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(Rezension) Nina Henning: Valerie geht

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Kein Ratgeber, aber kein bisschen weniger wertvoll. Im Gegenteil. Heute stelle ich euch den Roman „Valerie geht“ (2026) von Nina Henning (alias Inke Hummel) vor.

Als ich gehört habe, dass Inke Hummel einen Roman schreibt, wusste ich sofort, den muss ich lesen. Denn, was diese Autorin anfängt, das macht sie mit Herzblut. Und jetzt ist er da! Ich lese nicht viel im Moment, aber „Valerie geht“ habe ich verschlungen.

In „Valerie geht“ begleiten wir die Protagonistin Valerie auf ihrem Weg, ihren Sohn Lio vom Kindergarten abzuholen. Sie hat den Bus verpasst und entscheidet sich, zu laufen. Von der Bushaltestelle bis zum Kindergarten ist es ein langer Weg und so bleibt viel Zeit zum Grübeln. Und das tut Valerie. Sie grübelt, über Mutterschaft, ihre Beziehungen, ihre Vergangenheit, und ganz besonders darüber, welche Diagnose zu ihr passen könnte. Denn in einem ist sie sich fast sicher: Etwas stimmt nicht.
Inke Hummel nimmt uns eindrucksvoll mit durch Valeries Gedanken und ihre Gefühlswelt und macht Selbstreflexion zum Mittelpunkt ihres 220 Seiten starken Romans.

Valerie geht: Selbstrefelexion in Bewegung

Valerie geht an einem sonnigen Tag. Während sie geht, nimmt sie ihren eigenen Charakter einmal gedanklich auseinander und setzt ihn wieder zusammen, und das unheimlich mitreißend, sympathisch und schonungslos ehrlich.
Wer bin ich eigentlich? Und vor allem: Wie?
Sie analysiert ihre Vergangenheit, durchlebt große Gefühle und landet dabei immer wieder in ihrer Kindheit und bei ihrem verstorbenen Mann. Und manchmal auch bei ihrem geliebten, aber fordernden Sohn Lio. Ganz alleine ist sie dabei nicht. Immer wieder gibt es kleine Begegnungen und eine gute Freundin, die ihr aus der Ferne zur Seite steht, fließend eingebunden in ihren Weg.

„Es muss ADHS sein, denkt Valerie wieder, das würde alles erklären.“
(Henning, Nina (2026): Valerie geht. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. Seite 5.)

Inke Hummel spielt in „Valerie geht“ insbesondere mit den Trends der heutigen schnelllebigen Zeit, und wie die immer abrufbaren Kachelbilder aus dem Instagram Feed unser Selbstbild beeinflussen. Die sozialen Medien sind voll mit Selbstdiagnose-Tipps und Infodumpings zu hundertundeiner Neurodivergenz und anderen Besonderheiten. Valerie kreist um diese instaschicken Kacheln mit Eyecatcher-Hooks wie Motten ums Licht, und irgendwie scheint alles zu passen. Zumindest ein bisschen. Oder vielleicht auch nicht.
Was macht das mit uns, wenn wir von Diagnosen überschüttet werden? Wie wichtig ist ein Label? Und kann man sich das wirklich so einfach selbstdiagnostizieren?

Valerie geht. Und denkt. Echt und voller Gefühle, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Eine Protagonistin, ein Weg und ihre Gedanken. Inke Hummels Roman ist genau das, und gerade das macht diesen Roman so stark. Der Roman ist unfassbar gut geschrieben. Valeries Weg verschmilzt mit ihren Gedankengängen. Gegenwart und Vergangenheit greifen ineinander. Und Dialoge lockern immer wieder das Grübeln auf. Inke Hummel nimmt die Leser*innen behutsam an die Hand und mit auf einen Spaziergang. Am Ende dieser kleinen Reise ist Valerie noch dieselbe, und doch verändert.

„Sie legt ihre linke Hand auf Herzhöhe auf den Shirtstoff, dann die rechte noch darüber, bleibt stehen und schließt die Augen. Es schlägt in ihre hohle Hand.
Ist das Leben? Lebendig sein?
Für immer in diesem Hetzgefühl? Für immer allein?“
(Henning, Nina (2026): Valerie geht. Fischer Verlag, Frankfurt a.M. Seite 170.)

Ich hätte Valerie gerne zur Freundin. Ich glaube wir würden lange, wertvolle Gespräche führen. Ich habe mich beim Lesen mehr als einmal ertappt wiedergefunden, musste hier und da Schmunzeln und an ein paar anderen Stellen, war ich zu Tränen gerührt. Und das haben wirklich noch nicht viele Bücher geschafft! Inke Hummel nimmt die Leser*innen mit ins Innerste von Valerie, und ein Stück in das eigene Innere auch.
Am Ende ist es ein bisschen, wie ein Wachrüttler.
Du wirst denken, ja! Genau das! Dann vielleicht in dich hinein Grinsen, auch mal die Augenrollen, und womöglich ein paar Tränen verdrücken. Für Valerie. Oder für das, was dieses Buch zwischen den Zeilen mit dir macht.
Die Frage, die bleibt: Wie geht es weiter? Für alle Möglichkeiten, die an so einen Weg anschließen können, stehen die Türen offen. Wie im echten Leben.

Ich wünsche mir eine Fortsetzung! Valerie ein Jahr später! Das wäre wirklich spannend.

Inke Hummel alias Nina Hennings Roman „Valerie geht“ (2026) hat bei mir einen echten Nerv getroffen. Es kam irgendwie im richtigen Moment mit den richtigen Impulsen. Danke Inke!
Ich bin restlos verliebt in dieses Buch, in die Geschichte und die Darbietung, und in all das, was Inke Hummel hier erschaffen hat und offen lässt. Einfach beim Gehen. Chapeau!

Ich bin begeistert, und hoffe, ich konnte bei euch auch einen kleinen Funken entfachen.
Von mir eine klare Empfehlung!
Eure Fiona

Die Rechte an Zitaten und dem abgebildeten Buchcover liegen bei Verlag und Autor*in.
Transparenz: Das Buch wurde mir kostenlos für die Rezension zur Verfügung gestellt. Die Rezension gibt meine persönliche Bewertung wieder.

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