Keine Angst vor Digitalen Medien: Warum mein Kind selbstbestimmt Fernsieht

keine Angst vor digitalen Medien- selbstbestimmter Medienzugang

Selbstbestimmter Medienumgang: Bereits mit ihren anderthalb Jahren traue ich meiner Tochter zu, mit digitalen Medien im Rahmen ihrer Möglichkeiten umzugehen, denn wir haben keine Angst vor digitalen Medien. – Manchmal beim Wickeln und Anziehen mag N ein Puzzle auf meinem SMARTPHONE spielen, zum Zähne Putzen ein Video schauen. Ein eigenes Mobiltelefon bekommt sie zwar definitiv erst, wenn telefonieren für sie relevant wird, und nicht vorm Schulkindalter, aber erstes KnowHow sammelt sie schon heute. Genauso weiß meine Tochter, dass sie jederzeit ihre Lieblingsserien anschauen kann; Streamingdienste machen es möglich. Wenn mein Kind mir also mitteilt, dass sie jetzt gerne Fernsehen möchte, dann schalte ich ihr den TV (meistens) ein. Genauso würde ich ihr schließlich auch ein Buch vorlesen oder ihr helfen, die Bauklotzkiste ins Wohnzimmer zu tragen, wenn sie mich darum bittet.

Disclaimer: Ich möchte niemanden überzeugen, denselben Weg einzuschlagen, der diese Möglichkeit nicht gutheißt. Ein Kind kein TV schauen zu lassen ist innerhalb eines altersgerechten Rahmens auf keinen Fall verkehrt. Es ist ein anderer Weg. Ich möchte dir hier lediglich meine Sichtweise schildern und dir erklären, warum selbstbestimmter Medienumgang keinesfalls bedeutet, dass ich mein Kind „achtlos abstelle“.

Angst vor digitalen Medien – Angst vorm nicht kalkulierbaren?

Die erste Frage, ist die Frage nach dem W a r u m.

Warum haben Eltern eigentlich Angst, ihre Kinder mit digitalen Medien früh (oder überhaupt) in Kontakt zu bringen, wo doch Smartphones, Tablet und TV heute mehr denn je zu unserem Alltag gehören?

Ein Generationsproblem? Okay, Tablets gab es nicht und Streaming auch nicht. Aber in meiner Erinnerung war das Fernsehthema locker. Früher erzählte mir meine Mutter manchmal schnaubend, dass ich vom vielen Fernsehen noch mal viereckige Augen bekommen würde. Aber ich stiefelte oft morgens im Pyjama ins Wohnzimmer, wo ich mein Kinderprogramm selbstständig einschaltete; und ich erinnere mich, dass jedes mal, wenn ich an Regentagen auf meiner Decke im Wohnzimmer spielte, der TV lief. Ich weiß nicht, ob das bei uns anders lief, aber die Nachbarskinder und meine Freunde tratschten über die Fernsehhelden unserer Kindheit alle mit.

Warum ist das heute anders?

Wir sollten doch meinen, der Fernseher sei uns inzwischen vertrauter geworden und die Ängste kleiner, aber das Gegenteil scheint der Fall.

Digitale Medien haben zwar einerseits immer stärkeren Einzug in unseren Alltag erhalten, ihre Auswirkungen insbesondere auf das sich noch entwickelnde kindliche Gehirn, werden allerdings seither kontrovers diskutiert. Während die eine Seite von Reizüberflutung, Spracherwerbsverzögerungen und Konzentrationsschwäche berichtet, widerlegt die andere möglichen negativen Auswirkungen als unzureichend erforscht und hebt positive Lerneffekte des frühen medialen Umgangs hervor. Es ist schwierig sich in dieser Debatte zu positionieren, und ich möchte an dieser Selle keinen wissenschaftlichen Diskurs eröffnen.-

Tatsache ist, darüber werden wir uns einig sein, dass Eltern die Verantwortung tragen, ihre Kinder an digitale Medien heranzuführen und sie ihnen in einem Maß zugänglich zu machen, das  sie mit ihrer persönlichen Haltung innerhalb der Mediendebatte vertreten können. Ein bewusster Umgang ist dabei unerlässlich, aber in welcher Form dieser stattfindet, sei jeder Familie selbst überlassen. Pauschal lässt sich ohnehin nicht beurteilen, was für die Zukunft das Beste sein wird.

Selbstbestimmter Medienumgang wird kritisiert.

Hierzu ein kleiner Exkurs aus dem Literaturstudium: Im 18.Jahrhundert kam in der bürgerlichen Gesellschaft die Furcht vor der sogenannten Lesesucht auf. Zu diesem Zeitpunkt veränderte sich die Literatur vom didaktischen Medium zur Unterhaltungslektüre. Das Lesepublikum weitete sich durch die wachsenden Lesekompetenzen aus, das Lesen wurde extensiv statt intensiv, und die Literatur befasste sich weniger mit lehrreichen Inhalten. Insbesondere junge Mädchen gerieten in Verdacht, der Lesesucht zu verfallen, die sie von lehrreichen Tätigkeiten und damenhaften Verpflichtungen abhielt und ihnen stattdessen phantasievolle Flausen in den Kopf setzte.

Heute sind wir froh, wenn unsere Kinder Romane lesen. Früher war es ein ungefälliges Übel, dem nachgesagt wurde, Unheil zu bringen. Ein Mädchen, dass sich in Romane vertiefte, aus dem konnte niemals eine gescheite, tugendhafte Dame werden. – Der Rückblick ins 18.Jahrhundert zeigt uns, dass Angst immer abhängig ist von Erfahrung und Kalkulierbarkeit: Damals wussten die Menschen nicht, in welche Richtung sich Lesekompetenz und Literaturmarkt entwickeln würden, geschweige denn, wie geschätzt ein lesendes Kind einmal in der Gesellschaft betrachtet werden würde, egal WELCHES GENRE es liest. In derselben Situation befinden wir uns heute wieder, nur eben einen technischen (Fort-)Schritt weiter. Heute sind es nicht die analogen Medien, sondern die digitalen Medien, die uns Angst machen. Der vermehrte, immer frühere, immer notwendigere Kontakt unserer Kinder mit Fernseher, Smartphone und Co, wie wir selber ihn noch überhaupt nicht erfahren haben, führt zu Unsicherheit im Umgang damit.

Unsere eigenen Kinder und später Enkel, die mit diesen Medien bereits groß wurden, werden ihre eigenen Kinder vermutlich viel freier von Angst, vielleicht sogar ganz ohne Angst, damit in Berührung bringen können -und möglicherweise sogar positive Effekte wertschätzen, die wir heute einfach noch überhaupt nicht einschätzen können. Klar, vielleicht auch nicht; vielleicht werden sie den Technikkram verteufeln, weil Roboter eine weltumspannende Diktatur einberufen haben. Aber wer weiß das schon?

Selbstbestimmter Medienumgang: Unsere Kinder die Digital Natives

Ich habe meine Bedenken vor den digitalen Medien losgelassen.

Das war nicht von Anfang an so. Als unsere Tochter auf die Welt kam, war ich noch davon überzeugt, dass der Fernseher für lange Zeit niemals nie in ihrer Gegenwart laufen wird. Und über all diese Apps für Kleinkinder habe ich empört geschnauft. Ich erinnere mich an eine Diskussion mit meinem Mann, in der ich die knallharte Ansicht vertrat, dass er in ihrer Anwesenheit die Spielekonsole nicht anschalten dürfte. Egal welches Spiel.

Warum dieser Sinneswandel?

Das Umdenken kam ziemlich plötzlich, als unbestimmt der Gedanken in mir aufkam, den Fernseher einzuschalten. Es war ein Regentag. Wir schauten zusammen Kinderprogramm und nicht lange, vielleicht eine viertel Stunde. Ich erzählte ihr, was wir sahen, beobachtete mein Kind, und ich stellte fest, dass es mich nicht störte, dass ich überhaupt keine echten Bedenken hatte, sondern mich freute, dass mein Baby mit einem erstaunten Quieken den Zug kommentierte, der durchs Bild fuhr.

Meine Bedenken waren niemals einer echten Angst entsprungen. Was sich in meinem Kopf festgesetzt hatte, war ein kollektiver Glaubenssatz, der mir in Elternforen eingebrannt wurde: Fernsehen schadet, Fernsehen nicht never ever unter Drei, und dann auch nur in engmaschig kontrollierten Maßen. Das mag durchaus die Meinung anderer sein, aber es war niemals wirklich MEINE Einstellung dazu.

Bin ich doch selber in innigem Verhältnis mit dem Fernseher und der Spielekonsole groß geworden und habe den erstaunlichen Fortschritt von Smartphone, Laptop und Tablet miterlebt. Mein erstes Handy hatte noch richtige Tasten und eine kleine Antenne, und der ungewollte Internetzugriff sorgte regelmäßig für Panikausbrüche. Ich verbinde nichts Schlechtes, nichts Beunruhigendes mit digitalen Medien. Sie sind ein  ganz selbstverständlicher Teil meiner Kindheit und meiner Biografie.

Mehr noch als ich ist meine Tochter ein ›Digital Native‹.

Digitale Medien gehören zu ihrer Wirklichkeit. Streaming, Social Media und Co. werden ihre Generation prägen, von klein auf. Ich finde es falsch, meiner Tochter diese Dinge vorzuenthalten, ihr die Medien als etwas schädliches und schlechtes zu präsentieren, nur weil ICH glaube, sie vor etwas schützen zu müssen, was genaugenommen eigentlich gar keinen Schutz erfordert, sondern einen bewussten Umgang einfordert. Und Umgang passiert letztendlich nur durch Kontakt, nicht durch Distanz.

Von nun an schalteten wir den Fernseher hin und wieder an.

Wir schauten zusammen und ich schaltete wieder ab, wenn mein Kind in ihr Zimmer tippelte, um Bücher und Holzklötze zu holen. Manchmal blieb der Fernseher tagelang aus. Manchmal lief er den Vormittag nebenher, auch wenn mein Kind nicht immer davor saß. Wir schalteten nun auch wieder gelegentlich Nachrichten ein, oder eine Dokumentation beim Tun. Irgendwann ließ ich mein Kind auch alleine fernsehen, machte nebenbei etwas im Haushalt. Ich war dabei aber nie ganz weg. Ich wusste, was sie sah, und konnte jederzeit wieder mit ins Erzählen einsteigen, wenn ich nach zehn Minuten Gemüse in der Küche schnippeln, wieder zu ihr kam. Ich parkte meine Tochter nicht. Ich blieb präsente Begleitperson.

Mama mach mal die Glotze an: Wie selbstbestimmter Medienumgang funktioniert

Da meine Tochter natürlich immer aufmerksamer für die Inhalte und Figuren wurde, kristallisierte sich mit der Zeit eine erste Lieblingssendung heraus. Mit etwa siebzehn Monaten passierte es dann das erste Mal: Sie verlangte von sich aus unmissverständlich nach ihrer Lieblingsserie.

Wir hätten nun den Weg gehen können, unserem Kind zu erklären, dass ihre Lieblingsfiguren nur zu bestimmten Zeiten im Fernsehen laufen; dann hätten wir weiterhin die Fernsehzeiten unter unserer Kontrolle behalten. Aber wir entschieden uns stattdessen, diverse Streamingdienste zu bemühen und unserer Tochter ihren heißgeliebten Bam Bam einzuschalten.


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Meine Tochter schaut nun also seit rund drei Monaten selbstbestimmt Fernsehen. Zu Billy Bam Bam haben sich Bobo und Peppa Wutz gesellt. Der Fernseher läuft fast täglich, ja so ist das, aber nicht den ganzen Tag. Ja, wir sind trotzdem viel draußen und wenn ich mein Kind frage, ob wir zum Spielplatz wollen, holt sie ihre Schuhe. Nana liebt ihre Bauklötze, das Lego Duplo und den Balkonsandkasten. Sie malt gerne, kuschelt in ihrer Kuschelecke und holt Bücher zum Vorlesen. Aber genauso mag sie eben auch Fernsehgucken. Es ist Teil ihrer Welt. Und das ist einfach okay so.

Wichtig am selbstbestimmten Medienumgang empfinde ich die Begleitung.

selbstbestimmter Medienumgang von Anfang an

Ich lasse mein Kind nicht alleine. Ich will nicht behaupten, dass ich permanent dabei sitze -Natürlich schaut mein Kind auch mal ungestört ihre Sendungen. Neue Folgen schauen wir nach Möglichkeit aber immer gemeinsam. Schließlich ist sie noch zu klein Inhalte alleine einzuordnen. Bekannte Folgen lasse ich sie alleine schauen, aber bleibe präsent.

Selbstbestimmter Medienumgang ist ein Teil des Alltags, als ein Bestandteil ihres Spielen, Lernen und Begreifens. Wir sprechen darüber, wir erinnern uns im Alltag an die Abenteuer ihrer kleinen Helden im Fernsehen und greifen Impulse auf. Wir malen die Figuren oder wir bauen sie (zugegeben sehr fantasievoll) aus Lego nach. Wenn Billy und Bam Bam (die übrigens auch als Stofftiere bei uns eingezogen sind) tanzen und singen, dann tanzen wir fast immer mit und machen Krach mit dem Tamburin. Wenn Bam Bam Ball spielt, holt meine Tochter ihren Stoffball und fordert uns zum mitspielen auf. Wenn Bobo mit Papa Siebenschläfer badet, mag meine Tochter manchmal auch baden gehen. Und beim letzten Regen, sind wir wie Peppa Wutz durch die Matschepfützen gehüpft – allerdings ohne Gummistiefel.

Was ich damit sagen will: Der Fernseher kann seinen Platz im Kleinkindalltag einnehmen, Impulse geben und das Spielen kreativ mitgestalten. Es ist ein Medium, ein Überträger von Geschichten. Und Geschichten sind wahnsinnig wertvoll für die Kindheit, finde ich.

Sorgen um Konzentrationsstörungen, Reizüberflutung und Spracherwerbsverzögerung usw. kann ich derweil nicht bestätigen. Nana benimmt sich nicht aufgedrehter oder abwesender an Tagen mit oder ohne Fernsehen. Sie zeigt keine Verhaltensauffälligkeiten, keine Veränderungen , wenn sie so und so lange schaut. Im Gegenteil: Ihr Wortschatz hat sich in den letzten Wochen rasant gesteigert. Inzwischen spricht sie Zweiwortsätze.

Was auf mein Kind zutrifft, muss auf andere Kinder nicht zutreffen.

Selbstbestimmter Medienumgang ist ein sensibles Thema.

Ein Kind, das durch Fernsehkonsum offensichtlich aggressiv, überreizt oder „anders“ reagiert, kann vielleicht nicht im gleichen Ausmaß selbstbestimmt schauen. Die Verantwortung liegt ganz klar bei den Eltern, ihr Kind zu sehen und daraus für den eigenen Familienalltag relevante Schlüsse zu ziehen. Falsch ist es mMn nur, einem Glaubenssatz zu folgen, den du selber eigentlich überhaupt nicht vertrittst, den du aber trotzdem durchboxt, weil „man das eben so macht“; oder es nur darum geht, was andere über dich und dein Kind denken. Was andere denken, ist mir mittlerweile wirklich egal, solange ich spüre, was UNS gut tut.

Selbstbestimmter Medienumgang Heißt Nicht „Alleinbestimmt“

Wenn ich sage, dass mein Kind selbstbestimmt fernsieht, dann heißt das nicht, dass sie ganz alleine über die Fernbedienung bestimmen kann. Die Begleitung, das Gegenwärtig sein und Interagieren habe ich bereits erwähnt, hinzu kommt natürlich eine altersgerechte Coregulation.

N ist anderthalb. Ich coregulier NOCH sogar ziemlich stark-

Fernsehen ist kein Bedürfnis, das meine Tochter aus einem Gefühl heraus regulieren kann, wie es bei Essen und Schlaf der Fall ist. Es ist eine Beschäftigung, die ich coreguliere, kommentiere und ihr bewusst nahe bringe. So wie ich auch darauf achte, dass ihr Spielzeug keine verschluckbaren Kleinteile enthält, achte ich auf ihr Konsumverhalten. Abgesehen davon, dass wir natürlich das Programm (mit)bestimmen bzw altersgerecht einschränken, greife ich zB ein und biete andere Aktivitäten als Alternativen an, wenn ich das dringende Gefühl habe, dass es nach der nächsten Folge nun doch erstmal reichen sollte. 

Wir halten es idR so: Einer Medienphase soll eine Spielphase folgen.

Verantwortung übernehmen, Coregulieren und Frust aushalten lernen

Seit meine Tochter selbstbestimmt ihre Kinderserien einfordert, schläft sie oft mit dem Fernseher ein. Sie legt sich beim Gucken abends auf die Couch oder den Boden, wir kuscheln uns dazu und N schläft relativ schnell ein. Das war für uns in dieser Form erstmal völlig in Ordnung, da sie selbstbestimmt schläft , und diese Form der Einschlafbegleitung nun offenbar als ihr persönliches Einschlafritual ausgewählt hatte.


Rhythmen, Rituale und Bindungsorientierung: Rituale gemeinsam bestimmen

In den letzten paar Wochen ist allerdings etwas Neues passiert: N fing an, sich mit dem Ferseheprogramm wach zu halten. Immer wenn sie beinahe schlief, raffte sie sich wieder auf und verlangte eine andere Folge, und schlief erst ein, wenn sie übermüdet umfiel oder wir irgendwann doch abschalteten. Selber fand unsere Tochter den Punkt zum Schlafen nicht (mehr), also entscheiden wir, stärker als bisher am Abend coregulierend in ihren selbstbestimmten Medienumgang einzugreifen: Wir schalten nun, nicht nach festen Zeiten, sondern dann, wenn unser Kind müde wird, den Fernseher nicht mehr ein bzw. nach der nächsten Folge ab.

Den ersten Abend gab das verständlicherweise erstmal Frust. Ich nahm mein Kind in den Arm und erklärte ihr, dass ICH mich nicht mehr wohl damit fühle, wenn sie müde ist und noch fernsieht, dass ICH das Gefühl habe, dass sie sich wach hält, dass ich weiß, dass SIE das nicht gut findet und sie das auch so empfinden darf. Wir haben dann als Alternative Bücher gelesen, die sie uns brachte, gekuschelt und am nächsten Morgen wie abgesprochen Peppa zum morgendlichen Kakao wieder eingeschaltet.

Natürlich benutze ich an dieser Stelle meine Macht.

Natürlich KÖNNTEST du das Erziehung nennen.

Meine Entscheidung folgt dabei jedoch nicht einem allgemeingültigen, erzieherischen Katalog, wie viel Kinder fernsehen oder wann sie schlafen sollten. Es geht NUR darum, was ich ich FÜR UNS in UNSEREM ALLTAG festgestellt habe: Nämlich, dass mein Kind, wenn sie müde ist, ihren Fernsehkonsum (noch) nicht gut selbstregulieren kann. Ich nehme meine Verantwortung wahr und helfe ihr zur Ruhe zu kommen.

Selbstbestimmter Medienumgang bleibt trotzdem unser Status Quo.

Wir sprechen auch nicht von einem starren Verbot, für einen irgendwie festgelegten Zeitraum. Sicher werden wieder Tage kommen, an denen sie unbedingt schauen WILL, und dann wird sie auch schauen können. Und dann werden wir weitersehen, nochmal in uns horchen, umdenken.

Im Moment geht es uns gut mit unserer Lösung.

Uns allen. Seit ein paar Tagen machen wir es nun auf diese Weise, und inzwischen holt Nana abends von sich aus einen Haufen Bücher ins Wohnzimmer, spielt noch ein Bisschen und schläft dann ohne Fernseher mit ihrem Plüsch Bam Bam im Arm ein. – Am Wochenende haben wir zu diesem Zweck ein neues Vorlesebuch gekauft: Die Abenteuer von Bobo Siebenschläfer. Denn Einschlafen (vorerst) ohne Fernseher, heißt noch lange nicht, Einschlafen ohne ihre ersten Kindheitshelden und deren Geschichten

| Fiona

15 Kommentare

  1. Mich würden mal Quellen zu diesen „positiven Lerneffekten“ interessieren.

    Bisher konnte ich nur von negativen Effekten lesen, Experten raten sowieso ab ein Kind unter 3 Fernsehen zu lassen. Selbst die Produzenten von Kleinkindsendungen sehen das ein, produzieren diese Sendungen aber, da sie wissen, dass viele Eltern ihr Kind trotzdem vor den Fernseher setzen.
    Meine Tochter ist 2 und würdigt unseren Fernseher keines Blickes, da er nur ab und zu läuft und zwar dann wenn sie schläft.
    Ich freue mich darauf ihr später mal ein paar Kindersendungen zu zeigen, werde es aber so lange wie es geht hinauszögern. Mir geht es also nur um das frühe Fernsehen, nicht ums Fernsehen allgemein.

    Ich frage mich einfach, was ein Kind so toll durchs Fernsehen lernen soll, was man nicht auch durch Bücher oder Hörspiele erreicht? Und dass ohne die schädlichen Einflüsse von Bildschirmen und schnell bewegten Bildern.

    1. Hallo Tabea. Nur Mediennutzung führt letztlich zu Medienkompetenz. Wann wir damit bei unseren Kindern ansetzen wollen, entscheidet jede Familie für sich. Letztendlich ist ein Gegeneinander Ausspielen von Quellen da nichts, was uns wirklich hilft, deswegen verzichte ich darauf. Ich kann bei unserer mittlerweile Viereinhalbjährigen keine negativen Effekte feststellen, sehe aber das sie einen guten Medienumgang entwickelt hat, medienbegleitet (Apps/ Vorschulserien mit Lerninhalten/ Wissensvideos) viel und gerne lernt oder etwa aktuell durch ihre ersten Erfahrungen an der Spielekonsole unheimlich an Auge/Hand Koordination, logischem Denken und räumlichen Denken zugelegt hat. Keine Frage, das alles das auch anders erlernt wird. Das nimmt den positiven Lerneffekten von Medien aber nicht ihre Wirksamkeit. Sie haben ihre Berechtigung – Bei jedem Kind schauen wir letztlich individuell hin. Dem einen Kind tun Medien vielleicht nicht gut, das andere zieht daraus viel Positives. Hinschauen. Begleiten. Darauf kommt es an, nicht auf sachliche Quellen, die am Ende doch nicht den Blick auf unsere Familie und unser Kind als Individuum haben, finde ich jedenfalls. Viele Grüße. Fiona Xx

      1. Liebe Fiona,
        Schade, die Quellen hätten mich interessiert, auch wenn ich dadurch wahrscheinlich immer noch bei meinem Weg bleiben würde 😉
        Und klar, ganz von Medien fernhalten können und sollten wir die Kinder nicht – anders können sie keine Medienkompetenz lernen.
        Trotzdem danke für deine Antwort!

  2. Bei uns ist es ähnlich. Je mehr meine Tochter schaut (2), desto mehr verlangt sie danach, schläft unruhig und murmelt dann auch in der Nacht „Video sauen“. Schaut sie weniger, verlangt sie weniger danach, schläft besser und kann sich sehr auf andere Tätigkeiten konzentrieren, was sonst schwierig ist, weil sie dann immer unterbricht und doch lieber Video schauen will. Videos haben irgendwie eine Macht auf sie, der sie sich schwer entziehen kann, deshalb sehe ich es in unserem Fall als meine Verantwortung, auch mal abzudrehen und ihren anfänglichen Frust darüber zu begleiten. Wenn sie im Teufelskreis ist, fällt der viel größer aus. Wenn sie weniger schaut, ist es eher ok, abzudrehen und dann nimmt sie gerne andere Angebote an.

  3. Hallo,
    Wie genau begleitest du sie denn beim fernseh schauen bei einer neuen Folge?
    Sitzt du daneben und beobachtest sie oder schaust du mit ihr in die flummerkiste?
    Oder redest du die ganze Zeit darüber was da gerade passiert?
    Wie darf ich mir das ganz konkret vorstellen?
    Meine Zwillinge sind gerade 18 Monate und wir sammeln gerade erste Versuche mit Sendung mit der Maus, davon haben sie auch 2 Bilderbücher. Wir schauen auf dem Tablet und sie zeigen dann immer auf die maus und den Elefanten und lachen teilweise auch dabei.
    Nach 10 Minuten oder so steht eine dann auf und beschäftigt sich mit was anderem…
    Liebe Grüße
    Doppelmami

    1. Hallo Linda. Das ist unterschiedlich und hat sich mit der Zeit natürlich verändert. Am Anfang haben wir neue/unbekannte Serien immer erstmal ein paar Mal zusammengeschaut- Ich habe dann mit ihr darüber geredet, kommentiert, je nachdem wie ich das Gefühl hatte, dass sie das brauchte. Klar schaut man dabei dann auch mal aufs Kind, wie es auf Inhalte reagiert. Ich denke, das ergibt sich. Nana mochte das darüber reden und hat dann auch bald angefangen selber zu zeigen und zu erzählen, was passiert. Mittlerweile sagt sie mir aber eher, dass ich leise sein soll, damit sie in Ruhe schauen kann. 😉 Ich sitze mittlerweile auch weniger dabei, schaue bei neuen Serien manchmal auch nur die ersten Minuten mit. Manchmal gucken wir aber genauso auch ganz bewusst zusammen einen Film an und kuscheln dabei und reden dann auch darüber. ich denke, da findet ihr einen guten Weg, wenn du dich einfach auf deine Kinder einlässt. Schaut zusammen und habt Spaß. Grüße, Fiona

  4. „Früher erzählte mir meine Mutter manchmal schnaubend, dass ich vom vielen Fernsehen noch mal viereckige Augen bekommen würde. Diese Elternfloskel ist heute überholt, der Zusammenhang zwischen schlechten Augen und Tv Konsum kaum mehr relevant, zumal Fernsehgeräte heute nicht mehr viereckig sind.“

    Jetzt bin ich neugierig. Wie viele Ecken hat euer Fernseher?

    1. Ha vielen Dank. Was ein lustiger Logikfehler. Ich hatte unseren ersten nahezu quadratischen Fernseher im Kopf. Ist natürlich Quatsch, was ich da errichtet habe ?

  5. Großartig geschrieben!! Ich bin maßlos beeindruckt. Und ich setze mich sehr intensiv mit diesem und anderen Kleinkindthemen auseinander. Zum Thema zitieren: Bücher oder Hörtexte können sie ja genauso auswendig, genauso wie Standard-Sätze die innerhalb der Familie regelmäßig fallen. Ist also nur normal, dass auch Gesprochenes aus dem TV widergegeben wird. Mit 2 Jahren beginnen die Kinder mit Rollenspiele! Klassische Alltagssituationen werden nachgespielt, wie auch Aufregendes und neu Erlebtes. Genauso natürlich TV-Szenen. Warum nicht, wenn sie alterstauglich sind? ZB: Peppa geht zum Strand und cremt sich ein. Oder: Bobo beim Kinderarzt. Das Wichtigste ist doch tatsächlich, dass man SEHR achtsam umgeht und immer gut beobachtet, was brauchen sie und was steckt dahinter. Wenn eine Woche Pause gut tut, dann ist das genau richtig. Und wie du schon schreibst, hier gehört dringend coreguliert! Aber eben achtsam, bedürfnisorientiert und beziehungsvoll.

  6. Sehr interessant, deine Herangehensweise. Ich betrachte digitale Medien durchaus als kritisch, vor allem im ersten Lebensjahrsiebt. Darüber habe ich selbst auch schon mal etwas ausführlicher geschrieben: http://bluebottles.net/2017/02/20/wieviel-fernsehen-guckt-mein-kind-und-warum/
    Die Selbstbestimmung in Bezug auf TV und Onlinegames und das Erlernen von Medienkompetenzen siedle ich tatsächlich deutlich später an, eher in die Zeit der Pubertät. Davor sehe ich mich in der Verantwortung für ein „gesundes Maß“ zu sorgen, da ich für die kindlichen Reifeprozesse und Bedürfnisse einfach andere Leitbilder habe als du. Aber wie du schon so treffend immer wieder betonst, es muss für einen selbst und das eigene Kind stimmig sein, sonst ist es nicht authentisch. LG Jitka

  7. Wir haben das lange Zeit ähnlich gehandhabt, aber mittlerweile bin ich der Meinung, dass kleine Kinder das schlecht einschätzen können und man regulierend eingreifen muss. Mein Kind ist deutlich sprachentwicklungsverzögert (hinkt etwa ein Jahr hinterher, ist in logopädischer Behandlung und im Umgang mit anderen Kindern ist das nicht immer ganz einfach) und ich führe das auch auf den Medienkonsum zurück. Klar sprechen und sprachen wir auch darüber was im TV passiert und das Kind hat auch genug draußen-Ausgleich (und geht auch lieber raus als auf der Couch zu sitzen), aber vor allem das Smartphone hat eine derartige Sogwirkung, dass ich da eingreife.
    Mein lockerer Umgang geht auf das Gegenteil in meiner Kindheit zurück (TV war streng verboten und mit Pin geschützt, Internet gab es erst sehr spät und auch sehr eingeschränkt), aber zumindest für mich habe ich festgestellt, dass beide Extreme nicht optimal sind. Ich finde es wichtig, dass Kinder früh mit Medien in Kontakt kommen und sinnvollen Umgang lernen, bei älteren Kindern finde ich den Gedanken nach wie vor sehr interessant, sie selbst bestimmen zu lassen, aber bei Kleinkindern werde ich das nach meinen Erfahrungen nicht mehr so handhaben. Ich denke, viel an der Kritik an neuen Medien ist Panikmache, aber ein Körnchen Wahrheit ist wohl auch dabei.

  8. Liebe Fiona,
    herzlichen Dank für deinen (wie immer) tollen Artikel.
    Wir haben hier auch schon viel herumprobiert und gemacht, gerade ich, weil ich ja viel Zuhause bin mit dem Lütten (21 Monate), und es haben sich dann doch einige Dinge herauskristallisiert, die ICH so nicht unterstützen konnte (nur noch Tablet gucken, ist auf andere Angebote überhaupt nicht eingegangen etc.)
    Witzigerweise hat es sich dann nach einer Woche „Totalausfall“ des Tablets wieder normalisiert – sprich, ich habe es ihm eine Woche wirklich verweigert, damit meine ich erklärt und nicht einfach nur weggenommen, sondern gesagt, was ich nicht gut finde an der aktuellen Situation, warum er jetzt nicht schauen darf (ich schätze es wird klar, was ich meine). Gefühlt war er noch nicht so weit, dass es mit der Selbstbestimmtheit funktioniert (in diesem Rahmen. Beim Zubettgehen etwa klappt es hervorragend).
    Liebste Grüße
    Lea

    1. Hallo Lea
      Toll, dass ihr probiert und eigene Erfahrungen mit dem Thema gesammelt habt. Es ist definitiv wichtig, hier auf jedes Kind individuell zu schauen und entsprechend cozuregulieren ❤
      Liebe Grüße, Fiona

  9. Hey.. man findet ja nicht oft Eltern mit so einem Medienzugang. Wir halten es zumindest ähnlich wie ihr. Aber seit meine 2 jährige zu sprechen beginnt und den ganzen Tag nur noch Serientexte rezitiert und nachspielt, hab ich das Gefühl sie lebt in einer Parallelwelt. Ich bin mir nicht mehr sicher ob ich das weiter so handhaben möchte. Kennt ihr das auch? Wie geht ihr damit um?

    1. Hallo 🙂
      Meine Tochter spricht noch nicht genug, dass ich von ’nachzitieren‘ sprechen könnte, aber sie ’schauspielert‘ durchaus Szenen mit, freut sich mit Figuren, kennt die Folgen und geht darin auf. Ich sehe das nicht negativ. Kinder lernen durch Nachahmung. Wenn ein Kind im ’nachspielen‘ und ’nachzitieren‘ realer Begebenheiten aufgeht, dann kritisiert das niemand oder schaut besorgt auf das Kind. Ich empfinde es als Bereicherung, als zusätzliche (!) Quelle für Inspiration, Impulse, Spiel und Nachahmung.
      Lieben Gruß, Fiona

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