Elterliche Macht: Fairer Machtgebrauch statt Machtmissbrauch

Elterliche Macht: Machtgebrauch statt Machtmissbrauch

Eltern haben Macht. Erziehung missbraucht elterliche Macht. Zugegeben eine schmerzhafte Erkenntnis.

Aber wie geht Erziehungsfreiheit mit dem Machtgefälle zwischen Eltern und Kind um? Falsch jedenfalls ist die Vorstellung, dass unerzogene Eltern ihre Macht abstreiten.

Es ist eine dieser typischen Missinterpretationen: Eltern, die ihre Kinder nicht erziehen, setzen sich nicht durch und lassen sich auf der Nase herumtanzen, von Kindern, die tun und lassen, was sie wollen. Erzählen wir von Erziehungsfreiheit, heißt es oft vorschnell „Diese antiautoritäre Erziehung, die funktioniert nicht!“. Denn Erziehungsfreiheit wird im beschriebenen Sinn häufig fälschlicherweise mit antiautoritärer Erziehung zusammengeworfen, die ihrerseits als totales Fehlen elterlichen Machtgebrauchs verstanden wird.

Erziehungsfreiheit will FREI von Erziehung sein, also auch nicht antiautoritär erziehen.

Erziehungsfrei ist die Abwesenheit von Erziehung.

Antiautoritäre Erziehung erzieht. Zwar anders als autoritäre Erziehung, aber sie verfolgt Ziele. Sie tut, was sie tut, um Kinder zu formen. Sicher, der antiautoritäre Ansatz klingt der unerzogenen Haltung ähnlich darin, Kindern Freiräume geben zu wollen. Die antiautoritäre Idee scheiter aber, wie ich das sehe, durch ihre (zumeist) verantwortungslose Umsetzung, der ausbleibenden Kommunikation von Regeln und Grenzen und fehlenden Begleitung, sowie an den vorhandenen erzieherischen Zielen andererseits. Kinder werden mit sich alleine gelassen. Passiert kein Lerneffekt, wird es problematisch. Dann neigt antiautoritäre Erziehung wiederum zu Zurechtweisungen, so meine Erfahrung. Oder die Kinder fallen allein gelassen gesellschaftlich auf die Nase. Ein Spannungsfeld, mit dem Kinder nicht umgehen können. So ist jedenfalls mein Eindruck.

Natürlich kommt es letztlich auf die Umsetzung an, auf die Eltern und ihre Werte. Einige Ideen antiautoritärer Erziehung verwischen mit Erziehungsfrei durchaus. Aber es ist nicht dasselbe. Erziehung bleibt stets behaftet mit der Idee einer notwendigen Formung.

Ich jedenfalls grenze unsere Lebensweise klar von antiautoritärer Erziehung ab.

Bild: Kind mit Marienkäfer auf der Hand
Wer mächtiger ist, als der andere, trägt stets die Verantwortung für seinen Machtgebrauch.

Warum eigentlich auf Erziehung verzichten? Was Du über Erziehungsfrei wissen musst [Zum Beitrag]

Warum Erziehungsfreiheit nichts mit antiautoritärer Erziehung zu tun hat

Wenn Erziehungsfreiheit mit Antiautorität verglichen wird, liegt das an der (grundsätzlich nicht verkehrten) Vorstellung, dass erziehungsfreie Eltern nicht autoritär sein wollten.

Autorität verlangt unhinterfragten Gehorsam. Das will ich grundsätzlich tatsächlich nicht.

Das schwarz-weiß Denken, dass Erziehungsfreiheit also automatisch total antiautoritär sein muss, funktioniert jedoch nicht. Es ist so: In der Eltern-Kind Beziehung liegt ein Machtgefälle. Das ist da. Das ist einfach so. Antiautoritäre Erziehung tut so, als hätte sie keine Macht. Kinder, so das Bild das hierdurch projiziert wird, übernehmen folglich die Kontrolle in der Beziehung, bekommen keinerlei Maß an Regeln und Grenzen mehr gezeigt. Erziehungsfreiheit will keine Machtumkehrung. Ich habe Macht. Ich kann Nein sagen. Ich kann, will und werde meinem Kind vorhandene Regeln und Grenzen zeigen.

Das schließt sich mit Erziehungsfreiheit einfach überhaupt nicht aus.

Nur: WIE reden und handeln wir miteinander? WIE sieht unsere Beziehung aus? WIE können wir auch im Konflikt in Verbindung bleiben? WIE benutze ich also meine Macht?

Ich überlege mir halt, ob das Nein wirklich notwendig ist, und warum ich das so finde. Und erzähle das auch meinem Kind, statt von „man macht das eben nicht“ zu faseln. Ich bin echt. Und vor allem bin ich ICH, mit MEINEN Grenzen, nicht denen eines „Man“.

Erziehung ist eine Möglichkeit elterliche Macht kompromisslos einzusetzen. Erziehungsfreiheit demgegenüber setzt auf einen fairen Umgang mit elterlicher Macht.

Elterliche Macht: Wie wir mit unserer Macht umgehen sollten. Und wie nicht.

Alle sprechen von Verantwortung. Davon, dass Selbstbestimmung und Erziehungsfreiheit (falsch verstanden als antiautoritäre, ihre Macht verschleiernde Erziehung!) verantwortungslos wären. Oft ohne dass sich mit dem Konzept auseinandergesetzt wird.

Tatsächlich müssen wir aber darüber sprechen, wie wir verantwortungsvoll mit unserer elterlichen Macht umgehen. — Braucht es Erziehung um elterliche Macht einzusetzen?

Erziehung ist eine Möglichkeit elterliche Macht einzusetzen.

Ich kann mein Kind schnappen und nach Hause gehen. Ich kann das Spiel beenden. Ich kann entscheiden, was sie anziehen soll. Ich kann den Fernseher ausschalten und die Bonbons weit nach oben weglegen. Für Stunden, oder Tage, oder Wochen. Dagegen tun, kann mein Kind (noch) wenig. – Das Problem: Macht verführt dazu, sie zu missbrauchen. Und wo ist das so einfach, wie im Umgang mit unseren Kindern? Einfach dem Frust Luft machen. Einfach den Fernseher ausschalten, dem ständig widersprechenden Kind die überlegene Macht demonstrieren, damit es gehorcht. „Etwas lernt“. Glaubt mir, ich kenne diesen Impuls, und ihn wegzuatmen ist nicht immer einfach.

Dass ich den Impuls wegatme, hat nichts damit zu tun, dass ich meine elterliche Macht leugne oder gar verstecke, sondern damit, dass ich mit meiner Macht achtsam umgehe.

In den allermeisten Fällen ist Machtdemonstration, viel mehr sind Erziehungsmethoden nicht, die schlechteste Lösung für Konflikte. Hilft nämlich nicht weiter. Wenn überhaupt, dann nur kurzfristig. Erziehung nutzt Ängste aus. Kurzfristig führt das Donnerwetter zum Gehorsam, aber nicht zum erwünschten Lernen. Spätestens wenn die Angst ausbleibt, haben Erziehungsmethoden also keinen Erfolg mehr. Ein Teufelskreis: Kinder rebellieren. Erziehung zieht ihre Methoden an. Und so weiter. – Für die Beziehung fatal.

Ohne Regeln? Vom Irrglauben, dass unerzogene Kinder tun, was sie wollen [Zum Beitrag]

Bild: Vater und Kind. Das Kind läuft vor.
Wir müssen nicht VOR unseren Kindern laufen, um sie zu führen und zu begleiten.

Also doch die elterliche Macht verstecken?

Dass ich nichts von dem oben genannten Kram idR tue, verändert nicht, dass meine Tochter das natürliche Machtgefälle, das zwischen uns herrscht, jederzeit wahrnimmt.

Fragt sie.

Sie weiß, dass ich den Fernseher ausschalten und die Bonbons wegstellen könnte. Sie weiß, dass wir Eltern entscheiden, Heim zu fahren, wenn es spät wird, und sie nichts dagegen tun kann. Dass, wenn wir nach links laufen wollen, sie nicht alleine nach rechts laufen kann. Und dass wir nicht jedes Spielzeug im Laden kaufen werden. Es gab genügend Situationen, aus denen ich sie rausgeholt, Dinge, die ich hochgelegt habe. Wenn meine Tochter mit einem Messer wild herumfuchtelt, ist das weg. – Meine Güte, natürlich ist es das! Schutz und Verantwortung stehen immer an oberster Stelle.

Ja, sie weiß, dass wir sie im Auge haben. Dass wir eingreifen.

Sie weiß das, weil sie, wie jedes Kind, auch darauf zählt. Darauf, dass wir da sind. Es wäre also fatal und unsinnig, diese Macht zu leugnen. Das würde sie nur verunsichern.

Dass der dreijährige Clanbruder sie nicht beschützen kann, keine Entscheidungen treffen kann, nicht so mächtig ist, wie wir Erwachsenen, das muss ich ihr nicht beibringen.

Und dass irgendwann auch bei Mama der Geduldsfaden reißt, und sie ihre Macht auf die ein oder andere Weise benutzt, ist ein Learning, das jedes Kind macht. Eine Erfahrung, an der es sich ausprobiert, wenn es „Grenzen testet“. Ja, auch das Unerzogenste.

Meine Tochter kennt diesen verneinenden Blick, dieses angedeutete Kopfschütteln, wenn einer ihrer Einfälle diesen einen Schritt zu weit geht. Es widerspricht sich nicht, auf Augenhöhe zu leben und sich trotzdem zu verstehen zu geben, wo (persönliche) Grenzen überschritten werden.

Im Gegenteil. Das ist sogar notwendig.

Es zeigt: Ich bin da.

Es ist interessant, aber meine Tochter fragt mich, ob sie Dinge darf. Automatisch. Und egal, wie oft ich ihr sage, dass sie manches nicht erfragen braucht, sie versichert sich fast immer zurück. Denn das bin ich ja auch: ihre Versicherung. Ihr Orientierungspunkt.

Ich bin mir zwar recht sicher, dass das auch eine Charaktersache ist – dennoch bin ich überzeugt, dass Kinder generell Bescheid wissen, dass letztlich ihre Eltern, gewissen Dingen zustimmen müssen, oder eben auch Wünsche ausschlagen können. – Außer, Eltern sorgen sich überhaupt nicht um ihren Nachwuchs, was Vernachlässigung wäre. Dann haben diese Kinder aber ganz andere Schwierigkeiten, keinen Grund zur Freude.


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Hört auf mit der Erziehung! Machtgebrauch statt Machtmissbrauch

Ich trage Verantwortung. Zeige Grenzen. Ich habe Macht.

Und trotzdem erziehe ich nicht.

Trotzdem können wir zusammenleben ohne Strafen, ohne Anschreien und ins Zimmer schicken und andere machtMISSBRAUCHENDE Methoden, die Kinder in den Glauben versetzen, dass sie nicht gut sind und sich für dieses Zusammenleben verändern müssten.

Wenn ich komme, mich zu den Clankindern hocke und sage, was grad echt nicht okay ist, meine Hand über das hin und hergezerrte Spielzeug halte, und zu verstehen gebe, dass wir eine Lösung finden müssen, ist das ein klares Stop. Aber ein Respektvolles.

Es IST ein Machtgebrauch. Aber ein Achtsamer.

Das ist es, was wir in Eltern-Kind Beziehungen brauchen. Einen MachtGEBRAUCH der sagt: Ich bin jetzt hier und zeige dir, dass etwas an dieser Situation gerade nicht in Ordnung ist. Und ich suche eine Lösung. MIT DIR. Miteinander, statt gegeneinander.

Und das hat überhaupt nichts mit Antiautorität zu tun. Und mit Autorität auch nicht.

Es mag manchmal der mühsamere Weg sein, aber es ist auch ein wertvoller. Gehe ich mit meiner Macht gut um – setze sie ein, um zu schützen, Situationen zu bremsen und Lösungen zu finden, anstatt erzieherisch zu demonstrieren, „Wer hier am längeren Hebel sitzt“, lernt mein Kind, was Erziehung wohl am allermeisten versäumt Kindern mitzugeben: den gewissenhaften Umgang mit Macht. Ein Miteinander auf Augenhöhe, – TROTZ Machtgefälle. Ich brauche meine Macht nicht leugnen. Sie nur gut einsetzen.

Erziehung will künstlich verstärken, was sowieso da ist. Die Gewissheit des Kindes, dass Mama und Papa und Oma und Opa und Andere, Macht haben. Dass wir da sind, schützen und eingreifen, Orientierung geben und Ausbremsen können. Dass wir Entscheidungen treffen können, die ihr Leben beeinflussen. Diese Demonstration ist aber weder notwendig noch irgendwie effektiv, außer um Adultismus einen Raum zu geben. Genauso wenig ist die Leugnung dieser Macht sinnvoll, die Kinder alleine lässt.

Zitat -- Ich habe Macht-Und trotzdem erziehe ich nicht. -- Elterliche Macht |Unverbogen Kind Sein

Erziehungsfreiheit bedeutet nicht, unsere Macht abzulegen.

Es ist wichtig, uns unserer elterlichen Macht bewusst zu sein. Nur so können wir einen guten Umgang damit finden, und sie gewissenhaft einsetzen, auf eine Art und Weise, die unsere Kinder nicht verbiegt, sondern sie schützt und auf ihrem Weg unterstützt. Xx Fiona

Elterliche Macht Ohne Machtmissbrauch |Unverbogen Kind Sein
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