Erziehungsfrei – Was soll das sein? Wir Stellen Uns Vor

Erziehungsfrei - Was soll das sein?

Unsere Familie, das sind mein Mann, unsere 16Monate alte Tochter Nana* und ich. Fiona. Mitte zwanzig, Literaturstudentin und Freigeist. Mein Mann und ich sind  seit zweieinhalb Jahren verheiratet. Unser Wirbelwind ist unser Wunschkind. Und: Wir leben erziehungsfrei.

Unser Alltag ist manchmal etwas chaotisch und unaufgeräumt; zumal es nicht immer ganz stressfrei ist, Studium und Kind unter einen Hut zu bekommen. Aber wir sind glücklich, und irgendwie funktioniert es immer.

Vor Kurzem ist mir etwas aufgefallen.

Wir sprechen zu selten darüber, wie wir uns die Kindheit unserer Kinder eigentlich vorstellen, und noch viel wichtiger: Was wir tun wollen, um dieser Vorstellung gerecht zu werden. Irgendwie scheint es selbstverständlich zu sein, was wir tagtäglich im Umgang mit unsern Kindern tun und lassen werden, und was unsere Aufgabe als Eltern eben zu sein hat: Wir erziehen.

Wir nehmen das einfach erstmal so an und so hin.

Dabei ist es wahnsinnig wichtig, dass wir uns bewusst machen, dass alles, was wir Tun, unsere Worte, unser Auftreten, unser Alltagstrott in ihren Köpfen und Herzen einen -wortwörtlich- bleibenden Eindruck hinterlässt.

Unsere Babys und (Klein)Kinder sind darauf angewiesen, dass wir, für sie und mit ihnen gemeinsam, unser Zusammenleben ständig reflektieren. Trotzdem sprechen wir selten darüber, wie wir uns ihre Kindheit vorstellen. Von floskelhaftem Geplauder einmal abgesehen.

Ich denke, es fällt uns gar nicht leicht, unsere echten ÜBERZEUGUNGEN, die hinter unserem Verhalten stecken, in Worte zu fassen. Manchmal liegt das daran, dass wir gar nicht wissen, was unsere Überzeugung ist. Besonders schweigsam sind wir aber oft, wenn wir Dinge anders sehen, als Andere. Wenn wir zum Beispiel NICHT erziehen. Also habe ich mich entschieden, über uns und die Kindheit unserer Tochter zu schreiben.

Ein Leben Ohne Erziehung

Unser Weg klingt erstmal exotisch, das weiß ich, auch wenn immer mehr darüber gesprochen wird, und immer mehr Eltern sich für denselben Weg entscheiden. Und zugegeben, es gehört auch etwas MUT dazu, klar und deutlich diese Haltung zu benennen. Mittlerweile kann ich das: Unsere Tochter wächst ohne Erziehung auf. Klingt irgendwie krass, nicht wahr?

Ich erkläre es dir.

Erziehung ist gemein. Aus dem Blickwinkel eines Kindes kannst du das nicht verneinen. Mehr noch. Ich sage: Erziehung ist Gewalt. Erziehungsgewalt Per Definition. Erziehung schadet, wenn sie zum Machtmissbrauch wird (was sie zwangsläufig wird). Erziehung ist allzuoft das Resultat einer (unbewussten)  anerzogenen ANGST, etwas falsch zu machen, Erwartungen nicht zu genügen.

Erzogene Kinder werden  zu erziehenden Eltern.

Es sei denn, sie entscheiden sich bewusst dagegen.

Wir haben uns also bewusst entschieden, auf Erziehung zu verzichten. Statt zu Erziehen, BEGLEITEN wir unsere Tochter.

Wir wollen nicht nur Mutter und Vater für unsere Tochter sein, sondern später auch mal richtig echte Freunde. Und Freunde stellen sich nicht gegen dich. Die sagen dir zwar knallhart, wenn was mies läuft, die geben dir Ratschläge, und ja die streiten auch mal richtig heftig mit dir. Aber Freunde arbeiten mit dir, nicht gegen dich. Sie sind Verbündete.

Ein Leben ohne Erziehung hinterlässt dabei keine Leerstelle.

Es gibt uns Raum für Beziehung, für Kommunikation und (kreativere) Wege miteinander den Alltag zu bestreiten, ohne dass wir die Verantwortung abgeben.

Beziehung statt Regelkatalog

Wenn der erwartete Nachwuchs aus Mamas Bauch auszieht, ist es für die meisten Eltern erstmal selbstverständlich, dass er*sie erzogen werden muss, WARUM und WOHIN auch immer. War hier am Anfang, um ehrlich zu sein, auch so. Die ersten Regeln stehen fest, bevor der Nachwuchs überhaupt entdeckt hat, dass er*sie zwei Hände besitzt, mit denen er*sie den ganzen Unsinn, der ihm*ihr da vorsichtshalber schon mal unterstellt wird, bauen kann. Aber: Dein Baby weiß noch gar nichts von seinem*ihrem Willen, den er*sie eines Tages kontrollieren und durchsetzen will. 

Babys sind nicht ansatzweise berechnend, sondern reagieren rein instinktiv auf ihre Bedürfnisse und sind dabei völlig eins mit der Welt. Es hat noch keinen Schimmer von deinen Erwartungen, von Wachstumsschüben und Schlafenszeiten. Trotzdem steht oft schon jetzt fest, dass mit Essen nicht gespielt und mit Sand nicht geworfen und in Pfützen barfuß nicht gesprungen und nach sieben Uhr geschlafen wird.

Das macht Man schließlich so.

Wer auch immer, dieser Man ist. Es gibt da diese ekelige Liste der Dinge, die ›Man‹ tut, oder eben nicht tut. Ein Verstoß gegen diese Liste macht dich irgendwie zu einem schlechten Menschen. Das macht nicht wirklich glücklich.

Sich davon zu lösen, wie ›Man‹ sein müssen sollte und stattdessen richtig Wir zu sein, ist ein schwieriger Weg. Und das erste ›Man Muss‹, das ich von meiner persönlichen Liste vor einer Weile gestrichen habe, ist also der Glaubenssatz ›Man muss ein Kind erziehen‹. – Da nämlich fängt der Rattenschwanz bereits an.

Meiner Tochter will ich den Regelkatalog an willkürlichen (!) Verhaltensmustern ersparen. Der schränkt  nur ein, frustriert unnötig, aber nutzt ihr nach hinten raus im Gegenzug gar nicht wirklich viel.

Viele  ›Man Muss‹ und ›Man Macht Das Nicht‹ sind nämlich erstmal nichts weiter als Erziehungsmechanismen, die gehorsam machen sollen. Sie repräsentieren irgendetwas, was irgendjemand  irgendwann mal so empfunden und festgelegt hat. Sie beschreiben nur exemplarisch, wie wir nicht sein sollten, aber nicht WARUM. Wo bleibt da die Beziehung?

Meine Tochter soll sie selbst sein, sich selbst gehören. Der Schlüssel dazu ist mMn Aufwachsen ohne ERziehung, in BEziehung zueinander.

Und weißt du, was das Interessante daran ist?

Trotzdem, vielleicht deswegen, wird sie ein sozial kompetenter Erwachsener. Genauso wahrscheinlich oder unwahrscheinlich jedenfalls, wie ein erzogenes Kind eben auch. 

Warum ich mir da so sicher bin? Weil wir alle ihr vorleben, wie unsere Welt funktioniert. Sie wird ihr Essen mit zwanzig also nicht mehr frustriert auf den Boden werfen, und auch nicht mehr in Pfützen springen (zumindest nicht in der schicken weißen Bluse auf dem Weg zum Bewerbungsgespräch). Es ist nicht nötig, sie ständig daran zu erinnern. Sie wird ihren Platz in unserer Gesellschaft finden, aber sie wird dabei hoffentlich ein viel besseres Ich-Gefühl haben, als du und ich.

Ich will ein Fanilienleben in dem Miteinander mehr zählt, als Gegeneinander - Zitat

Erziehungsfrei: Kooperation, Kommunikation und Nachahmung

Menschen sind von Natur aus soziale Lebewesen. Schon Babys fühlen instinktiv, dass sie auf den Kontakt zur Mutter (und zum Vater) angewiesen sind, und schenken ihnen ihr Engelslächeln.

Kinder wollen kooperieren. Schaffen sie nicht immer nach unseren Vorstellungen. Ist auch oft gar nicht einfach. Aber sie versuchen es, denn sie wollen dazugehören und ihren Platz in der Familie sichern.

Und: Sie wollen genauso sein, wie Mama und Papa, wie Oma und Opa und der*die liebe Kindergärtner*in und der*die megacoole Busfahrer*in. Kinder wollen Erwachsene werden wie wir. Sie lernen laufen, lernen sprechen, übernehmen unsere Mimik und Gestik, lernen, sich ohne fremde Hilfe anzuziehen, und greifen früher oder später  zum Besteck, obwohl das Essen mit den Händen eine sehr viel sinnlichere Erfahrung ist. Sie sind von Anfang an bemüht, uns NACHZUAHMEN.

Zu sein wie wir Erwachsenen, das bedeutet btw auch, den eigenen Willen durchzusetzen. Wir selber tun das jeden Tag und leben es unseren Kindern vor! Wir treffen Entscheidungen und setzen die durch. (Übrigens besonders stark und unnachgiebig, gerade wenn wir erziehen.)

Unsere Kinder verhalten sich also gar nicht ungewöhnlich, wenn sie ihren Willen durchsetzen wollen, sondern ahmen uns auch hier nach.

Sie wollen Entscheidungen treffen, wie wir es tun.

Meistens sind das sogar ziemlich banale Entscheidungen. Und meistens ist es dann eben wahnsinnig ungerecht, wenn Mama kommt und ›Nein‹ sagt und nach einem starren Regelkatalog erzieht, statt die Bedürfnisse dahinter zu sehen und nach echten Lösungen zu suchen. Kompromissbereitschaft ist eine dieser Tugenden, die wir paradoxerweise glauben anerziehen zu müssen, aber gerade durch Erziehung nicht mehr richtig vorleben können.

Das sollten wir uns einfach mal klar machen.

Kinder haben erstaunlich feinfühlige Antennen für das, was um sie herum passiert. Deswegen sind echte Beziehung, Vorbilder und ein richtig echtes authentisches Miteinander, so wichtig. Sehr viel wichtiger als prinzipienreitende Erziehungsnormen. Erziehung, um es mal hart auszudrücken, positioniert uns immer als den Feind unserer Kinder. Erziehung ist Widerstand. Statt einen gemeinsamen Weg zu gehen, stellen wir uns erzieherisch GEGEN sie. Das ist nicht wirklich erstrebenswert.

Unsere Aufgabe als Eltern sollte es sein, unsere Kinder individuell zu begleiten, anstatt auf Glaubenssätze zurückzugreifen, nach denen wir versuchen sie zu FORMEN, und sie dann auch noch verurteilen, wenn sie nicht in diese Form hinein passen. Wir sollten ihnen einen zuhause geben, in dem sie frei und freiwillig leben. Wir sollten ihnen geduldig zuhören und MIT ihnen sprechen. Ihnen vertrauen. Und sie wieder ernst nehmen.

Wir sollten.

Wir müssen nicht. Du musst nicht. ›Man‹ muss nicht ohne Erziehung leben. Das ist MEIN WEG. Deiner kann anders aussehen.

Erziehungsfrei ist keine Entbindung Von Verantwortung!

Was ist eigentlich Erziehung? Eine Annäherung an den Erziehungsbegriff findest du HIER

Wenn ich von Erziehung spreche, dann meine ich damit einen eindeutig definierten Handlungsrahmen. Schutz bei Gefahren, Schutz Dritter und das natürliche Vorleben von Verhaltensweisen erfolgt immer, und ist mit gewaltsamer Erziehung aus dem unerzogen Blickwinkel erstmal überhaupt nicht gemeint. Der Verzicht auf Erziehung bedeutet auch keine Regellosigkeit, kein Ausbleiben von Verantwortung. Kein Leben in einem erziehungsfreien Kokon. Erziehungsfrei entbindet mich nicht von der Pflicht, mein Kind zu schützen, zu führen und zu umsorgen, noch davon die persönlichen Grenzen Dritter zu bewahren. Es geht um die Haltung, mit der ich meinem Kind  gegenübertrete. Es geht um Reflexion. Es geht darum, zu hinterfragen und hinter dem, was ich sage und tue, dann überzeugt zu stehen.

Kein ›Man Muss‹, sondern ein ›Mir ist es Wichtig, dass‹.

Ist es mir wirklich wichtig, dass mein Kind beim Essen still am Tisch sitzt, dass sie um sieben im Bett liegt und Schuhe trägt, oder habe ich nur Angst, vor dem, was andere sagen könnten, weil ich selbst ja so erzogen wurde?

Wir Stellen uns vor | Unverbogen Kind Sein

Vielleicht schüttelst du gerade den Kopf.

Auf Erziehung zu verzichten klingt erstmal ziemlich abgedreht. Kann doch nichts Gutes bei raus kommen? Aber schaust du  dir meine Familie an: Du wirst auf dem Spielplatz oder beim Wocheneinkauf überhaupt nicht auf die Idee kommen, dass wir nicht erziehen, ich verspreche es dir. Du wirst eventuell meine Geduld bewundern. Oder belächeln. Mehr nicht. Mein Kind ist nicht „frech(er als andere)“, nicht anders, als Kinder eben sind.

Nur Unerzogen.

Mit dem Verzicht auf Erziehung stellen wir uns der Herausforderung, einen Weg zu finden, in Beziehung zu bleiben. Wir suchen echte Lösungen für echte Probleme, statt anerzogene Muster abzuspielen. Wir schauen nach Bedürfnissen. Wir schauen auf uns. Manchmal finden wir keine gute Lösung. Dann gibt es Frust und Tränen und Wut. Dann entschuldige ich mich, und beim nächsten Mal, finde ich vielleicht eine bessere Lösung.

Seit wir Nana begleiten, wissen wir kleine Dinge und Gesten wieder zu schätzen. Stöcke und Steine. Sand. Windräder. Vogelzwitschern. Ein Küsschen und ein High Five. Unser Kind hilft uns, die Welt wieder mit Kinderaugen zu sehen. Im Gegenzug begleiten wir sie auf AUGENHÖHE auf ihrem langen Weg ins Erwachsenenleben. Solange sie kann, soll sie sich ihre Kindlichkeit bewahren und ihr Kindsein leben. Unverbogen eben.

Ich lade dich  ein, uns auf unserem Weg ein Stück zu begleiten.

Vielleicht kannst du ein bisschen was für dein eigenes Familienleben mitnehmen. Vielleicht überschneiden sich unsere Wege, vielleicht schnupperst du nur interessiert rein. Schnall dich in jedem Fall an, die Fahrt wird vermutlich etwas ruppig. Los geht’s. Ich freue mich 

| Fiona

10/2021 Edit: Mittlerweile ist Nana fünf Jahre alt, kommt bald in die Schule und ist große Schwester geworden. Lili* ist ein Jahr alt. Wir leben mit unseren beiden Töchtern noch immer Erziehungsfrei. Genauso überzeugt, unperfekt, demütig und undogmatisch. -Vielleicht ein wenig undogmatischer als zu Beginn.
Familienleben ist bunt.
Es gibt nicht den EINEN Weg. Wir richten uns immer wieder neu aus, nach den Werten, die uns wichtig sind. Wir brauchen nicht perfekt sein, nur offen dafür, von und mit unseren Kindern zu lernen: Über sie, über uns, unsere Werte und Glaubenssätze, und darüber, dass VERbindung mehr lohnt, als ERziehung.

11 Kommentare

  1. Hallo Fiona, was mich interessiert ist eher Eure Partnerschaft. Dein Mann kommt fast kaum vor. Wie sieht sein Part im Leben seiner Tochter – und auch von Dir aus? Die Rollenverteilung liest sich bislang stockkonservativ, Mann arbeitet, Frau sitzt daheim und betüttelt das Kind. Ich sehe auch kaum Artikel, die sich um Dich als Person drehen, oder Dein Zusammensein mit dem Partner, abgekoppelt vom reinen „Muttersein“.
    Bislang klingt alles nach heiler Welt, die aber nur funktioniert, solange der Hauptverdiener Geld heimbringt. Mich würde es interessieren, welche Absicherung Du persönlich für den Fall hast, wenn diese Konstruktion einmal zerbrechen sollte. Eine Eheschließung ist kein Garant für lebenslange Partnerschaft. Wie sieht Deine finanzielle Situation aus, wenn die Ehe nicht trägt? Hast Du eine eigene Rentenversicherung, einen guten Ehevertrag? Eine Möglichkeit wieder in den Job zurückzukehren?

    Gespannt

    Juliana

    1. Hallo Juliana. Ich lasse ziemlich bewusst so ganz privaten oder gar bürokratischen Kram ein bisschen aus dem Blog raus, wobei es ja schon viele Einblicke gibt. In Bezug auf unsere Tochter gibt es auf dem Blog auch eine Rubrik in der Papa erzählt, aktuell leider etwas eingeschlafen, da mein Mann nicht ganz so schreibtüchtig ist, wie ich ^^ Tatsächlich ist unsere Rollenverteilung stark konservativ ausgerichtet und ich bin derzeit vollständig abhängig von meinem Mann. Ganz ideal ist das nicht. Ich bin aber auch erst vergangenen Herbst mit meinem Studium fertig geworden und von daher ohnehin noch nie so richtig abgesichert gewesen in meinem bisherigen Lebenslauf. Ein Bisschen Mut und Blauäugigkeit braucht es vielleicht auch. ich muss mich da gar nicht rausreden, ich weiß, dass es Menschen gibt, die (mit Recht) die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Ich arbeite daran mir ein Bisschen was aufzubauen, etwas zu finden, dass mich glücklich macht und die ein oder andere Lücke schließt. Für meinen Mann und mich ist die Situation, wie sie derzeit ist, gut. Wir sind glücklich. Und die Zeit wird zeigen, wohin die Reise geht. Natürlich eine Ehe ist kein Garant. Eine Arbeitsanstellung für ein gutes Leben aber auch nicht. Viele Grüße Xx Fiona

      1. Hallo, danke für Deine Antwort. Einen Garant für ein glückliches Leben gibt es natürlich nirgends, das war auch nicht meine Frage. Seit längerem bin ich schon auf Erziehungsblogs unterwegs und lese die Beiträge und mir fällt einfach auf, daß alle (!) bloggenden Mütter, die bestimmte Erziehungsideale leben und teilweise auch ziemlich missionarisch propagieren (das hält sich bei Dir jetzt in Grenzen), als einzige finanzielle Ressource den Ehemann haben.
        Ich war Dozentin für die IHK und sah dort dann die andere Seite, die in der Regel nicht gebloggt wird: Alleinerziehende, die in ein finanzielles Loch geraten waren, weil ihr Mann sie verlassen hatte und feststellen mussten, daß nach so langer Auszeit all ihre Diplome kaum wertvoller als Klopapier waren. Ein schwerer Schock für alle, besonders da der Mann nach aktuellem Recht nach drei Jahren die Zahlungen einstellen darf und der Unterhalt für die Kinder mit einfachen Winkelzügen auch schön gedrückt werden kann. Ich hatte einen Fall, der mir besonders im Kopf hängen blieb, da duldete eine Frau, die Gewalttätigkeit des Mannes, nur um die Ehe und damit ihrem Auskommen zu erhalten- eine Deutsche wohlgemerkt!
        Ich würde es begrüßen, wenn Du in Deinem Blog auch Themen besprechen würdest, die sich mit der Realität außerhalb der Biosphäre „Meine heile Welt“ drehen, denn bislang klingt alles schon ziemlich weltabgewandt und lebensfremd. Ich habe zwischen den Zeilen ständig Schiss, wie es für Dich sein könnte, wenn diese Blase platzt.

        Beste Grüße

      2. Danke, dass du dir Gedanken machst. Das finde ich nicht üblich. Ich fühle mich noch jung, und bin wie gesagt gerade erst mit dem Studium fertig, ich denke es wird sich noch zeigen, wo mein Platz in der (Berufs)Welt ist. Den ein oder anderen Plan habe ich zumindest im Kopf. Ich weiß, dass es eine Kehrseite gibt und das es nicht ohne Risiko ist, abhängig zu sein. Wobei diese Abhängigkeit sich nicht belastend anfühlt, und ich vermutlich ein ziemlich idealistischer Typ Mensch bin. Mal schauen, ob ich über die Thematiken nochmal etwas auf den Blog einfließen lasse. – Dass die meisten Bloggerinnen ein konservatives Rollenmodell leben, stelle ich allerdings in Frage. Alles Liebe.

    2. Hallo Juliana,

      haben die dich Erfahrungen als Dozentin verbittern lassen? Oder bist du von Haus aus eher kritisch unterwegs? Auch ich lebe aktuell dieses „stockkonservative“ Modell. Warum soll diese heile Welt nicht (mehr) funktionieren? Und selbst wenn diese vermeintlich heile Welt zerbricht, gibt es doch immer Möglickeiten. Wir leben in Deutschland. Muss sich eine Frau hier wirklich schlagen lassen um über die Runden zu kommen? Ich glaube kaum…
      Eine gebildete, selbstbewusste Frau die sich BEWUSST für dieses Lebensmodell entscheidet kann ich nur beglückwünschen.

      Sandra

  2. Hey,
    ich finde, du klingst unsympathisch und überheblich. Wieso gehst du automatisch davon aus, dass es irgendwen interessiert, wie du dein Kind (nur ein kind!) erziehst. Und wieso gehst du automatisch davon aus, dass andere das nicht verstehen. Du erklärst dich permanent. So natürlich kann deine Einstellung also garnicht sein?!
    Inhaltlich würde ich gerne den ein oder anderen Punkt diskutieren, aber so wie du schreibst, (ja, da bin ich mal Arschloch) gehe ich davon aus, dass du andere Ansichten nicht akzeptieren wirst. Als mir beim pinterest dein artikel vorgeschlagen wurde, hab ich wirklich gedacht:“nicht noch ein „unerzogen“ oder „Erziehung ist Gewalt“-Blog.
    Schade eigentlich…wahrscheinlich habe ich mir die Mühe umsonst gemacht. Erfahrungsgemäß wirst du meinen Eintrag sowieso nicht veröffentlichen.

    Trotzdem schöne Grüße

    1. Hallo. Natürlich wird deine Rückmeldung freigeschaltet, ich akzeptiere deine Ansicht. — Ich finde es schwierig zu sagen, was eine „natürliche“ Einstellung ist. ich empfinde meine als natürlich, und es fühlt sich auch nicht falsch an, so zu leben, du siehst das offensichtlich andres. Und das ist in Ordnung für mich. Die Motivation zum Schreiben dieses Blog kam durch eine Gruppe von Müttern, die mich dazu ermutigten. Daraus ist dies hier gewachsen und es liegt mir heute sehr am Herzen. -Aber natürlich ist niemand, wirklich niemand verpflichtet hier zu lesen. Es ist Anregung für die, die diese Anregung möchten. Darf ich erfahren, warum du reingelesen hast, wenn du an „noch so einem unerzogen Blog“ kein Interesse hast? Du kannst mich gerne per Mail oder in den sozialen Netzwerken kontaktieren, wenn du dich Austauschen magst. Ich bitte dich jedoch um Verständnis, dass ich nur auf ernstgemeintes Interesse eingehe, und nicht über gut oder falsch der Lebensweisen streiten mag. Liebe Grüße, Fiona

  3. Hallo,
    Eure Vorstellung und eure Einstellung zu ‚Erziehung‘ klingen sehr sympathisch, wir handhaben es ähnlich. Freue mich noch mehr von euch zu lesen!
    Greets cao

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