Selbstbestimmt schlafen: Warum das Sandmännchen sich bei uns nicht an feste Zeiten hält

selbstbestimmt schlafen

Meine Tochter schläft selbstbestimmt. Selbstbestimmt schlafen heißt, sie hat keine f e s t e n Schlafenszeiten. N schläft, wie mein Mann und Ich, wenn sie müde (genug) ist. Statt einen fremdbestimmten Zeitpunkt zu setzen, gebe ich meiner Tochter die Möglichkeit, ihren eigenen Rhythmus zu finden und ein Gefühl für ihr Schlafbedürfnis zu entwickeln.

Das macht unsere Abende abwechslungsreich, manchmal zugegeben ein wenig länger, manchmal überraschend kurz.

Ich fürchte mich nicht vor einem leidig langen Einschlafritual, und fiebere nicht der letzten halben Stunde bis zum „Feierabend“ entgegen. Wir müssen nicht pünktlich um Sieben Uhr zuhause sein und kein Schläfchen am Nachmittag verhindern, damit die Abendroutine passt. Wir lassen jeden Abend auf uns zukommen. Für UNS funktioniert das.

Ich will auf keinen Fall behaupten, dass es nicht an manchen Abenden anstrengend ist. Natürlich ist es das.

Aber spätestens, wenn N mich an die Hand nimmt, zum Bett geht und schlafen WILL, weiß ich, dass es sich lohnt.

Jedes Kind ist anders: Warum Kinder (nicht) früh ins Bett müssen

Die Empörung ist für gewöhnlich erstmal ziemlich groß, wenn ich erzähle, dass Nana selber entscheidet, wann sie schläft. ›Das geht doch nicht. Ein Kind muss früh ins Bett.‹ Im Moment schläft sie tatsächlich vergleichsweise spät ein.

Selbstbestimmt Schlafen bedeutet aber nicht zwangsläufig Schlafen nach 22Uhr oder später. Es bedeutet Schlafen, wenn das Kind müde ist. Das kann regelmäßig gegen Neun, aber auch vor Acht Uhr sein.

Die erste Frage, die wir uns stellen sollten, ist die nach dem Ursprung unseres Glaubenssatzes, Kinder müssten früh ins Bett. Warum wollen wir, dass unsere Kinder früh schlafen? Warum haben wir Angst diese Überzeugung loszulassen?

Die meisten von uns sind vermutlich mit festen und früheren Schlafenszeiten aufgewachsen. Ich auch.

Es ist ein Muster, das wir kennen, verfolgen und abspielen, ohne für gewöhnlich großartig darüber nachzudenken. Dein Kind selbst bestimmen zu lassen, bedeutet von diesem Muster abzuweichen und deine erzieherische Kontrolle über die Gewohnheiten deines Kindes abzugeben.

Es bedeutet auch, anders zu handeln, als es die meisten Leute von dir erwarten werden, und dein Kind in deine Abendgestaltung flexibel einzuplanen.

Besonders wichtig finde ich, dass sich die meisten Eltern heute eigentlich darüber einig sind, dass jedes Kind anders ist. Dass sie unterschiedlich früh sprechen und laufen, unterschiedlich schmerzempfindlich und neugierig sind, und unterschiedliche Essgewohnheiten haben, ist klar. Aber beim Schlafen – einem der ursprünglichsten menschlichen Empfindungen neben Hunger, Durst und Schmerz – sind sich dieselben Eltern dennoch sicher, dass sie einheitlich reglementieren müssten. Ist doch strange.

Ein Kind weiß am besten selbst, wann es müde ist.

Rhythmen, Paarzeit, Familienzeit

Für gewöhnlich, so bekomme ich es mit, werden Kleinkinder im Alter meiner Tochter so zwischen Sechs- und Acht Uhr ins Bett gebracht.

Am häufigsten begegnet mir die Befürchtung gegen selbstbestimmtes Schlafen, dass das Kind sich auf einen späten Rhythmus einpendelt und so später Probleme mit dem frühen Schulbeginn (KiTa Beginn) haben wird. Das frühe schlafen von Anfang an, ist also quasi ein Gewohnheits-Training.

Ich kann natürlich nicht beweisen, dass es nicht so ist oder niemals so sein wird. Ich habe noch kein Schulkind. Und auch kein Kindergartenkind. Ich kann dir nur versichern, dass ich keine Angst davor habe, dass es zu Problemen kommen wird. Selbstbestimmt Schlafen schließt ein Weckerklingeln in der Früh ja nicht aus. N kennt das leidige Weckelklingeln. Ich vertraue ganz einfach darauf, dass meine Tochter zeitig schlafen gehen wird, um morgens fit zu sein, wenn sie dann zur Schule geht. Dass sie auf ihr Körpergefühl hört. Denn darum geht es schließlich.

Auch wenn du dein Kind an feste Schlafenszeiten gewöhnst, ist damit nicht gesagt, dass es nicht trotzdem Probleme mit dem Schulrhythmus bekommen wird. Oder Morgenmuffel ist. Das Risiko bleibt sich gleich.

Viele Eltern sorgen sich außerdem um ihre Zweisamkeit. Wenn das Kind immer nach Acht Uhr wachbleibt, vielleicht regelmäßig gleich bis Mama und Papa selber ins Bett wollen, wann bleibt dann Zeit als Paar? Der wohlverdiente Eltern Feierabend? Ich persönlich (!) mag diesen Gedankengang nicht , der aus dem Kind einen Störfaktor macht. Wir können uns die Familienzeit schön machen, die ist sowieso viel zu kurz.

Es ist natürlich legitim, dass Mama und Papa Zeit für sich haben wollen, Kraftreserven aufladen müssen: Nehmt Euch, wenn ihr könnt, diese Zeit, die ihr braucht. Das muss überhaupt nicht zwanghaft abends sein. Und wenn das für euch doch richtig wichtig ist, dann habt ihr natürlich die Freiheit, eurem Kind das auch mitzuteilen. Sprecht. Besprecht Regeln. Findet Lösungen. Gönnt euch zB. regelmäßig einen kindfreien Abend. Oder gleich ein kinderfreies Wochenende. Tun wir auch. Oder lasst euer Kind selbstbestimmt schlafen, und führt eine Zimmerzeit ein, mit der euer Kind einverstanden ist. Einigt euch darauf, lärmende Spielsachen auszuschalten und den Fernseher auszulassen. Geht euren Erwachsenendingen nach und erklärt eurem Kind, dass ihr Zeit für die Arbeit, den Haushalt oder einfach für euch alleine am Abend braucht.

Aber vergesst dabei nicht, dass die Verantwortung für euch als Paar nicht bei eurem Kind und seinem*ihrem Schlafverhalten liegt.

Wenn es euch nicht gut geht, dann müsst ihr selber auf eure Bedürfnisse schauen und euch Räume dafür schaffen.

Euer Kind ist nicht in der Rolle, des*derjenigen, der*die hinschauen und Rücksicht nehmen muss. Kann es noch nicht. Ehrlich nicht. Wird es aber lernen. Ganz sicher. Ihr müsst nur klar bei euch bleiben. Euch zeigen.

Zumal sich auch selbstbestimmte Schlafenszeiten immer wieder einpendeln und so auf lange Sicht abschätzbar bleiben. Es ist kein Fass ohne Boden.

Wie viel Schlaf braucht ein Kind?

Aber Kinder brauchen ausreichend Schlaf, heißt es. Kinder brauchen so und so viele Stunden Schlaf heißt es, um sich gut zu entwickeln. Kinder sollen nach Liste funktionieren, sich nach Liste entwickeln. Ehrlich gesagt, gebe ich darauf nicht viel. Ich vertraue meinem Kind einfach.

Niemand kennt ihr Bedürfnis nach Schlaf besser, als sie selbst.

Kürzlich habe ich einen pseudowissenschaftlichen Bericht gelesen, in dem ein Zusammenhang zwischen Schlafenszeit und Wachstum hergestellt wurde. Demnach werden Wachstumshormone erst in einer bestimmten Tiefschlafphase ausgeschüttet. Ich kann das nicht widerlegen. Da wird was Wahres dran sein. Aber um es mal mit simplen Worten auszudrücken: Ich denke nicht, dass die Natur unfähig ist, die Ausschüttung von Wachstumshormonen an das natürliche Schlafbedürfnis des Kindes anzupassen. Wenn ich mein Kind selbstbestimmt schlafen lasse, es also nach seinem natürlichen Körpergefühl schläft, dann wird das mMn keine negativen Auswirkungen auf ihre Entwicklung nehmen. Und wenn doch? Dann habe ich eben ein etwas kleines, aber dafür glückliches und selbstbestimmtes Kind. Ich bin übrigens auch nicht sonderlich groß geraten.

Vertrauen. Ich denke das ist der Schlüssel. Immer. Vertrauen hilft uns, Angst loszulassen.

Selbstbestimmt Schlafen: Den eigenen Biorhythmus kennenlernen

Jeder Mensch hat einen eigenen Biologischen Rhythmus. Manche von uns sind Frühaufsteher mit Leib und Leben. Einer schläft auf dem Zimmer auf Klassenfahrt immer als erstes ein. Der Dritte ist eine Nachteule und wird erst unterm Sternenhimmel richtig produktiv, während der andere vor dem zweiten Kaffee morgens nicht ansprechbar ist. Die meisten entwickeln ein wirkliches Gefühl für ihren Schlafbedarf erst im Erwachsenenalter, wenn überhaupt. Davor liegen feste Schlafenszeiten in der Kindheit, das Austesten von Grenzen in der Pubertät und ausgedehnte Partynächte im Jugendalter. Viele von uns bleiben länger auf, als sie sollten, schlafen dann länger, als sie es bräuchten oder stehen früher auf, als es ihnen nach der langen Wachphase gut tut. Ich bin genauso: Abends lange wach, und morgens komme ich kaum aus dem Bett. Nicht wirklich optimal. Was mir fehlt, ist bis heute das Gefühl für meine innere Uhr.

Wenn wir unseren Kindern die Chance geben, von Geburt an selbstbestimmt zu schlafen, dann lernen sie ihren Schlafbedarf von Anfang an kennen. Statt fremdbestimmter Gewohnheiten, entwickeln sie von klein auf ein eigenes Gefühl für ihr Bedürfnis, dass sie (zumindest in den ersten Jahren) wahrnehmen, entdecken und leben können. Ich glaube, dass diese Erfahrung einen wahnsinnigen Mehrwert für das lebenslange Schlafverhalten hat – Auch wenn der Wecker dann klingelt.

Wenn ein Kind sein Schlafbedürfnis kennt, dann wird es in den meisten Situationen auch danach handeln. Natürlich kommen trotzdem Phasen, in denen das Kind über den Punkt gehen wird, eigene Grenzen austestet. Das gehört dazu. Auch bei Kindern mit festen Schlafenszeiten btw.

Aber ein Kind, dass selbstbestimmt schläft braucht nicht kämpfen. Es braucht nicht wach bleiben, für einen Machtkampf mit den Eltern. Wenn, bleibt es wach für sich.

Selbstbestimmt Schlafen ist einfacher, wenn ein Kind von Geburt an so aufwächst und nie wesentlich von außen eingegriffen wird. Wenn dein Kind seit zwei Jahren um sieben Uhr ins Bett gehen muss, ja, natürlich wird es zunächst viel länger wach bleiben und die Freiheit nutzen und austesten. Es wird schließlich befürchten müssen, dass du jederzeit deine Meinung wieder ändern kannst. Also wird es die Selbstbestimmung ausreizen, bis es sicher ist, dass es damit wirklich so bleibt. Erst dann wird es anfangen, seine*ihre eigenen Bedürfnisse schrittweise richtig kennenzulernen. Desto später ihr anfangt, desto anstrengender ist der Weg der Selbstbestimmung. Egal ob beim Schlaf, Süßigkeiten- oder Medienkonsum.

Lohnen wird es sich allemal.


Schritt für Schritt erziehungsfrei werden? BEITRAG LESEN


Selbstbestimmt Heißt Nicht Alleine

Wenn mein Kind selbstbestimmt schlafen geht, dann heißt das nicht, dass ich sie mit ihrem Bedürfnis und der Verantwortung alleine lasse.

Ich bin da und schaue hin.

Ich schaffe einen Rahmen. Gerade die ganz kleinen Kinder brauchen Hilfe, um ihre Bedürfnisse kennenzulernen und einzuordnen. Unter einem Jahr habe ich mein Kind bereits in den Schlaf begleitet, sobald sie ihre typischen Müdigkeitsanzeichen zeigte. Es gab auch relativ feste Rituale: Ab ins Bett, gedimmtes Licht an, die Spieluhr. Wir haben gestillt/später Fläschchen getrunken, und ich habe ihr geholfen in den Schlaf zu finden.

Wo ist da die Selbstbestimmung? Wenn Nana nicht schlafen wollte, dann war das auch okay und sie kam wieder mit ins Wohnzimmer, bis wir es nochmal versuchen konnten oder sie (immer öfter) einfach dort einschlief.

Inzwischen hat sich der Rahmen immer weiter gelockert. Wir haben keine wesentlichen Rituale mehr und mein Kind entscheidet selber, wann sie Schlafbereit ist. Eine Zeit lang hat sie mir ihren Schlafsack gebracht. Inzwischen legt sie sich zu mir hin und schläft ein. Meistens auf der Couch. Ich trage sie dann in ihr Bett.

Nie entbindet mich selbstbestimmtes Schlafen von der Verantwortung hin zu schauen.

Merke ich, dass Zwergnase den Punkt alleine nicht findet, dann begleite ich sie enger in den Schlaf. Erinnere sie daran, dass es spät ist. Nehme sie ins Familienbett, lese Bücher, kuschele, bringe sie zur Ruhe. Ich zwinge sie zwar nicht mit mir liegen zu bleiben, aber meistens merkt sie dann ziemlich schnell auch selber, dass sie die Ruhe eigentlich braucht.


Einfach machen lassen? Warum Selbstbestimmung genaus das NICHT heißt, erfährst du HIER


Bis auf wenige Ausnahmen sind unsere Abende entspannt. Vielleicht, weil ich mir keinen Stress mache. Weil ich oft gar nicht auf die Uhr schaue.

Rituale gibt es trotzdem. N wird nicht von uns „auflaufen lassen“. Nach dem Abendessen ziehen wir Schlafsachen an, gehen ins Bad, putzen die Zähne. Bettfertig kann sie dann spielen. Oft kommt sie mit Büchern, manchmal baut sie Klötze und an anderen Abenden möchte sie noch TV gucken. Bis sie bescheid gibt, dass sie schlafen will, oder eben einfach einschläft.

Ja, zurzeit wird es auch mal spät. Das ist meistens an den Tagen, an denen sie einen längeren oder späten Mittagsschlaf macht. Den ich aber genauso wenig fremdbestimme wie den Nachtschlaf. An anderen Tagen schläft sie zwischen früher ein, manchmal sogar vor Acht Uhr. Sogar schon vor Sieben. Gibt es alles. ganz ohne Stress. Und ganz Selbstbestimmt.

UNS geht es gut mit diesem Weg.

Ich kann mir nicht vorstellen stundenlang mein Kind vom Schlafen zu überzeugen, obwohl sie das gar nicht will. Oder dauernd die Zeit im Blick zu haben. Die lässt sich viel sinnvoller nutzen.

Muss Es Das Familienbett Sein?

Gar nichts muss. Es kann. Es ist schön. Aber es muss nicht. Es gilt wie immer, auf die Bedürfnisse von allen zu schauen.

N hat die ersten Monate im Beistellbett bei uns im Zimmer geschlafen. Unter einem Jahr, ist sie in ihr Zimmer ins eigene Bett umgezogen und dort schläft sie noch heute mindestens die erste Nachthälfte*. Teilweise ganz durch. Morgens ruft sie, oder kommt zu uns rüber und wir kuscheln noch ein paar Minuten im Elternbett. Zum Einschlafen braucht und bekommt sie Begleitung, aber dann trage ich sie immer erstmal in ihr Bett. Das ist gut so. Wir alle schlafen ruhiger und erholsamer so, zumal wir nur ein 1.40m Bett haben und das uns zu Dritt auf Dauer ziemlich eng wird.

Trotzdem liebe ich auch das Familienbetten.

Wenn N nachts wach wird, holen wir sie mittlerweile bedingungslos zu uns und wir familienbetten den Rest der Nacht. Ist sie krank, schläft sie von Anfang an bei uns. Manchmal machen wir auch eine Pjyamaparty im Wohnzimmer, holen die Matratzen zur Couch und schlafen dort. Ich liebe das Familienbett. Aber ich genieße auch die Nächte, in denen sie in ihrem Bett durchschläft. Es gibt immer zwei Seiten. Ich kann beide verstehen.

Der Mittelweg tut uns gut.

Im Familienleben sollte immer an erster Stelle stehen, einen Weg zu finden, mit denen es allen gut geht. Findet eine Schlafsituation, mit der ihr glücklich seid. Es ist nicht unbedingt einfach den richtigen Weg zu finden. Manchmal hilft wirklich nur ausprobieren, Ängste loslassen und Wege einschlagen, die du vorher für unmöglich gehalten hast: Zum Beispiel dein Kind selbstbestimmt schlafen zu lassen; entscheiden zu lassen, wann es ins Bett mag, anstatt es zu machen, wie es immer schon gemacht wurde.

Vertrau deinem Kind. Es wird dir zeigen, was gut für es ist. Und dann finde einen Weg, deine Bedürfnisse mit dem deines Kindes zusammenzubringen. Das geht. Du musst nur den MUT haben, es zu wagen.

| Fiona

*Edit 10/2021: Als unsere Tochter zwei Jahre alt wurde, haben wir entschieden, dass es uns besser gefällt, dauerhaft im Familienbett zu schlafen. Einige Zeitlang davor wachte sie häufiger nachts auf und hat die Nähe offensichtlich gebraucht: Also haben wir ein großes Bett gebaut. Seitdem schläft N durch.
Wir schlafen noch immer im Familienbett. Mittlerweile zu viert-

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6 Kommentare

  1. Liebe Fiona,

    mich würde mal interessieren, wieso Du es für notwendig hälst, dein Kind am morgen zu wecken? Schlafzwang nein! Weckzwang ja? Für mich wiederspricht sich dieser Punkt mit Deinen anderen Ausführungen. Auch die Überschrift passt für mich dann so nicht, denn Du schreibst ja „Selbstbestimmt Schlafen“ was für mich eben auch das Ausschlafen impliziert und nicht nur das selbstbestimmte Einschlafen. Denn wie soll ein Kind seinen ureigenen Schlafrhytmus finden, wenn doch wieder von außen in diesen eingegriffen wird? Es spricht m.M.n. nichts dagegen, ein Kind ausschlafen zu lassen. Natürlich kann sich dann die Einschlafzeit weiter nach hinten verschieben, was ggf. für die Eltern problematisch ist, wenn diese Unabhängig vom Bedürfnis des Kindes in einem bestimmten Rhytmus funktionieren müssen. Aber warum sich nicht auch dabei ganz auf das Kind einlassen? Du beschreibst ja auch so schön die Spielplatzsituation, bei der „Du“ dann ein Problem hättest… (Toll reflektiert!!!)

    Ich sehe es so, dass die Weckfunktion eine Notwendigkeit der kapitalistischen Arbeitswelt ist und nur dazu dient, dass Kind auf diese „abzurichten“. Was ja bereits im Kindergarten oder spätestens in der Schule mit dem Trainieren eines künstlich erzeugten Rhytmus einhergeht. Außerdem ist es Im Tierreich gibt es ganz natürlich Nacht-und Tagwesen. KeinTier käme auf die Idee seine Jungen zu wecken. Warum also gestatten wir unseren Kindern nicht auch ihrem natürlichen Bio-Rhytmus gemäß ein Huhn oder eine Eule zu sein? Unsere Kultur lässt ja nicht einmal den Gedanken zu, dass bestimmte Kinder auch Nachtwesen sein könnten. Schlafen Kinder am Tag und sind in der Nacht wach, heißt es allgemeinhin, das Kind habe Tag und Nacht verwechselt. Ein Schlaftrainig ist die Folge. Wegen der Anwesenheitspflicht in der Schule, müssen diese Kinder dann gegen ihren eigenen Bio-Rhytmus funktionieren. Nachtaktive Kinder können erst im Erwachsenen Alter wieder in einen Beruf wechseln der ihrem Bio-Rhytmus entspricht.

    Allgemein zur Schlafenszeit möchte ich noch sagen, dass man dabei wieder besonders merkt, wie sehr Erziehung wieder gesellschaftlich motiviert ist. Diesen Aufschrei über eine späte Schlafenszeit von Kindern hat man in Spanien zum Beispiel nicht. Dort ist es normal, dass Kinder zwischen 22.00 Uhr und 24.00 schlafen. Woran man wieder merkt, wie absurd Erziehung eigentlich ist…

    Zum Sandmännchen ist mir noch aufgefallen, falls ihr das Fernseh-Sandmännchen meint, denke ich, passt es bei euch ja gar nicht, zumal dort „jedes Kind ins Bettchen muss“ ! Bei euch darf doch jedes Kind ins Bettchen (wenn es müde ist) und es muss nicht, oder?

    Noch was persönliches: Hast Du eine Erklärung dafür, wieso Du selbst nicht weißt was Dein natürlicher Rhytmus ist? Ich kenne viele Leute bei denen sich entgegen eines trainierten Rhytmus in der Kindheit, der eigene Rhytmus später immer herausgebildet hat. Kann es sein, dass Du dir selbst (durch erlebte Erziehung) auferlegt hast, Dir ein Ausschlafen nicht gönnen zu dürfen? So wie Du es beschreibst klingt es eher nach einem „späten“ Bio-Rhytmus, meist schlafen, die doch auch gerne aus?

    Liebe Grüße,
    Merle

    1. Hallo Merle. Also , ich wecke meine Tochter – bzw mittlerweile beide Töchter – auch nicht, wenn nicht notwendig .. Die Große coreguliert sich jedoch immer schon automatisch an den Aufstehzeiten vor allem ihres Papas (mit dem sie morgens vor der Arbeit noch spielen will), dessen Wecker morgens nun mal klingelt (und zur Zeit, als ich diesen Blogbeitrag schrieb, auch an meinem, da ich damals noch studierte. Die Große musste dann auch mit auf). Worum es mir geht: Wenn Notwendig, warum auch immer, sei es wegen Kindergarten, Schule oder auch dem persönlichen Familienfrieden, dann ist morgendliche coregulation in meinen Augen letztlich immer vernünftiger, als abendliche. Die meisten von uns können aus der Gesellschaft in der wir leben, nicht einfach raus. … Ich beziehe mich einfach auf die Figur des Sandmanns als Symbol für den Schlafbringer … Ja, ich habe mich da einfach selbst nicht gut gefunden, bzw glaube ich, nicht akzeptieren wollen, dass mein Rhythmus nicht zum Gesellschaftsideal passt. Ich habe mich mittlerweile als Eule identifiziert. Schlafe hier immer als letzte und mein Mann übernimmt morgens idR erstmal die Große, die trotz eher spätem schlafen oft lieber früh mit ihm aufsteht. Baby bleibt noch bei mir mit liegen. Liebe Grüße, Fiona Xx

  2. Hallo Fiona,
    Danke für diesen Artikel-man findet sonst nicht viel über Kinder, die keinen Schlafrhythmus haben. 😉
    Wir haben unsere Tochter eigentlich auch immer schlafen lassen, wie sie es braucht. Anfangs gar nicht unbedingt aus Überzeugung, sondern weil es anders nicht geklappt hätte.
    Nun ist sie 3 Jahre, schläft mit Gitterbett an unseres angedockt und ist seit 2-3 Wochen nachts mehrere Stunden wach. Das macht mich total fertig und ich frage mich, was sie noch brauchen könnte, denn unsere Nähe hat sie ja schon immer gehabt. Und dann liest man überall, dass feste Zeiten und Rituale so wichtig sind. Das verunsichert mich schon. Hast Du noch einen Tipp?
    Liebe Grüße Annika

    1. Hallo Annika. Meine Überlegungen würden dahingehen, warum der Schlaf bedarf scheinbar aktuell nachts weniger ist. Wird ein Mittagsschlaf noch gemacht/benötigt ? Fehlt es am Abend an Möglichkeiten sich nochmal auszupowern? Vielleicht nochmal frische Luft am Abend? Oder hat sich etwas verändert, was das Kind beschäftigt/wach halten könnte? Hilft nichts, hilft vermutlich nur annehmen und das beste draus machen. Ich würde das Licht gedimmt lassen und nicht aktiv bespielen/bespaßen. Eventuell was ruhiges zum beschäftigen am Bett haben, ohne großes Tamtam. Und durchhalten. Alles Gute, Grüße, Fiona xX

  3. Huhu Fiona,
    meine Tochter schläft seit jeher selbstbestimmt. Im Babyalter haben wir sie getragen, gesungen, geschaukelt all das. Später dann ins Bett begleitet, wenn wir gemerkt haben, dass sie müde wird. Sie schläft seit jeher im Familienbett. Und bisher haben wir immer irgendwie gute Lösungen gefunden, auch als dann irgendwann das Geschwisterkind mit dazu kam. Was jetzt mit 4,5 Jahren zur Herausforderung wird, schläft sie mittags ein, dann wird es abends richtig, richtig, richtig spät, wir hatten jetzt schon halb 1 dabei. Das Ding ist, da bin ich dann irgendwann so müde, dass ich direkt neben ihr eingeschlafen bin, sie hat Tablet gesehen. Alles im Familienbett. Was wir auch hier merken – sie weckt uns dann, wenn sie uns braucht. Einen faden Nachgeschmack hinterlässt es dennoch. Hm, klar rede ich mit ihr, begleite sie, sage ihr, dass es schon echt spät ist und ich schlafen will. Um halb 1 auch leider nicht mehr so freundlich und nicht mehr so in der Verantwortung wie ich das gern für mich und unsere Familie hätte. Gerade empfinde ich genau das als riesen Herausforderung, und schaue tatsächlich, dass wir ohne Mittagsschlaf über den Mittag kommen. Für mich und meine Familie ist das tatsächlich entspannter und entlastender.
    Ganz liebe Grüße
    Verena

    1. Hallo Verena. Das kennen wir -und vermutlich viele Familien- auch. Wir versuchen Tagschlaf (hier vor allem im Auto) auch zu vermeiden. Da N früh keinen regelmäßigen Mittagsschlaf mehr gemacht hat, geht das auch meistens problemlos. braucht sie den Schlaf unbedingt, schauen wir wie wir uns arrangieren können. Liebe Grüße, Fiona Xx

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