Bedürfnisse Kommunizieren jenseits von Erlauben und Verbieten

Bedürfnisse Kommunizieren jenseits von Erlauben und Verbieten

Wenn ich erzähle, dass ich nicht erziehe, dann ist die erste Frage typischerweise, ob mein Kind alles tun darf, was sie will. Ich kann dich beruhigen: Nein, natürlich nicht. Ich betrachte mich aber nicht als erziehende Instanz, die erlaubt und verbietet, sondern als Begleiterin, die ihr beim Bedürfnisse kommunizieren, verstehen und damit umgehen, hilft.

Eine Unerzogene Perspektive

Der Unterschied zwischen (nicht) dürfen und (nicht) können erscheint ziemlich subtil. Zugegeben aus erzieherischer Perspektive ist er das wohl meistens auch. Es ist nur ein ausgetauschtes Wort.

Für mich, mit der unerzogenen Haltung, so wie ich mittlerweile erziehungsfrei begreife und lebe, ist es jedoch einer der wohl wichtigsten Eingeständnisse, die ich mir jemals gemacht habe: Ich bin nicht die Instanz, die über mein Kind bestimmt.

Ich bin Begleiterin.

Ich überlege nicht, ob mein Kind generell etwa darf oder nicht darf, sondern ob ICH (oder ggf. Dritte) dem, was sie tun will, gerade zustimmen KANN. Ob es okay ist, oder etwas wirklich dagegen spricht; ein echter Grund, den ich klar und authentisch vertreten kann (oder will) . Ich frage mich, ob ich verantworten kann, was passieren würde. Wenn meine Tochter etwas tun will, das mir eigentlich widerstrebt, gehe ich in mich, ob ich es trotzdem aushalten kann. Ich reflektiere. Und wenn es nicht geht?

Dann frage ich mich, was ICH tun kann, um unseren Konflikt unerzogen zu lösen.

Manchmal handle ich im Affekt, bekomme erst hinterher Zeit, nochmal genauer nachzudenken. Think positive : Fürs nächste Mal in einer ähnlichen Situation habe ich eine bessere Lösung.

Alles nur Wortklauberei?

Als ich mich entschieden habe auf Erziehung zu verzichten, habe ich mich auch dafür entschieden, erzieherische Denkmuster loszulassen.

Ich kann nicht unerzogen leben, aber erzieherisch denken. Wenn ich nicht erziehe, dreht mein Handlungsspielraum sich nicht mehr ums Erlauben und Verbieten.

Erlauben und Verbieten sind Instruktionen, die NUR eine Person ausübt, die sich (vorübergehend oder ständig) ÜBER eine andere Person stellt; der*die Chef*in über den*die Mitarbeiter*in, Politiker*innen über Bürger*innen, und etwa ein*e Mutter*Vater, die*der sich erziehend übers Kind stellt. Das mag in manchen zwischenmenschlichen Verhältnissen seine Berechtigung haben, aber genau um das Abschaffen solch eines Machtgefälles geht es bei unerzogen ja.

Ich will mich nicht erziehend über und gegen mein Kind stellen.

Das heißt nicht, dass es keine Instanzen GIBT, die durchaus über mir UND meinem Kind stehen, etwa Gesetze oder Ordnungen, die ich meinem Kind natürlich vermittele. Das heißt lediglich, dass ICH mich nicht mit willkürlichen (!) weiteren Machtmechanismen über mein Kind stelle, weil ich MIR Macht zuspreche und diese als Selbstverständlich und Unumstößlich betrachte. Ich bestimme nicht. Ich begleite. Ich erkläre. Ich schütze.-

Der harte Fakt: Beim Verzicht auf Erziehung geht es nicht ums Kind und sein Benehmen. Mein Kind ist, wie es ist.

Es geht um Mich! Darum mein Handeln, mein Denken zu Überdenken. Um eben die Art, wie wir als Eltern mit unseren Kindern umgehen/sprechen.

Wenn du aufhörst, dich als jemanden mit einem Erziehungsauftrag zu betrachten, dann stellen sich erzieherische Fragen nicht mehr. Manchmal wirst du freilich trotzdem in alte Muster rutschen, manchmal wirst du auch einen Rat oder Denkanstoß für eine konkrete Situation brauchen, aber du wirst nicht mehr grundsätzlich darüber nachdenken, ob dein Kind etwas darf oder nicht darf.

Erlaubtes und Verbotenes: warum bestimmt wird, was wir tun und lassen sollen

Verbote leiten wir im Allgemeinen von unserem Kollektivbewusstsein ab. Wir kennen Gesetze, Regeln, Ansprüche und Erwartungen und handeln üblicherweise danach. Wir haben eine Vorstellung davon, was wo wann nicht erwünscht ist.

Grundsätzlich ist gar nichts daran falsch, unser Wissen an unsere Kinder weiterzugeben. Es ist sogar notwendig. Die Frage, die sich stellt, ist halt immer wieder die, nach dem WIE.

Das Problem sehe ich persönlich darin, dass Erziehung (Die Definition von Erziehung findest du zB. hier und hier!) Kindern ‚Benehmen‘ normalerweise durch willkürliche, statt tatsächlich sinnvolle (!) Regeln ‚beibringt‘. Dennoch herrscht die Erwartung vor, dass schon Kleinkinder diese Regeln begreifen und diesen folgen. Gebote und Verbote, so mein Eindruck, bestimmen den Familienalltag, mehr als das Miteinander.

Ein Kind, das um Erlaubnis fragt, und der Entscheidung der Eltern widerstandslos zustimmt, scheint in diesem erzieherischen Idealbild das perfekte Kind zu sein. Ich persönlich finde diese Vorstellung eher traurig.

Teilweise beobachte ich auch, dass Eltern dazu neigen, das „große Ganze“ in kleine Situationen hineinzudenken, statt eine konkrete Situation aus Kinder Perspektive zu betrachten. Wenn einem Kind heute nicht verboten wird, die Rutsche hochzulaufen, wird es dann auf andere Kinder immerzu automatisch keine Rücksicht nehmen?

Etliche typische „Kinder“ Verbote resultieren aus allgemeinen Befürchtungen und Erwartungen, statt auf die konkrete Situation, und auf das Kind gerade jetzt zu schauen.

Natürlich, Kinder brauchen Orientierung. Aber: Dafür muss ich nicht verbieten und erlauben. Genauer: Es reicht aus, Kinder zu begleiten, ihnen zu erklären und vorzuleben.

Vor diesem Hintergrund verzichte ich also darauf, die Beziehung zwischen mir und meiner Tochter in einer Art und Weise zu denken, die mich ÜBER ihr positioniert. Es geht nicht ums Dürfen, ums Erlauben und Verbieten. Es geht ums Können, oder eben nicht Können aus gegenwärtig konkreten, plausiblen Gründen (und ums Be-Schützen auch) .

Das soll nicht heißen, dass ein Verbot nicht sinnvoll sein und einen plausiblen Grund haben kann. Natürlich ist es sinnvoll, wenn du sagst, dass dein Kind nicht auf die Straße laufen darf. Nana kann das auch nicht. Viel zu gefährlich.

Es geht mir um die Metaebene, um die Denkweise. Um das was hinter der Wortwahl steckt. Denn Worte schaffen Realität. Worte gestalten Beziehungen.

Ein Verbot oder eine Erlaubnis macht mich mächtig(er als ich eh bin): Ich erlaube oder verbiete etwas und lasse keine Option außer dieser gelten.

Das ist nicht das, was unerzogen will.

Vom Machtgedanken will erziehungsfreies leben sich lösen. Ich kann unerzogen nichts erlauben oder verbieten. Ich glaube, dass dieser Groschen fallen muss, wenn wir auf Erziehung verzichten wollen. Erziehungsfrei geht einfach überhaupt nicht, wenn ich mich (noch) als Jemand sehe, die das Recht (und die Pflicht) hat, über mein Kind zu bestimmen.

Wenn ich aber eingreife, weil ich sehe, dass mein Kind etwas gerade nicht tun KANN, aus gegenwärtigen Gründen, dann kann ich auf Augenhöhe handeln. Ich versuche dann Lösungen zu finden, Bedürfnisse zu unden, Probleme zu benennen und Alternativen zu bieten, wenn gar nichts geht, aber ich bleibe dabei immer in Beziehung zu meiner Tochter, statt mich erzieherisch über oder gegen sie zu stellen, indem ich ein Verbot von oben herab ausspreche. Auch wenn eine Entscheidung gegen Nanas Einfall ausfällt, gebe ich meiner Tochter nicht das Gefühl, dass ich PRINZIPIELL über ihr stehen würde.

Klingt vertrackt, hm? Der kleine Unterschied, der eine Haltung ausmacht.

Bedürfnisse Kommunizieren

Ich schaue auf unsere Bedürfnisse (auf unsere Wünsche auch) und Empfindungen. Ich bleibe im Hier und Jetzt bei UNS und dem, was wir gerade wirklich WOLLEN.

Bedürfnisse Kommunizieren ohne Erlauben und Bestrafen | Unverbogen Kind Sein

Als ich vor Kurzem in der Küche stand, ist meine Tochter auf den Lernturm geklettert, hat sich am Obstkorb bedient und angefangen Weintrauben durch die Küche zu werfen. Ich habe nicht geschimpft oder es verboten, sondern sie gefragt, warum sie das tut, die Weintrauben beiläufig aufgehoben und zurückgelegt. Im Moment bekomme ich darauf natürlich noch keine ausführliche Antwort, aber es gehört für mich dazu, meine Tochter zu fragen. Auf diese Weise erinnere ich mich daran, ihr Verhalten zu hinterfragen, bevor ich reagiere. N hatte Spaß am Werfen. Oft will sie mit solchen Aktionen AUFMERKSAMKEIT einfordern. Bei der nächsten Weintraube, die sie warf, sagte ich ihr, dass ich das nicht so toll fand . Ich WOLLTE das nicht. Und meine Tochter WOLLTE eigentlich auch überhaupt nicht Weintrauben werfen, sondern eigentlich mit mir tun. Ich steckte mir eine Weintrauben in den Mund. ›Weintraube werfen, mag ich nicht so. Lass uns was anderes werfen. Wollen wir in deinem Zimmer mit dem Ball* spielen?‹ Nana nickte. *stoffball

Wenn ICH etwas will oder nicht will, dann muss ICH für unsere Bedürfnisse die Verantwortung übernehmen. Ich muss mich fragen, was ich tun kann, um dieses Bedürfnisse zu erfüllen.

Für unsere Kinder müssen wir überlegen, wie wir ihnen eventuell helfen können, ihr Bedürfnis zu erfüllen.

Bedürfnisse kommunizieren, Konflikte Lösen

Wenn es zum Konflikt kommt, überlege ich, was wir tun können, OHNE Machtmissbrauch. Ich erlaube oder verbiete nicht aus Prinzip, sondern bleibe in BEZiehung mit meiner Tochter.

Das wichtigste dabei ist die Art und Weise unserer Kommunikation.

Obacht: Manchmal finden wir keinen anderen Ausweg, als ein Stop zu setzen, gerade wenn Gefahr in Vollzug ist und schnelles Eingreifen vorgeht. Das gehört dazu, lässt sich nicht vermeiden. Dabei ist es wichtig, auf die eigene Klarheit und die eigene Wortwahl zu achten: Ich Botschaften, statt Anklagen.

Am schönsten ist es natürlich, wenn wir es schaffen Bedürfnisse zu unden.

Das bedeutet zwei eigentlich kollidierende Bedürfnisse oder Wünsche zusammenzubringen, statt einen gegen den anderen aufzuwiegen. Wenn ich Ruhe brauche, aber mein Kind raus auf die Wiese zum spielen will, dann kann ich mir überlegen, Decke und Tee mit raus zu nehmen, oder Jemanden bitten, mit meinem Kind an meiner statt raus zu gehen.

Vielleicht fällt dir noch mehr ein?

Ich muss kein Bedürfnis hinten anstellen, WENN es anders geht.

Es geht darum, N nicht zu verbieten, was sie gerne machen möchte, NUR weil ich in einer Position stehe, in der ich das durchaus (!) tun könnte.

Ich ermögliche ihr, was möglich ist, mische mich in viele ihrer Ideen nicht ein, aber manche Dinge funktionieren nicht. In Letzteren Situationen trage ich die Verantwortung. Diese Verantwortung kann ich nicht von mir schieben. Dazu gehört es, Entscheidungen zu treffen und entstehenden Frust auszuhalten.

Und doch bewege ich mich jenseits von Erlauben und Verbieten, weil das überhaupt nicht mehr die Dimension ist, in der ICH denke und handle. Ich bleibe auf Augenhöhe, finde (gemeinsam) Lösungen, setze auch manchmal ein Stop, aber nicht von oben herab aus Prinzip, sondern aus echter Not. Weil es dann wirklich nicht anders geht. Oder ICH zumindest gerade keine andere Lösung sehe, keine Ressourcen habe.

| Fiona

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11 Comments

  1. Toller Artikel! Genau das, was wir in der Familie aus Überzeugung auch leben.
    Aber wenn wir schon auf Begrifflichkeiten herumreiten (das tue ich besonders gerne!), dann finde ich den Gebrauch von „kann“ statt „darf“ nicht besser oder treffender. Denn das Kind KANN im Prinzip schon. (Man KANN ja auch giftige Pilze essen. Es wurde aber kompliziert, als meine Tochter mich beim Pilzesammeln fragte, welche Pilze man essen KANN – man KANN ja alle essen, aber es könnte gefährlich sein. Aber diese Erklärung war für mein Kind zu schwierig, also blieben wir beim KANN und KANN NICHT.)
    Immer wenn die Konsequenzen also verhältnismäßig (!, das ist ja, wie im Artikel bereits geschrieben, immer relativ und situationsabhängig) unangenehm bis gefährlich wären, dann lassen wir eine kindliche Handlung nicht zu oder unterbinden sie. Wenn ich also etwas verhindere oder nicht zulasse, was mein Kind tun möchte (und theoretisch auch kann!), dann setze ich meine Macht ein, weil ich das nicht will. Es DARF es also nicht tun. Deshalb habe ich mich mit dem DÜRFEN als Begriff angefreundet. Ganz gegen die Argumentation des weisen Herrn E. von Braunmühl.

    • Hallo. Erstmal vielen Dank! Ich kann deiner Argumentation nicht widersprechen, ist absolut richtig und etwas worüber ich beim Verfassen des Beitrags auch immer wieder nachgedacht habe. Es ist halt schwierig mit den Worten. „Können“ verzichtet nach meiner Beachtung auf das Machtverhältnis, das „Dürfen“ automatisch evoziert, deswegen drückt es für mich den Unterschied gut aus, den ich darstellen möchte. Aber natürlich hast du Recht, wir können im Grunde alles, lassen aber nicht alles unsere Kinder machen. -Danke für deine Gedanken dazu. Und lieben Gruß, Fiona

  2. Ein toller Artikel. Ich habe 4 Kinder, die schon größer sind 27 ,25, 17 und 13. Mich begleitet schon lange Thomas Gordon und seine Familienkonferenz. Besonders schon finde ich hier deinen Begriff unden. Bei größeren Kindern ist es ganz toll zu sehen welche Möglichkeiten sich da bieten. Wenn es einen Konflikt gibt und man gemeinsam eine Lösung sucht die allen gerecht wird und keinen verlieren lässt. Alle werden mit der Zeit sehr kreativ und oft bieten sich noch viel mehr Lösungen als anfangs gedacht. Ich wünsche mir, dass die unerzogene Einstellung mehr Verbreitung findet. Danke für den Artikel.

  3. Hallo Fiona,

    Vielen Dank für diesen tollen Text, der einen sehr guten Einblick in deine Umsetzung von unerzogen gibt.

    Wir leben in keinster Weise unerzogen, trotzdem versuchen wir für unsere Kinder eine Ja-Umgebung zu schaffen und somit ihren Bedürfnissen Raum zu geben.
    Das klappt nicht immer, entspannt unser Zusammenleben jedoch enorm.

    Viele Grüße
    Mama Maus

  4. ich finde ganz viele der gedanken total richtig und wichtig – eigentlich fast alle…ich kann das weitestgehend so unterschreiben, wie du es hier darstellst und begründest.

    ich setze mich mit unerzogen nun einige zeit auseinander und habe einges gelesen. ich finde vieles klug und wichtig, auch wenn ich als Erziehungswissenschaftler den Begriff „unerzogen“ tatsächlich ablehne. Und ich möchte gerne sagen, warum.

    Die Machtposition, in die du nicht willst, ist einfach da. Und sie verschwindet auch nicht. Sie bleibt weiterhin existent. In dem Moment, wo du eingreifst (auch zum Schutz, aus Not…die Gründe sind ja vielfältig und gut), übst du diese Macht aus. Für mich ist ganz wichtig dabei, dass man nicht aus den Augen verlieren darf, dass man in einem Machtverhältnis steht. Und dieses auch immer wieder einfordert, immer wieder seine Macht nutzt. Dieses Machtverhältnis ist ausgesprochen stark ausgeprägt im Verhältnis von Kindern und Erwachsenen. Im Gegensatz zu anderen Menschen sind Kinder nahezu dauerhaft unter Beobachtung der Erwachsenen und durch die emotionale Bindung auch auf die Erwachsenen angewiesen.

    So wichtig ich es finde, dass man Bedürfnisse sieht, dass man miteinander Entscheidungen trifft und möglichst gute Gründe hat, um seine Macht auszuüben, darf man dieses Machtverhältnis nie leugnen. Gerade wenn man das tut, dann sieht man nicht mehr, wo man Macht ausübt ohne es zu wollen. In der Sprache der „unerzogen“-Gemeinschaft wäre das vielleicht der Punkt, wo man „erzieht“ ohne es zu wollen oder zu merken.

    Dieses besondere Machtverhältnis ist konstitutiv für Erziehungsprozesse und liegt ihnen zugrunde. Daher kann man in einem solchen Machtverhältnis nicht Nicht-erziehen. Auch wenn ich zugleich Erziehung anders begreife, als das die unerzogen-Gemeinschaft mit den oben verlinkten Begriffen tut. Also eher in dem Sinne, dass „unerzogen“ eben auch Erziehung ist.

    Du reflektierst diese Machtposition ja sehr stark in deinem Handeln und deinen Texten, daher versteh das bitte nicht als Vorwurf gegen dich oder deine (Nicht-)Erziehung. ? Es ist eher meine Erklärung, warum ich mit dem Begriff ein Problem habe.

    • “ Für mich ist ganz wichtig dabei, dass man nicht aus den Augen verlieren darf, dass man in einem Machtverhältnis steht. Und dieses auch immer wieder einfordert, immer wieder seine Macht nutzt. “ Das klingt für mich so, als ob es auch um die Macht an sich geht? Warum sollte ich die Macht, die ich sowieso habe, einfordern? Warum sollte ich Angst haben, sie zu verlieren? Wenn ich eine gleichwürdige Beziehung eingehe, dann sollte Macht, finde ich, nur in Ausnahmesituationen eine Rolle spielen, um da Kind zu schützen. Und dann geht es nicht um die Macht, sondern um meine Verantwortung, die ich für das Kind trage.
      Aber ja stimmt, es ist wichtig, sich seiner Macht immer wieder bewusst zu sein. Eben damit man sie nicht missbraucht. Und ich glaube, das passiert schneller, als man es in der Regel merkt…

      • Genau diese Situation meine ich… Ich Schütze mit meiner Macht. Und zwar wir über das hinaus, was ich bei anderen Menschen an Verantwortung übernehme und als Schutz leiste.

        Es gibt Dinge, die lasse ich nicht zu. Vielleicht ist das Beispiel nicht das beste, aber es kommt mir gerade in den Sinn.

        Ich lasse mein Kind keinen Alkohol trinken. Alkoholkranke Erwachsene Ass meinem nächsten Umfeld schon. Auch wenn ich eine große Verantwortung fühle und mich Sorge und es am liebsten auch „verhindern“ würde.

        Ich kann es aber nicht, ich habe die Macht nicht. Bei meinem Kind ist das anders. Dort würde ich auch den millionsten Versuch verhindern. Dort nutze ich meine Macht.

        Macht zu nutzen ist auch gar nicht dass Problem. Aber man muss um die Macht wissen und die immer wieder reflektieren.

        Wie Spidermans Onkel sagt: Mit großer macht kommt große Verantwortung.;-)

  5. und noch ein kleiner Hinweis, der bitte als Spaß zu verstehen ist:
    Du schreibst „Das heißt nicht, dass es keine Instanzen GIBT, die durchaus über mir UND meinem Kind stehen, etwa Gesetze oder Ordnungen, die uns gegenüber Gebote und Verbote regeln, die ich in mancher Art und Weise meinem Kind natürlich vermittele.“
    Eines dieser Gesetze bzw. ein Artikel des Grundgesetzes sagt, dass Kinder ein Recht auf Erziehung haben und Eltern die Pflicht dazu ?
    Ich glaube tatsächlich, dass man um Erziehung nicht drum herum kommt.
    Wie in meinem anderen Kommentar schon geschrieben: Ich versuche auch so zu handeln, wie du es beschreibst und ich finde auch ganz viel richtig und wichtig, was du schreibst. nur der Begriff….nur der Begriff ?

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Fiona Lewald ist Mutter von zwei Töchtern. Auf Unverbogen Kind Sein schreibt sie seit 2017 über  die Chancen eines Bindungsorientierten Familienlebens und den Versuch, Erziehung zu überwinden.
 

„Ich schreibe für ein Familienleben, in dem Miteinander mehr zählt als Gehorsam, und die Bedürfnisse  jedes Einzelnen wichtig sind. So helfen wir unseren Kindern heute, ihren Platz als Erwachsene zu finden, SO WIE SIE SIND – Statt sie zu verbiegen.“

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