der Mülleimer geleert wird. Weil sie reinwächst in unsere Ordnung, und ihren eigenen Ordnungssinn einbringt. Und weil wir ihr vorleben, Tag für Tag.

Das müssen überhaupt keine großen Dinge sein.

Ganz oft wirft sie ihren Müll heute schon selbst weg, oder sie bringt ihren Teller nach dem Essen in die Küche. Beim Spülmaschiene ausräumen hilft sie ebenso. Ohne Aufforderung. (Und ganz sicher, wird in ihrer Jugend auch mal gar nichts davon klappen! Solche Phasen wird es geben. Das gehört dazu, und da hilft dann auch kein Putzplan. )

Alles was es braucht, ist Vertrauen. (Und Geduld und gute Laune vermutlich auch.) Die Kämpfe rund ums Aufräumen WILL ich nicht mit meinem Kind kämpfen. Darin sehe ich keinen Sinn. Denn seien wir ehrlich: Statt die erhofft erzwungene Hilfe, wenn ich mein Kind zwei Mal die Woche zum Tischdecken verdonnere, und ERWARTE, dass sie ihr Zimmer ALLEINE aufräumt, würden wir uns bloß im Kreis drehen, streiten und stressen.

Endlich ein entspanntes Familienleben: Mit ErziehungsFREIHEIT aus dem Kampf aussteigen. ZUM BEITRAG

Und irgendwo dazwischen würde sie halt aufräumen, aber mit Wut im Bauch. WILL ICH DAS? NEIN!

Also nehme ich den Druck für uns beide raus und vertraue.

Ich lasse die irrationale Angst los, dass mein Kind irgendetwas Wichtiges über Ordnung nicht lernen könnte, wenn ich sie nicht zum Aufräumen und Aufgaben übernehmen zwinge. Sie wird helfen, wenn sie kann. Und sie wird IHREN Sinn für Ordnung entdecken.

Und: Ich lasse diese unheimlich frustrierende Sichtweise los, ich würde meinem Kind (oder irgendjemandem) hinterherräumen, wenn ICH hier aufräume.

Denn das tue ich nicht! Wenn ich mir klar darüber bin, dass ich MEIN Bedürfnis erfülle, dann sorge ich FÜR MICH. Dann räume ich niemandem hinterher, sondern für mich und mein Wohlbefinden auf. Weil MIR das gut tut. Dann stört mich das nicht mehr, wenn ich das tue. Weil ich es WILL. Und dann traue ich mich auch, zu sagen, „heute räume ich nicht auf, weil ICH das gerade nicht brauche“, und lasse den Haushalt mal liegen. Ohne schlechtes Gewissen. Denn das sollten wir sowieso viel öfter tun. Genau wie das unsere Kinder eben auch machen, wenn IHR Bedürfnis nach Ordnung nicht überwiegt.

Unsere Einstellung beeinflusst unser Handeln unmittelbar. In welche Rolle dränge ich mich selbst, und wie fühle ich mich damit? ICH fühle mich wohl damit, für mein Bedürfnis Verantwortung zu tragen, und meinem Kind einen leidigen Kampf mehr zu ersparen. Xx Fiona

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.