Verbote, Etiketten und fehlendes Vertrauen: Eine Spielplatzanekdote

Verbote, Etiketten, fehlendes Vertrauen - eine Spielplatz Anekdote Titel

Die Sonne kommt raus. Die Leute haben wieder gute Laune, Sonnenhüte auf dem Kopf und ein Lächeln im Gesicht. Und das Beste: Die Spielplatz Saison ist eröffnet. Ich genieße es, mit meinem Kind den Nachmittag auf dem Spielplatz zu verbringen.

Das ist mMn eine der schöneren Seiten am Mama Sein. Ich kann selber wieder etwas Kind Sein.

Spielen, Lernen, Ausprobieren: Lernort Spielplatz

Ein altersgerechter Spielplatz ist der perfekte RAUM, um kleine Kinder selbstständig entdecken, toben und Sozialverhalten testen zu lassen. Das geht am besten ohne immer kommentierende Eltern. In Gedanken versunken im Spiel. Die Spielgeräte werden ein Abenteuerpfad. Dein Kind und seine*ihre Spielgefährt*inn*en zu Superheld*inn*en, Bauarbeiter*innen, Trickfilmfiguren und Prinz*essinn*en.

Wenn wir Eltern jüngere Kinder (noch) begleiten, dann können wir uns  auch selbst ein Stück dahinein fallen lassen, uns darauf einlassen mit ihnen in die Spielplatzblase eintauchen. Nichts ist schlimmer, als Eltern, die ihren Kleinkindern Anweisungen zubrüllen, statt in ihr Spiel einzustimmen.

Natürlich bin ich  auch auf dem Spielplatz in der Verantwortung auf mein Kind zu schauen, versteht mich nicht falsch. Ich achte natürlich darauf, dass N sich nicht verletzt, fremde Spielzeuge nicht verbuddelt und die Rutsche frei macht. Aber ich persönlich empfinde Spielplatzzeit sehr viel angenehmer als zB. Beschäftigungen zuhause, Restaurantbesuche oder Familientreffen. Hier kann ich auch einfach mal ein paar Minuten abschalten, die Sonne genießen und meiner Tochter entspannt zugucken.

Leider erlebe ich immer wieder wenig entspanntes:

Eltern, die ihre Kinder umherscheuchen und schimpfen. Eltern, die ihre Kinder ermahnen, die Jacke zuzumachen und nicht wollen, dass sie die Schuhe ausziehen (wetterunabhängig). Eltern, die ihren Kindern drohen, wenn sie nicht funktionieren, und einen wahnsinnigen Druck aufbauen, statt ihnen Freiraum zu geben. Ich möchte nicht in der Haut dieser Kinder stecken.

Natürlich trifft das unabhängig von der erzieherischen Einstellung nicht auf alle Eltern zu. Auch der sonst strengste Papa der Welt kann ganz cool im Sand sitzen und seinen Sohn machen lassen; die entspannteste Mutter btw einen schlechten Tag und heute keinen Bock auf die nassen Socken haben.

Viel zu oft beobachte ich aber leider Stigmata, ernsthaft dusselige Verbote und fehlendes Vertrauen. Kinder werden als Raufbolden, Angsthasen und Egoisten hingestellt.

Jeden Spielplatztag, treffe ich mindestens einmal Eltern, die ihr Kind vorsorglich (!) darauf hinweisen, N auf keinen Fall weh zu tun, ihr nicht die Schaufel an den Kopf zu hauen, sie nicht zu treten, nicht zu spucken, nicht ihre Förmchen wegzunehmen. Was beinahe floskelhaft über die Lippen geht, sind für Kinder schnell feste Stigmata. Etiketten, die einfach angenommen werden. Kommen sie doch von ihren liebsten Menschen.

Da sind negative Erwartungen, die Eltern ihren Kindern von sich vermitteln, sie damit frustrieren, anstatt ihnen vertrauen zu schenken.

Wenn dein*e Partner*in dir jeden Vormittag vorm Kochen mitteilt, dass du das Essen nicht scharf würzen sollst, dann fühlst du dich vermutlich nach ein paar Tagen nicht mehr wohl damit. Du empfindest, dass dein*e Partner*in ERWARTET, dass du zu scharf würzt und fühlst dich schlecht. Du bist frustriert, nicht mehr kooperativ. Maulst vielleicht schnippisch zurück, „er*sie könne ja selber kochen, wenn es nicht schmeckt“.

Nun stell dir also vor, wie dein Kind sich fühlen muss, wenn du ihm*ihr vorsorglich bei jedem Spielplatzbesuch wieder sagst, was es nicht (schon wieder) tun soll.

Und dabei soll der Spielplatz doch ein Raum zum Spielen sein. Ein positiver Raum. 

Ich glaube, in den ersten Lebensjahren ist der heimische Spielplatz für Spielplatzkinder wie meines neben eventueller Betreuungseinrichtungen und natürlich der Familie einer der zentralen Orte der ICHWerdung.

Wie eine handvoll Sand Eltern an ihre Grenzen bringt

Nana lässt sich in den Sand plumpsen, dort wo sie buddeln möchte. Ich setze mich zu ihr. Sie schippt etwas Sand und probiert.

Kaum Eltern kleiner Kinder kommen wohl ums Thema Sandessen herum. Früher oder Später wandern die meisten sandigen kleinen Hände in den Mund. Ist nicht weiter tragisch, finde ich. Zu meiner Beruhigung achte ich darauf, dass der Sand frei von Müll, Zigarettenstummeln und Scherben ist, ich bin ja nah bei ihr in dieser frühen Phase, schaue auf sie und bitte sie etwa, Steine oder was sich sonst in den Sandkasten verirrt hat, wieder auszuspucken. Kein Problem.

Ansonsten ist Sandessen aber inzwischen echt ok für mich. Ich musste mich erst von der Angst lösen, dass Sand irgendwie schädlich für den kleinen Magen sein könnte. Ist er aber nicht. knirscht nur zwischen den Zähnen.

Wenn mein BAUCHGEFÜHL mir aus irgendeinem Grund sagt, dass ich das Sandessen wirklich nicht weiter tolerieren kann, biete ich alternatives Essen oder Trinken an. Ich kann auch meine Bedenken mitteilen, ihren Frust darüber begleiten, umlenken geht auch noch gut.

Während Nana heute also ihren Sandkuchen verputzt, ich mich zurücklehne und nebenher buddel, höre ich neben mir die erste warnende Elternstimme: ›Sand isst man nicht‹. Der Junge, dem die Stimme gilt, ist etwa in Nansa Alter. Es stopft sich Sand in den Mund, welcher von der Mutter zwischen zusammengebissenen Zähnchen herausgepult wird. Er wehrt sich, greift noch einmal in den Sand, was mit einem ›Nein‹ und drohendem Finger kommentiert wird. Der Junge grinst beschwichtigend und will den Sand gerade in den Mund nehmen, als die Mutter seinen Arm festhält und den Sand aus den Fingern klopft. So geht das eine ganze Weile.

Ich beobachte Nana, die nach dem dritten Mal Schaufel abschlabbern den Appetit daran verloren hat und nun den Sand in ihre Förmchen kippt.

Irgendwann gibt der Junge das Sandessen auf und setzt sich näher zu uns. Ich ermutige ihn (Natürlich mit einem Blick auf die Reaktion meiner Tochter!) mit uns zu spielen. Noch bevor er Nanas Sandförmchen nimmt, höre ich die Mutter wieder: ›Aber nicht mit Sand werfen. Mit Sand wirft man nicht, das weißt du‹. Ich bezweifle, dass der Junge das weiß.

Ich bezweifle auch, dass er den Gedanken überhaupt hatte.

Noch ein hartnäckiger Spielplatzelternsatz.

Die Mutter setzt sich vorsichtshalber ebenfalls zu uns. Der Junge nimmt die Schaufel und schüttet sich den Sand erst auf die eigenen Füße, dann mit etwas Schwung in unsere Richtung. Die Mutter schnauft strenger: ›Nicht mit Sand werfen, habe ich gesagt‹. Ich zucke mit den Schultern, ›Alles gut‹.

Zwergnase lässt den Sand durch ihre Finger rieseln und wirft jetzt auch damit. Ich lasse sie in Ruhe machen, solange sie niemand trifft. Erst als sie in Richtung des Jungen werfen will, halte ich meine Hand über ihre, und fange den geworfenen Sand ab. ›Der Junge möchte das bestimmt nicht. Wirf den Sand hier in den Eimer‹, sage ich und halte ihr den Sandeimer hin. Ich weiß natürlich NICHT sicher, ob der Junge nicht doch freudig in die Sandschlacht einstimmen würde. Ich gehe aber davon aus, dass die Mutter das nicht gut fände, also nehme ich die gesetzte Grenze an.

Im Zusammenleben können wir uns nie einfach über die Grenzen Dritter hinwegsetzen.

Mich darf N derweil mit Sand bewerfen, solange ich mich nicht WIRKLICH davon gestört fühle. Ins Gesicht ist etwa tabu. Solange sie nur meine Beine mit etwas Sand abwirft, ist das voll ok FÜR MICH. Zielt sie höher auf mein Gesicht, schütze ich mich und sage ihr klar, dass ich das nicht möchte.

Der Junge beobachtet und und wirft nun auch nochmal in Nanas Richtung.

Diesmal trifft der Sand meine Tochter. Nicht wirklich tragisch. Nana guckt etwas erstaunt, macht dann unbeirrt weiter mit ihren Dingen. Ich belasse es dabei. Statt die Situation anzunehmen, packt die Mutter ihren Sohn am Arm. ›Ich sage doch, du sollst nicht mit Sand werfen!‹, schimpft sie, als ihr Kind erschrocken anfängt zu weinen.

„Schon gut“, sage ich. Ich habe nicht das Recht einzugreifen. Es würde auch nichts ändern, das weiß ich. Die Mutter würde mir nicht zuhören.

Und ich bin nicht auf dem Spielplatz, um meine Haltung zu missionieren.

›Hörst du jetzt auf zu bocken? Wenn du nicht lieb bist, gehen wir nach Hause‹, raunt die Mutter genervt, doch der Junge ist aufgelöst. Sie trägt ihn unter Gebrüll vom Spielplatz weg. Original vor einiger Zeit so passiert.

Die geschilderte Situation ist leider kein Einzelfall.

Ich erlebe solche und ähnliche Reaktionen häufig. Oft sind es Kleinigkeiten, die enorme Machtausbrüche bei den Eltern auslösen. Wie ich meiner Tochter solche Situationen erkläre, wenn sie älter ist, versteht was dort passiert und nachfragt, weiß ich noch nicht.

Als sie weg sind, gebe ich N einen Kuss auf die Stirn. ›Sollen wir eine Sandburg bauen?‹

Diebe*innen, Raufbolde*innen und Bruchpilot*inn*en. Wenn Eltern ihre Kinder in Schubladen stecken

Ein älteres Mädchen gesellt sich nun zu uns. Noch bevor sie sich neben N in den Sand plumpsen lässt, sagt das Elternteil schon, dass sie ›lieb‹ sein soll.

Ich verstehe gar nicht, warum viele Eltern, ihren Kindern per se böswillige Gedanken unterstellen. Das muss etwas damit zu tun haben, dass wir typischerweise Fehlverhalten von unseren Kindern ERWARTEN. Und vielleicht noch viel mehr, mit der ANGST, was andere von uns und unseren Kindern denken, wenn sie falsch handeln. Solange wir diese Erwartungen und Ängste haben, können wir nicht bedingungslos vertrauen. Wir können dann nicht loslassen und unseren Kindern ein Stück Kontrolle überlassen, sondern müssen präventiv eingreifen. Um unser Gesicht zu wahren quasi, um zu zeigen: wir erziehen gut. In manchen Situationen ist diese elterliche Unsicherheit sicher angebracht, oft artet sie aber auch zu einem gewissen Automatismus aus. Du ermahnst dein Kind nur, weil man das eben so macht.

N kommt erstmal auf meinen Schoß, entspannt sich nach ein paar Minuten und reicht dem Mädchen ihr Sieb. Nach ein paar Minuten Sandbuddeln springt das Mädchen auf. Genauso plötzlich, wie sie sich zu uns gesellt hat, will sie weiter ziehen. Unser Sieb hält sie noch in der Hand. Das Elternteil hält sie am Arm fest und nimmt ihr das Sieb grob ab. ›Das gehört dir nicht. Man nimmt fremde Sachen nicht. Das habe ich dir schon tausendmal gesagt‹. Die Aussage hat sicher einen wahren Kern, aber es geht auch weniger grob. Spielzeug mopsende Kinder auf dem Spielplatz sind keine kleinen Diebe*innen, und sie werden mit ziemlicher Sicherheit auch zu keinen werden. Im Eifer vergessen kleine Kinder schon mal, was sie da gerade in der Hand halten, und können Besitzverhältnisse vorerst auch noch überhaupt nicht richtig einordnen. Eine kurze Absprache zwischen der Mutter und mir hätte in dem Alter unserer Kinder also völlig ausgereicht, um die Situation zu klären. Das Mädchen hätte das Sieb ruhig ein Stück mitnehmen können, nicht tragisch, solange die Mutter ein Auge auf den Verbleib wirft und wir es später zurückbekommen; oder mein Kind nicht gerade selbst danach verlangt. ›Entschuldigung‹ sagt die Mutter stattdessen und gibt mir das Sieb zurück.

Nana steht auf und läuft zum Klettergerüst. Ich setze mich in den Sand, lasse sie die Seile erkunden und erste Versuche wagen, daran hoch zu kommen. Klappt noch nicht. Sie nimmt den Sonnenhut ab und spielt ohne weiter. Ich gehe zu ihr, sammle den Hut auf und stecke ihn erstmal in die Tasche.

Schräg über Nana baumelt ein Junge im Klettergerüst in den Seilen. Er schwingt sich etwas hin und her. Der Vater daneben, sagt ihm in einem ziemlich harten Tonfall, dass ›er jetzt nicht auf dumme Ideen kommen soll‹. Ich antworte abermals heute beschwichtigend mit einem ›Alles Gut‹, worauf ich ein ›Nein, Nein. Das muss er lernen. Er ist so ein Raufbold, wissen Sie. Immer nur Unsinn im Kopf. Ganz schlimm.‹ zurückbekomme.

Der Junge hört das. Wie gemein.

Was genau soll der Junge lernen? Rücksicht vermutlich. Vor Schuleintrittsalter ist Abstraktion nicht Teil der Denkmuster von Kindern. Rücksicht kannst du deinem Kind also nur vorleben. Es hilft dem Jungen nicht, dass sein Vater ihn vorsorglich ermahnt. Es ist noch nichts passiert. Der Hinweis ›Achtung, da steht ein Mädchen, hast du gesehen?‹, hätte gereicht, um die Aufmerksamkeit des Jungen auf uns zu lenken, falls der Junge tatsächlich zu waghalsigen Sprüngen neigt. Aber davon auszugehen, dass dein Kind bewusst Dummheiten machen wird; dein Kind damit also zum kleinen Teufel zu machen, ist nicht fair und auch nicht förderlich. Du ermunterst dein Kind im Endeffekt selbst dazu, dieses Zeug zu machen, wenn du es ihm*ihr immer wieder vorhältst. Genauso funktioniert das mit der Stigmatisierung: Dein Kind nimmt das Etikett an, das du ihm*ihr (unbewusst) aufklebst, und sei es aus noch so gut gemeinten Gründen. 

Vertrau deinem Kind ruhig.

Und lass dein Kind auch mal Situationen (begleitet) alleine lösen.

Vertrauen ist eine echt schwierige Sache, sicher. Vertrauen bedeutet, wie bereits erwähnt, sich von seinen Ängsten zu lösen und Dinge geschehen zu lassen. Zugegeben: Mir fällt das auch nicht immer leicht. Irgendwann sind wunde Punkte erreicht, an denen auch ich eingreifen MUSS.

Ich erlebe, besonders auf dem Spielplatz, denn hier kommen die Kinder zusammen, Eltern, die wirklich zu viel Angst haben, vor dem, was ihre Kinder anstellen könnten, was ihnen passieren könnte, und was andere Eltern dann denken, und ihnen aufgrund dieser eigenen Befürchtungen dann gar nicht mehr die Möglichkeit geben, sich frei auszuprobieren.

Nana stapft derweil weiter zur Rutsche.

Vor uns erklärt eine Mutter ihrer auf die Leiter zeigenden Tochter, dass sie das nicht kann: ›Du bist noch zu klein. Du bist immer so wild, da fällst du sowieso nur runter‹. Statt sie es probieren zu lassen, hebt sie ihr Kind direkt auf die Rutsche, das eigentlich gar nicht hochgehoben werden will, strampelt und dafür wiederum einen missbilligenden Blick kassiert.

Ich würde lügen, wenn ich jetzt behaupte, dass ich N nie auf die Rutsche gesetzt hätte, bevor sie es alleine konnte, aber ich habe ihr immer die Möglichkeit gegeben, es zuerst alleine zu probieren.

Und dann gibt es da noch die Eltern, die ihre Kinder nicht ernst nehmen, wenn sie Angst haben. Auf der Hängebrücke steht ein Mädchen weinend. ›Stell dich nicht so an, du bist doch schon groß‹, sagt jemand. Nana rutscht und rennt weiter. Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass der Vater seine Tochter doch rettet, aber er schüttelt dabei den Kopf, als wäre es schlimm.

Beliebte Spielplatz Endgegener: Wasserspielplatz und Heimweg

Neben dem Sandkasten ist der Wasserspielplatz. DAS Highlight. Ich ziehe N die Schuhe aus, sie wandert durch den Wasserlauf und steuert das Matschbecken an.

Ich dachte immer, dass Eltern, die ihre Kinder ohne matschtaugliche Sachen auf den Spielplatz schicken, nicht real sind. Falsch gedacht. Zumindest hier bei uns höre ich wirklich immer und immer wieder ›Mach dich nicht dreckig‹. Eltern sitzen auf der Wiese rund um das große Wasser Sand Gematsche herum, rufen ihren Kindern zu, wen sie alles nicht mit welchen Utensilien nass machen sollen, welche Kleidungsstücke sie an oder ausziehen sollen, und welches Matschbecken sie bitte ganz meiden, weil es dort viel zu dreckig oder zu nass oder beides auf einmal ist. Der Irrsinn!

Es sind am Ende nur Wasser und Sand. Es tut nicht weh.

Wir matschen also ein bisschen. Nana setzt sich ins Wasserbecken, was mindestens drei Eltern mitleidig bestaunen oder beklagen. Weiß ich nicht genau. Alles kein Problem. Ich habe Wechselsachen mit. N füllt ihren Eimer mit Wasser und kippt ihn mir über die (ebenfalls nackten) Füße. Sie patscht mit den Händen ins Wasser und freut sich, dass es hochspritzt.

Nach einer Weile, will Nana weiter.

Ich kündige ihr dabei bereits an, dass wir bald gehen wollen.

Als nächstes zeigt N zur Babyschaukel, die gerade frei ist. Aufmerksames Baby, denke ich. Ich setze sie in die Schaukel, schubse sie an und sie lacht. Neben uns auf die zweite freie Schaukel klettert das ältere Mädchen von der Hängebrücke eben und ruft ihren Papa. Der kommt zwar angelaufen, sagt ihr aber gleich, dass sie ›alleine schaukeln soll. Das muss sie endlich lernen‹. Das Mädchen kriegt es allerdings nicht hin. Ein paar Mal versucht sie es, was ich schon bemerkenswert finde. Sie bittet ihren Papa, sie anzuschubsen. Der verschränkt die Arme: ›Du bist alt genug. Beine vor. Beine zurück. Du gibst dir ja gar keine Mühe. So schaffst du das nie‹.

Ich weiß nicht, wie das motivieren soll. Geschweige denn hilfreich ist.

N will raus aus der Schaukel. Ich frage sie, wo ihr Buggy steht und sage, dass wir nach Hause wollen. Auf dem Weg sammle ich ihre Sandsachen ein. Wir gehen nochmal rutschen und zum Schaukeltier. Dann erinnere ich sie, dass ich nach Hause möchte. N läuft Richtung Buggy, daran vorbei auf die Wiese und ich nutze die Aufbruchsstimmung. Ich ermuntere sie, Stöcke und Gänseblümchen zu sammeln oder vor bis zum nächsten Baum zu laufen. 

Ein paar Meter von uns entfernt wird ein Kind weinend in den Buggy geschnallt. ›Schaukeln. Einmal‹, protestiert es. Ich frage mich, ob die Mutter nicht vielleicht doch die Zeit gehabt hätte, zurück zur Schaukel zu gehen. Schiebe den Gedanken aber wieder weg, wer weiß das schon.

Warum fällt es uns generell so schwer, den Wünschen unserer Kinder nachzugeben? Welche Befürchtung, welche Angst steckt dahinter?  

Für ein Kleinkind ist es schwierig, vorausschauend zu denken, wenn nicht sogar unmöglich. Kleinkinder leben in der Gegenwart. Sie wissen ja nicht, dass sie zum Spielplatz am nächsten Tag zurückkommen können. Und der nächste Tag ist sowieso noch weit weg. Der Trennungsschmerz ist echt.

Wenn ICH wirklich los WILL und MUSS, dann nehme ich Nanas Frust darüber zumindest ernst und begleite ihre Wut und ihre Trauer. Niemals würde ich sie kommentarlos (!) schreiend in den Buggy setzen, und sie mit dem Gesicht von mir abgekehrt weinend nach Hause schieben. Körperkontakt, Blickkontakt und Nähe sind für mich in solchen Momenten wichtig. Sicher, passiert, dass das Baby in den Wagen soll und nicht will und schreit, aber Zugewandtheit und Trost sind essentiell dabei.

Als wir die Wiese hinter und lassen, frage ich N, ob sie in den Buggy möchte. Sie schüttelt den Kopf, sammelt noch einen Stock auf und läuft neben mir her bis zur Straße. Dort werde ich sie nochmal fragen.

Ein Spielplatzszenario: Doch es sind keine Einzelfälle

Ein ganz normaler Tag auf dem heimischen Spielplatz. Natürlich ich habe hier beispielhafte Situationen zusammen gesammelt. Es sind aber leider keine Einzelfälle, ich erlebe solche Situationen oft.

Vermutlich bin ich da auch etwas Feinfühlig, einfach weil ich es nicht als selbstverständlich betrachte, so mit meinem Kind umzugehen.

Im Prinzip ist es für mich ok, wenn du dein Kind so in der Art behandelst, wie die Eltern, die ich erlebe. Es ist ja dein Kind. Nicht meines. Und du bist eine andere Mutter, als ich es bin. Es ist DEINE Überzeugung (hoffentlich) aus der heraus du handelst. Vielleicht siehst du in den Situationen andere Dinge als ich. Es ist erstmal nur anders und es macht mich in manchen Momenten traurig. Mehr kann ich nicht beurteilen. Ich kenne ja nicht deine Geschichte, deine Erfahrungen, deine Überzeugungen, und ich weiß auch nicht, ob du nicht einfach nur einen schlechten Tag erwischt hast.

Wozu also dieser Beitrag? Weil meine Beobachtungen sich in den letzten Tagen häufen, und viel zu viele Kinder auf dem Spielplatz traurig sind.

Das muss nicht sein, finde ich.

Also möchte ich dir einen kleinen Denkanstoß mitgeben, dein Kind Kind sein zu lassen, es nicht (unbewusst) zu stigmatisieren und vorzuformen und vorsorglich zu ermahnen. Hab vertrauen, lass deine Ängste mal los und lass dich mit deinem Kind zusammen ein Stück in die Spielplatzblase fallen. Ich glaube, dass das erfüllender sein kann. Wirst du es probieren?

|Fiona

2 Kommentare

  1. Eigentlich ein guter Text, aber über die Stelle wo sie schreiben das Kind auf dem Spielplatz wird schreiend in den Kinderwagen gesetzt hat mich etwas sauer gemacht……ich bin täglich mehrere Stunden auf dem Spielplatz. Morgens 1-2h am Stück, Mittags 2-4h am Stück, Abends 1-2h am Stück…..und wirklich jedes Mal wird beim reinsetzen in den Buggy geweint. Sie muss auch im Buffy sitzen da wir in der Stadt mit viel befahrenen Strassen wohnen und sie einfach verträumt umher läuft….also kann sie nicht selbstständig nach Hause gehen auch wenn sie dazu in der Lage wäre.

    1. Hallo Susi. ich möchte niemanden mit meiner Beobachtung verärgern. Sicher gibt es Situationen, in denen das Weinen nicht vermeidbar ist. Ich habe in solchen Fällen mein Kind immer auf den Arm genommen, bis es sich beruhigt hat. Tatsächlich haben wir auch früh auf den Buggy verzichtet, sobald unsere Tochter lief. Das ist aber natürlich eine individuelle Entscheidung. Sicher begleiten und trösten Sie Ihr Kind achtsam, wenn Sie es in den Buggy setzen – und das ist dann doch auch in Ordnung. Grüße xx Fiona

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