Schluss mit dem Widerstand in der Erziehung!

Beitrag: Schluss mit dem Widerstand in der Erziehung

Vor Kurzem habe ich ein interessantes Gespräch in den sozialen Netzwerken geführt. Eine Mama fragte nach Erfahrungen mit dem Verweigern von Wasser bei kleinen Kindern. Normalerweise beteilige ich mich nicht an solchen Diskussionen, aber diesmal antwortete ich. Aufbauende, mitfühlende Worte. Nana lehnte Wasser nämlich ab, bald boten wir ihr stattdessen verdünnte Säfte an – Bis heute mag sie Wasser nicht gerne. Jedenfalls bekam ich rasch kritisierendes Feedback. Es fiel in dieser etwas hitzigen Unterhaltung, dann der Vorwurf, ich würde „den Weg des geringsten Widerstandes“ in der Erziehung meines Kindes gehen. Mal davon abgesehen, dass ich antworte, dass ich gar nicht erziehe: Dieser Gedanke verfolgte mich an diesem Tag noch eine ganze Weile – „Müssen“ Eltern Widerstand leisten? Und was soll schlimm daran sein, keinen Widerstand zu leisten?

Als Eltern daGEGEN sein: Wann Widerstand wirklich notwendig ist

Was bedeutet eigentlich Widerstand?

Der Duden spuckt als Synonyme „Auflehnung“ , „GEGENwehr“ und „SichENTGEGENstellen“ aus. In der Mechanik ist Widerstand DRUCK, der einer anderen Kraft ENTGEGENwirkt. Mit Widerstand sind wir also GEGEN etwas. In der Erziehung GEGEN das Kind bzw. sein*ihr unerwünschtes Verhalten.

Ich denke, als Eltern gibt es zweifelsfrei Situationen, in denen wir GEGEN das sein sollten, was unsere Kinder tun wollen. Jeder kennt solche Situationen. Gefahren, aber auch individuelle Konflikte, die abhängig von eigenen Überzeugungen sind. Ich bin zum Beispiel DAGEGEN, ohne Helm Rad zu fahren. Und ich bin DAGEGEN rücksichtlos zu handeln, und lebe diesen Wert meiner Tochter vor; und reagiere also, wenn sie etwas tut, das nicht MEINER Vorstellung von Rücksicht entspricht.

Alles kleine Tyrannen? HIER erfährst Du mehr über den Sinn von ErziehungsFREI

Auch wenn ich nicht erziehe, greife ich ein, wenn meine Tochter völlig entgegen meinen grundlegenden Wertvorstellungen handelt.

Ansonsten würde ich mich ja selbst hintergehen. Ich greife ein, erkläre, suche Alternativen und begleite ihren Frust. Ich sage ihr nicht, was IHRE Werte sein sollen, aber ich übernehme für MEINE Werte die Verantwortung. Die Unterscheidung klingt zugegeben abstrakt, aber macht sehr viel aus. Denn Zweites geht auch ohne Erziehung, sondern nur mit klarer Kommunikation.

Wenn es um Leib und Leben, Rücksicht auf persönliche Grenzen oder die Umwelt, Einhalten von Gesetzen und ähnliche Dinge geht, die wenig Spielraum für Alternativen bieten, und schon gar keinen Raum für Widerstandslosigkeit geben, dann ist SichENTEGENstellen auch (oder gerade) als Eltern legitim. – Natürlich kommt es auf das WIE an. Zugewandt. Auf Augenhöhe etcpp.

Nicht immer muss es Widerstand sein: Es gibt tausende Dinge, die keinen nötigen Widerstand erfordern. Situationen, in denen wir Eltern den Widerstand loslassen könnten, wenn wir wollen.

Life is better when you are laughing. In Frieden Spielen.
Weniger Widerstand „Life is better when you are laughing“

Vom Frieden in der Familie: Widerstand in der Erziehung aufgeben, Kämpfe beenden!

Wenn ich Widerstand leiste, also DAGEGEN bin, übe ich Macht und Druck aus. Druck erzeugt immer Gegendruck. Widerstand ist also immer eine Form von Kampf. Ein Kleinkrieg mit meinem Kind, um die Becherfarbe, um das dritte Schokobonbon oder was auch immer. Nicht zu erziehen bedeutet für mich im Grundsatz, keine vermeidbaren(!) Kämpfe zu führen, sondern bessere Wege zu finden, mit unseren Konflikten umzugehen.

ICH steige aus dem Kampf aus! Meine Tochter mit drei Jahren kann das nämlich noch nicht gut. Kämpfe ich mit ihr, kämpft sie intuitiv erstmal dagegen an. Prompt wirft sich das Kind auf den Boden, kreischt „Ich Will Aber!“, und wir stecken fest. Sie spiegelt den Widerstand, geht selbst in den Widerstand.

Ich glaube, in vielen Situationen, wissen Eltern, eigentlich durchaus, dass der Kampf vermeidbar ist. Dass es WIRKLICH kein Problem wäre, den Saft oder wahlweise das Wasser in den Becher mit der Lieblingsfarbe umzukippen, noch ein zweites Eis zu kaufen, oder das Schokobon vor dem Essen zu futtern.

Bei den meisten dieser erzieherischen(!) Kämpfe geht es „ums Prinzip“, nicht so sehr um die Sache. Ums Macht. Um Gehorsam.

Gehorsam oder Auflehnung sind nämlich im Grunde die einzigen zwei Dinge, die kleine Kinder tun können, wenn es zum Kampf kommt. Erstes ist das Ziel von Erziehung.

Keinen Widerstand zu leisten, sondern zB. eine Alternative zu finden, oder dem Kind gar zuzustimmen, ist aus meiner Perspektive nicht etwa ein „Kleinbeigeben“, sondern das Ablegen von Prinzipien und Beenden von Kämpfen. Genau das also, was ErziehungsFREI überhaupt ermöglicht! Um auf Erziehung zu verzichten, ist es nötig, dass ich mich von anerzogenen Mustern und Prinzipien löse.

Ich gehe also gerne den Weg des geringsten Widerstandes.

Einen Weg, auf dem ich das DAGEGEN sein auf das geringste (=auf das tatsächlich notwendige!) reduziere, und dadurch offen werde für bindungs-/bedürfnisorientierte und gleichwürdige Lösungen für Konflikte. Klingt also gar nicht mehr so übel, der Vorwurf, ich würde zu wenig Widerstand leisten, oder?

Die Getränkewahl für Kleinkinder ist ein sensibles Thema, bei dem persönliche Überzeugungen und Ernährungsgewohnheiten starken Einfluss haben. FÜR UNS war es nie eine große Überwindung Nana eine Alternative zum Wasser anzubieten. Ich trinke selber gerne anderes; da WILL ich das nicht vom Kind verlangen. Für UNS passt das so. Andere Eltern können das natürlich (!) völlig anders empfinden und eine Notwendigkeit für Widerstand sehen!

Normalzeitstillen? Diverse Stillgeschichten von Müttern kannst Du HIER nachlesen.

Es geht mir darum, zu sagen, dass das wogegen wir Widerstand leisten, individuell sein darf. Abhängig von unseren Werten. Unseren Überzeugungen. Unseren Ängsten. Es ist also immer unfair, Eltern vorzuwerfen, dass sie auch grundlegende Dinge anders beurteilen.

Es geht besonders darum, dass weniger Widerstand im Zusammenhang mit Unerzogen steht.

Schluss mit dem Widerstand in der #Erziehung #erziehungsfrei #entspanntesfamilienleben

Und es geht mir darum, zu zeigen: Widerstandslosigkeit heißt NICHT einfach aufgeben und „machen lassen“; es heißt die Waffen weglegen, mich zu meinem Kind stellen und GEMEINSAM Lösungen finden.

Warum der Weg des geringsten Widerstandes Eltern entlastet.

Der „Weg des geringsten Widerstandes“ ist negativ aufgeladen. Ich freunde mich aber gerade sehr mit dieser Formulierung an. Denn sie trifft, finde ich, sehr gut, was ich mir im Umgang mit meiner Tochter wünsche: Ich will keinen Widerstand leisten, sondern Lösungen finden! Ich will nicht dagegen sein

Ich will nicht Kämpfen. Ich will keinen Gehorsam aus Prinzip oder Angst. Ich will ein Familienleben, in dem MITeinander mehr zählt als GEGENeinander.

Weniger Widerstand macht etwas wertvolles mit dem Familienleben: Es bringt Frieden. Weniger unnötigen Streit. Es entlastet. Ich glaube, dieser Punkt daran ist sehr wichtig .

Sehe ich mich als Mutter*Eltern nicht mehr in der Pflicht, GEGEN manche Dinge zu sein, weil das alle anderen auch so machen, befreie ich mich selbst von einer Menge Druck. Das tut mir, und auch meinem Kind gut.

Schauen wir nochmal auf unsere Situation : Natürlich hätte ich Nana weiter Wasser anbieten können. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie verdurstet wäre, ist gering. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie irgendwann das Wasser akzeptiert hätte, hoch. Es ist legitim diesen Weg so zu gehen, es gibt gute Gründe dafür. Für UNS fühlte er sich dennoch falsch an GEGEN unser Kind zu kämpfen in einer Sache, die uns nicht wichtig genug war. Wir hätten vermutlich noch eine ganze Weile Widerstand leisten müssen. Aber: Die Situation damals war bereits ziemlich belastend für mich ohne diesen Druck. Nana hatte sich, oder ich sie, unerwartet abgestillt, Ersatzmilch trank sie kaum, alle weiteren Mahlzeiten waren ersetzt, und seit Beikoststart lehnte sie schon Wasser ab. Es war Sommer, als wir ihr Saft anboten. Meine Nerven lagen eh blank. Ständig bot ich ihr ihre Trinkflasche/n an. Ständig hatte ich im Blick, ob sie Anzeichen von Flüssigkeitsmangel zeigte. Dann entschieden wir uns, es mit verdünnte Saft zu probieren. Und sie trank endlich etwas mehr.

Die Entlastung war groß. Für uns war eindeutig, dass unsere Entscheidung richtig war. Und ich würde es wieder so machen.

Widerstand in der Erziehung aufzugeben und offen für eine friedvolle (eventuell auch unkonventionelle oder kritisierte) Lösung zu werden, KANN hilfreich sein.

Dann stehen wir eben nochmal auf, um dem Kind das Trinken vom blauen Becher in den grünen Becher zu kippen, aber danach setzen wir uns wieder hin, sind glücklich und in Frieden MITeinander. Oder wir kaufen halt noch ein zweites Eis für alle, freuen uns darüber und lassen einen schönen Sommertag mit schönen Kindheitserinnerungen ausklingen. Wohingegen der Kampf, der Widerstand, uns für den Moment zu Feinden gemacht hätte. Niemand ist glücklich nach so einem Streit. Widerstand kostet Verbindung.

Widerstand der Eltern muss für ein Kind sein, wie eine Mauer, GEGEN die es machtlos läuft. Seien wir ehrlich, unsere Kinder haben keine echte Chance im Kampf GEGEN uns. ANDERS , wenn WIR bereit sind, die Mauer einzureißen und herauszufinden, was dann passiert.

Also minimiere ich den Widerstand, das ENTGEGENstellen auf Situationen, in denen es WIRKLICH keinen anderen Weg für mich gibt. In allen anderen Situationen stelle ich mich lieber neben mein Kind und schaue GEMEINSAM, was wir tun können. MITeinander statt dagegen, ihr wisst schon.

|Fiona

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