Schluss mit dem Widerstand in der Erziehung!

Beitrag: Schluss mit dem Widerstand in der Erziehung

Vor Kurzem habe ich ein interessantes Gespräch in den sozialen Netzwerken geführt. Eine Mama fragte nach Erfahrungen mit der Verweigerung von Wasser als Getränk bei kleinen Kindern. Normalerweise beteilige ich mich nicht an solchen Diskussionen, aber hier antwortete ich. Nana lehnte pures Wasser nämlich ab, mit sieben oder acht Monaten boten wir ihr stattdessen verdünnte Säfte an – Bis heute mag sie kein pures Wasser, trinkt es im absoluten Notfall, aber zieht Alternativen immer purem Wasser vor. Jedenfalls bekam ich schnell kritisierendes Feedback. Ganz abgesehen vom Vorwurf, wie ich überhaupt darauf käme U1 abzustillen, fiel in dieser zunächst etwas hitzigen Unterhaltung, die Formulierung, ich würde „den Weg des geringsten Widerstandes“ in der Erziehung meines Kindes gehen. Mal davon abgesehen, dass ich nicht erziehe: Dieser Gedanke verfolgte mich an diesem Tag noch eine ganze Weile – „Müssen“ Eltern Widerstand leisten? Und was soll schlimm daran sein, keinen Widerstand zu leisten?

Als Eltern daGEGEN sein: Wann Widerstand notwendig ist

Was bedeutet eigentlich Widerstand? Der Duden spuckt als Synonyme Auflehnung, GEGENwehr und SichENTGEGENstellen aus. In der Mechanik ist Widerstand DRUCK, der einer anderen Kraft ENTGEGENwirkt. Mit Widerstand sind wir also GEGEN etwas. In der Erziehung GEGEN das Kind bzw. sein Verhalten.

Ich denke, als Eltern gibt es zweifelsfrei immer mal wieder Situationen, in denen wir GEGEN etwas sind, was unsere Kinder tun. Jeder kennt solche Situationen. Manche Widerstände teilen vermutlich die meisten Eltern miteinander, andere sind sehr individuell und abhängig von eigenen Überzeugungen. Ich bin zum Beispiel absolut DAGEGEN, dass meiner Tochter etwas zustößt (weil ich meiner Verantwortung nicht nachkomme). Und ich bin z.B. auch DAGEGEN rücksichtlos zu handeln, und lebe diesen Wert meiner Tochter vor, und reagiere, wenn sie etwas tut, dass nicht MEINER Vorstellung von Rücksicht entspricht.

Alles kleine Tyrannen? HIER erfährst Du mehr über ErziehungsFREIHEIT.

Auch wenn ich nicht erziehe, greife ich natürlich ein, wenn meine Tochter völlig entgegen meinen grundlegenden Wertvorstellungen handelt. Ansonsten würde ich mich ja selbst hintergehen. Ich greife ein, erkläre, suche Alternativen und begleite ihren Frust. Ich sage ihr nicht, was IHRE Werte sein sollen, aber ich übernehme für MEINE Werte die Verantwortung. Die Unterscheidung klingt zugegeben abstrakt, aber macht sehr viel aus. Denn Zweites geht auch ohne Erziehung, sondern mit gewaltfreier Kommunikation.

Ich spreche dann von mir.

Wenn es um Leib und Leben, Rücksicht auf persönliche Grenzen oder die Umwelt, Einhalten von Gesetzen und ähnliche Dinge geht, die schon wenig Spielraum für Alternativen bieten, und schon gar keinen Raum für Widerstandslosigkeit, dann ist SichENTEGENstellen auch (oder gerade) als Eltern legitim. – Natürlich kommt es auf das WIE an.

Aber: Es gibt tausende Dinge jenseits von notwendigem Widerstand. Situationen, in denen wir Eltern den Widerstand einfach loslassen könnten, wenn wir bereit dazu sind.

Life is better when you are laughing. In Frieden Spielen.
Weniger Widerstand „Life is better when you are laughing“
Vom Frieden in der Familie: Widerstand in der Erziehung aufgeben, Kämpfe beenden!

Wenn ich Widerstand leiste, also DAGEGEN bin, übe ich Macht und Druck aus. Druck erzeugt immer Gegendruck. Widerstand ist also immer eine Form von Kampf. Ein Kleinkrieg mit meinem Kind, um die Becherfarbe, um das dritte Schokobonbon oder was auch immer. Nicht zu erziehen bedeutet für mich im Grundsatz, keine Kämpfe mehr zu führen – sondern andere Wege zu finden, mit Konflikten auf Augenhöhe umzugehen.

Die Aktion liegt dabei auf meiner Seite, nicht auf der meines Kindes.

Das heißt: ICH steige aus dem Kampf aus! Meine Tochter mit grad drei Jahren kann das nämlich noch nicht gut. Kämpfe ich mit ihr, kämpft sie intuitiv erstmal dagegen an. Prompt wirft sich das Kind auf den Boden, kreischt „Ich Will Aber!“, und wir stecken fest.

Ich glaube, in vielen dieser Situationen, wissen Eltern, egal ob sie erziehen oder nicht, eigentlich durchaus, dass der Kampf vermeidbar wäre. Und dass das Kind nicht WIRKLICH fürs Leben daraus lernt. Dass es WIRKLICH kein Problem wäre, den Saft oder das Wasser in den Becher mit der Lieblingsfarbe umzukippen, für rund einen Euro noch ein zweites Eis zu kaufen, oder das Schokobonbon noch vor dem Essen zu verdrücken.

Bei den meisten dieser erzieherischen Kämpfe geht es mehr „ums Prinzip“, als um die Sache selbst. Ums Ausspielen von Macht. Um Gehorsam.

Gehorsam oder Auflehnung sind nämlich im Grunde die einzigen zwei Dinge, die kleine Kinder tun können, wen es zum Kampf kommt. Ersteres befürworten die meisten Eltern. Letztes bekommt selten Anerkennung.

Keinen Widerstand in solchen Situationen zu leisten, eine Alternative zu finden, oder dem Kind einfach mal unvoreingenommen zuzustimmen, ist aus dieser Perspektive also nicht etwas ein Kleinbeigeben, sondern das Ablegen von Prinzipien und Beenden von Kämpfen. Genau das also, was ErziehungsFREIHEIT überhaupt erst ermöglicht! Um auf Erziehung zu verzichten, ist es nötig, dass ich mich von anerzogenen Mustern löse.

Ich gehe also gerne den Weg des geringsten Widerstandes.

Einen Weg, auf dem ich das DAGEGEN sein auf das geringste (=auf das tatsächlich notwendige!) reduziere, und so offen werde für bindungs-/bedürfnisorientierte und gleichwürdige Lösungen für Konflikte. Klingt also gar nicht mehr übel, dieser Vorwurf, ich würde zu wenig Widerstand leisten.

Ich weiß. Die Getränkewahl für Baby und Kleinkind ist zugegeben ein sensibles Thema, bei dem persönliche Überzeugungen und Ernährungsgewohnheiten starken Einfluss haben. FÜR UNS war es nie eine große Überwindung Nana eine Alternative zu Wasser anzubieten. Ich trinke selber selten pures Wasser, finde daran auch nichts schlimm; da WILL ich das nicht vom Kind verlangen. Für UNS passt das so. Andere Eltern können das natürlich (!) völlig anders empfinden und eine Notwendigkeit für Widerstand sehen.

Unsere Stillgeschichte und die Stillgeschichten anderer Mütter kannst Du HIER nachlesen.

Darum geht es mir hier nicht.

Es geht mir darum, zu erkennen, dass das wogegen wir Widerstand leisten, individuell ist. Abhängig von unseren Werten. Unseren Überzeugungen. Unseren Ängsten. Es ist also unfair, Eltern generell dafür anzuprangern, dass sie grundlegende Dinge wie Ernährung, Sicherheit o.ä. anders beurteilen. Das ist so.

Es geht darum, dass weniger Widerstand im Zusammenhang mit Unerzogen steht.

Schluss mit dem Widerstand in der #Erziehung #erziehungsfrei #entspanntesfamilienleben

Und es geht darum, zu zeigen: Widerstandslosigkeit heißt NICHT einfach aufgeben und „machen lassen“; es heißt die Waffen weglegen, mich zu meinem Kind stellen und GEMEINSAM Lösungen finden.

Warum der Weg des geringsten Widerstandes Eltern entlastet.

Es klingt erstmal irgendwie negativ, zu sagen, den „Weg des geringsten Widerstandes“ zu gehen. Jedenfalls in meinen Ohren. Bisher. Ich freunde mich aber gerade sehr mit dieser Formulierung an. Denn sie trifft, finde ich, sehr gut, was ich mir im Umgang mit meiner Tochter wünsche: Ich will keinen Widerstand leisten, sondern Lösungen finden!

Ich will nicht Kämpfen. Ich will keinen Gehorsam. Ich will ein Familienleben, in dem MITeinander mehr zählt als GEGENeinander.

Weniger Widerstand macht etwas wertvolles mit dem Familienleben: Es bringt Frieden. Weniger unnötigen Streit. Es entlastet. Ich glaube, dieser Punkt ist nicht zu verachten.

Sehe ich mich als Mutter*Eltern nicht mehr in der Pflicht, aus Prinzip GEGEN manche Dinge zu sein, weil das alle anderen so machen, weil jemand sagt, dass es besser sei, befreie ich mich selbst von einer Menge Druck. Das tut mir, und auch meinem Kind gut.

Schauen wir nochmal auf die Eingangssituation: Natürlich hätte ich Nana beharrlich Wasser anbieten können. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie verdurstet wäre, ist gering. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie irgendwann das Wasser doch akzeptiert hätte, hoch. Es ist legitim diesen Weg zu gehen, es gibt gute Gründe dafür, für UNS fühlte er sich dennoch falsch an. Mal davon abgesehen, dass ich ignoriert hätte, dass ihr Wasser nicht schmeckt, hätte ich GEGEN sie gekämpft in einer Sache, die uns nicht wichtig genug war. Wir hätten vermutlich noch eine Weile Widerstand gegen ihren Unwillen leisten müssen. Wasser anbieten und in diesem speziellen Fall bangen, dass sie trinkt. Die Situation damals war bereits ziemlich belastend für mich: Nana hatte sich oder ich sie unerwartet abgestillt, Ersatzmilch trank sie, aber immer nur kleine Mengen morgens und abends, alle weiteren Mahlzeiten waren ersetzt, und seit Beikoststart lehnte sie Wasser ab. Zudem war es Hochsommer. Meine Nerven lagen blank. Ständig bot ich ihr ihre Trinkflasche/n an. Ständig hatte ich im Blick, ob sie irgendwelche Anzeichen von Flüssigkeitsmangel zeigte. Ich beruhigte mich damit, dass sie Obst aß und noch Breie, aber die Situation war unerträglich. Dann entschieden wir uns, ihr Saft zu verdünnen. Und sie trank. Nicht wahnsinnig viel – Nana ist generell eine Wenigtrinkerin, bis heute; etwas, woran ich mich ohnehin noch gewöhnen musste, und immer mal wieder damit hadere. Aber sie trank endlich und schob die Flasche nach dem ersten Minischluck nicht weg.

Die Entlastung war groß. Für uns war eindeutig, dass unsere Entscheidung richtig war.Es gab keinen guten Grund für uns, zu kämpfen. Und ich würde es wieder so machen.

Zitat Schluss mit dem Widerstand in der Erziehung

Widerstand in der Erziehung aufzugeben und stattdessen offen für eine friedvolle (eventuell auch unkonventionelle oder kritisierte) Lösung zu werden, nimmt eine Menge Druck von uns. Der Kampf hört auf. Wir entspannen.

Dann stehen wir eben doch nochmal vom Tisch auf, um dem Kind das Trinken vom blauen Becher in den gewünschten grünen Becher zu kippen, aber danach setzen wir uns wieder hin, sind glücklich und in Frieden MITeinander. Oder wir kaufen halt doch noch ein zweites ungeplantes Eis für alle, freuen uns darüber und lassen einen schönen Sommertag mit schönen Kindheitserinnerungen ausklingen. Während der Kampf, der Widerstand aus Prinzip, uns für den Moment zu Feinden macht. Niemand ist glücklich nach so einem Streit – Egal wie er ausgeht. Widerstand strengt an. Widerstand kostet unsere Bindung.

Widerstand von den Eltern muss für ein Kind sein, wie eine Mauer, GEGEN die es machtlos läuft. Seien wir ehrlich, unsere Kinder haben keine echte Chance im Kampf. Außer, WIR sind bereit, die Mauer einzureißen und herauszufinden, was dann passiert.

Also minimiere ich den Widerstand, das ENTGEGENstellen auf solche Situationen, in denen es WIRKLICH keinen anderen Weg für mich gibt. In allen anderen Situationen stelle ich mich lieber neben mein Kind und schaue GEMEINSAM, was wir tun können. Xx Fiona

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